photovoltaik Ausgabe: 09-2017

Nur nicht verbiegen


Die Nachfrage nach Solaranlagen für große Industriedächer zieht wieder an. Das belebt auch den Markt für Montagesysteme auf Metalldächern.

Die Nachfrage nach Solaranlagen für große Industriedächer zieht wieder an. Das belebt auch den Markt für Montagesysteme auf Metalldächern.

Metalldächer — Auch in diesem Jahr haben sich die Hersteller von Montagesystemen des Blechdachs angenommen. Die zahlreichen Neuentwicklungen zeigen, wie wichtig das Segment für Industrie und Handwerk ist. Sven Ullrich

Inhaltsübersicht

  1. Nur nicht verbiegen
  2. Sifatec
  3. O-Metall

Das Blechdach ist eine der beliebtesten Dacheindeckungen. Der Markt ist riesig und wächst immer weiter. Vor allem Gewerbegebäude, aber inzwischen auch Wohnhäuser werden mit dem langlebigen Stahlblech bedeckt.

Längst hat das Blechdach das Image des Billigen und Provisorischen verloren und sich einen festen Platz in der Bauindustrie gesichert. Schließlich hat es einige Vorteile: Im Vergleich zu Eternit ist das Blech viel haltbarer bei mechanischen Umwelteinflüssen. Die modernen Dachbleche mit ihren dicken Zinkbeschichtungen – gleichgültig ob sie in Trapezform, gefalzt oder als Wellblech ausgeführt sind – halten heftigen Hagelschauern oft sogar besser stand als Dachziegel.

Die steigende Zahl von Blecheindeckungen, kombiniert mit einem Markt für gewerbliche Eigenverbrauchsanlagen, lässt auch das Interesse an Montagesystemen für Blechdächer steigen. „Vor allem im Projektbereich mit großen Anlagen auf Trapezblechdächern spüren wir eine deutlich steigende Nachfrage“, berichtet Manuel Schwarzmaier, Vertriebsleiter für Solardachsysteme bei Schletter. „Das führt wiederum zu einem heftigen Preiskampf.“

Schnelles System von Schletter

In diesem können sich nur Anbieter von Montagesystemen behaupten, die schnell und leicht zu installierende Gestelle und Anbindungen offerieren. Nur wer innovativ bleibt und immer ausgefeiltere Systeme auf den Markt bringt, die die unterschiedlichen Herausforderungen meistern, vor denen die Installateure bei der Montage auf Blechdächern stehen, hat eine Chance am Markt.

Deshalb haben die Ingenieure bei Schletter getüftelt und gleich zwei völlig neue Lösungen entwickelt. Um den Markt für Anlagen auf Trapezblechdächern noch besser abzudecken als bisher, haben sie das System Ecorapid ersonnen. Der Name ist dabei Programm. Denn die kleine Klemme besteht im Prinzip nur aus einer Edelstahlplatte. Das obere Drittel ist leicht abgeknickt und so ausgestanzt, dass an beiden Enden kleine Haken entstehen.

Das Ecorapid wird, wie bei allen Trapezblechdachlösungen von Schletter, seitlich an die Hochsicke geschraubt. Deshalb muss die Stahlplatte auch auf der Seite, an der die Haken sind, abgeschrägt sein, damit die Haken senkrecht aufragen. In diese klemmt der Handwerker die obere Seite des Moduls im Klemmbereich, der vom Hersteller vorgegeben ist.

Danach zieht der Installateur das Modul kräftig nach unten und schiebt den Haken des nächsten Ecorapid hinter die untere Seite des Modulrahmens und schraubt den Halter – ebenfalls seitlich – an die Hochsicke des Trapezbleches. Damit ist das Modul vollständig installiert. „Mit dem Ecorapid ist die Gestellmontage gleichzeitig die Modulmontage“, erklärt Manuel Schwarzmaier. „Der Handwerker muss nicht erst ein aufwendiges Schienensystem aufbauen und dann die Module mit Klemmen befestigen.“

Seitlich angeschraubt

Dadurch ist das System extrem preiswert und schnell zu installieren. Denn der Handwerker muss längs zur Hochsicke nichts ausmessen. Schließlich schraubt er alle Befestiger jeweils an die gleiche Sicke und bleibt damit exakt in der Flucht. Zudem muss der Monteur in der Mitte des Modulfeldes nur noch eine Schraube pro Befestigungspunkt verwenden. Einzig rechtwinklig zur Hochsicke muss der Installateur darauf achten, dass er die Anlage nicht schief baut.

