photovoltaik Ausgabe:

Solar-Licht für die dritte Welt

Michael-A. Becker

Die LED-Lampe

Eben noch am überlegen, wo ich mein Handy heute noch aufladen kann (so viel Intersolar, so wenig Steckdosen), erweckt ein Produkt meine Aufmerksamkeit, dass ich zunächst nicht genau einordnen kann. Es ist Orange, es ist so groß wie eine mutierte Taschenlampe, hat einen eisernen Bügel und könnte dazu geeignet sein unter Wasser Haie zu erschrecken. "Pico" nennt sich die LED-Lampe, welche ich kurze Zeit später in der Hand halte. Während ich überlege, ob ich wohl auf einen der beiden Knöpfe drücken soll, erscheint auch schon ein Mitarbeiter, welcher mich vor meiner Verzweiflung rettet und mir erklärt, wie dieses tragbare Solarsystem mit Lampe funktioniert. Und tatsächlich verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Gerät nicht nur eine sehr einfach zu bedienende Solarlampe, sondern ein komplettes System, mit dessen Hilfe Menschen in der dritten Welt sehr günstig Licht in ihre Wohnung bekommen und gleichzeitig viele weitere Geräte aufladen und bedienen können.

Die Idee dahinter: Heutzutage gibt es leider noch genügend Regionen auf der Welt, in denen Menschen auf Grund fehlender Infrastruktur kein elektrisches Licht in ihrem Heim besitzen. Hier kommt der "Pico" zum Einsatz. Geeignet für kleine und mittelgroße Behausungen, können entweder Familien oder auch ganze Dorfgemeinschaften ein Set erwerben. Da das System skalierbar ist und obendrein ein Reihe von verschiedenen Anschlussmöglichkeiten bietet (Power Box, Dual USB Hub, Auto Adapter, Kippschalter zur Lichtsteuerung), können sich die Bewohner auch gegenseitig unterstützen. Vorstellbar wäre, dass sich eine Familie einige der leicht zu installierenden kleinen PV-Module an der eigenen Hütte installiert und so mehrere Lampen und Aufladestationen für Besucher betreiben kann.

Die Pico Lampe ist allerdings nicht zwangsweise auf ein Solarmodul angewiesen, sondern kann auch mit einer 12V Batterie oder einem AC Adapter betrieben werden. Die Lampe lässt sich dank dem Bügel sowohl an der Decke befestigen, irgendwo aufhängen oder auch hinstellen und bietet so die einfache Möglichkeit seiner Arbeit in den frühen Morgen- oder Abendstunden nachzugehen. Durch einen Touchsensor wird die Lampe stufenweise bedient, von einem leichten diffusen Licht bis hin zu einer kräftigen Beleuchtung, die locker langt, um einen wilden Löwen in die Flucht zu schlagen (zumindest aber genug, um mich zu blenden).

Die LED erreicht dabei bis zu 120 Lumen bei einer Lebensdauer von 50.000 Stunden. Die Hauptkomponenten sind auswechselbar. Der hochmoderne Akku wird von einem Controller gesteuert, der dessen Leistung auf bis zu 55 Stunden aufrecht erhält. Das Gehäuse ist spritzwassergeschützt, stoßfest und äusserst robust in der Anwendung, wie ich selber feststellen durfte, nachdem der Mitarbeiter die Lampe in die Ecke geschmissen hatte. Eine sinnvolle Ergänzung ist ein fluoreszierender Ring, welcher grün leuchtet und so das Auffinden der Lampe im dunklen erleichtert. Pico ist ein Produkt der Firma Phocos, welches in Halle A6.221 zu sehen und zu testen ist.

Ich halte diese LED-Lampe für ein innovatives und vor allem hilfreiches Produkt, welche, entsprechende Projekte vorausgesetzt, Licht in die Behausungen vieler Familien bringen kann, welche, auf Grund ihres Wohnortes (z.B. ein abgelegener Hof, ein Fischerboot, eine Krankenstation oder Schulen mitten im Busch) keinen elektrischen Anschluss haben. Licht, dass vorher bestenfalls mit Kerzen oder durch Benzin/Dieselgeneratoren erzeugt wurde, kann so ökologisch sinnvoll, aber trotzdem kostensparend erzeugt werden.

Literatur

Fussnoten

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