ZEW: Steigende EEG-Umlage gefährdet Akzeptanz

21. Dezember 2010 | Politik & Gesellschaft, Topnews

Die steigende Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien könnten zu einer sinkenden Akzeptanz von Photovoltaik, Wind und Biomasse in der Bevölkerung führen. Diese Befürchtung äußerten Experten in dem aktuellen ZEW-Energiemarktbarometer.

Windrad und Solarpark

Der Ausbau der Erneuerbaren wird von den Stromkunden mitfinanziert

In den kommenden Jahren werden die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland deutlich steigen. Dadurch sei die Akzeptanz der Förderung von Photovoltaik, Wind, Biomasse und anderen regenerativen Energiequellen in der Bevölkerung massiv gefährdet, so die Einschätzung der rund 200 befragten Experten aus der Energiewirtschaft durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Nur 20 Prozent gehen davon aus, dass sich die Kosten nach dem Anstieg der EEG-Umlage zum 1. Januar um 2 auf 3,5 Cent je Kilowattstunde stabilisieren werden. Mehr als drei Viertel der Befragten erwarten hingegen deutlich steigende Umlagekosten für die Stromkunden, wie das halbjährlich veröffentlichte ZEW-Energiemarktbarometer zeigt. Knapp die Hälfte der Befragten geht in den kommenden fünf Jahren von einem Anstieg der EEG-Umlage auf vier bis sechs Cent je Kilowattstunde aus. 27 Prozent rechneten gar mit einem Anstieg auf sechs bis acht Cent je Kilowattstunde. Damit würde ein Niveau erreicht, dass die Akzeptanz der Förderung erneuerbarer Energien bei der Mehrheit der Bevölkerung gefährde, so das Ergebnis der Befragung. Als kritische Höhe der EEG-Umlage bezeichnen etwa 30 Prozent der Befragten vier bis sechs Cent je Kilowattstunde, 24 Prozent sechs bis acht Cent je Kilowattstunde. 15 Prozent der befragten Energieexperten sehen die kritische Schwelle bereits mit den ab Januar fälligen 3,5 Cent je Kilowattstunde überschritten.

Die zusätzliche Absenkung der Solarförderung in diesem Jahr habe die steigenden Kosten nicht wesentlich eindämmen können. In der vergangenen Woche hatten mehrere Energiewissenschaftler einen „dringenden Appell zur Rettung des EEG“ an die Mitglieder des Umweltausschusses des Bundestags geschickt. Sie fordern darin, die Vergütung für Photovoltaik-Anlagen bei einem weiterhin starken Zubau in Deutschland weiter und schnell zu kürzen. Diese Einschätzung wird auch von den vom ZEW befragten Experten geteilt. Die SPD sieht ebenfalls die Gefahr, dass die Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien wegen der hohen EEG-Umlagekosten schwinden könnte. Deshalb schlägt sie ebenfalls einen neuen Fördermechanismus für Photovoltaik ab dem kommenden Jahr vor. „Dieser könnte so gestaltet sein, dass wir ab April 2011 quartalsweise Vergütungsabsenkungen von vier bis 4,5 Prozent vornehmen, um schließlich 2013 unter den Haushaltsstrompreisen zu liegen“, so der SPD-Energieexperte, Dirk Becker. Er warnt davor, dass jegliche Untätigkeit nur Union und FDP in die Hände spielen würde, „die Ende des Jahres mit Verweis auf explodierende Kosten die Photovolatik und letztlich auch das EEG über die Klinge springen lassen wollen.“ Genau davor warnen auch die Wissenschaftler in ihrem Appell.

Die ZEW-Befragung zeigt überdies, dass die Mehrheit der Energiewirtschaftler an der technologiespezifischen Förderung will. Die meisten Befragten sind aber auch für eine Angleichung der Förderung  der erneuerbaren auf europäischer Ebene. Allerdings seien diese beiden Gruppen nicht deckungsgleich, so das ZEW. Etwa 30 Prozent der Fachleute wollen im Gegensatz zum deutschen EEG eine Angleichung der Förderung durch einen Quotenhandel oder mit einheitlichen Einspeisetarifen für alle Technologien. (Sandra Enkhardt)

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