Preiswert ist es zudem, weil extrem wenig Material notwendig ist, sowohl für die Herstellung des Befestigers als auch für die Installation der Anlage. „Wir haben die Lösung für extrem preisbewusste Installateure entwickelt“, betont Schwarzmaier.

Die seitliche Anbindung an die Hochsicke haben die Entwickler von Schletter bewusst gewählt. „Es ist die technisch sinnvollste Lösung für die Montage auf Trapezblech“, begründet Schwarzmaier die Entscheidung. „Denn damit belasten wir die Schrauben nicht mit Bewegungen des Daches, des Gebäudes und des Modulfeldes, wir haben keine Dehnungen, und die Schraube muss nur die Scherkräfte und die Zugkraftbelastungen aufgrund des Windes und Schneedrucks abfangen.“

Um das zusätzliche Gewicht der Anlage möglichst flächig in das Dach einzuleiten, muss das Ecorapid so installiert werden, dass es den Modulrahmen gegen das Trapezblech zieht. Damit liegt das Modul auf mehreren Hochsicken auf.

Für alle Geometrien geeignet

Das Ecorapid hat aufgrund der seitlichen Anbindung allerdings den Nachteil, dass es nicht für alle Sickengeometrien genutzt werden kann. Zum einen muss die Seitenfläche der Sicke mindestens 22 Millimeter betragen. Der Handwerker kann den Befestiger für alle gängigen Trapezblechvarianten nutzen. Wenn die Seitenfläche der Sicke allerdings weniger als 50 oder mehr als 76 Grad in die Höhe ragt, muss er auf ein anderes System zurückgreifen. Dafür hat Schletter

das Clampfit entwickelt. Dieses besteht aus einer senkrechten Aluminiumplatte und einem waagerechten Klickkanal, in dem die Modulklemmen montiert werden.

Beide Teile sind über ein Scharnier miteinander verbunden. Mit der unteren, senkrechten Platte wird der Befestiger seitlich an der Sicke befestigt. Über das Scharnier kann die obere Platte so eingestellt werden, dass sie exakt waagerecht über die Sicke ragt. Da diese frei einstellbar ist, kann der Handwerker die Lösung für sämtliche Sickengeometrien anwenden. Das Scharnier hat aber noch den Effekt, dass die Last exakt senkrecht in das Dach eingeleitet wird.

Das Clampfit ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Die Entwickler bei Schletter haben den Befestiger jetzt jedoch so angepasst, dass er mit den neuen Klemmen der Kirchdorfer genutzt werden kann, die auf alle Gestelle von Schletter passen. Diese sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Die Falz entlasten

Die neuen Klemmen passen dann auch auf die zweite Neuentwicklung für Blechdächer, die Schletter vorgestellt hat. Ganz frisch aus der Entwicklungsabteilung in Kirchdorf/Haag kommt die neue Lösung für die Anbindung an zweifach gebördelte Stehfalzbleche. „Diese haben wir zusammen mit Rheinzink entwickelt“, sagt Schwarzmaier. Anders als die bisherigen Lösungen von Schletter für Blechfalzdächer wird der neue Befestiger nicht mehr seitlich verschraubt, um ihn an die Falz zu pressen. Das neue System hakt der Monteur unter die Bördelung der Falz. Damit ist sie schon befestigt. „Dadurch pressen wir den Befestiger vertikal und nicht mehr horizontal und entlasten so die Falz“, beschreibt Manuel Schwarzmaier einen entscheidenden Vorteil der Neuentwicklung. „Außerdem wird das System dadurch stabiler.“

Die Oberseite des Befestigers besteht aus einer Klicknut. In die kann ein Kreuzschienenverbinder eingeschoben werden, wenn die Module hochkant montiert werden. Bei der Quermontage der Module kann der Installateur aber auch gleich die Klemmen in die Nut einschieben. Schletter hat angekündigt, einen ähnlichen Befestiger auch für Systemfalzbleche zu entwickeln. Diese werden bisher noch seitlich festgeschraubt.

Gestell für runde Dächer

Mit einem ganz neuen System für Trapezblechdächer hat der Hamburger Hersteller S-Flex unter anderem die eher exotischen sogenannten Tonnendächer im Blick. Das sind halb gewölbte Dächer. Dadurch ist das Problem bei der Installation von Solaranlagen, dass die Montagesysteme die Rundung ausgleichen müssen, die durch die Bombierung entsteht. Mit dem Vario haben die Hamburger eine Möglichkeit gefunden, ein ebenes Modulfeld entlang der Dachform spannungsfrei zu installieren.

