CDU-Wirtschaftspolitiker für Photovoltaik-Deckel bei 800 Megawatt

25. Januar 2012 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Die Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie der Union lässt bei der Solarförderung nicht locker. Der Wirtschaftsflügel will für die Photovoltaik mit zweifelhaften Argumenten eine starre Begrenzung von 800 Megawatt pro Jahr durchsetzen.

Reichstag von außen

Die Wirtschaftspolitiker der Union machen Druck

Die Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat nun einen eigenen Beschluss „Solarförderung“ vorgelegt. Darin fordern die Politiker des Wirtschaftsflügels eine jährliche Deckelung von 800 Megawatt bis zum Jahr 2020. Sie beziehen sich dabei auf die im „Energiekonzept 2020“ formulierten Ziele, bis dahin einen Zubau von 33,3 Gigawatt Photovoltaik-Leistung  zu erreichen. „Die AG Wirtschaft und Technologie fordert angesichts der bereits installierten Photovoltaik-Kapazität von 25,8 Gigawatt eine Anpassung des EEG, die sicherstellt, dass der jährliche Zubau der Photovoltaik bis 2020 auf die zur Erreichung des vereinbarten Ausbauziels erforderlichen rund 800 Megawatt begrenzt wird“, heißt es in dem Papier, das der photovoltaik vorliegt. Offiziell hat die Bundesregierung allerdings an die EU-Kommission nach Brüssel gemeldet, dass sie bis 2020 von einer installierten Photovoltaik-Leistung von knapp 52 Gigawatt ausgeht. Dieser Widerspruch blieb zunächst offen, da eine Stellungnahme der CDU-Wirtschaftspolitiker noch aussteht.

Die Wirtschaftspolitiker erklären den „atmenden Deckel“ für gescheitert. „Die Überkapazitäten sind der eigentliche Grund für den Preisverfall. Je größer die Überproduktion, desto niedriger sind die Preise und umso höher die Rendite. Dies erklärt, warum es das System des atmenden Deckels in den letzten Jahren nicht vermocht hat, den Zubau einzudämmen und dies auch weiterhin nicht tun wird. Die Renditen für PV-Anlagenbetreiber haben sich von 4,4 – 8,0 % in 2009 auf 7,4 – 11.4 % in 2011 erhöht, während die Modulpreise zwischen 2009 und 2011 um über 50 % gefallen sind. Laut r2b/Consentec setzt sich diese Entwicklung in 2012 fort. Es ist deshalb ein Trugschluss, man könne das Problem in dem derzeitigen System über sinkende Degressionssätze in den Griff bekommen“, heißt es in dem Papier.

Photovoltaik-Anlage vs. Tagesgeldkonto

Der Wirtschaftsflügel in der Union, in dem vor allem die CDU-Politiker Joachim Pfeiffer, Thomas Bareiß und Michael Fuchs immer wieder Front gegen die Solarförderung machen, fordert weiterhin die Einhaltung des Ziels, dass die EEG-Umlage nicht die 3,5 Cent je Kilowattstunde überschreiten dürfe. Sie argumentieren in diesem Fall erneut mit dem Hartz IV-Empfänger, der übermäßig und auf Kosten der Hausbesitzer mit eigenem Dach belastet werde. Dies formulieren die Politiker in ihrem Papier unter dem Punkt: „PV-Förderung ist ungerecht“.  Dort heißt es: „Jedes Jahr werden Milliarden Euro über den Strompreis umverteilt, und zwar tendenziell von unten nach oben: Vom Mieter und Hartz IV-Empfänger ohne eigenes Dach zum Hausbesitzer, der mit seiner Solaranlage über 20 Jahre Renditen von teileweise 10 Prozent und mehr im Jahr erzielen kann, während der Mieter sein Geld für 1,5 Prozent auf dem Tagesgeldkonto anlegen muss.“ Die Ausnahmeregelungen der Industrie und für die Übertragungsnetzbetreiber werden bei der Entwicklung der Umlagekosten von der Arbeitsgruppe komplett außer Acht gelassen. „Unmittelbarer Handlungsbedarf“ besteht aus Sicht der Wirtschaftspolitiker aber nur wegen des hohen Photovoltaik-Zubaus.

