Schweinedeals bei Schwarz-Gelb in Berlin: Fällt die deutsche Photovoltaik-Industrie?

14. Dezember 2011 | Karl-Heinz Remmers

Jeder hat schon einmal von den sogenannten Schweinedeals in der Politik gehört. Diese laufen in der Regel so ab: Ein Koalitionspartner oder Gruppen innerhalb der Parteien wollen ein Anliegen durchsetzen, für das sie intern eigentlich keinerlei Mehrheit haben oder was vollkommen destruktiv auch für die eigene Regierung ist. Gleichzeitig benötigt die Regierung dringend die Zustimmung aller Abgeordneten in einer vollkommen anderen, gegebenenfalls sehr wichtigen Sache für das Land. Tja - und dann sind wir beim Schweinedeal: Die oftmals laut schreiende Minderheit erringt eine vollkommen unsinnige Entscheidung. 

Im Jahr 2012 könnte durch die aktuelle Konstellation in der stark angeschlagenen Regierung damit die deutsche Photovoltaik-Industrie komplett unter die Räder kommen, wenn sich die Randgruppen mit ihrer Forderung nach einem 1-Gigawatt-Deckel in Deutschland durchsetzen. Und sowohl die Spitzen der Union als auch die FDP sind für seltsame Entscheidungen bekannt (siehe z.B. Atomlaufzeitverlängerung gegen den Willen des Volkes und später Abschaltung der Atomkraftwerke über Nacht). Das Treiben muss daher dringend aufgezeigt und demaskiert werden. Sonst ist eine Schlüsseltechnologie verloren. 

Während die FDP-Führung, trotz großer Zustimmung innerhalb der eigenen Partei für die Technologie, derzeit knallhart gegen die Photovoltaik positioniert und der Wirtschaftsminister dringend mehr Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energien fordert, ist innerhalb der CDU/CSU-Führung die Photovoltaik durchaus angesehen. Sie hat auch in der Basis neben bekennenden Solarfeinden ein breites Feld von Unterstützern aufgebaut. Das ist den Solarfeinden ein Graus und sie wollen dem immer ungeliebten rot-grüne Kind Photovoltaik nun endgültig ans Leder, nachdem es ihnen bisher nur gelungen ist, in Scheibchen Dinge kaputt zu machen, vor allem aber die Stimmung gründlich zu vergiften.

Die wesentlichen Solarfeinde finden sich im Wirtschaftsflügel der Union, namentlich profilieren sich immer wieder die Herren Dr. Pfeiffer, Fuchs und Bareiß gegen die Photovoltaik. Ihre Argumente rund um die Kosten und Effizienz wiederholen sie mantraartig seit Jahren und haben nun auch noch das Scheinargument der möglichen Blackouts durch zuviel Solarstrom für sich entdeckt. Die drei Herren haben eine schlechte Zeit. Zähneknirschend mussten entgegen ihrer tiefsten Überzeugung dem Atomausstieg zustimmen und müssen nun so tun, als wären sie auch für die „Energiewende". Auch die fortlaufenden Euro-Rettungsprogramme sind den Herren und ihrem Wirtschaftsflügel in der Union ein Graus. Ein furchtbarer Graus sogar. Schlimmer als das inhaltliche Grausen ist für sie nur noch die Kanzlerin, die auch noch all ihre Kumpels wie Oettinger, Koch, Merz & Co weggebissen hat.

Und es geht noch schlimmer: Jetzt fordert die CDU-Chefin sogar noch einen Mindestlohn. Gleichzeitig steht der Umweltminister Röttgen als strahlender Sieger da. Mehr noch: Röttgen wird als potenzieller Nachfolger von Angela Merkel gehandelt.  Röttgen gilt daher diesem Flügel in weiten Teilen als persönlicher Erzfeind, den es zu bekriegen gilt. Und was macht man da? Man zerstört ohne jede Rücksicht auf das Gemeinwohl die politische Burg des Gegners. Also in unserem Fall das EEG und dabei vor allem die in der Bevölkerung noch immer hoch beliebte Photovoltaik. Macht man dem Röttgen das Spielzeug erneuerbare Energien kaputt, wird er aus Sicht der grauen Herren geschwächt. Bums!

Und Angela Merkel? Sie ist derzeit von Minderheiten durchaus gut erpressbar, denn sie braucht den Rückhalt für die Euro-Rettung auf Teufel komm raus. Und so fühlen die grauen Herren die Gunst der Stunde gekommen. Der von ihnen sonst nicht mehr ernst genommene Parteivorsitzende der FDP, Philipp Rösler, ist ja ohnehin willenlos und schlägt in die gleiche Kerbe. Hauptsache irgendwie gegen grünen Kram arbeiten - denn das sind ja alles Feinde der Partei. Originalzitat aus einem Parteitagsbesuch bei der FDP: „Solange ich ihre Windräder auf Wahlplakaten von Jürgen Trittin sehe, ist mir alles egal, das muss weg“. Die Story stammt vom Parteitag in Köln 2005 und heißt dann heute wohl Photovoltaik statt Wind (solange der Offhore-Wind weit weg ist). Gefährlich engstirnig ist es geblieben. 

