Vorübergehend Ackerflächen nutzen

03. Februar 2010 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Die Bundesregierung plant, Photovoltaik-Parks auf dem Acker die Förderung abzugraben. Doch es sprechen einige Gründe dafür, in einer Übergangsphase auch Ackerflächen dafür zu nutzen. Dafür plädiert Ernst Schrimpff, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen (ABSI).

PV-Anlage auf einer Ackerfläche in Bayern

In Niederbayern gibt es derzeit einen wahren Boom von großen Photovoltaik-Parks auf Ackerflächen.

Die Gesetzesvorlage von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht vor, die Vergütung für Photovoltaik-Anlagen auf wertvollen Ackerflächen zum 1. Juli um 25 Prozent zu senken. Doch es gibt auch gute Gründe, landwirtschaftliche Flächen in einer Übergangsphase zur Gewinnung von Solarstrom zu nutzen. Dieser Ansicht ist auch Ernst Schrimpff, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen (ABSI), der sich den Fragen der photovoltaik stellte.

Solarparks auf Ackerflächen verdrängen den Anbau von Nahrungsmitteln. Früher waren sie auch dagegen. Warum nicht mehr?
Schrimpff: Die Photovoltaik wird im erneuerbaren Energiemix später etwa ein Drittel des Strombedarfs decken müssen. Wir haben in Deutschland rund 6000 Quadratkilometer Dachflächen. Wenn wir 2000 davon mit Photovoltaik-Anlagen bebauen würden, kann man rein rechnerisch ermitteln, dass wir 35 Prozent des Strombedarfs damit decken könnten. Von daher war ich der Auffassung, dass wir mit Anlagen auf Gebäuden vollkommen ausreichend zurande kämen. Es hat sich aber herausgestellt, dass der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Gebäuden sehr viel langsamer vor sich geht, als wir es eigentlich bräuchten. Das liegt daran, dass sich viele Gebäudebesitzer nicht schnell entscheiden können, entweder weil ihr Haus demnächst eine Renovierung vor sich hat, dann verschieben sie es, bis das Dach renoviert wird. Oder sie haben Zweifel, weil Teile des Daches zeitweise verschattet sind. Deshalb haben wir gesagt, es ist sinnvoll, in der Zwischenzeit Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu errichten, um diese Entwicklungsbremse im Bereich der Dachanlagen damit zu kompensieren.

Wie lange dauert diese Übergangszeit?
Schrimpff: Wir brauchen nur eine Generation an Photovoltaik-Freiflächenanlagen in einem bestimmten Ausmaß, die dann nach ihren 30 oder 40 Jahren Lebenszeit wieder zurückgebaut werden können, wenn dann die Dachanlagen ausgebaut sind. Ich bin sonst kein Freund von Freiflächenanlagen, ich ziehe es viel mehr vor, Photovoltaik auf Dächern und auf Fassaden zu sehen. Da arbeiten die Anlagen ja viel effektiver, weil Strom produziert und auch gleich verbraucht wird. Aber ich sehe keine Alternative, wenn wir die Entwicklung zur Energiewende rasch voranbringen wollen, auch Freiflächenanlagen zumindest eine Generation lang zu tolerieren.

Wie viel Ackerfläche benötigt man nach ihrem Szenario?
Schrimpff: Der entscheidende Punkt ist, dass wir für eine Generation von Photovoltaik-Freilandanlagen recht wenig Fläche benötigen. Wir haben für den Landkreis Freising ermittelt, dass durchschnittlich 0,3 Prozent der Gemeindeflächen ausreichen, um zusammen mit Dachanlagen einen Anteil von 30 Prozent zu erreichen, gemessen an dem Strom, der im Landkreis verbraucht wird.

