Entsetzen bei der Solarindustrie

24. Februar 2012 | Topnews, Politik und Gesellschaft

Die Solarbranche ist über die radikalen Kürzungspläne der Einspeisetarife durch die Regierung entsetzt. Aus allen Teilen Deutschlands melden sich Unternehmen, die vor den existenzbedrohenden Auswirkungen für die Photovolaikbranche warnen.

Proteste von Solarunternehmen vor der Regierungsverkündung

Proteste von Solarunternehmen bei der Regierungsverkündung

Aus nahezu allen Regionen melden sich Unternehmen der Photovoltaik-Branche zu Wort, die vor den verheerenden Wirkungen warnen, sollten die gestern von der Regierung verkündeten Kürzungspläne für die Einspeisetarife tatsächlich umgesetzt werden.

Die Kürzungspläne kommen zu einer Zeit, da deutsche Unternehmen durch die aisatischen Wettbewerber sowieso schon unter extremem Druck stehen. „Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein“, warnt  Michael Preißel, Geschäftführer von Mp-Tec aus Eberswalde. „Aus unternehmerischer Sicht ist es nahezu unmöglich, auf eine so gravierende Gesetzesänderung, die schon in gut zwei Wochen greifen soll, zu reagieren.“

Die Einmalkürzungen der Einspeisevergütungen von 20 bis 30 Prozent zusätzlich zu den geplanten monatlichen Absenkungen werden in vielen Fällen zur Unwirtschaftlichkeit von neuen Anlagen führen. Das wirkt sich gravierend auf den Produktionsstandort Deutschland aus. Ohne Heimatmarkt werde die Produktion von Solarmodulen hierzulande praktisch unmöglich, so Unternehmenssprecher Gunther Strömer von Sunenergy in Hamburg. „Gleichzeitig wird aber auch den deutschen Großhändlern, Systemhäusern und dem Handwerk die Geschäftsgrundlage entzogen. Dies wird zu einer großen Anzahl von Insolvenzen und damit dem breiten Verlust von Arbeitskräften führen.“

In Berlin und Brandenburg seien hunderte von Unternehmen, die mehr als 7500 Mitarbeiter beschäftigen, direkt von den Einschnitten betroffen, sagt Timon Meyer, Geschäftsführer des Berlin Solar Network. Aktuelle Projekte und Investitionen seien seit der gestrigen Regierungsverkündung in der Schwebe. "Es ist zu befürchten, dass die gesamte Solarwirtschaft massiven Schaden nimmt.“ Mehrere Unternehmen vergleichen die jetzigen Kahlschlagpläne und die zu befürchtenden Auswirkungen mit dem,  was bei einigen europäischen Nachbarn bereits geschehen ist. „Einen solchen Kahlschlag hatten wir vor vier Jahren in Spanien“, erinnert sich Alexander Kirch, Chef der Centrosolar Group: „Seitdem ist das Land für die Photovoltaik in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.“

Ralf Hennigs, Geschäftsführer der Centrosolar Sonnenstromfabrik, wundert sich: „Für Pressefotos schauen die Bundespolitiker gern bei uns vorbei. Jetzt soll das EEG quasi abgeschafft werden. Wie will man die Energiewende ohne Solartechnik schaffen?“ (William Vorsatz)

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA Bild zum Spamschutz  

Claus Paschold aus Hösbach

Mittwoch, 29.02.2012 18:18

Vor vier Tagen habe ich ein Angebot für eine Photovoltaik-Anlage angenommen, das ich jetzt womöglich wieder zurückziehe, weil die Regierung ad-hoc-Entscheidungen dort liebt, wo sie noch Macht hat (Die [...]