Es muss der gesamten Erneuerbaren-Energie-Branche klar sein, dass die Energiewende nur aus Opportunismus, nicht aus Herzblut entstanden ist. Und sie wäre niemals so gekommen, wenn nicht zwei Wochen nach Fukushima eine Wahl in Baden-Württemberg gewesen wäre. Und wäre diese Wahl nicht für CDU/FDP verloren gegangen, gäbe es die Energiewende auch nicht. Die Regierung hat also kein Herzblut und auch keine wirklich profilierten Fachpolitiker. Die gute Energie-Arbeit von durchaus vielen Einzelnen ist leider noch nicht oben angekommen. 

Nun also weiterhin die Forderung nach einem Deckel für die erfolgreiche Photovoltaik-Industrie. Und damit nach dem Aus großer Teile der Unternehmen und der über 100.000 Arbeitsplätze, die bereits in 2011 kräftig gelitten haben. Würde das jemand aus der chinesischen Regierung hören, würde dieser ziemlich sicher denken, dass der Übersetzer betrunken ist. Oder er würde sich kaputt lachen, denn einfacher als so kann man ein Technologierennen nicht gewinnen.

Und damit es, aus einem Schweinedeal nicht dunkel wird in Deutschlands Photovoltaik-Industrie, muss diese Sauerei auf breitester Front mit all ihren unredlichen Akteuren, deren perfider Verbreitung von Unwahrheiten und Stimmungsmacherei in der Öffentlichkeit, aber auch in den Parteien CDU/CSU und FDP offen gelegt werden. Tun Sie das auf allen Kanälen, vor Ort und überregional.

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Johannes Leipold aus München

Montag, 19.12.2011 10:50

Es ist ein gutes Zeichen für mich, daß jetzt endlich auch die Medien (hier Herr Remmers) diesen Zustand brandmarken und dazu auffordern, der Politik Druck zu machen. Wie kann es sein, daß unser verschnarchter [...]

Dirk Mayer aus Gäufelden | http://www.sbww.eu/

Freitag, 16.12.2011 16:43

Sehr geehrter Herr Remmers, ich verfolge die Themen um die CDU/FDP und deren Energieoligopol Zöglingen und Zuträgern schon sehr lange. Auf unserer Homepage können Sie sich gerne davon überzeugen. [...]

Karl Jehle aus Küssaberg | http://kjv-online.de

Freitag, 16.12.2011 12:27

Lieber Karl-Heinz Remmers, so klar und einprägsam hat das bislang noch niemand formuliert. Sie sprechen mir aus der Seele. Was den erneuerbaren aber dringend fehlt ist eine Stimme, da reden bislang zuviele [...]

Rüdiger Mühlhausen aus München | http://www.apel-hoyer.de

Freitag, 16.12.2011 09:48

Ziemlich drastische Worte von Karl Heinz Remmers zu den Mechanismen der Poltitik. Mir fehlt aber ein ganz entscheidender Punkt: Die öffentliche Meinung und damit die Wähler. Denn am Ende des Tages geht [...]

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Kommentare 1 - 4 von 4

Johannes Leipold aus München

Montag, 19.12.2011 10:50

Es ist ein gutes Zeichen für mich, daß jetzt endlich auch die Medien (hier Herr Remmers) diesen Zustand brandmarken und dazu auffordern, der Politik Druck zu machen.
Wie kann es sein, daß unser verschnarchter Dachverband in Gestalt des Herrn Cramer immer nur wegduckt wenn sich die Brunnenvergifter der Energielobby (die 4-Fetten) immer dreister in den Medien breit machen und ihre Verdummungsrhetorik wie Jauche über die Leute auskippen? Der einzige, der hier halbwegs Kante in den Medien zeigt, ist Herr Asbeck.
Warum überläßt man die Medien diesen Leuten?
Was die Erneuerbaren Energien aber die PV ganz besonders brauchen, sind bekannte - und ich meine WIRKLICH bekannte Persönlichkeiten - die nichts anderes kurz vor 20 Uhr sagen müssen, als:
"Ich finde PV gut! Das ist die Zukunft. Mir ist es gleich, was die Atomlobby erzählt."
Wenn angeblich nicht genug Geld dafür in den Schatullen liegt, sollte man sich eher fragen, was eine Firma Schott dazu veranlassen konnte, ohne jeden erkennbaren Sinn die gesamte Branche in eine neue Preissenkungsrunde zur Unzeit zu zwingen und dadurch bestimmt einige Milliönchen zu verpulvern.
Damit wird die Diskussion von den alle verwirrenden Details erstmal weg gelenkt und auf das eigentliche Problem der Notwendigkeit des Umstiegs verlagert.
Die Chancen in der Folge einer Konversion der Volkswirtschaft hin zu EE für die deutsche Industrie sind ja geradezu phantastisch. Da gibt es keinen Grund zu zaudern.
Die Parole kann deshalb nur heißen: Hängt die Fahndungsplakate mit den Namen Bareiß, Pfeiffer, Fuchs, Frondel, Krawinkel usw. endlich auf! Besetzt die Medien!
Und für die Regierung gilt: Abwählen.

