Deckelung der Photovoltaik-Einspeisevergütung geplant

10. Februar 2012 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Es gibt immer deutlichere Anzeichen, dass die Bundesregierung eine neue Art von Deckel bei der Solarförderung einziehen will. Nach neuesten Plänen sollen wohl künftig nur noch ein jährlicher Ertrag für maximal 900 Kilowattstunden pro Kilowattpeak vergütet werden. Eine solche Regelung würde vor allem chinesischen Modul- und Wechselrichteranbietern zugute kommen.

Dunkele Gewitterwolken

Dunkle Gewitterwolken ziehen über der Solarförderung auf

Derzeit laufen die Verhandlungen zur Solarförderung zwischen Bundeswirtschaft- und –umweltministerium auf Hochtouren. Mittlerweile gilt es als relativ wahrscheinlich, dass die unterjährige Kürzung der Photovoltaik-Einspeisetarife vorgezogen werden könnte und danach eine monatliche Degression im niedrigen Prozentbereich eingeführt wird, um Jahresendrallyes wie im Dezember 2011 zu verhindern. Seit einigen Tagen verdichten sich nun aber auch Erkenntnisse, dass die Bundesregierung zusätzlich auch eine Deckelung der Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen einführen will. Die Begrenzung könnte laut Verhandlungskreisen auf den jährlichen Ertrag pro installierter Kilowattpeak-Leistung bei maximal 900 Kilowattstunden eingeführt werden. Eine durchschnittliche Photovoltaik-Anlage produziert in Deutschland an guten Standorten bis zu 1150 Kilowattstunde pro Kilowattpeak im Jahr. Die Solarstrommenge, die über die Begrenzung hinaus produziert wird, sollen Anlagenbetreiber dann selbst vermarkten können.

Dieser neue Vorschlag für die Solarförderung soll aus dem Bundesumweltministerium stammen. Die Ministerien selbst wollen sich auf Nachfrage zum Stand der Gespräche nicht äußern. Es heißt übereinstimmend nur, derzeit werde mit Hochdruck auf allen Ebenen verhandelt. Es stehe demnächst noch ein Gespräch der Minister Norbert Röttgen (CDU) und Philipp Rösler (FDP) an. Bis spätestens Ende Februar soll dann ein Vorschlag zur Photovoltaik auf dem Tisch liegen. Beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) heißt es dazu, dass ein derartiger Vorschlag nicht bekannt sei und auf „klare Ablehnung“ stoßen würde. „Eine sichere Vermarktungsmöglichkeit von Reststrommengen dürfte sich zum jetzigen Zeitpunkt für die Photovoltaik kaum darstellen lassen. Die Strombörse wird auch in Zukunft den Wert des Solarstroms voraussichtlich nicht abbilden können. Markt- und Managementprämie sind in der jetzigen Form zudem voraussichtlich politisch nicht zu halten, da sie erhebliche Mitnahmeeffekte produzieren und den Verbraucher nicht entlasten“, sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.

Die nun kursierende Regelung birgt viele Fallstricke und Unwägbarkeiten für die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen. Es dürfte schwierig für die Betreiber kleinerer und mittlerer Anlagen sein, die restliche Solarstrommenge zu vermarkten. Außerdem wären somit die Einnahmen aus den Erträgen nicht mehr planbar, was wiederum auch die Finanzierung der Anlagen erschweren dürfte. Ein weiterer Faktor wäre, dann die Bundesregierung mit dieser Neuregelung dem bisherigen Verständnis des EEG entgegenstrebt und nicht länger Anreize für die Verbesserung von Effizienz und Qualität bei Modulen und Wechselrichtern setzt. Vielmehr befördert eine solche Neuregelung, den Einsatz von billigen Modulen und Wechselrichtern, die wahrscheinlich vornehmlich aus Asien kommen dürften. Außerdem macht eine solche Regelung künftig eine gute Planung und Wartungvon Photovoltaik-Anlagen unattraktiv. Davon wiederum wären vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland betroffen, denen zahlreiche Aufträge damit wegbrechen würden.

