Conergy mit Teilerfolg gegen MEMC

07. Oktober 2009 | Märkte und Trends, Topnews

Das Hamburger Photovoltaik-Unternehmen hat einen Etappensieg auf dem Weg zu einer Einigung mit dem Siliziumhersteller MEMC erreicht. Die US-Firma soll laut Medienberichten ihre Klage vor einem New Yorker Bezirksgericht zurückgezogen haben.

Photovoltaik-Anlage in Gerbersdorf von Conergy

Conergy kann auf die Änderung des Liefervertrags mit MEMC hoffen

Die Conergy AG hat einen weiteren Erfolg vor dem New Yorker Bezirksgericht erreicht. Der US-Siliziumshersteller MEMC soll seine Klage gegen das Hamburger Solarunternehmen zurückgezogen haben, wie das „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe) unter Berufung auf ein Schreiben der Anwälte an das Gericht berichtet. Conergy könne dies als wichtigen Schritt in Richtung einer Nichtigkeiterklärung oder Nachverhandlung des Vertrags mit MEMC werten, sagte Dirk Morbitzer, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Renewable Analytics, der photovoltaik. Allerdings steht eine Entscheidung über die Klage von Conergy-Chef Dieter Ammer noch aus, den Liefervertrag für nichtig erklären zu lassen.
Das Photovoltaik-Unternehmen sieht seine Wettbewerbsfähigkeit wegen des Vertrags gefährdet. Das Gericht hat Teile der Klage bereits als zulässig bewertet. Dies war ein erster Teilerfolg für das deutsche Solarunternehmen. Mit der Klage hatte Conergy die vertraglich vereinbarten Zahlungen eingestellt; MEMC wollte diese mit der nun zurückgezogenen Klage einfordern.
Abseits der gerichtlichen Auseinandersetzung gibt es Gespräche von Vertretern beider Seiten im Hintergrund. Marktanalyst Morbitzer sieht mit der Rücknahme der Gegenklage gute Aussichten für Nachverhandlungen. Die Preise für Silizium und Wafer seien seit Jahresbeginn massiv gesunken. MEMC habe Verträge mit anderen Kunden bereits nachverhandelt und Preisnachlässe gewehrt. „Der Vertrag schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen“, so Morbitzer weiter. Conergy sei in seiner Überlebensfähigkeit gefährdet, sollte es bei den Vertragsbedingungen bleiben. Andernfalls zeigt er sich aber optimistisch, dass das Hamburger Unternehmen bei einem guten Projektgeschäft „auf geschrumpfter Basis gute Überlebenschancen“ habe. Allerdings hänge auch viel von der Entscheidung der schwarz-gelben Bundesregierung ab, wie sie die Photovoltaik-Förderung zukünftig ausgestalten werde.

Kurssprung

Conergy wollte keine Stellungnahme mit Verweis auf das noch laufende Verfahren abgeben. Den Liefervertrag hatten Conergy und MEMC im Oktober 2007 vereinbart. Er sieht die Lieferung von Silizium im Wert von bis zu vier Milliarden Dollar vor. Es wurde eine Laufzeit von zehn Jahren vereinbart. Mittlerweile hat sich der Markt gedreht. Es gibt keine Lieferengpässe beim Silizium, da die Nachfrage gesunken und gleichzeitig die Kapazitäten massiv ausgebaut werden.
Die Aktie von Conergy vollzog einen Kurssprung, nachdem die Rücknahme der Klage durch MEMC bekannt wurde. Der Kurs stieg bis auf 1,07 Euro und erreichte damit den höchsten Stand seit April. (Sandra Enkhardt)

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