1 GWp-Deckel in Deutschland?

21. November 2011 | Karl-Heinz Remmers

Die deutsche Regierung hat keinen Plan für die Energiewende!

Die globale Photovoltaikindustrie hielt am Donnerstag der vergangenen Woche den Atem an. Laut eines Zeitungsberichts hatte der Bundeswirtschaftsminister Rösler (FDP) einen Deckel für den deutschen Markt in Höhe von einem Gigawattpeak gefordert. Begründung: Das schnelle Wachstum der Photovoltaik sei zu teuer und außerdem technisch nicht zu bewältigen.  Bereits in den Tagen davor war aufgrund einer offenkundigen überhöhten Schätzung für die mittelfristige Entwicklung der Kosten aus dem EEG die Diskussion über die Kosten der Photovoltaik erneut in Gang gekommen. Wie in allen Runden zuvor meldeten sich auch in diesem Fall die üblichen Politiker zu Wort, um ein Ende oder eine massive Beschneidung der Technologieförderung für die Photovoltaik zu fordern. Die Forderung aus dem Wirtschaftsministerium hatte dann aber ein ganz anderes Gewicht und platzte mitten in die Eröffnung und Politiksession des 12. Forum Solarpraxis (Video davon unter http://www.photovoltaik.eu). 

Auf der Konferenz waren über 850 Vertreter der Photovoltaik-Industrie zusammengekommen, um unter anderem über die weitere Entwicklung der weltweiten Märkte zu sprechen. In die allgemeine Unsicherheit der Märkte verschärfte die Meldung einerseits die Diskussion auf dem Podium und schuf andererseits wie ein Lauffeuer international große Verwirrung. Als Brandbeschleuniger kam eine Beleidigung des gesamten Auditoriums von Seiten des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU, Joachim Pfeiffer, hinzu. Er ließ sich dazu hinreißen, die Anwesenden sinngemäß als „quakende Frösche im Sumpf, der nun auszutrocknen sei“, zu beschimpfen. Allein der Anstand dürfte viele Anwesende im Saal darin gehindert haben, Pfeiffer eine zweite öffentliche Backpfeife zu geben (Pfeiffer wurde 2004 „berühmt“, nachdem er wegen seiner unflätigen Äußerungen gegen den damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg vom damaligen Staatsminister Palmer geohrfeigt wurde, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Pfeiffer). 

Er gilt nach wie vor als Atomfreund und hat auf dem 12. Forum Solarpraxis einmal mehr deutlich gemacht, wie sehr er Solartechnik hasst. Der Vertreter der FDP, der umweltpolitische Sprecher Michael Kauch, stand der Solartechnik trotz einiger auch deutlicher Kritikpunkte erheblich offener entgegen und dementierte auch im Laufe des Tages über eine Presseerklärung die Forderung nach dem Deckel. Bereits nach seiner Eröffnungsrede hat der Staatssekretär des Bundesumweltministeriums (BMU) sehr deutlich klar gemacht, dass sich das BMU vehement gegen einen Deckel wehren wird. Dennoch dürfte die Bundesrepublik eine solche Szene selten erlebt haben - die öffentliche Beschimpfung und Verunglimpfung einer allein in Deutschland 25 Milliarden Euro schweren Zukunftsindustrie durch Vertreter der Regierungsparteien. 

Die Scharmützel sind indes bezeichnend für die planlose und von vielen auch nicht wirklich getragene Umsetzung der Energiewende. Besonders krass dürfte dabei vor allem für die Beobachter aus dem Ausland die Tatsache sein, dass insbesondere das für Wirtschaftsförderung eigentlich verantwortliche Bundeswirtschaftsministerium auch weiterhin mit aller Kraft gegen die Photovoltaikindustrie arbeitet. Ja - die Bundesrepublik erlaubt sich in der Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts auch weiterhin einen bizarren Machtkampf innerhalb der Regierung. Macht das Umweltministerium etwas Positives, hält das Wirtschaftsministerium eben dagegen - vollkommen egal, ob da 100.000 Arbeitsplätze und eine massive Technikbranche auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette entstanden sind. Noch immer kämpfen die Hardliner aus CDU/CSU und FDP gegen die vermeintliche „Rot/ Grüne“-Solartechnik und haben es noch immer nicht begriffen dass andere Nationen aktiv daran arbeiten Deutschland die „Photovoltaik- Krone“ zu entreißen. Bizarr. 

