Röttgen will Photovoltaik-Förderung stark beschneiden

11. Dezember 2009 | Topnews, Politik und Gesellschaft, Märkte und Trends

Der Bundesumweltminister sieht eine "klare Überförderung" für Photovoltaik-Anlagen. Nun will er gemeinsam mit der Branche und Verbraucherschützern flexiblere Fördermechanismen für das EEG entwickeln.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen vor dem Reichstag

Der Bundesumweltminister will die Photovoltaik-Vergütung beschneiden

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Photovoltaik-Förderung massiv zurückfahren. "Es wird eine Anpassung geben, weil wir eine Marktentwicklung haben, die zu einer klaren Überförderung geführt hat", sagte er dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Ziel müsse es sein, einen Mechanismus zu entwickeln, der flexibler auf die Marktentwicklung reagiere. Das EEG sei zu starr, sagte Röttgen weiter. Es wolle gemeinsam mit Branchenvertretern und Verbraucherschützern nach einer entsprechenden Lösung suchen. Beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht man "moderate Spielräume" für eine Absenkung. Die Mehrzahl der Solarunternehmen hatte sich darauf verständigt, die Photovoltaik-Vergütung in den kommenden zwei Jahren um zusätzlich bis zu fünf Prozent zu senken.
Die grundsätzliche Haltung, die Solarstromförderung zu beschneiden, hatte die neue Bundesregierung aus Union und FDP bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Röttgen signalisierte nun, dass er vor einer grundsätzlichen Korrektur des EEG nicht zurückschreckt. Allein im vergangenen Jahr habe sich die Vergütung für Ökostrom auf 8,95 Milliarden Euro summiert, hieß es in dem Bereicht.

BDEW rechnet mit Zubau von 2200 Megawatt

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schätzt, dass in diesem Jahr Photovoltaik-Anlagen mit einer installierten Leistung von 2200 Megawatt in Deutschland in Betrieb gehen werden. Dies wäre ein neuer Rekord und entspricht der Leistung des AKW Neckarwestheim. Allerdings seien die Photovoltaik-Anlagen wegen der schwachen Sonneneinstrahlung nur zu höchstens zehn Prozent ausgelastet; AKW hingegen zu 90 Prozent. Wegen der großen Nachfrage kämen auch die Netzbetreiber in Einzelfällen nicht mehr nach, die Anlagen ans Netz anzuschließen, hieß es weiter. (Sandra Enkhardt)

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Peter Schmid aus Immenstadt

Dienstag, 22.12.2009 09:35

Was war denn der Sinn des EEG? Es sollte u. A. eine Anschubfinanzierung für Photovoltaik-Module ausgelöst werden, um diese Technik langfristig wettbewerbsfähig zu machen. Denn vor dem EEG waren die [...]

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Kommentare 1 - 3 von 3

Peter Schmid aus Immenstadt

Dienstag, 22.12.2009 09:35

Was war denn der Sinn des EEG? Es sollte u. A. eine Anschubfinanzierung für Photovoltaik-Module ausgelöst werden, um diese Technik langfristig wettbewerbsfähig zu machen. Denn vor dem EEG waren die Module teuer. Es wurden daher nur geringere Mengen verkauft, die industrielle Herstellung wurde nicht rationeller, und die Module blieben teuer.
Durch das EEG wurde die Nachfrage enorm gesteigert. Aufgrund der Massenproduktion, und des Wettbewerbs unter den Herstellern, sanken die Modul-Preise schneller, als die fixierte Reduktion der Einspeisevergütung.
Dadurch konnte 2009 die Einspeisevergütung statt um 5 um 8% gesenkt werden. Wenn die weitere Vergütungs-Reduzierung mit Augenmaß gestaltet wird, wird sich das Preisniveau Richtung wirtschaftlichem Strompreis am schnellsten erreichen lassen. Aber ist dies von allen so gewollt?
Eine Investition in Photovoltaik-Module sollte sich mindestens nach 10 Jahren amortisiert haben. Denn die Rendite sinkt in der zweiten Dekade durch die Degression der Modulleistung und die erhöhten Unterhalteskosten schneller.
Wer genau rechnet, wird bei einer Halbierung der Vergütung nicht mehr investieren. Dies alles ist allseits bekannt.
Wenn nun die Vergütung halbiert werden soll, so entsteht der begründete Verdacht, dass diese Technik für die vielen kleinen privaten Stromerzeuger bewusst finanziell nicht mehr so attraktiv sein soll. Warum nur?
Photovoltaikstrom hat doch zum Atomstrom, mit seinen ungelösten Endlagerungsproblemen, und zu den Kohlekraftwerken mit ihrem CO2-Ausstoß, große Vorteile. Selbst gegenüber Windkraft gibt es Vorteile, die Landschaft wird weniger beeinträchtigt, es entsteht kein Lärm und kein Schlagschatten, und die vorhandenen Dächer werden genutzt.
Aus meiner Sicht ist Photovoltaik aus vielerlei Gründen für die 4 großen Stromkonzerne nicht interessant. Der Einspeise-Preis ist festgelegt, das Handling der vielen kleinen Erzeuger ist aufwendiger, das bestehende Oligopol wird gestört, die Technik eignet sich in Deutschland nicht für Mega-Anlagen. Zudem sinkt für die Konzerne (nach dem Ablauf der zugesicherten Einspeisevergütung) der Umsatz, weil die Erzeuger ihren Strom dann wegen zu geringen Entgelten sicher selbst verbrauchen.

