Scharfe Warnung vor der politischen Entwicklung!

21. Februar 2012 | Karl-Heinz Remmers

Die politischen Beratungen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) und des Bundesumweltministeriums (BMU) haben sich vollkommen von der Öffentlichkeit abgekoppelt. Intern wurden an die Mitarbeiter der Ministerien harte Maulkörbe verteilt und auch offenbar knallhart mit Disziplinarverfahren gedroht, falls noch irgendwas nach draußen dringt. Der gesetzlich notwendige Dialog mit der Branche wurde eingestellt. Somit wird nun von Bürokraten unter dem Druck des angeschlagenen Wirtschaftsministers und der neoliberalen Solarfeindefraktion irgendetwas erarbeitet, egal wie unsinnig und destruktiv das auch immer ist.

Offenkundig wird die Branche auch nun gar nicht mehr einbezogen, was vor dem Hintergrund der technologischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Photovoltaik einfach nur unfassbar ist. Es verstößt auch gegen die Prinzipien von Gesetzgebungsverfahren; denn eigentlich gilt, die Beteiligten bzw. Betroffen einzubeziehen. Diesmal ist es aber anders: Es ist wie ein Urteil, das gefällt werden soll. Die Angeklagten werden dabei nicht gehört. Gut, das muss dann gegebenenfalls später das Verfassungsgericht prüfen, was die beiden Ministerien da nun aushecken. 

Was bis vor anderthalb Wochen nach draußen drang oder auch kommuniziert wurde (Volllaststundenmodelle oder Kappung der Vergütung bei 80 Prozent), wäre jeweils innovationsfeindlich. Zudem hätte eine Einmalabsenkung zum 1. April von mehr als 30 Prozent entsprechend fatale Folgen für die deutsche Solarbranche. Frei nach dem Motto: Ging bisher ja immer, also weiter runter. Das mittlerweile fast alle Unternehmen rote Zahlen schreiben (auch in China), ist dabei egal. Wie schon beschrieben ist es auch egal: Wenn Rösler Alufelgen verbieten wollte, um sich zu profilieren, würde er auch das tun.

Die in der Tat bisher einfallslose Kommunikation der Branche (Kollegen: Man kann nicht so tun, als gäbe es die politische Welt nicht) wird nun also auch genutzt, um gar nicht mehr zu reden. Nachdem Umweltminister Norbert Röttgen erst mit dem BSW-Solar vor laufenden Kameras "Friede, Freude, Eierkuchen" gespielt hat (es gab ja nichts, was hätte vereinbart werden können, da die Branche eben nichts angeboten hatte), ist er intern dazu übergegangen, mit dem BMWi Fakten zu schaffen - wie schon beschrieben nun ohne jede Rücksprache. Und das geht so überhaupt nicht.

Eine zweite, aus meiner Sicht hochgradig dümmliche Linie aus den Kreisen des BMWi und der Solarfeinde geht etwas so: Den deutschen Firmen ist eh nicht zu helfen, also brauchen wir das auch nicht mehr zu tun. Also weg mit denen. Unfassbar, aber es ist real: Einmal mehr (und das kennen wir aus anderen Branchen) begreift sich das BMWi offenbar als oberster Marktradikaler weltweit und rafft es nicht einmal, dass man im globalen Wettbewerb höchstens ausgelacht wird. Aber sonst nichts, denn weder US-Amerikaner, Japaner, Koreaner, Chinesen noch sonst wer lässt sich seine heimische Hightech-Branche kaputt machen - schon gar nicht mit „friendly fire“ aus dem eigenen Wirtschaftsministerium. Man kann es auch anders ausdrücken: Das BMWi bekämpft die eigene Wirtschaft und mault gleichzeitig darüber, dass eben andere Länder ihre Hightech-Betriebe unterstützen. In Deutschland werden diese - weil sie nach der Lesart der Bürokraten eh nichts taugen - eben exekutiert, egal was sie in Wirklichkeit können. Ich kenne alleine mindestens 200 Firmen in Deutschland in verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette, die sich sehr wohl entwickeln und auch anpassen. Und die eben in Zeiten der harten Anpassungen und eines knallharten internationalen Wettbewerbs zu Hause Support und nicht Häme sowie Dümmlichkeit brauchen. Denn wir stehen erst am Anfang, nicht am Ende!

