photovoltaik Ausgabe: 07-2017

Smart und Leistungsstark


Götz Fischbeck – hier am Messestand von Jinko Solar – ist Experte für smarte Solarmodule. Er hat unsere PV Guided Tours zu den Innovationen bei smarten und Hochleistungsmodulen moderiert.

Götz Fischbeck – hier am Messestand von Jinko Solar – ist Experte für smarte Solarmodule. Er hat unsere PV Guided Tours zu den Innovationen bei smarten und Hochleistungsmodulen moderiert.

PV Guided Tours — Die Nachfrage nach Solarmodulen wächst stark. Bei unseren Rundgängen auf der Intersolar in München zeigte sich, welche Hersteller mit Innovationen die Nase vorn haben. Petra Franke und Heiko Schwarzburger

Kurz vor der Intersolar holte die Krise im europäischen Modulmarkt ihr letztes, prominentes Opfer: Solarworld musste Insolvenz anmelden, die Standfläche auf der Messe in München blieb frei. Jahrelang kämpften viele Anbieter mit schwacher Nachfrage, die erst seit Mitte 2016 wieder anzieht. Ein Jahr später stehen alle Zeichen auf Sturm: Der US-Markt saugt die Lager leer, weil Präsident Trump eine Verschärfung der Zölle auf chinesische Importe angedroht hat. Kann sogar sein, dass Module in Europa wieder Mangelware werden.

Noch hängen die Märkte an politischen Fäden. Hersteller, die rein opportunistisch auf solche Gelegenheiten wie in den USA reagieren, haben in ökonomischen Märkten keine Zukunft. Weil sie Vertrauen verspielen. Entscheidend für den Markterfolg in Europa sind die drei Grundtugenden aller Branchen: Lieferfähigkeit, hohe Qualität der Produkte und Innovationen.

REC bringt Halbzellen

Nach kargen Jahren konnten die Leser der photovoltaik auf der diesjährigen Intersolar zahlreiche spannende Neuheiten finden – endlich wieder. Unsere PV Guided Tours, angeführt vom Solarexperten Götz Fischbeck, präsentierten erstaunliche Innovationen.

So brachte REC mit der Modulserie Twin Peak 2 die neuen Halbzellenmodule nach München. Die multikristallinen Paneele aus 72 PERC-Zellen leisten bis zu 350 Watt. Das komplett schwarze Modul BLK 2 bringt es auf bis zu 285 Watt.

Leistungsfähige Module aus Wismar

Bereits durch die Insolvenz gegangen ist das Modulwerk in Wismar, einst zu Centrosolar gehörend. Mittlerweile hat die neue CS Wismar GmbH unter der Marke Sonnenstromfabrik ein breites Produktangebot von sehr hochwertigen Solarmodulen entwickelt. In München präsentierte sich das Unternehmen bescheiden, am Gemeinschaftsstand „Innovation made in Germany“.

Die Sonnenstromfabrik bringt 60 Mono-PERC-Zellen in Glas-Glas-Modulen unter, die 300 Watt leisten. Mit 72 Zellen leisten sie 355 Watt. „Die Kunden wollen wieder mehr Module, auch die Großhändler“, bestätigte Geschäftsführer Bernhard Weilharter. „Diese Pforte ist jetzt weit offen, das eröffnet uns neue Chancen.“ Durch PV Guided Tours kam er ins Gespräch mit potenziellen Käufern, Installateuren, Händlern und Projektierern – trotz des kleinen, etwas versteckten Messestands. „Das hat sehr gut funktioniert.“

Axsun bietet Sonderformate

Der Modulhersteller Axsun aus Laupheim bei Ulm hat sich auf Sonderbauten spezialisiert, auf schmale oder besondere geometrische Modulformate nach Kundenwunsch. Der 36-Zeller AX M-36 3.2 Premium wird als Laminat oder gerahmt ausgeliefert. Das Deckglas besteht aus 3,2 Millimeter starkem, gehärtetem Sicherheitsglas. Zwei Varianten (weiß und silbern) werden gefertigt. Das AX M-54 3.2 Premium Black Highpower verfügt über eine intelligente Anschlussdose von Solaredge. Der integrierte Leistungsoptimierer kitzelt bis zu 25 Prozent höhere Erträge aus dem Modul. Neben dem 3,2-Millimeter-Sicherheitsglas auf der Frontseite sorgt ein 40 Millimeter starker Alurahmen für hohe Steifigkeit und Stabilität.

Neu auf der Messe vorgestellt wurde das monokristalline Modul AX M-60 Performer mit 60 Zellen (305 Watt). Mit gehärtetem Glas auf der Front- und der Rückseite wird es zudem als Doppelglasmodul AX M-60 Infinity angeboten.

SI mit modularen Anschlussdosen

AX M-60 wird optional mit integriertem Leistungsoptimierer von Solaredge ausgestattet. SI Module aus Freiburg hat ein modulares System von Anschlussdosen (Tigo) im Portfolio. Je nach Kundenwunsch werden die Tigo-Dosen ausgerüstet. Beginnend mit dem integrierten Monitoring kann man die Intelligenz in der Dose erweitern: mit DC-seitiger Sicherheitsabschaltung oder optimiertem MPP-Tracking bei Verschattung.

Zudem hat SI seine Baureihe an farbigen Modulen weiterentwickelt. Inzwischen bietet der Hersteller die Module SI Saphir Skin. Ihre Frontseite ist so kaschiert, dass man das Solarmodul kaum noch erkennt. Unter anderem kommt sehr tief strukturiertes Glas zum Einsatz. Solche Module werden kundenspezifisch gefertigt. Als 60-Zeller erreichen die Module je nach Farbe und Material zwischen 240 und 295 Watt Leistung.