Stefan Haug aus Postmünster

Samstag, 12.12.2009 15:02

Die Verquickung und Verflechtung der 3 konservativen Parteien -und in Fragen der Steinkohle ja auch der SPD- mit den grossen 4 der Stromwirtschaft ist unerträglich und gehört -ENDLICH!- auf die politische Tagesordnung.
Man erinnert sich mit Grausen an den Herrn Müller aus der Energiewirtschaft,der mal unter Schröder eben zum Wirtschaftsminister wurde -bevor er wieder an die Tröge der Energiewirtschaft zurückgekehrt ist . Oder der sich gänzlich unbeleckt gebende Laurenz-Meyer,der doch tatsächlich NICHTS daran auszusetzen hatte,gleichzeitig den christlichen Generalsekretär zu geben und von REW ein Gehalt zu beziehen...
Bereits einfache Bundestagsabgeordnete sollten ganz klar gezwungen sein,sämtliche Einkünfte offenzulegen -und zwar nicht nur der Verwaltung gegenüber,sondern auch den Wählerinnen und Wählern gegenüber.
Ich möchte die betreffenden Jungs und Mädels nicht hören,wenn sich sich nach einem schweren Unfall in einem deutschen oder europäischen AKW winden und drehen und versuchen,sich herauszureden und zu -stehlen aus ihrer Verantwortung,der sie nicht gewachsen waren.
Ich hoffe,die Bürger lassen sich nicht weiter von Angie verkohlen und geben klare und unmissverständliche Signale in Sachen dezentrale Energiepoitik und fordern auch die Zerschlagung der unanständigen Monopole auf diesem lebenswichtigen Sektor.

Achim Parbel aus Friedberg

Freitag, 11.12.2009 08:45

Vielleicht sollte mal jemand die Fragen, die die Kosten des EEG zahlen. Die Damen und Herren im Bundestag vertreten schließlich die Interesse der Bürgerinnen und Bürger und nicht vorrangig die Interesse der Konzerne.
Sie treffen über die Köpfe Ihrer Wählter hinweg Entscheidungen ohne tatsächlich zu wissen was diese wirklich wollen.
Das erscheint mir nicht besonders demokratisch.
Jeder Haushalt zahlt im Schnitt ca. 50 € pro Jahr über seine Stromrechnung an Umlage für das EEG. Dafür, dass die Monopole der großen vier mit jeder PV- und Windenergieanlage ein Stückchen kleiner werden.
Über Demokratie wird in dieser Diskussion gar nicht gesprochen. Jeder hat prinzipiell die die Möglichkeit sich zu beteiligen und vom EEG zu profitieren. Ob mit einer einer eigenen Anlage, finanziert durch Kredite, oder Beteiligung an Solarparks, Fonds und Bürgersolaranlagen. Niemand ist diesem Gesetzt hilflos ausgeliefert. Das sieht bei der Entwicklung der Energiepreise ganz anders aus.
Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber es scheint doch offensichtlich, dass sich die Damen und Herren um Merkel und Westerwelle lieber im Kreise der großen Konzernbosse bewegen als sich mit dem Volk zu beschäftigen.
Die neue Regierung ist dabei die Uhr der Energiepolitik wieder um 20 Jahre zurück zu drehen. Zu Gunsten der großen Konzerne und zu ungunsten der Demokratie und auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder.
Sonnige Grüße!

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