Und Sie sehen kein Problem mit der Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau?
Schrimpff: Die Konkurrenz ist mit Sicherheit geringer, als wenn wir zum Beispiel noch mehr Strom aus Biogasanlagen erzeugen würden. Wenn wir über Maisanbau Biogas herstellen und aus Biogas Strom, produzieren wir nur ein Zwanzigstel oder noch weniger, als wenn wir auf der gleichen Fläche Photovoltaik-Freilandanlagen errichten. Die erzeugen 20- bis 25-mal mehr Strom. Wenn Biogasanlagen eine optimale Kraft-Wärme-Nutzung haben und die Überschusswärme wirklich voll genutzt wird, ist eine Photovoltaikanlage energetisch immer noch 12- bis 15-mal besser. Und das bedeutet, dass wir letztendlich, wenn es um die Stromerzeugung geht, die wir ja in Zukunft auch für die Elektromobilität benötigen, mit Photovoltaikanlagen auf der Fläche viel effektiver sein werden, als mit Bioenergien.

Sie und drei Solarinitiativen Bayerns haben Empfehlungen für kommunale Entscheidungsträger erarbeitet, die sich momentan schwer tun mit Entscheidungen über Solarparks. Was raten Sie?
Schrimpff: Wir empfehlen, dass bis zu 0,3 Prozent der Fläche einer Kommune für Freiflächenanlagen zur Verfügung gestellt werden sollte, damit sie auf einen 30 Prozent- Anteil an Solarstrom kommen kann. Wobei die Kommune natürlich zu entscheiden hat, wo sie in ihrer Gemarkung am wenigstens Probleme hat und wo die Akzeptanz am höchsten ist. Auch über die Größe sollte sie entscheiden. Das können mittlere oder kleinere Anlagen sein, aber es können auch große sein, wenn die Kommune meint, das wäre sinnvoller.

Jetzt droht eine Kürzung der Einspeisevergütung um 25 Prozent für Photovoltaik auf Ackerflächen. Wird es dann überhaupt noch jemanden geben, der Photovoltaik auf Ackerflächen baut?
Schrimpff: Die Kürzung ist sogar noch höher, weil die Einspeisevergütung dieses Jahr schon durch die im EEG vorgesehene Degression elf Prozent gesunken ist. Da kommen die 25 Prozent noch dazu. Es werden also 36 Prozent sein. Da stellen wir uns auch die Frage: Wird es überhaupt noch möglich sein, bei dieser wirklich brachialen Degression von 36 Prozent in einem Jahr, überhaupt wirtschaftliche Anlagen zu bauen? Das hängt sehr davon ab, ob die Modulpreise entsprechend weiter fallen, oder nicht.

Es ist ja die erklärte Absicht des Bundesumweltministers, die Förderung auf Ackerflächen so weit abzusenken, dass es nicht mehr attraktiv ist, dort zu bauen. Er wird sein Ziel also erreichen?
Schrimpff: Es ist die erklärte Absicht von CDU/CSU und offensichtlich auch von der FDP, dass der Bau auf Ackerflächen praktisch auf null zurückgefahren werden soll und sich die Freiflächenanlagen dann nur auf Konversionsflächen, auf Schallschutzwände oder ähnliche Flächen beschränken sollen. Ob das sinnvoll ist, möchte ich sehr in Frage stellen: Wir brauchen einen Schub in der Entwicklung der Photovoltaik, um das Ziel, bis 2025 die vorgesehenen 30 Prozent Solarstrom zu erzielen, wirklich zu erreichen. Dazu brauchen wir auch Freiflächenanlagen.
Das Gespräch führte Michael Fuhs

ABSI hat Kriterien vorgeschlagen, mit denen Kommunen systematisch über die Flächennutzung entscheiden können. Drei Solarinitiativen Bayerns haben gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft eine sechsseitige Empfehlung für kommunale Entscheidungsträger erarbeitet, wie sie Anträge für Freiflächenanlagen auf Ackerflächen besser bewerten können.

In der aktuellen photovoltaik-Ausgabe (02/2010) finden Sie unter dem Titel "Aufruhr im Sonnenland" einen ausführlichen Artikel zum wachsenden Protest gegen Photovoltaik-Freilandanlagen in Niederbayern.