Dennis Marks aus DUS

Dienstag, 28.02.2012 05:48

Ist das etwa der Kompromiss an die Energieversorger für den Ausstieg aus der Atomenergie ???????????

ali egal aus waldkraiburg

Samstag, 25.02.2012 20:11

Ein Faustschlag für die Unternehmen und Arbeitnehmer wäre das !!! Und eine Alternative Lösung besteht auch nicht ! Wenn Sie das durchbringen , dann gute Nacht

Michael Kuntze aus Zörbig | http://www.kimag.de

Freitag, 24.02.2012 17:19

Es ist doch vollkommen logisch, dass die Kürzungen aus dem EEG nur die Solarbranche und nicht die Windkraft betreffen. EON als Spitzenreiter, erst bei Atom- und nun Auftragnehmer der Offshoreparks der [...]

Weiterlesen
Kommentare 1 - 4 von 4

Claus Paschold aus Hösbach

Mittwoch, 29.02.2012 18:18

Vor vier Tagen habe ich ein Angebot für eine Photovoltaik-Anlage angenommen, das ich jetzt womöglich wieder zurückziehe, weil die Regierung ad-hoc-Entscheidungen dort liebt, wo sie noch Macht hat (Die Finanzbranche darf weiterhin ihre Blasen aufbauen, wegen der Handlungsunfähigkeit der Regierungen).
Natürlich wäre Photovoltaik in Südfrankreich oder Italien sinnvoller als bei uns, aber mich hatte überzeugt, dass ich weitestgehend meinen privaten Stromverbrauch hätte decken können, und zwar von den KWStd her.
Ingenieure, Experten und Wirtschaftswissenschaftler, die langfristig an die Sicherheit etwa französischer Atomkraftwerke glauben, halte ich aus philosophischen und naturwissenschaftlichen Erwägungen heraus für naiv.

Dennis Marks aus DUS

Dienstag, 28.02.2012 05:48

Ist das etwa der Kompromiss an die Energieversorger für den Ausstieg aus der Atomenergie ???????????

ali egal aus waldkraiburg

Samstag, 25.02.2012 20:11

Ein Faustschlag für die Unternehmen und Arbeitnehmer wäre das !!!

Und eine Alternative Lösung besteht auch nicht !
Wenn Sie das durchbringen , dann gute Nacht

Michael Kuntze aus Zörbig | http://www.kimag.de

Freitag, 24.02.2012 17:19

Es ist doch vollkommen logisch, dass die Kürzungen aus dem EEG nur die Solarbranche und nicht die Windkraft betreffen. EON als Spitzenreiter, erst bei Atom- und nun Auftragnehmer der Offshoreparks der Nordsee für Windkraft. Da auch A. Merkel im Vorstand EON sitzt, würde Sie, sowie zahlreiche andere Politiker, ja mit der Kürzung des EEG bei Windkraft, das eigene Vorstandsgehalt reduzieren. Wer macht das freiwillig???

Dann lieber 100.000 Pioniere der Solarbranche stempeln gehen lassen, Hauptsache der eigene Tisch ist reichlich mit Kuchen bedeckt. Seltsam nur, dass die Diätenerhöhung am Anfang des Jahres einstimmig beschlossen wurde. Nun muss wieder gespart werden, natürlich auch nur da, wo es einen selbst nicht betrifft.

Schließlich brauchen wir ja Geld für Griechenland und alle andere Staaten, die wir durchfüttern. Die Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe für China, welche natürlich auch nur aus Deutschland kommt, hilft ja auch den Markt mit Billigmodulen hier zu überschwemmen.

Wir können ja aber alle unsere kleinen Kinder zur Produktion nach Asien schicken um in Deutschland bald nicht verhungern zu müssen! Welch ein Trost! Die EU macht’s Möglich!

Großartige Regierung! Vielen Dank!

Diesen Artikel teilen


Direkt kommentieren

Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.

Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.

Frage der Woche

Erwarten Sie eine grundlegende Überarbeitung der Solarförderung durch den Vermittlungsausschuss?

Aktuelle Photovoltaik-News auf Englisch

Heft 05 / 2012

05 / 2012

Mit voller Härte
Der Kahlschlag in der Solarbranche.

Bestellen Sie dieses Heft

Copyright 2012 © Photovoltaik

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

Werden Sie jetzt Abokunde und lassen Sie sich die photovoltaik monatlich nach Hause liefern!