Die von Wirtschaftsminister Rösler immer wieder ins Spiel gebrachten 33,3 Gigawatt Photovoltaik-Zubau bis 2020 gehen nicht auf das Energiekonzept der Bundesregierung, sondern nur auf ein mögliches Szenario, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Die einzig  verbindliche Zahl für den Zubau der Photovoltaik in Deutschland basiere auf dem Nationalen Aktionsplan. Darin hat die Bundesregierung gegenüber der EU-Kommission in Brüssel angegeben, dass sie eine installierte Leistung von 51,75 Gigawatt in Deutschland bis 2020 erwartet. (Sandra Enkhardt)

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA Bild zum Spamschutz  

Leonhard Haaf aus Tauberbischofsheim | http://www.tauber-solar.de

Montag, 13.02.2012 19:46

Wo bleibt das Machtwort der Kanzlerin? Sie muss ihren Minister zurückpfeifen, wenn er sich derart verrannt hat mit seiner "Sonnenalergie" und mit seinen PV-Scheuklappen. Wenn es die Kanzlerin ernst meint [...]

Michael Stark aus Leipzig

Montag, 13.02.2012 12:43

@ Hr. Reichmut: Soweit kein schlechter Ansatz, jedoch kostet eine Ost-West-Anlage genauso viel wie eine Südanlage - nur hat sie eine schlechtere Performance. Wo also liegt ihr Vorteil? Der Kunden/Investor [...]

Matthias Reichmuth aus Leipzig | http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/eeg_eb_2011_solare_strahlung_bf.pdf

Montag, 13.02.2012 09:19

Der Grundgedanke des Modells mit dem jährlichen Referenzertrag wurde von uns bereits im Rahmen der Vorbereitung des Erfahrungsberichts zum EEG vor etwa einem Jahr mit seinen Vor- und Nachteilen abgewogen. [...]

Michael Stark aus Leipzig

Montag, 13.02.2012 09:05

Diese Massnahme ist für den Großteil der Branche das K.O.! Das ist ein Signal gegen die gesamte PV-Industrie in Deutschland und das nur weil die FDP gern wieder auf 5% zur nächsten Wahl kommen will [...]

Marcus Merkel aus Darmstadt | http://www.ralos.de

Sonntag, 12.02.2012 09:16

Guten Morgen Photovoltaik Leser, ich bin Vertriebsleiter bei einem mittelständischen Photovoltaikunternehmen mit Hauptsitz in Michelstadt. Die permanenten EEG-Diskussionen dieser Bundesregierung [...]

Weiterlesen
Kommentare 1 - 11 von 11

Leonhard Haaf aus Tauberbischofsheim | http://www.tauber-solar.de

Montag, 13.02.2012 19:46

Wo bleibt das Machtwort der Kanzlerin? Sie muss ihren Minister zurückpfeifen, wenn er sich derart verrannt hat mit seiner "Sonnenalergie" und mit seinen PV-Scheuklappen.
Wenn es die Kanzlerin ernst meint mit der Energiewende, darf sie hier nicht taktieren und muss endlich einmal klare Solarkante zeigen.

Michael Stark aus Leipzig

Montag, 13.02.2012 12:43

@ Hr. Reichmut:
Soweit kein schlechter Ansatz, jedoch kostet eine Ost-West-Anlage genauso viel wie eine Südanlage - nur hat sie eine schlechtere Performance. Wo also liegt ihr Vorteil? Der Kunden/Investor wird sich vermehrt zurückhalten.
Des Weiteren wird ein verbesserter Modulwirkungsgrad und ein besseres Schwachlichtverhalten dann nicht mehr Ziel der Hersteller sein: Schrott auf dem Dach tuts auch!

Matthias Reichmuth aus Leipzig | http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/eeg_eb_2011_solare_strahlung_bf.pdf

Montag, 13.02.2012 09:19

Der Grundgedanke des Modells mit dem jährlichen Referenzertrag wurde von uns bereits im Rahmen der Vorbereitung des Erfahrungsberichts zum EEG vor etwa einem Jahr mit seinen Vor- und Nachteilen abgewogen.
Das BMU hat dies auch im Juni 2011 im Internet veröffentlicht. Sie finden den Volltext unter dem oben stehenden Link im Unterpunkt 3.4.2.3.
Grundsätzlich hätte ein solcher Kompromiss eine wesentlich andere Wirkung als ein starrer Deckel, insofern ist die Überschrift etwas irreführend.

