Verschwörung gegen die Photovoltaik?

15. Februar 2012 | Karl-Heinz Remmers

Lieben Sie auch Verschwörungstheorien oder UFO-Geschichten? Dann habe ich heute etwas Schönes für Sie: Die Verschwörung zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der Bundesnetzagentur gegen die Photovoltaik.

Und diese würde so gehen:
Am 9. Januar 2012 veröffentlichte die Bundesnetzagentur die Photovoltaik-Zubauzahlen für den Dezember 2011. Diese Zahlen waren mit rund drei Gigawatt extrem hoch, und sofort kamen Zweifel an den Zahlen auf. Es war einfach verdächtigt früh – gerade angesichts einer Agentur, die Zahlen sonst erst mit vielen Monaten Verspätung überhaupt und auch zum Teil nur mit Schätzungen herausgibt. Aber genau richtig im Timing, um eine politische Bombe zu zünden, mit der die Solarfeinde in CDU/CSU sowie FDP und eben im BMWi ein Ende des EEG für die Photovoltaik (und danach das Ende des gesamten EEG) erreichen wollen. 

So nehmen es die Dienstherren der Bundesnetzagentur billigend oder eben vorsätzlich (Achtung: das ist eine Beschreibung einer Verschwörungstheorie) hin, dass bewusst falsche Zahlen für den Zubau der Photovoltaik zu deren Abschuss genutzt werden. Dazu passt, dass endgültige Zahlen erst im März von der Bundesnetzagentur veröffentlicht werden sollen. Dann aber, so haben es die Verschwörer geschickt eingefädelt, hat die Empörung über den hohen Zubau bereits gewirkt und das gerade erst novellierte EEG für die Photovoltaik wird nochmals verschärft. Wie derzeit in der Diskussion zu sehen ist mit dramatischen Folgen für die deutsche Solarbranche - eine wirksame politische Verschwörung also, diese High-Tech-Industrie in Deutschland zu zerstören.  

Unglaubwürdig? Solar-UFO`s vom Mond? 

Nun ja - würde man sagen, wenn es nicht ernsthafte, UFO-Gedanken freie Akteure gäbe, die den Zubau nicht sehen,  unter anderem die Hersteller von Solarmodulen und anderen Komponenten oder auch Branchendienstleister. Und wären da nicht die finanzierenden Banken, die unisono angeben, dass weder die bei ihnen vorgelegten Anfragen noch vor allem die bewilligten Kredite für rund sechs Milliarden Euro ausreichen, die im Monat Dezember gebraucht wurden, um drei Gigawatt zu finanzieren. Und sechs Milliarden Euro in einem Monat kann die Photovoltaik-Branche auch mit allem Goodwill kaum vorfinanziert haben. Soweit die Banken. 

Fragt man nun andere, nur mittelbar beteiligte klassischen Industrie (wie etwa die Kabelindustrie), so sagen auch diese, dass die von der Bundesnetzagentur genannten Zahlen auf gar keinen Fall stimmen können. Eine weitere Stimme, welche die „Solar- UFOs“ als realistisch erscheinen lassen. 

Man kann nun nur hoffen, dass die Bundesnetzagentur sofort valide und vor allem durch Dritte lückenlos prüfbare Zahlen vorlegt. In einem Land, in dem sich das Wirtschaftsministerium als natürlicher Feind der erneuerbaren Energien sieht und auch der Umweltminister offenbar kein Problem hat, sich auf den Todeskampf seines politischen Noch-Partners einzulassen, um gleichzeitig die Solarfeinde in der Union zu befrieden, könnte all dies passieren. Und wo Technologiegesetze im Quartalstakt verändert werden und es auch unter dem Label Energiewende eben keinerlei Plan in der Regierung gibt, wie diese nun umgesetzt wird natürlich auch. 

Glaubt man nicht an Verschwörungstheorien und es ist simpel eine Falschzählung, dann wird man halt auch eine Begründung finden, warum man auch mit kleineren Zahlen das EEG schleifen muss.