Die Diskussion und die Angriffe werden auch weitergehen, es sei denn den progressiven Kräften in CDU/CSU und FDP gelingt es endlich, diese Diskussion auf die notwendige sachliche Kritik herunterzufahren. Bis dahin werden die altbekannten Argumente „zu teuer“ und die neuen Argumente „technisch nicht machbar“ auch weiterhin in Wellen massiv auf den weiteren Ausbau der Photovoltaik treffen. Energiewende hin oder her, Gesetze machen eben noch kein verfestigte Meinung und daher muss die Branche auch weiterhin vehement für die Technik kämpfen.

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Volker Hense aus Bonn

Freitag, 25.11.2011 10:51

Lieber Herr Remmers, liebe Solaris, ich bin seit einer Weile in der Branche, jetzt tätig als selbständiger Sachverständiger und Projektmanager. Ich habe mit großen Augen und Ohren das Konferenzvideo [...]

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Kommentare 1 - 2 von 2

Volker Hense aus Bonn

Freitag, 25.11.2011 10:51

Lieber Herr Remmers, liebe Solaris,
ich bin seit einer Weile in der Branche, jetzt tätig als selbständiger Sachverständiger und Projektmanager. Ich habe mit großen Augen und Ohren das Konferenzvideo gesehen und bin ehrlich gesagt sprachlos. Da wird eine Umlage von 3,5ct verteitigt, wo ich mich frage, wer das denn festlegt. was dabei meines Erachtens nach völlig vergessen wird, ist, dass für die Umlage ja auch ein Gegenwert kommt. die Kosten beispielsweise für die Endlagerung atomarer Abfälle wird Milliarden kosten über hunderte von Jahren, wo es überhaupt keine 'Gegenleistung' für gibt. Nach meinem Verständnis gibt es ein übergeordnetes Ziel, nämlich den Erhalt unseres Planeten, so pathetisch das auch klingt. Da werden parteipolitische Scharmützel ausgetragen und das große Ziel gerät völlig aus dem Blickfeld. "Unter schwarz-gelb ist die Branche am stärksten gewachsen..." ja, aber doch nicht wegen sondern trotz... Ich hatte jetzt neulich die Gelegenheit mit einem Europamanager eines chinesishen Herstellers zu reden zum Thema, warum wird China Marktführer in der PV. Die Antwort war ebenso einfach wie verblüffend: "Weil es politisch gewollt ist.."
Nachdenkliche Grüße an Alle.
Volker Hense

Nils Scharla aus Bochum | http://www.nilssun.de

Mittwoch, 23.11.2011 20:35

Nur eine solide politische Grundlage ermöglicht den Weg zu erneuerbarer Energieversorgung.

Durch die Reduzierung der Einspeisevergütung in den letzten Jahren und den dadurch entstandenen Preisdruck gegenüber allen Marktteilnehmern konnte die Photovoltaik kostengünstiger werden als alle anderen erneuerbaren Energieträger im gleichen Zeitraum.

Dies geschah, durch eine solide Grundlage des EEG und teilweise langjährige Investitionen aller beteiligten Unternehmen des Marktes, in eine kostengünstigere und effizientere Produktion.

Nun sollte dieser Weg weiter gegangen werden und der „Mix“ der Erneuerbaren Energien in die Stromnetze integriert werden.

Eine Deckelung würde die solide Grundlage des EEG beenden und die Unternehmen der Branche und ihre langjährigen Investitionen gefährden.

Grüße aus Bochum

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