Neben diesen zwei Kernforderungen, mit denen sie Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Streit um die Solarförderung mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) stützen, halten die Wirtschaftspolitiker daran fest, dass Photovoltaik „die mit Abstand teuerste Technologie der CO2-Vermeidung“ sei. Sie beziehen sich dabei auf die alt bekannten Zahlen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Die Politiker der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie ziehen dann auch den Schluss: „Dieses Geld fehlt für andere, wesentlich effizientere Klimaschutzmaßnahmen, z.B. für die energetische Gebäudesanierung.“

Die Wirtschaftspolitiker der Union sind zudem der Ansicht, dass die Solarförderung auch nicht mit industriepolitischen Argumenten zu rechtfertigen sei. „Asiatische Wettbewerber sind mittlerweile die Hauptprofiteure des EEG“, heißt es in dem Papier. Nach ihren Angaben hatten im ersten Halbjahr 2011 die chinesischen Hersteller von Solarmodulen und Solarzellen einen Marktanteil von mindestens 60 Prozent. Diese Angabe machen sie, ohne eine konkrete Quelle zu nennen. Der Anteil deutscher Photovoltaik-Unternehmen liege bei unter 15 Prozent, heißt es in dem Papier weiter. „Gerade vom extrem hohen Zubau der letzten beiden Jahre haben in besonderem Maße auslän-dische Wettbewerber profitiert. Je höher die hierzulade subventionierten Zubaumengen in den letzten Jahren gestiegen sind, desto mehr ist der Weltmarktanteil deutscher Hersteller von So-larzellen und -modulen gefallen.“ Außerdem investierten die deutschen Photovoltaik-Unternehmen zu wenig in Forschung und Entwicklung.

Bei einem Treffen der Arbeitsgruppe Energie der Regierungsfraktionen von Union und FDP soll am Mittwoch über die weitere Ausgestaltung der Solarförderung beraten werden. Zuvor hatten sich die Fraktionschefs von CDU. CSU und FDP mit einem Schreiben an Röttgen und Rösler gewandt, in dem sie konkrete Maßnahmen zur Eingrenzung der Kosten für die Solarförderung und die EEG-Umlage forderten. (Sandra Enkhardt)

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA Bild zum Spamschutz  

Michael Stark aus Leipzig

Mittwoch, 25.01.2012 16:52

Das ganze ist ein einziges Possenspiel - die Politiker, die am wenigsten Fachkompetenz haben fordern die niedrigsten Zubauraten... Was soll man diesen Phantasten noch erwidern? Wer findet sich um gerichtlich [...]

Michael Haußmann aus Dresden

Mittwoch, 25.01.2012 15:59

Herr Rösler sollte sich um seine Hauptaufgaben kümmern. Das wichtigste ist der Netzausbau, damit der Strom bedarfsgerecht transportiert werden kann. Durch Ablenkungsmanöver, in dem er sich in die Dinge [...]

Rüdiger Mühlhausen aus München | http://www.apel-hoyer.de

Mittwoch, 25.01.2012 15:40

Warum wird die Photovoltaik-Anlage von den Kritikern immer auf die PV-Module reduziert, die dann angeblich (fast) alle aus Asien kommen? (was wir als größte Exportnation eigentlich eh nicht ernsthaft [...]

Weiterlesen
Kommentare 1 - 3 von 3

Michael Stark aus Leipzig

Mittwoch, 25.01.2012 16:52

Das ganze ist ein einziges Possenspiel - die Politiker, die am wenigsten Fachkompetenz haben fordern die niedrigsten Zubauraten... Was soll man diesen Phantasten noch erwidern? Wer findet sich um gerichtlich gegen Angriffe auf bestehende Gesetze vorzugehen ...am besten mit einer Sammelklage der Branche geführt vom BSW SOLAR ?????

Michael Haußmann aus Dresden

Mittwoch, 25.01.2012 15:59

Herr Rösler sollte sich um seine Hauptaufgaben kümmern. Das wichtigste ist der Netzausbau, damit der Strom bedarfsgerecht transportiert werden kann. Durch Ablenkungsmanöver, in dem er sich in die Dinge rein hängt, die meiner Meinung nach nicht zu seinem Aufgabengebiet gehören, will er seine Schwächen vertuschen.