Michael Stark aus Leipzig

Montag, 13.02.2012 09:05

Diese Massnahme ist für den Großteil der Branche das K.O.!
Das ist ein Signal gegen die gesamte PV-Industrie in Deutschland und das nur weil die FDP gern wieder auf 5% zur nächsten Wahl kommen will und die große EVU die Chancen der Photovoltaik komlett verschlafen haben!
Kraft Gesetz ist jeder Solarstromerzeuger auch Unternehmer - welcher Unternehmer (egal welcher Branche) rechnet mit Renditen < 5 % ?
Was noch gravierender ist: Die Finanzierung der PV-Projekte ist in Gefahr! Es wird wohl kaum noch Banken geben, die für solche Projekte Krdite vergeben werden - es sei denn mit utopischen Eigenkapitalquoten.
Auch eine Vermarktung der "Reststrommmengen" dürfte sich wegen der Netzhoheit der EVU sehr schwierig gestalten. Der Vorschlag ist also wieder nur mit der heissen Nadel genäht... und das am PV-Technologiestandort Deutschland. Ein verherendes Signal in die Welt. Sicher folgen demnächst Anträge auf die Genehmigung neuer "umweltfreundlicher" Atomreaktoren...

Marcus Merkel aus Darmstadt | http://www.ralos.de

Sonntag, 12.02.2012 09:16

Guten Morgen Photovoltaik Leser,

ich bin Vertriebsleiter bei einem mittelständischen Photovoltaikunternehmen mit Hauptsitz in Michelstadt.
Die permanenten EEG-Diskussionen dieser Bundesregierung sind unerträglich und erschweren unsere
tägliche Arbeit immens. Es gab noch nie eine Kontinuität in diesem Markt und diese wird es auch unter
der schwarz gelben Klientelpolitik nie geben. Der jetzige Einwurf einer Deckelung des Marktes und auch
einer Deckelung der Vergütung bei 900 kWh pro installiertem kWp zeigt mir, daß dies nur ein weiterer
Versuch ist, die Attraktivität einer Installation von Photovoltaikanlagen zu verhindern. Unsere Kunden
zwingen uns jetzt schon bei Vertragsabschluss die Anlagen bis zum 31.03.2012 am jeweiligen Netz
des EVU angeschlossen zu haben. Die neue VDE Richtlinie 4105 verringert doch sowieso schon den
Anlagenertrag und die hirnrissige Idee einer Vergütungsbegrenzug bei 900 kWh/kWp zeigt mir wie
Realitätsfremd das Bundeswirtschaftsministerium unter Hr. Rösler ist. Es hat wohl kaum ein Kleinanlagen-
betreiber Interesse z.B. Reststrommengen bei einer 5 kWp Anlage an der Börse zu handeln.
Dies bezüglich würden wahrscheinlich höhere Maklergebühren anfallen als das der Anlagenbetreiber
einen Nutzen davon hätte.

Allen einen schönen Sonntag

M. Merkel

Udo Austermann aus Wadersloh

Samstag, 11.02.2012 21:30

Eine Deckelung der Einspeisevergütung auf 900kWh/kWp (ich habe anderswo 800kWh/kWp gelesen) muss nicht grundsätzlich schlecht sein.

Neben der schon erwähnten Begünstigung von Ost/West -Ausrichtungen und der norddeutschen PV-Diaspora könnte ein Trend zu einer Verstetigung/Glättung der Solareinspeisung einsetzen. Zu solchen Anlagen könnte dann auch eine noch tiefere Unterschneidung der Generatorenleistung durch die Wechselrichternennleistung (>70% bis runter auf 60%) passen.

Der sportliche Wettlauf um die "frechste" reine Süddachanlage hat, zumindest energiewirtschaftlich, eh keine Zukunft.