Denn die Lösung besteht aus einer Profilschiene aus Aluminium. Diese wird mittels einer Grundplatte quer zur Sicke auf das Trapezblech geschraubt. Um verschiedene Sickenabstände zwischen 100 und 333 Millimetern komplett abdecken zu können, haben die Hamburger die Grundplatte mit jeweils sechs Bohrungen an allen vier Ecken versehen.

Der Rundung anpassen

Anders als bei den bisherigen Montagesystemen ist das Profil nicht eckig ausgeführt, um eine Modulklemme aufnehmen zu können. Vielmehr ist es rund. In diese Rundung schiebt der Handwerker von der Seite einen Adapter ein. Dieser funktioniert wie ein Gelenk, das sich jeweils der Rundung der Tonnendächer anpasst, sodass die Module eben über der Dachhaut schweben. Diese werden mit den bewährten Modulklemmen von S-Flex am Adapter befestigt.

Allerdings hat auch die Installation einer Photovoltaikanlage auf Tonnendächern ihre Grenzen. Diese sind vor allem durch die Rundung bedingt. Denn bei einem Radius des Daches von 3,5 Metern liegt das Modul in der Mitte auf. Ist der Radius noch kleiner, kann das Modul nicht mehr eben über der Dachhaut verlegt werden. Dann müssten die Adapter höher sein. Allerdings ist dieser Fall eher unwahrscheinlich, da solche Dächer extrem selten sind.

Schwimmend gelagert

Da der Adapter nicht festgeschraubt wird, kann er gleichzeitig sämtliche thermischen Ausdehnungen abfangen. Schließlich dehnen sich das Blechdach und das Modulfeld unterschiedlich stark aus, wenn es draußen warm wird, und ziehen sich bei Kälte auch unterschiedlich stark wieder zusammen. Dadurch besteht auf einem Blechdach immer die Gefahr, dass sich die Verschraubungen lockern, weil sich ein Langloch gebildet hat.

Das Ergebnis ist, dass die Anlage im Extremfall nicht mehr sicher auf dem Dach steht. Außerdem erhöht sich die Gefahr, dass die Verschraubungen undicht werden und Wasser durch die Dachhaut dringt. Um dies zu umgehen, haben die Entwickler von S-Flex die Anlage schwimmend gelagert.

Um zu verhindern, dass die Adapter aus dem Profil rutschen, werden diejenigen, die das jeweils erste und letzte Modul einer Reihe halten, mit einem Nutenstein und einer Scheibe gesichert. Doch trotz der schwimmenden Lagerung der Anlage sollte die Modulfläche nicht länger als sechs Meter sein. Danach muss der Handwerker ein neues Modulfeld beginnen.

Das Vario eignet sich aber auch für die Installation auf sogenannten Schwedenblechen. Das sind abgestufte Bleche in Form von Dachpfannen, die in den Wellentälern auf Pfetten befestigt sind. Normalerweise ist das die Domäne der Stockschraube. Die langen Schrauben reichen bis auf die Pfette und auf der anderen Seite noch über die Dacheindeckung hinaus. Auf die Stockschrauben sind in der Regel Bleche geschraubt, die seitlich wie kleine Fähnchen über die Schraube hinausragen.

Auf diese Bleche werden dann die Montageschienen geschraubt. Dadurch drückt das gesamte Gewicht des Moduls seitlich auf die Schraube, sodass diese enormen Scherkräften ausgesetzt ist. Zudem müssen die Löcher, durch die die Schrauben getrieben werden, oft aufwendig abgedichtet werden.

Stockschraube verbannt

Mit dem Vario kann der Installateur die Montageschienen direkt auf die Wellenberge der Blechdachpfannen schrauben und erspart sich so die Montage mittels Stockschrauben. Mit diesem System kann der Handwerker gerahmte Module mit wenig Aufwand entweder hochkant oder quer direkt auf der Schiene montieren. Das Vario ist für kombinierte Wind- und Schneelasten von bis zu 5,4 Kilonewton pro Quadratmeter ausgelegt. Damit kann der Handwerker Blechdächer mit einer Neigung von bis zu 20 Grad mit einer Solaranlage bebauen. Zudem ist die Trapezblechschiene rückseitig bereits mit einer EPDM-Dichtung vorkonfektioniert.

