Frankreich: Photovoltaik-Einspeisetarife sinken

26. Januar 2012 | Politik und Gesellschaft

Die französische Solarindustrie setzt im Zuge der Präsidentschaftswahlen auf einen politischen Umschwung in Richtung Solarenergie und fordert ein Einfrieren der Einspeisetarife. Durch die Unsicherheiten sei 2011 jeder zweite Arbeitsplatz verloren gegangen.

Haus in Frankreich mit Photovoltaik-Dachanlage

In Frankreich fallen die Photovoltaik-Einspeisetarife weiter

Die Tarife zur Einspeisung von Solarstrom fallen in Frankreich weiter. Wie der französische Regulierer Commission de Regulation de l’Energie (CRE) ankündigte, reduzieren sie sich im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorquartal zwischen vier und zehn Prozent. Mit 38 Cent je kWh liegt damit zum Beispiel die Vergütung für Anlagen mit bis zu drei Kilowatt-Leistung auf Wohnhäusern um mehr als 15 Prozent unter dem Niveau von März 2011. Photovoltaik-Systeme zwischen 36 und 100 Kilowatt auf übrigen Gebäuden erhalten mit aktuell 21,4 Cent mehr als 25 Prozent weniger. Frankreich hatte im letzten März ein neues Vergütungssystem für Photovoltaik-Anlagen bis 100 Kilowatt mit mehr als zehn verschiedenen Tarifen eingeführt.

Der Industrieorganisation Enerplan, die mehr als 250 Solarunternehmen und Installateure vertritt, fordert ein Umdenken. Im Jahr 2011 habe die Branche “die Hälfte der bis dahin existierenden 25.000 Arbeitsplätze eingebüßt”, teilte sie mit. Um diese Entwicklung zu stoppen und einen “neuen Aufschwung” auszulösen, schlägt die Vereinigung „zwei einfache Maßnahmen“ vor. 

Als erste sollen sämtliche Tarife 2012 eingefroren werden. Die Regierung müsse zumindest auf die turnusgemäße Absenkung im April verzichten. Die zweite Forderung beinhaltet eine Abkehr vom Ausschreibungsverfahren für Photovoltaik-Systeme größer 100 Kilowatt. Tatsächlich hat es seit der Einführung dieses Verfahrens keine neuen Installationen solcher Großanlagen mehr gegeben. Die Bewerbungsfristen laufen nach Auskunft des Umweltministeriums in Paris teilweise immer noch. „Die Realisierung dieser Projekte wird nicht vor Herbst 2012 beginnen können“, erklärt Enerplan. „Dieser Zeitrahmen ist extrem lang und die hohen Entwicklungskosten zerstören zusammen mit der Unsicherheit das ökonomische Potenzial und die Expertise der Photovoltaik in Frankreich.“

Enerplan schlägt deshalb eine Rückkehr zum Einspeisesystem vor, auf niedrigerer Basis und nach Leistung, Anwendung und der Geographie ausdifferenziert. Die Tarife sollen bis 2017 jährlich sinken, dem Jahr in dem mit der Netzparität gerechnet werden könne. Im Einzelnen sieht der Vorschlag von 2012 bis 2017 eine Degression für Anlagen zwischen 100 und 250 Kilowatt von 21 auf 17 Cent, zwischen 250 Kilowatt und zwei Megawatt von 20 auf 16 Cent und zwischen zwei und zwölf Megawatt von 18 auf 14 Cent vor.

Mit der Ankündigung positioniert sich Enerplan für die im April beginnenden französischen Präsidentschaftswahlen. In der Amtszeit des kommenden Präsidenten werden die Weichen gestellt, damit Frankreich sein Ziel erreichen kann, bis 2020 den Anteil regenerativer Quellen am Energieverbrauch von heute 15 auf 23 Prozent auszubauen. Bisher hat sich der aussichtsreiche Kandidat der Sozialistischen Partei, Francois Hollande, noch nicht konkret zu seinen Plänen in dieser Frage geäußert. Hollande führt in Meinungsumfrage teils deutlich vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. (Oliver Ristau)

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