Also: Es ist höchste Zeit, laut zu werden, und diesmal richtig. Denn sonst wird es nicht verstanden, dass man so nicht mit einer Hightech-Branche umgehen kann. Es darf nicht sein, dass so wichtige Gesetze wie das EEG auf Basis fragwürdiger Zahlen der Bundesnetzagentur und aus blankem Hass auf "diesen grünen Unsinn" im Quartalstakt geändert werden. Auch geht das überhaupt nicht über Nacht. Zudem kann man nicht mit großer Mehrheit eine Energiewende beschließen, um gleich danach die am schnellsten wachsende erneuerbare Energie abzuschlachten. 

Ich möchte alle Unternehmer und Aktiven warnen, denn in wenigen Tagen dürfte ein gewaltiger, ja wohl der schlimmste Angriff bisher überhaupt auf die Branche hereinbrechen.

Lassen wir uns das nicht gefallen! Sinnvolle Anpassungen ja - Profilneurosen und Hass nein!

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA Bild zum Spamschutz  

Stefan Hief aus Frankfurt

Mittwoch, 22.02.2012 17:58

Außerdem sollte jeder Bürger der Atomstrom bezieht eine hohe Risikoumlage zahlen. Dann bräuchten wir keinen EEG-Zuschuss beim Strompreis... Innerhalb von einem Jahr die Einspeisvergütung um 50% zu [...]

Helmut Enzmann aus Beeskow

Mittwoch, 22.02.2012 11:03

Es zeigt sich einmal mehr, dass die Demokratie in Deutschland eine Farce ist. Wie kann es möglich sein, dass eine 2 Prozentpartei einen derartig großen Einluss ausüben kann. Hier stimmt doch grundsätzlich [...]

Michael Stark aus Leipzig

Mittwoch, 22.02.2012 08:36

Was können wir in dieser Situation noch tun? Selbst der ach so große BSW zeigt sich wie ein Kaninchen vor der Schlange: Hier und da mal eine Erfolgsmeldung über erreichte Ergebnisse der Vergangenheit [...]

Nils Scharla aus Bochum | http://www.nilssun.de

Dienstag, 21.02.2012 21:00

Dito, kann dem Artikel nur zustimmen. Lasst der Branche ihre Planungssicherheit und in Zukunft werden alle von profitieren.

Tina Ternus aus Rüsselsheim | http://www.photovoltaikbuero.de

Dienstag, 21.02.2012 15:07

@Andreas Kühl da die dena ja nicht etwa eine unabhängige Agentur ist, sondern zu über 50% von den großen Energiekonzernen (e.on, RWE, EnBW, Vattenfall)finanziert wird, verwundert die Aussage von Herrn [...]