Eine Alternative zur Stockschraube hat auch Ambivolt entwickelt. Der Hersteller von Montagesystemen aus dem niederbayerischen Gangkofen hat schon im vergangenen Jahr mit dem Ambi U ein System für Schrägdächer auf den Markt gebracht, dessen Eindeckung auf die Pfetten geschraubt ist. In diesem Jahr ist noch eine Weiterentwicklung des bewährten Ambi Nano dazugekommen, um Anlagen auf Metalldächer zu installieren, die ebenfalls auf die Pfetten geschraubt werden.

In die Unterkonstruktion schrauben

Dazu haben die Entwickler einfach die bewährte Grundschiene mit Bohrungen ausgestattet, durch die der Monteur eine lange Schraube treibt, die bis auf die Pfette reicht. „Dadurch liegt die Anlage im Gegensatz zur Montage mit Stockschrauben direkt auf dem Blech auf“, erklärt Franz Stangl, Chefentwickler von Ambivolt. „Auf diese Weise werden die Kräfte, die quer auf die Anlage einwirken, durch Reibung aufgenommen.“ Kräfte, die senkrecht auf die Module treffen, werden zudem flächiger als mit einer Stockschraube in das Dach eingeleitet.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sämtliche Bauteile des bisherigen Ambi Nano auch auf die neue Grundschiene passen. Bei der Installation muss der Monteur nur darauf achten, dass er mit der Schraube auch die Pfette trifft. Das ist aber in der Regel kein Problem, da auch das Blech auf der Pfette aufgeschraubt ist. Der Installateur kann sich an diesen Verschraubungen orientieren und weiß so genau, wo die Pfette ist.

Aufständerung fürs Blechdach

Die neuen Systeme sind für die dachparallele Verlegung der Module ausgelegt. Doch auf Flach- oder nur gering geneigten Dächern mit Trapezblecheindeckung ist oft eine Aufständerung der Module notwendig. Um auch dieses Segment abzudecken, hat Mounting Systems aus dem brandenburgischen Rangsdorf sein System für Trapezblechdächer mit der Lösung für Flachdächer zusammengeführt.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist eine neue kurze Grundschiene, die mit Befestigern seitlich an die Hochsicke des Trapezbleches geschraubt wird. In die Unterseite der neuen Trapezblechschiene ist ein Gummi eingezogen, um das Blech zu schützen.

Oben ist sie mit einer Nut versehen, in die der Installateur die Stützen des leicht ballastierten Flachdachsystems Lambda Light montiert. Auf diese Weise kann er die Module in einem Winkel von zehn oder 15 Grad aufständern.

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass der Installateur die Komponenten, die er für das Flachdachsystem nutzt, wie die Modulklemmen und Auflagestützen, jetzt auch für aufgeständerte Anlagen auf Trapezblechdächern verwenden kann. Doch die Idee eines Baukastensystems der Rangsdorfer geht noch weiter. „Der Installateur kann grundsätzlich wie bisher die lange Schiene nutzen, wenn er eine Anlage auf einem Trapezblechdach bauen will. Wenn er eine leicht ballastierte Anlage auf einem Flachdach baut, nimmt er das Lambda-Light-System mit der kurzen Bodenschiene. Errichtet er eine leicht aufgeständerte Anlage auf einem Trapezblechdach, kann er jetzt beide Lösungen miteinander kombinieren“, beschreibt Juliane Hinz, Vertriebsleiterin für die Handelssparte von Mounting Systems, das Prinzip. Das bedeutet, dass er weniger Bauteile auf Lager haben muss.

Literatur

Fussnoten

  • Beim Ecorapid ist der Name Programm. Das System ist Gestell- und Modulmontage in einem.

  • Mit dem Clampfit kann der Handwerker sämtliche Sickengeometrien abdecken.

  • Der neue Befestiger belastet die Falz nicht mehr seitlich, sondern von oben. Das ist stabiler.

  • Mit dem Vario kann S-Flex eine Anlage auf runden Dächern spannungsfrei montieren.

  • Das Herzstück des Vario von S-Flex ist der Adapter, der gleichzeitig als Gelenk dient, um Rundungen und Unebenheiten auf dem Dach auszugleichen.

  • Ambivolt schraubt die Schiene direkt auf die Pfette. Damit erspart sich der Monteur die Stockschraube.

  • Mit der Aufständerung für Trapezbleche denkt Mounting Systems den Systemgedanken zu Ende.

Fotos: Velka Botika

Foto: S-Flex

Foto: S-Flex

Foto: Velka Botika

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