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Hans Bender aus Straubing

Mittwoch, 03.02.2010 20:49

Das spricht dagegen: Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet [...]

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Hans Bender aus Straubing

Mittwoch, 03.02.2010 20:49

Das spricht dagegen:

Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.

"Nachhaltiges Handeln bedeutet den Erhalt unserer Lebensgrundlagen auch für nachfolgende Generationen und damit die Verwirklichung von Generationengerechtigkeit."

Nachhaltigkeit im Klimaschutz heißt, das Geld da einsetzen wo am meisten herauszuholen ist. Fotovoltaikgroßanlagen gehören da nicht dazu. Ein Beispiel:
Die geschätzten Nettokosten (das was wir dazuzahlen) Windkraftanlagen (2000-2008) betragen Windkraft ca. 19.8 Mrd. €, PV ca. 35 Mrd.€.
Die Stromausbeute bei Windkraft ca.835 Mrd. kWh, PV ca. 96 Mrd. kWh. Ich habe die 10fach Stromausbeute bei halben Nettokosten gegenüber PV.

Weitere Beispiele gegen PV-Gigantismus auf bestem Ackerboden

Nach EEG wird ab 2010 der regenerative Strom an der Leipziger Strombörse verkauft.
Nach Schätzungen belaufen sich die EEG-Einspeisevergütungen auf 12,7 Mrd. €, dafür gibt es an der Strombörse momentan nur 4,5 Mrd. €, also zahlen vor allem Privatstromkunden rund 8 Mrd. € über die Umlage.
Das sind alles Schätzungen. Der Preis an der Strombörse wird immer billiger. Die Zahl der gigantischen Fotovoltaikanlagen wird explodieren, das drückt den Strombörsenpreis nochmals. Die Blase Platzt in 2-3 Jahren. Bis in 20 Jahren werden wieder vor allem die privaten Stromverbraucher insgesamt über 100 Mrd. € nur für die Photovoltaik insgesamt zahlen.

Das RWI spricht sich in seiner Studie nicht grundsätzlich gegen die Fotovoltaik-Förderung aus. Gefördert werden sollten nach Ansicht der Essener Wirtschaftswissenschaftler aber vorrangig Forschung und Entwicklung. Das könne der Fotovoltaik „zur Wettbewerbsfähigkeit verhelfen“. „Quantensprünge bei den Wirkungsgraden“ von Fotovoltaikmodulen seien noch möglich. Mehr Forschung, so das Fazit des RWI, sei „ökonomisch weitaus vorteilhafter“ als mit „Milliardenbeträgen ganze Landstriche mit konventionellen Fotovoltaikmodulen“ zu übersäen.
Am effizientesten wäre die Ausgaben für FuE von CO2 freier Energiegewinnung drastisch zu erhöhen (mind. 66 Mrd.€/jährlich). Die dann erzielten FuE Innovationen setzen sich weltweit viel leichter durch als irgendwelche Abkommen (Erderwärmung, CO2 Ausstoßverringerung).

Die Preise für PV-Module fallen zwar, die Große Nachfrage führt dazu, dass wieder
ausländische Module verstärkt gekauft werden. Die Hersteller stecken momentan weniger Geld in Forschung und Entwicklung, wegen des Booms, die Wettbewerbsfähigkeit von Fotovoltaik wird verzögert. Alles was mit EEG erreicht werden sollte, wird wieder mit Maßlosen gigantischen Projekten vernichtet.

Die zur Herstellung von Fotovoltaik-Modulen benötigten „Seltenen Erden – Indium und Gallium“ verknappen durch den derzeitigen Boom und werden in den nächsten Jahren erheblich teurer. Wir haben dann alles in Module verbraten, die keinen Wirkungsgrad haben.
Blinder Gigantismus rächt sich. Für die Rohstoffsicherheit wurde auf deutscher Seite nichts getan. Politikerblindheit.