Der Wirtschaftsflügel der CDU mit Herr Fuchs und Co. sind doch nur die Wortführer der Wirtschaftsbosse der großen Energieunternehmen und der Industrieunternehmen die von der EEG-Umlage befreit wurden und am liebsten weiter an der Atomstromerzeugung festhalten wollen.

Verzerrte Aussagen, dass die Einkommensschwachen getroffen werden, beweist doch durch welche Brille diese Herren schauen. Warum werden die Unternehmen „subventioniert“? Die haben doch schon niedrige Sonderstrompreise, die auch durch die privaten Haushalte getragen werden. Einer muss ja die Subvention tragen. Darüber wird aber nicht gesprochen. Bei einer Verteilung auf alle Schultern werden auch die unteren Einkommensgruppen geringer belastet . Es glaubt doch keiner, dass die Strompreise ohne die EEG-Umlage nicht steigen. Schon ohne EEG und mit Atomstrom gab es regelmäßige Strompreiserhöhung.
Ich Frage mich, ob diesen Herren bewusst ist wie hoch die Zahl der Beschäftigten in der Solarbranche sind. Wahrscheinlich sind Herrn Rösler, Fuchs, Pfeffer und Bareiß die erreichten Zahlen der Arbeitslosigkeit zu niedrig. Da kann man ja wieder welche zum Amt schicken. Bei einer Decklung von 800 Megawatt wird das mit Sicherheit der Fall sein.
Eine Decklung rettet die deutschen Modulhersteller auch nicht. Entscheidend ist wie überall die Qualität und der Preis.
Ich möchte nicht wissen, wie viele der Unternehmen, die für die Decklung des EEG sind auch die Vorteile des asiatischen Marktes nutzen satt in Deutschland zu produzieren.
Ich kann nur hoffen, dass Politiker, in welchen Land auch immer, die sich gegen eine Entwicklung ohne Atomstrom stellen bald von ihrer Verantwortung entbunden werden. Man redet heute von ca. 6 Mrd. Euro Ausgaben für den Solarstrom. Über die Kosten, die der Atomstrom verursacht und weiter verursacht und wo noch kein Ende abzusehen ist, wird nicht gesprochen. Geschweige das es schon eine Lösung der Lagerung gefunden ist. Ob diese Politiker wissen was sie ihrer Nachwelt hinterlassen? Mit Verantwortung kann das nichts zu haben, eher was mit Profitgier.

Rüdiger Mühlhausen aus München | http://www.apel-hoyer.de

Mittwoch, 25.01.2012 15:40

Warum wird die Photovoltaik-Anlage von den Kritikern immer auf die PV-Module reduziert, die dann angeblich (fast) alle aus Asien kommen? (was wir als größte Exportnation eigentlich eh nicht ernsthaft beklagen sollten!) Je größer der Preisverfall bei den Modulen ist, desto höher ist der Anteil an den Gesamtkosten einer Anlage, der auf Wechselrichter, Montagesystem und vor allem Arbeitkosten für die Montage entfällt. All dies kommt fast ausschließlich aus Deutschland bzw. Europa. Gerade das deutsche Handwerk profitiert vom Solarboom. Ich jedenfalls habe noch keine Chinesen auf unseren Dächern gesehen. Oder ist das deutsche Handwerk für den Wirtschaftsflügel der CDU und die FDP nicht so wichtig?

Diesen Artikel teilen


Direkt kommentieren

Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.

Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.

Frage der Woche

Erwarten Sie eine grundlegende Überarbeitung der Solarförderung durch den Vermittlungsausschuss?

Aktuelle Photovoltaik-News auf Englisch

Heft 05 / 2012

05 / 2012

Mit voller Härte
Der Kahlschlag in der Solarbranche.

Bestellen Sie dieses Heft

Copyright 2012 © Photovoltaik

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

Werden Sie jetzt Abokunde und lassen Sie sich die photovoltaik monatlich nach Hause liefern!