NTSA und Lobbyagentur vom PR-Rat abgemahnt

01. August 2011 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Die Non-Toxic Solar Alliance kämpft dafür, Giftstoffe in der Photovoltaik europaweit zu verbieten. Nun erhielt die Vereinigung eine Abmahnung vom PR-Rat wegen der fehlenden Absendertransparenz.

Produktion bei First Solar

First Solar hätte ein Verbot von Giftstoffen in Solarmodulen vor Existenzprobleme gestellt

Die Non-Toxic Solar Alliance (NTSA) tritt nach außen für ein hehres Ziel ein: Sie will die Verwendung von Giftstoffen in der Photovoltaik unterbinden. Doch dass dieser Verbund von namhaften Herstellern kristalliner Solarmodule teilweise mit unsauberen Methoden kämpft, um seine Ziele europaweit durchsetzen, stellte nun der PR-Rat fest. Er mahnte die NTSA genauso ab wie die dahinterstehende Agentur Bohnen Kallmorgen & Partner. Die Mahnung sei als ausdrückliche Aufforderung zum Handeln gedacht, hieß es in der Begründung des Ratsspruchs. 

Der PR-Rat gab einer Beschwerde der Organisation Lobby Contral statt. Diese erhob den Vorwurf, die NTSA habe sich „als eine ‚Not-for-Profit-Initiative‘ ausgegeben, mit dem gemeinnützigen Ziel, der Umwelt und dem Verbraucherschutz zuliebe eine Herstellung von Photovoltaik-Modulen frei von Giftstoffen zu erreichen. Tatsächlich sei die NTSA aber ein Geschäftsmodell der Lobbyagentur Bohnen Kallmorgen & Partner, das dazu gedient habe, Beratungsaufträge zu generieren. Dieser Umstand sei nicht ausreichend transparent gemacht worden“. Der PR-Rat befand nun, dass nach einer Befragung bei der Agentur, die Vorwürfe „hinreichend belegt“ und teilweise von den Verantwortlichen selbst eingestanden worden seien. „Die Ziele, die Finanzierung und in diesem Zusammenhang die zentrale Rolle der BKP innerhalb der NTSA wurden nicht ausreichend offengelegt“, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Ratsspruch. 

Die Verantwortlichen der Agentur hätten bei einer Befragung eingeräumt: „nach eigenen Recherchen und Analysen erkannt zu haben, dass es Akteure seitens der Solarindustrie und in der Wissenschaft gibt, die hinreichend Interesse haben, mit einer gemeinsame Public Affairs Arbeit gegen Ausnahmeregelungen für die Solarindustrie von EU-rechtlichen Vorgaben zur Verbannung bestimmter Giftstoffe in Brüssel lobbyistisch aktiv zu werden.“ Die Agentur sei auf entsprechende Unternehmen zugegangen, um Beratungsaufträge zu  generieren und habe parallel die NTSA als übergreifende Plattform für Wissenschaft und Wirtschaft am 14. Dezember 2009 gegründet. Im Gründungsprotokoll von NTSA e.V. würden bis auf Clemens Betzel, der später zum CEO des Unternehmens Dyesol Solar Technology aufstieg, ausschließlich Agentur-Mitarbeiter als Gründungsmitglieder genannt. Betzel arbeitete damals für die PR-Agentur FiPRA. „Neben dem Verein NTSA wurde eine davon unabhängige Forschungsgruppe gegründet“, so der PR-Rat weiter. In der Außendarstellung der Allianz sei dabei gegen das Transparenzprinzip verstoßen worden. Dies gelte in Bezug auf den Gründungszweck genauso wie bei der Finanzierung. So hätten die Gründer der Lobbyagentur, die im EU-Register angegebene Finanzierung des NTSA in Höhe von 48.000 Euro praktisch allein übernommen und nicht wie offiziell angegeben über Mitgliedsbeiträge.

Lobby Control hatte im November 2010 in dem Dossier „Die Non Toxic Solar Alliance – die Schöpfung einer Lobbyagentur“ auf die unsauberen Methoden der Gruppe aufmerksam gemacht. Gerade die Hersteller von Dünnschichtmodulen auf Cadmiumtellurid-Basis um den Marktführer First Solar sehen die Aktivitäten der NTSA als gezielte Attacke in ihre Richtung. (Sandra Enkhardt)

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