Der Ausstoß von CO2 wird durch unsere deutschen Einsparungen nicht geringer. Andere Länder decken sich billig mit zusätzlichen Verschmutzungsrechten ein und können dadurch höher emissionieren. Bei uns steigen die sowieso schon höchsten Strompreise weiter, in anderen Ländern fallen sie.
Der max. Effekt dieser CO2 Einsparung mit PV – Modulen ist, bei einem geschätzten Einsatz von 53 Mrd. € kann die globale Erwärmung unseres Planeten bis ins Jahr 2100 um 1 Stunde aufgeschoben werden. Irrsinn.

Jeder sechste Mensch auf dieser Welt hungert. Wir brauchen eine nachhaltige Bauernwirtschaft, wo jeder Hektar Bonitätsboden bearbeitet wird. Dann erübrigt sich der Import von Lebensmitteln mit Flugzeug, Container, LKW, Schiff usw. Wir produzieren und essen in der Region. Auch die Hungerländer produzieren und essen in der Region. Wir schütten sie nicht mit Industrie-Food zu.
Es wird immer deutlicher, dass das Modell der intensiven Landwirtschaft den Hunger nicht wirksam bekämpfen kann und neben Monokulturen auch zur Erosion der Böden und der Verschmutzung der Umwelt führt.

Jeder Hektar wird zukünftig zusätzlich für den Markt von Bioplastic gebraucht – wo sollen die nachhaltig produzierten Planzenöle, Zellulose herkommen – bestimmt nicht aus abgeholzten Urwäldern sondern von unseren Bauern. Der Gesamtkunststoffmarkt von 50 Mio t/jährlich soll nach Planungen bis 2011 auf 1,5 Mio t Bioplastic steigen. Dieser Markt wird bei steigendem Ölpreis explodieren – in den nächsten Jahren müssen 50 % mit Bioplastic abgedeckt werden. Wo soll dieser Mais, Kartoffel, Getreide, Zucker, Lein, Raps, Sonnenblume, Hanf, Holz, Flachs, Jute usw. angebaut werden, wahrscheinlich auf unseren
Dächern.

Der Bau von solchen Anlagen muß schnellstens auch aus folgenden Gründen gestoppt werden:
1. Ein Landwirt wird künftig keine Flächen mehr für den eigenen Betrieb pachten können, wenn er gegen Pachtpreise von 1250 € bis 1500 € pro Hektar (Mittlerweile bis 2000 Euro pro Hektar!) konkurrieren muss! Dies sind nämlich die Pachtpreise, die für PV Anlagen bezahlt werden.
2. Der Klimawandel wird nach Aussagen der Klimatologen zu einer teilweisen Versteppung und Verkarstung unserer heutigen Landschaft führen. Dieser Prozess kann sehr schnell verlaufen, wie die ständige Zunahme der extremen Witterungsereignisse beweist. Ein Entzug von fruchtbaren Ackerböden ist daher mehr als ein Frevel. (PV-Anlagen erhalten nämlich nur dann die Vergütung nach EEG, wenn die Fläche mindestens drei Jahre zuvor als Ackerland bewirtschaftet wurde! - Eine skandalöse gesetzliche Vorschrift unserer derzeitigen Bundesregierung.
In der Umweltpolitik gilt der Satz: Kein Aktionismus, sondern Effektivität ist gefragt! Nicht jedes politische Programm mit dem vorgeblichen Ziel, die CO2-Emissionen zu verringern, ist zu begrüßen.

Eine vollständige Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien - rückt durch die Anwendung ineffektiver Programme in weitere Ferne: Ineffektive Maßnahmen verursachen erheblichen organisatorischen Aufwand, binden Kräfte und lenken vom Wesentlichen ab. Ihre Ineffektivität wird leider erst nach mehreren Jahren erkennbar - die für sie aufgewendete Zeit wird dann als verlorene Zeit begriffen. Das Vertrauen in die politische Führung und in die Umweltvereine, die solche Programme unterstützen, geht verloren und ebenso die Bereitschaft der Bevölkerung, sich weiter für eine Vorreiterrolle einzusetzen. Ineffektive Maßnahmen im Klimaschutz führen letztlich zur Hoffnungslosigkeit

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