Weiterlesen
Kommentare 1 - 7 von 7

Stefan Hief aus Frankfurt

Mittwoch, 22.02.2012 17:58

Außerdem sollte jeder Bürger der Atomstrom bezieht eine hohe Risikoumlage zahlen. Dann bräuchten wir keinen EEG-Zuschuss beim Strompreis... Innerhalb von einem Jahr die Einspeisvergütung um 50% zu senken und das noch innerhalb von 5 Wochen - so kann niemand mehr planen. Die Branche hat sich auf den 30.06. eingestellt. Mit 15% hätte man leben können. Bei 30%, wir haben es bereits ausgerechnet, wird kein deutscher Modulhersteller überleben können. Wir sind jetzt aktuell im EK bei ca. 0,75 ct./W für chinese Premiummodule (deutsche liegen bei 1 €). In der gesamten Kette mit Wechselrichtern, Unterkonstruktion, Kabeln, Zähler, ggf. Trafo und den Handwerkern kommen nochmals rd. 0,75 ct/W hinzu. Der Stahlpreis sinkt nicht für die UK. Kupfer wohl auch nicht für Kabel etc. Man könnte die Handwerkerlöhne um 30% kürzen (dann besser Hartz4). Damit die Rentabelität bleibt müßte also der Modulpreis um ca. 60% sinken. Klappt aber auch nicht, da hier bereits der Transport eingeschlossen sind. Die Modulpreise lagen im EK im November 2010 noch bei 1,42 €/W - jetzt bei der Hälfte (wir sprechen vom EK im Megawattbereich). Weitere 60% Reduzierung des Modulpreis bedeutet somit: 0,43 ct/W (inkl. 5ct Transportaufwand). Das ist unter den Herstellungskosten in China. Weltweites Ziel sollte es einmal sein ca. 50% des Stromes mit PV zu machen. Momentan sind wir in D. bei rund 5%. Auch wenn 50% PV-Strom in D. nicht sinnvoll sind. 20% können effektiv genutzt werden. Alternativ mit Speichersystemen (Smard Grids) zu arbeiten und Netze auszubauen - auch dafür können wir uns aussprechen. Oder es packt doch jemand das Freie Energie-Konzept aus - dann brauchen wir PV nicht... (alle Preise netto)

Helmut Enzmann aus Beeskow

Mittwoch, 22.02.2012 11:03

Es zeigt sich einmal mehr, dass die Demokratie in Deutschland eine Farce ist. Wie kann es möglich sein, dass eine 2 Prozentpartei einen derartig großen Einluss ausüben kann. Hier stimmt doch grundsätzlich was ncht ...

Michael Stark aus Leipzig

Mittwoch, 22.02.2012 08:36

Was können wir in dieser Situation noch tun? Selbst der ach so große BSW zeigt sich wie ein Kaninchen vor der Schlange: Hier und da mal eine Erfolgsmeldung über erreichte Ergebnisse der Vergangenheit als Lebenszeichen.. vielleicht ist es auch so still, weil der 1. Vorsitzende des BSW gleichzeitig im Aufsichtsrat von EnBW sitzt ?!

Nils Scharla aus Bochum | http://www.nilssun.de

Dienstag, 21.02.2012 21:00

Dito, kann dem Artikel nur zustimmen.
Lasst der Branche ihre Planungssicherheit und in Zukunft werden alle von profitieren.

Tina Ternus aus Rüsselsheim | http://www.photovoltaikbuero.de

Dienstag, 21.02.2012 15:07

@Andreas Kühl
da die dena ja nicht etwa eine unabhängige Agentur ist, sondern zu über 50% von den großen Energiekonzernen (e.on, RWE, EnBW, Vattenfall)finanziert wird, verwundert die Aussage von Herrn Kohler nicht wirklich...

Martin Deditsch aus Bergen

Dienstag, 21.02.2012 15:01

Der Artikel spricht mir aus der Seele besser hätte ich`s auch nicht schreiben können!!

Andreas Kühl aus Berlin | http://www.energynet.de

Dienstag, 21.02.2012 10:44

Unterstützung erhalten die Herren Politiker ja noch von der dena. Herr Kohler meint ja wir bräuchten keine Modulfertigung in Deutschland, nur die Hersteller der Maschinen, andere können das sowieso billiger.

Diesen Blogeintrag teilen


Heft 05 / 2012

05 / 2012

Mit voller Härte
Der Kahlschlag in der Solarbranche.

Bestellen Sie dieses Heft

Copyright 2012 © Photovoltaik

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

Werden Sie jetzt Abokunde und lassen Sie sich die photovoltaik monatlich nach Hause liefern!