Luxor vereint Sicherheit und Intelligenz

Bei Luxor Solar stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit die Secure Line Black EDT, die zwischen 270 und 290 Watt leistet. Diese Doppelglasmodule bieten schwarze Optik und monokristalline Zellen. Besonders bei Luxor sind die spezielle Versiegelung der Kanten und der eigens entwickelte Laminierungsprozess. Das Modul ähnelt eher einem Verbundglas als einem herkömmlichen Solarpaneel und ist daher besonders langlebig. Auf Wunsch stattet Luxor seine Produkte gleichfalls mit den intelligenten Dosen von Solaredge aus.

Zudem zeigte der Stuttgarter Anbieter ein neues, monokristallines Modul mit 60 Zellen und sieben Busbars. Es wird demnächst verfügbar sein und 320 Watt leisten. Eine weitere Neuheit war das Eco Smart Line Full Black M60 300 Watt, das mit Solaredge-Optimierer geliefert wird. Auf seine Glas-Glas-Module der Secure Line in transparenter und schwarzer Optik bietet Luxor 35 Jahre Produktgarantie und eine lineare Leistungsgarantie auf 88,5 Prozent nach 35 Jahren.

Jinko setzt auf smarte Module

Die smarten Module von Jinko Solar isolieren die Zellen innerhalb des Moduls und erhöhen den DC-Ausgangsstrom, um ihn an den Strangstrom anzupassen. Sie ermöglichen somit den unabhängigen Betrieb einer jeden Zellgruppe mit ihrem eigenen maximalen Leistungspunkt. Das monokristalline Modul Eagle MX mit dieser Technologie leistet bis zu 295 Watt. Die Module sind kompatibel mit beliebigen Wechselrichtern, da die Optimierung bereits im Modul integriert ist.

Jinko setzt PERC-Zellen ein, deren Rückseite mit Aluminium passiviert wurde. Dadurch wirkt die Rückseite wie ein Spiegel, der das Licht in den Halbleiter zurückwirft.

Die MX-Smart-Technologie sorgt für MPP-Tracking auf Zellebene. Hotspots sind ausgeschlossen, bei Teilverschattung liefern diese Module höhere Erträge als nicht optimierte Paneele.

Drei Anschlussdosen auf der Rückseite

Weil die Modulspannung um fünf Prozent niedriger liegt, sind längere Strings möglich. Einfache Wechselrichter mit einem MPP-Tracker reichen aus, um diese Strings auch bei verschiedener Ausrichtung oder Neigung der Module zu verwalten. Die Paneele sind beständig gegen Salzwasser und Ammoniak.

Bei Jinko Solar liegen die drei Anschlussdosen in der Mitte, rechts und links. Auf diese Weise wird weniger Kabel zum Anschluss gebraucht. Auch Jinko nutzt Halbzellen, um die Aperturfläche möglichst auszureizen und interne Leistungsverluste möglichst zu senken.

Aleo bringt bifaziale PERC-Zellen

In der X-Linie bietet Aleo Solar neue Hochleistungsmodule mit 60 bifazialen PERC-Zellen und schlankem Rahmen. Im Spätsommer sollen die Module als X59 und X79 in Schwarz verfügbar sein. Außerdem will Aleo das Modul S79 ab September 2017 mit Leistungsoptimierer anbieten (Solaredge).

Eine weitere Neuheit ist ein polykristallines 60-Zellen-Modul mit 300 Watt Leistung, das ab Herbst erhältlich sein wird. Auch dieses Modul basiert auf PERC-Zellen.

Außerdem wurde das monokristalline Glas-Glas-Modul Elegante 2 vorgestellt, das bifaziale Zellen nutzt. Wird es im Carport von Schmidt und Thürmer verbaut, sind weder Kabel noch Anschlussdosen sichtbar.

Die Sunbrush mobil GmbH aus Lachen im Allgäu entwickelt, produziert und vertreibt Reinigungsbürsten für Photovoltaikanlagen und zur Fassadenreinigung.

Sunbrush mobilisiert die Reinigung

Das 2009 von Geschäftsführer Franz Ehleuter gegründete Unternehmen hat die Technik selbst entwickelt und betreibt ein eigenes Testcenter.

In München wurden verschiedene Systeme zur Modulreinigung vorgestellt. Die Bürstenlänge variiert zwischen vier und acht Metern, ihr Durchmesser beträgt 300 Millimeter. Die Bürsten werden vollhydraulisch über eine Zugmaschine angetrieben, die eine entsprechende Hydraulikleistung anbieten kann.

Die Steuerung erfolgt über Zwölf-Volt-Systeme oder mit 24 Volt. Die Wasserversorgung wird mittels elektrischer Pumpe oder Pumpe an der Zapfwelle der Zugmaschine abgedeckt. Der Anlagenfahrer nutzt Kameras, um die Reinigung der Modulflächen zu steuern. Die Bürsten werden mit entsalztem Wasser versorgt, um keine Flecken auf den Modulen zu hinterlassen.

Literatur

Fussnoten

  • Bernhard Weilharter von CS Wismar hatte Grund zu strahlen: „Super Sache!“

  • Axsun überzeugte mit Modulen für viele Einsatzmöglichkeiten.

  • Am Messestand von Sunbrush mobil rotierten die Bürsten – ein echter Hingucker.

  • Thomas Dessoi von Luxor Solar war mit der Messe außerordentlich zufrieden.

  • REC brachte seine Halbzellenmodule nach München.

  • SI Module aus Freiburg darf seine Glas-Glas-Module überall einbauen.

  • Aufmerksam lauschen die Teilnehmer der PV Guided Tours dem Vortrag am Stand von Aleo Solar.

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