Ist ja eh egal, denn für Rösler und die Solarfeinde geht es nur um einen politische Triumph, egal womit errungen. Es könnte auch das Verbot von Alufelgen sein und daher muss auch jeder scheitern, der glaubt, man könnte hier mit sinnvollen Argumenten gegenhalten. Das geht ja bei Verschwörungstheorien bekanntermaßen auch nicht.

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Marco Müller aus Berlin

Freitag, 24.02.2012 02:06

Wenn alle Marktteilnehmer die angeblichen Zubauzahlen absolut nicht nachvollziehen können, so wird wohl etwas nicht stimmen. Es können ja nicht alle irren. Und tatsächlich – es gibt eine einfache [...]

Nils Scharla aus Bochum | http://www.nilssun.de

Samstag, 18.02.2012 00:08

Verschwörungstheorie hin oder her: Wieso dauert eine Auswertung des mittlerweile voll elektronischen Anmeldeverfahrens für Photovoltaikanlagen bei der Bundesnetzagentur drei Monate? Im Fußball nennt [...]

Blome Christian aus Flensburg

Freitag, 17.02.2012 16:51

Es geht, wie so oft, auch ohne Verschwörung. Die übliche Rallye am Jahresende (zusätzlich angestachelt durch die ersten Diskussionen um weitere Kürzungen), das gute Wetter im Dezember und einige Solarparks, [...]

Christia Krannich aus Falkenberg | http://www.solar-und-windenergie.de

Freitag, 17.02.2012 09:18

Hier nochmal die original Pressemeldung der Netzagentur- http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/120109_ZubauPV[..]

Guido Harperscheidt aus Kreuzau | http://Www.solartiger.de

Donnerstag, 16.02.2012 14:47

Genau richtig , hier paßt noch dazu, das die VNB bei der Jahresabrechnung bei Eigennutzung erst mal die gesamt Erzeugte Energie als Eingespeist vergütet und das zuviel gezahlte ( weil selbst genutzt) [...]

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Kommentare 1 - 6 von 6

Marco Müller aus Berlin

Freitag, 24.02.2012 02:06

Wenn alle Marktteilnehmer die angeblichen Zubauzahlen absolut nicht nachvollziehen können, so wird wohl etwas nicht stimmen. Es können ja nicht alle irren.
Und tatsächlich – es gibt eine einfache Erklärung dafür, wie die deutlich überhöhten Zubauzahlen für das vierte Quartal 2011 entstanden sind.
Das Meldeportal der Bundesnetzagentur ist absolut ungeschützt. Jeder der lange Weile hat, jeder der die Photovoltaik nicht besonders mag und auch jeder der von bestimmten atomgetriebenen Kreisen dafür bezahlt wird, kann sich mit frei erfundenen Daten und einer dafür eingerichteten nicht zuordenbaren Emailadresse (z.B. bei GMX) am Portal anmelden und dann nach Belieben Photovoltaikanlagen registrieren. Beliebig viele und beliebig große.
Dadurch ist es ein Kinderspiel, mit ein paar angeheuerten flinken Schreibern einige GW in das Portal zu bringen. Die Daten werden von der Bundesnetzagentur nicht überprüft sondern automatisiert abgespeichert. Dass die dann verschickten Registrierungsbestätigungen aufgrund der frei erfundenen Daten den Datenerfasser nicht erreichen, ist absolut egal, da er dieses Schreiben nicht braucht. Er wollte ja nur die gemeldete Menge nach oben manipulieren.
Und so hat man den Startschuss für die große Treibjagt auf die PV-Branche Anfang Januar 2012 gesetzt. Gestern wurde das Todesurteil für 150.000 Arbeitsplätze in der Industrie und im Handwerk gesprochen. Am 09.03.2012 wird es vollstreckt.
Das Portal ist aus EDV-Sicht absolut dilettantisch und aus Datenschutzsicht ein Witz. Die Zugangsdaten müssten z.B. über das Post-Ident-Verfahren abgesichert werden. Außerdem müsste ein Abgleich jeder Registrierung über die Reg.-Nummer mit dem jeweiligen EVU erfolgen. Aber die aktuelle Regierung freut sich natürlich über jede illegal zu viel gemeldete PV-Anlage. Bestraft wird in dem System nur der, der seine Anlage vergisst bei der Bundesnetzagentur anzumelden, indem er dann keine Einspeisevergütung bekommt.