Dirk Mayer aus Gäufelden | http://www.sbww.eu/

Freitag, 16.12.2011 16:43

Sehr geehrter Herr Remmers,

ich verfolge die Themen um die CDU/FDP und deren Energieoligopol Zöglingen und Zuträgern schon sehr lange. Auf unserer Homepage können Sie sich gerne davon überzeugen. Ihr Artikel "Schweinedeals" fasst allerdings vieles zusammen was ich in meiner Stellungnahme gerne zur Sprache gebracht hätte. Deshalb würde ich meine Stellungnahme gerne auf die von Herrn Dr. Pfeiffer beziehen. Die Aussagen dieses EVS Zöglings kann ich und jeder mit Vernunft und Meschenverstand gesegnete Mensch, nur dann als Aussage von Herrn Pfeiffer selbst akzeptieren, wenn er mit seinen 3 Kindern und seiner Frau direkt neben ein AKW, ein Endlager oder ein Uranbergwerk zieht und dort lebt. Ich denke sobald eines seiner Kinder an Leukämie erkrankt ändern sich seine Ansichten. Diesen Wunsch wird mit Herr Pfeiffer bestimmt nicht erfüllen, er sollte sich aber wenigstens aus der Politik zurückziehen und nicht weiterhin seine Lügen mit Schaum vor dem Mund einer breiten Öffentlichkeit kundtun.

Karl Jehle aus Küssaberg | http://kjv-online.de

Freitag, 16.12.2011 12:27

Lieber Karl-Heinz Remmers, so klar und einprägsam hat das bislang noch niemand formuliert.
Sie sprechen mir aus der Seele. Was den erneuerbaren aber dringend fehlt ist eine Stimme, da reden bislang zuviele und zu kleinlaut vor sich hin.
Hier muss dringend etwas geschehen.
die Leistungen der Branche werden bislang viel zu wenig Publiziert...
Uns fehlt ein neuer Herrmann Scheer.
Und eine vernünftige Politik.

Rüdiger Mühlhausen aus München | http://www.apel-hoyer.de

Freitag, 16.12.2011 09:48

Ziemlich drastische Worte von Karl Heinz Remmers zu den Mechanismen der Poltitik.
Mir fehlt aber ein ganz entscheidender Punkt: Die öffentliche Meinung und damit die Wähler. Denn am Ende des Tages geht es den Parteien genau um die, wie auch der zitierte 'Atomausstieg über Nacht' deutlich gemacht hat. Und hier ist die Industrie gefordert, deutlicher als bisher die Vorteile der Photovoltaik zu kommunizieren. Dabei meine ich nicht (nur) die Vorteile der dezentralen Energieerzeugung sondern auch die volkswirtschaftlichen Vorteile. Denn fast die gesamte öffentliche Diskussion dreht sich in diesem Punkt um die 3,5 ct pro kW in der Stromrechnung.
Mir fehlt vor allem:
- Die Bedeutung der lokalen Wertschöpfung durch die vielen Handwerker, die die Anlagen in Deutschland montieren. Da wird immer nur über die deutschen Hersteller versus der asiatischen Hersteller diskutiert. Dabei ist das EEG eines der größten und besten Konjunkturprogramme für das so oft zitierte deutsche Handwerk. Da wurden viele nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen. Leider spricht niemand darüber (wohl aber wenn EON 8000 Arbeitsplätze abbauen möchte und das auf den Atomausstieg schiebt).
- Die volkswirtschaftlichen Kosten der Atomenergie, für die wir heute viele Steuergelder ausgeben, vom Atommüll-Transport bis zur Erkundung geeigneter Lagerstätten und die wir großzügig auch noch auf die nächsten Generationen übertragen. Selbst wenn wir heute aus der Atomenergie aussteigen, bleiben die Folgekosten noch viele Generationen erhalten, allein durch die sichere Endlagerung der Atombrennstäbe.
- Die gesparten Kosten für den Import von fossilen Brennstoffen, die nicht nur immer teurer werden (und damit die Strompreise stärker in die Höhe treiben als die EEG-Umlage), sondern die auch absolut endlich sind in ihrem Vorkommen.
- Die gesparten Kosten für riesige Stromtrassen für die zentrale Energieerzeugung.

Dies sind nur einige von vielen Punkten, die viel offensiver in der Öffentlichkeit diskutiert werden müssen. Und da sind alle Vertreter der Industrie gefordert, dies immer wieder und bei jeder Gelegenheit zu tun. Der BSW und EPIA müssen vorangehen und die Diskussion und die Botschaften vorgeben. Und dann sind alle in der PV Branche gefordert, diese Diskussion zu verstärken! Nur wenn viele diese Diskussionen anstoßen und führen wird das in der Bevölkerung auch wahrgenommen.

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