Auf ein Wort
16. Mai 2008 | Karl-Heinz RemmersEs ist wirklich nicht zu fassen! Fast täglich werden neue Höchststände beim Ölpreis vermeldet. So kostete beispielsweise Dienstag dieser Woche ein Barrel Öl in New York fast 127 US-Dollar, obwohl die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris zuvor sogar noch einen Rückgang der Nachfrage nach Öl vorausgesagt hatte. In Deutschland hat sich der mittlere Bezugspreis für 3.000 Liter Heizöl auf über 92 Euro/100 l und damit um mehr als 280 % gegenüber Mai 2003 erhöht. Die Heizkosten für ein klassisches Einfamilienhaus schlagen daher mit fast 2.800 Euro anstelle von knapp 1.000 Euro in 2003 zu Buche. Zudem bleibt festzuhalten, dass außer der Mehrwertsteuererhöhung seit 2003 keine weiteren Steuern wie etwa Ökosteuern aufgeschlagen wurden. Die Mehrkosten fließen somit nahezu 1:1 ins Ausland ab. Gleichzeitig entwickelt sich eine Abwärtsspirale in den Haushaltskassen: Fehlt wegen der hohen Ölpreise das Geld, können keine sinnvollen Investitionen in bessere Heiztechnik oder Wärmedämmung getätigt werden. Auch sind die Verbraucher angesichts der vielen Optionen und politischen Ankündigungen nach wie vor verunsichert.
Die Politik ist also dringend gehalten, mit Neuregelungen die notwendige Unabhängigkeit von Energieimporten stärker zu forcieren, preiswerte Energie zur Verfügung zu stellen und somit im wahrsten Sinne des Wortes „Verbraucherschutz“ zu betreiben. Sie sollte etwa im Wärmebereich stärkere Vorgaben setzen: Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz muss den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien nicht nur in Neubauten vorschreiben, sondern auch bei bestehenden Gebäuden. Außerdem sollten gerade finanziell schwächere Hausbesitzer mit langlaufenden, zinsgünstigen Darlehen bei der Modernisierung unterstützt werden. Im Bereich von Wohngebäuden ist eine Neuregelung des Mietrechts und der Umlage der Investitionen dringend erforderlich. Hierbei muss das bisher bestehende Gegeneinander von Mieter und Vermieter schnell beseitigt werden, da beide Parteien im gleichen „Energiepreisboot“ sitzen. Denn kann ein Mieter hohe Kosten für die Heizung einfach nicht mehr zahlen und gerät so mit den Mietzahlungen in Rückstand, hat der Vermieter ein Problem. Daher sollten beide Parteien fair an den Investitionen und den sofort eintretenden Einsparungen bei den Energiekosten beteiligt werden. Auch eine Anpassung der steuerlichen Bedingungen rund um die energetische Sanierung von Gebäuden ist notwendig, um den Investitionswillen nicht durch Steuerfallen zu bremsen. Die isolierte Betrachtung von Marktanreizprogramm, KfW-Darlehen, Wärmegesetz, EnEV-Novelle und Steuern muss deshalb sofort durch eine umfassende Betrachtung des Themas ersetzt werden.
Ihr
Karl-Heinz Remmers
Vorstandsvorsitzender der Solarpraxis AG
