Auf ein Wort
22. Januar 2009 | Karl-Heinz RemmersDas Jahr 2008 war ein turbulentes Jahr: Erst die EEG-Novellierung, die nach dem starken Engagement von Branche und Öffentlichkeit weniger drastische Förderkürzungen beinhaltet, als befürchtet. Im Herbst dann die Finanzkrise. Die akute Gefahr einer Katastrophe scheint derzeit zwar gebannt, aber die Folgen sind für uns alle nicht absehbar. Dennoch gehen viele Berichte und Untersuchungen davon aus, dass die dynamische Entwicklung der erneuerbaren Energien auch weiterhin ungebrochen bleibt. Zur Stabilisierung hat am 16. Dezember 2008 Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) staatliche Hilfe zugesagt. Die Förderbank KfW wird dabei eine Schlüsselrolle übernehmen und deren Kreditobergrenze für entsprechende Projekte soll von zehn auf 50 Millionen Euro erhöht werden. Mit großen Hoffnungen verbunden ist das ebenfalls Mitte Dezember 2008 verabschiedete EU-Klimapaket: Mit ihm hat die EU nun ihre grundsätzlichen Ziele bis 2020 festgelegt, 20 Prozent der CO2-Emissionen zu senken und beim Energieverbrauch 20 Prozent aus erneuerbaren Energien bereitzustellen. Sicher ist, dass es sowohl für die Branche als auch für uns in diesem Jahr spannend bleibt. Es wird sich zeigen, wie sich das Inkrafttreten der EEG-Novelle tatsächlich auswirken wird. Werden die die Konjunkturprogramme die Branche befördern oder sie im Zuge der Rezession eher nur stützende Elemente sein?
Und im Wärmebereich? Wie wird sich das, von Kompromissen und Angst der einiger Teile der Erneuerbare-Energien-Branche vor der eigenen Courage geprägte Wärmegesetz in Deutschland auswirken? Wird es mehr Solarthermieanlagen oder nur noch Pelletheizung und Wärmepumpen im Neubau geben? Oder nichts, weil einfach ein Tick mehr Wärmedämmung ausreicht? Bleibt zu hoffen, dass die Marktpartner einen Weg finden, mit der neuen Epoche auch neue Chancen zu nutzen und damit den zu erwartenden Markteinbruch durch die gesunkenen Öl- und Gaspreise zu vermeiden.
2009 hat ja, wie wir alle wissen, mit einen bekannten Ritual begonnen: Russland hat der Ukraine den Gashahn zugedreht. Nichts Neues, denkt man zunächst. Die beiden streiten sich einmal mehr um Geld und Macht. Sollen die sich ruhig einmal streiten, sagte noch die tschechische EU-Ratspräsidentschaft am Neujahrstag. „Wir mischen uns in den Wirtschaftsstreit nicht ein.“ Das ging vier Tage gut, bis in Südosteuropa die Heizungen und die Lichter ausgingen, denn die Russen hatten den Hahn gleich für ganz Europa zugedreht. Seitdem herrscht hektische Betriebsamkeit, während die Menschen im Südosten der EU weiter frieren.
Während ich das hier schreibe, hat GAZPROM die für heute morgen vereinbarte Wiederaufnahme der Belieferung erneut gestoppt. Das Argument: Die Ukrainer hätten erneut Gas gestohlen. Ob zum einen die westeuropäischen Regierungen und die Bundesregierung, zum anderen aber auch die Verkäufer von Gas und die Verbraucher nun endlich verstehen? Abhängigkeit von einzelnen Importeuren bringt früher oder spätere katastrophale Preiserhöhungen, oder in Analogie zur alten Verbrämung von Atomkraftgegner sarkastisch gesagt: „Gaskunden überwintern bei Dunkelheit mit kaltem Hintern.“ Aufwachen sollten sie! Und nicht warten, wie bei der Finanzkrise, bis alles zu spät ist, nur weil eben keiner glauben wollte, dass alles Betrug ist. Eines nicht allzu fernen Tages sieht sich sonst Westeuropa mit Preisverdoppelungen oder gar einem „Abdrehen“ konfrontiert, wenn Indien oder China das Gas kaufen. Im Vergleich dazu, wäre die Autokrise nur ein laues Lüftchen. Diese Krise würde die gesamte Industrie und die Bevölkerung mit einem extrem hohen Preis bezahlen. Alle, die heute mit Gasgeschäften Geld verdienen, bräuchten einen „staatliche Rettungsschirm“ ohne Aussicht auf Erfolg.
Also einmal mehr. Die Alternativen sind da: Dämmung, echte Effizienz (denn das Wort „Effizienz“ verkommt ja immer mehr zum Lippenbekenntnis der Verhinderer) und erneuerbare Energien.