Nils Scharla aus Bochum | http://www.nilssun.de

Samstag, 18.02.2012 00:08

Verschwörungstheorie hin oder her:
Wieso dauert eine Auswertung des mittlerweile voll elektronischen Anmeldeverfahrens für Photovoltaikanlagen bei der Bundesnetzagentur drei Monate?
Im Fußball nennt man so etwas absichtliches Zeitspiel!

Blome Christian aus Flensburg

Freitag, 17.02.2012 16:51

Es geht, wie so oft, auch ohne Verschwörung. Die übliche Rallye am Jahresende (zusätzlich angestachelt durch die ersten Diskussionen um weitere Kürzungen), das gute Wetter im Dezember und einige Solarparks, die erst im Dezember angemeldet wurden, reichen aus. Über 2 GW im Dezember hätte sich ja niemand gewundert. Und selbst wenn sich die BNA um ein GW verzählt hat: Die Diskussion wäre bei 6,5 GW Zubau die gleiche.
Die Wirkung? Vermutlich so wie 2010: Wieder ein Boom durch die Kürzungssituation, vielleicht eine Änderung im Kürzungsmechanismus, aber am Ende geht es weiter wie bisher. Ich vermute, Herr Rösler will sich zwar für einen Teil seiner Klientel profilieren, wird sich aber letztlich kompromissbereit zeigen, um andere Teile nicht gänzlich zu verschrecken. Also: Eine vorgezogene Kürzung um 15%, zunächst auch monatliche Kürzungen von 2%, aber keinen "Energiedeckel" bei 800-900 kWh/kWpa. So jedenfalls meine Hoffnung.

Christia Krannich aus Falkenberg | http://www.solar-und-windenergie.de

Freitag, 17.02.2012 09:18

Hier nochmal die original Pressemeldung der Netzagentur-

http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/120109_ZubauPV[..]

Guido Harperscheidt aus Kreuzau | http://Www.solartiger.de

Donnerstag, 16.02.2012 14:47

Genau richtig , hier paßt noch dazu, das die VNB bei der Jahresabrechnung bei Eigennutzung erst mal die gesamt Erzeugte Energie als Eingespeist vergütet und das zuviel gezahlte ( weil selbst genutzt) wieder zurück fordert. Auf welches Konto wird diese Rückforderung nun gebucht? Auf die Haben-Seite der VNB?

Udo Austermann aus Wadersloh

Mittwoch, 15.02.2012 14:57

Verschwörung hin oder her:
zufällig passiert hier nur wenig, auf die amtlichen Zubauzahlen im März bin ich daher sehr gespannt.
Eventuell versucht sich ein Teil der Belegschaft schon mal für den Nachfolger von Herrn Kurth zu empfehlen?!?
Bekanntlich soll ja in Zukunft ein Intimus von Rösler die Bundesnetzagentur leiten. Wenn diese Behörde ihre bisher eher wohlwollend-neutrale Haltung gegenüber den EE in eine feindlich-gleichgültige Haltung ändern würde wäre das schon fatal.

Auch so ist die Kampagnenmacht der EE- und vor allem der PV- Gegner beeindruckend. Diese gehen außerordentlich planmäßig vor.

Verdächtig ist seit Jahren, dass die PV-Diskussionen immer zur Zeit der Wintersonnenwende angestoßen werden. Dann ist das Publikum am dankbarsten.
Bei dem Spektakel wurde dann auch regelmäßig die erfolgten Förderungskürzungen zum Jahreswechsel in den Medien kaum kommuniziert, sie fallen regelrecht unter den Tisch.
Dieses Jahr hätte man gehofft, das Ganze noch mit einem veritablen winterlichen Netzzusammenbruch garnieren zu können.

Ich denke aber zumindest daraus wird wohl nichts.

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