Das muss aber nicht zwangsläufig zu minderwertigen Anlagen führen. Die PV wird eben erwachsen.

Entscheidend ist aber, dass sich das Umweltministerium mit seinen Ausbauplänen von guten 50GW bis 2020 gegenüber den 33GW des Wirtschaftsministerium durchsetzt.

Michael Kühner aus Ansbach

Samstag, 11.02.2012 17:56

Verstehe nicht den Kommentar von zuvor:
....Die Zahl der Neuanlagen wird noch viel mehr in die Höhe schnellen, gut so!!!!.....
Kann mir jemand erklären, wieso bei der geplanten Begrenzung auf 900 Kw/h plötzlich MEHR Anlagen gebaut werden sollen ? Ich kapier diese Logik vom Vorredner nicht.........

Albert Kindl aus Vohenstrauß

Samstag, 11.02.2012 16:08

Das ist ein Schritt in Richtung nördliche Bundesländer und in Richtung Ost-Westdächer, denn diese rentieren sich dann genauso wie ein Süddach in Bayern oder BW.
Die Zahl der Neuanlagen wird noch viel mehr in die Höhe schnellen, gut so!!!!

Albert Kindl aus Vohenstrauß

Samstag, 11.02.2012 16:01

Das ist ein vernünftiger Ansatz! Dann kann fast jedes Dach belegt werden, wenn es nicht gerade ein Norddach ist. Damit steigt die Zahl der Anlagen noch schneller!

Daniel Brandl aus Bönnigheim | http://www.orange-solar.de

Samstag, 11.02.2012 09:11

Es wäre doch ein Schritt in die richtige Richtung, denn ein Deckel für den Zubau wäre tödlich. Wir kalkulieren unsere Anlagen derzeit im Süden mit maximal 960kWh/kWp und mit dieser Rendite sind die Menschen zufrieden und treffen ihre Entscheidungen. Man könnte sich ja auch vorstellen, dass man die Menge über 900kWh zu dem durchschnittlichen Börsenpreis vergütete bekommt also zwischen 5 und 7 Cent. Ein Handel mit dem Nachbarn sollte aber auf jeden Fall angestrebt werden.

Ich werde nicht müde meinen Vorschlag zum PV Storage Fond zu erwähnen, denn Teilnehmer daran könnten dann hier Ihre Überkapazitäten unterbringen. Ich erwarte mehr Mut für unsere solare Zukunft!

Marco Müller aus Berlin

Freitag, 10.02.2012 21:07

Wenn heute der 1. April wäre könnte man sagen, das ist ein gut gelungener Scherz. Aber wie dämlich muss man denn sein, wenn man das ernst meint. Gut, für Rössler ist Nichts zu dämlich, der sagt und schreibt alles, was ihm nach der Abwahl der FDP einen hochbezahlten Job bei RWE und Co. sichert. Aber der Vorschlag scheint ja aus dem Umweltministerium zu stammen. Sind die inzwischen auch schon alle verstrahlt und/oder bezahlt?
Wenn unsere Branchenvertreter (insbesondere BSW) nicht bald aus dem Skiurlaub, in dem sie sich anscheinend seit Silvester befinden, zurück sind und endlich mal anfangen, eine starke Gegenwehr zu organisieren, dann wird hier kurzfristig eine ganze Branche mit über 150.000 Arbeitsplätzen in Deutschland platt gemacht. Und das gegen den erklärten Willen von über 80% der Bevölkerung und von einer Partei, die aktuell mit 2% Wahlergebnis jegliche demokratische Legitimation verloren hat.

Diesen Artikel teilen


Direkt kommentieren

Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.

Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.

Frage der Woche

Erwarten Sie eine grundlegende Überarbeitung der Solarförderung durch den Vermittlungsausschuss?

Aktuelle Photovoltaik-News auf Englisch

Heft 05 / 2012

05 / 2012

Mit voller Härte
Der Kahlschlag in der Solarbranche.

Bestellen Sie dieses Heft

Copyright 2012 © Photovoltaik

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

Werden Sie jetzt Abokunde und lassen Sie sich die photovoltaik monatlich nach Hause liefern!