Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
AKTUELLE MELDUNGEN

Wieder voll ausgelastet

Drei Jahre lang war die Solarindustrie im Zangengriff der Konsolidierung gefangen. Nun wittern die Anbieter von Zellen und Modulen wieder Morgenluft. Und eröffnen eine neue Runde der Innovationsspirale.

Zweiter Goldrausch der Photovoltaik: So prophezeit die Deutsche Bank in ihrer Prognose, dass der Zubau in diesem Jahr mehr als 55 Gigawatt erreichen wird. Bald werden es 200 Gigawatt sein, pro Jahr und weltweit. Soll heißen: Die Überproduktionskrise nähert sich ihrem Ende. Die Fabriken schnurren, die Märkte haben sich sortiert.

Für viele Anbieter von Solarzellen und Solarmodulen stellte sich schon das vierte Quartal 2014 deutlich besser dar, als die gruseligen Bilanzen in den Quartalen und Jahren zuvor. Und der Start 2015 war mehr als verheißungsvoll. „Unsere Werke hier in Deutschland und in den USA sind ausgelastet“, frohlockt beispielsweise Frank Asbeck, Chef von Solarworld, Deutschlands größtem Modulhersteller.

Endlich Ruhe im Laden

Solarworld hat mehrere Fertigungslinien im sächsischen Freiberg laufen, dazu kommt das Werk in Arnstadt in Thüringen. Vor Jahresfrist wurde es von Bosch übernommen. Die Mitgift betrug 130 Millionen Euro. „Das war das Überbrückungsgeld für zwei oder 2,5 Jahre, um die Belegschaft zu halten“, erläutert Frank Asbeck. Solarworld konnte in Arnstadt nicht nur rund 800 Mitarbeiter halten, sondern baut inzwischen sogar aus. „„Wir haben endlich Ruhe in den Standort mit seiner wechselvollen Geschichte gebracht“, kommentiert Asbeck.

Das Werk in Arnstadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 2001 begann die Firma Asi Industries mit der ersten Fertigung von Solarmodulen. 2005 übernahm Ersol das Unternehmen. Ersol wiederum wurde im November 2008 von Bosch übernommen. Im März 2014 stieß der Stuttgarter Technologiekonzern die verlustbringende Fabrik ab, Solarworld stieg ein und gründete somit den zweiten Standort in Deutschland, neben Freiberg in Sachsen.

In Freiberg fertigt Solarworld die 60-Zellen-Module, in Arnstadt die großen Industriemodule mit 72 Zellen, in den USA ein Renner. In Hillsboro im US-Staat Oregon fertigt das Unternehmen gleichfalls 60-Zellen-Module, ausschließlich für den amerikanischen Markt. Nach jahrelanger Zitterpartie schreibt der Konzern mittlerweile wieder schwarze Zahlen.

Vorsprung von 18 Monaten

Solarworld setzt auf Innovationen, um sich vom Preiskampf der chinesischen Konkurrenz abzusetzen. „Die Chinesen sind noch bei 250 Watt“, erläutert Frank Asbeck. „Wir erreichen bereits 300 Watt. Damit können wir unseren Kunden einen deutlichen Mehrwert bieten.“ Dieser Mehrwert macht beim Preis rund fünf Prozent aus, „mehr bezahlen die Kunden nicht“, wie der Unternehmenschef präzisiert.

Rund 18 Monaten Vorsprung hat Solarworld gegenüber der asiatischen Konkurrenz, so die Einschätzung von Asbeck. Derzeit werden alle drei Zelllinien in Deutschland auf die Perc-Technologie umgestellt. Das Rohsilizium kommt aus Katar. Die monokristallinen Ingots werden in Freiberg und neuerdings auch in Arnstadt gezogen. In Freiberg steht die Wafersäge. An beiden deutschen Standorten werden die Wafer anschließend prozessiert und zu monokristallinen Siliziumzellen veredelt. Eine weitere Perc-Linie wird demnächst in den USA installiert.

Schwacher Euro hilft in den USA

Hinzu kommt, dass der schwache Euro den einheimischen Produzenten in die Hände spielt. „Endlich läuft es mal andersherum“, meint Asbeck. „Bisher haben die Chinesen und andere Importeure vom starken Euro profitiert, weil sie ihre Kosten in US-Dollar kalkulierten.“ Wer im Euroraum fertigt und in die Dollarzone exportiert, kann den günstigen Umtauschkurs gut nutzen – weiterer Rückenwind für Solarworld in den Staaten.

In Arnstadt haben die Zelllinien eine Kapazität von 600 Megawatt im Jahre. Sie basieren auf der traditionellen Al-BSF-Zelle. Bereits 90 Megawatt wurden auf Perc-Technik umgestellt. Damit holen die Ingenieure 4,94 Watt aus jeder Zelle. Mit Al-BSF waren es nur 4,6 Watt. „Demnächst überschreiten wir die Grenze von fünf Watt“, gibt Frank Asbeck einen Ausblick. Derzeit leisten die Sunmodule plus mono zwischen 260 und 280 Watt. Die schwarzen Sunmodule plus mono black leisten 250 bis 275 Watt. Polykristalline Standardmodule liegen bei 250 bis 255 Watt. Solarworld produziert auch Glas-Glas-Module, bisher allerdings nur mit polykristallinen Zellen.

Leistung pro Modul steigt weiter

Seit April schaffen die großen 72-Zellen-Module aus Arnstadt in der Serie 320 Watt, fünf Watt mehr als zuvor. Ein Drittel der Module schafft gar 325 Watt, zum selben Preis wie ein Modul mit 315 Watt Nennleistung. Mit Perc-Zellen sind bis 345 oder 350 Watt möglich, diese leistungsstarken 72-Zellen-Module sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Standardmodule könnten 280 Watt leisten.

Seit 2012 treibt Solarworld mit seinen Partnern die Perc-Technik voran. Die Sachsen sind der erste Modulhersteller, der diese Technologie nun in die Serie bringt. Noch im laufenden Jahr werden alle Zelllinien auf Perc umgestellt. Dabei handelt es sich um P-Type-Zellen, die bis zu 21,42 Prozent Wirkungsgrad erreichen, zumindest im Labor. (Heiko Schwarzburger)

Den vollständigen Report lesen Sie im Maiheft der Fachzeitschrift photovoltaik, das am 7. Mai 2015 erscheint.