photovoltaik Ausgabe: 04-2019

Ruhe im Markt, vorerst


Immer mehr Ware wird weltweit bewegt, in immer mehr Märkten. Die Preise für die Komponenten sinken, dafür gewinnen die Logistikkosten der Händler an Bedeutung.

Immer mehr Ware wird weltweit bewegt, in immer mehr Märkten. Die Preise für die Komponenten sinken, dafür gewinnen die Logistikkosten der Händler an Bedeutung.

Fachgroßhandel — Der starke Preisverfall bei Solarmodulen hat den Zubau weltweit angekurbelt. Er hat aber auch Opfer gekostet – unter den Herstellern. Und den Distributoren hat er das Geschäft nicht gerade erleichtert. Heiko Schwarzburger

Inhaltsübersicht

  1. Ruhe im Markt, vorerst
  2. Kurz nachgefragt

Mehr als drei Jahrzehnte ist Kai Lippert mittlerweile im Solargeschäft tätig. Er hat den Solargroßhändler EWS in Handewitt an der dänischen Grenze gegründet und durch schwierige Zeiten geführt. Für ihn war 2018 ein sehr gutes Jahr. „Unsere Absätze in Deutschland liegen in den letzten sechs Monaten auf Rekordniveau“, analysiert er. „Auch deshalb lagen wir hier 2018 deutlich über dem Vorjahr und erwarten auch in diesem Jahr wieder ein erfreuliches Wachstum.“

Lipperts Vertriebsraum umfasst neben Deutschland auch Skandinavien und Holland. Der Norden scheint von den sinkenden Modulpreisen besonders profitiert zu haben. „Gleichzeitig hält auch die Entwicklung in den skandinavischen Märkten Schritt“, beobachtet Lippert. „Sogar in den Niederlanden konnten wir unser Geschäft kräftig ausbauen.“ Einen Einbruch der Nachfrage erwartet EWS in keinem der Märkte Nordeuropas, weder 2019 noch in den Folgejahren.

Der Photovoltaikmarkt scheint sich zu beruhigen, das überhitzte Auf und Ab bei den Modulpreisen scheint sich zu glätten – auf niedrigem Niveau. „Der Preis für hochwertige Solarmodule stabilisiert sich derzeit aufgrund der starken internationalen Nachfrage“, kommentiert Kai Lippert. „Die Produktionskapazitäten werden mittelfristig weiter etwas über der Nachfrage liegen, was die Preise bald wieder unter Druck setzen wird.“

Wenn die Modulpreise rutschen, müssen auch die Anbieter von Wechselrichtern reagieren: „Die stetige Verbesserung der Relation von Preis und Leistung bei den Wechselrichtern macht die Nutzung von Solarstrom zusätzlich immer attraktiver“, sagt Lippert. „Einen Preisverfall, wie ihn die Branche in der Vergangenheit erlebt hat, wird es aus unserer Sicht aber nicht mehr geben.“

Vor allem monokristalline Module sind im vergangenen Jahr deutlich günstiger geworden. Die Werke wurden ausgebaut und übersteigen bereits die Kapazitäten für Polymodule. „Das Angebot steuert in diesem Fall die Nachfrage, wobei der Schwerpunkt in der Distribution wegen des besseren Handlings immer noch beim 60-Zeller liegt“, urteilt der Experte aus Handewitt. „Da der spezifische Preisunterschied von höheren Wattklassen zur Standardware immer weiter zurückgeht, steigt der Anteil von Modulen mit effizienteren Zelltechnologien wie der Halbzelle und bifazialen Zellen deutlich.“

Beim Einsatz von Modulen mit integrierten Optimierern sind die Kunden von EWS eher zurückhaltend. „Als Grund hierfür wird oft die Angst vor unsicheren Verantwortlichkeiten im Garantiefall genannt“, berichtet Kai Lippert. „Wir verkaufen daher die Optimierer separat bei gleichzeitig flexiblerer Modulauswahl.“

Krannich verkaufte eine Million Module

Bei Krannich Solar in Weil der Stadt lief es in den vergangenen Monaten gleichfalls sehr gut. Krannich beliefert Solarkunden in Deutschland, Benelux, Österreich, Schweden, Großbritannien und Osteuropa.

In Frankreich oder den USA hat die Krannich-Gruppe regionale Niederlassungen, die eigenverantwortlich agieren. Derzeit sind es 20 Niederlassungen weltweit.

Für Krannich wurde der Preisverfall bei den Modulen von steigender Nachfrage begleitet. „Deshalb ist unser Absatz von Solarmodulen gewachsen, wir konnten den geringeren Umsatz aufgrund des Preisverfalls mehr als ausgleichen“, berichtet Jan Brunner, Vertriebschef von Krannich Solar. „Wir haben im vergangenen Jahr rund 50 Prozent mehr Module gedreht als 2017.“

Hinzu kommt, dass mit der Zahl und Vielfalt der Module auch mehr Systeme und andere Artikel in den Handel kommen. Das erhöht die Anforderungen an die Logistik und das Handling, beides wird schwieriger. „Von Deutschland aus haben wir ungefähr eine halbe Million Solarmodule ausgeliefert“, bestätigt Brunner. „Das sind rund 300 Megawatt. Über die gesamte Krannich-Gruppe mit allen Niederlassungen war es freilich deutlich mehr.

Markt fordert mehr Leistung

Auch bei Krannich wurden deutlich mehr monokristalline Module nachgefragt als Polymodule. „Im ersten Halbjahr wurden noch mehr polykristalline Module nachgefragt. Etwa ab Mitte des Jahres wuchs der Anteil von Monomodulen stark“, erinnert sich Jan Brunner. „Als im Herbst die Mindestpreise wegfielen, hat Mono die polykristalline Konkurrenz überholt. Mittlerweile machen bei uns monokristalline Module rund 75 Prozent des Modulhandels aus.“

Das Grundrauschen läuft über Standardmodule mit 300 bis 310 Watt. „Mono-Perc mit Halbzelle leistet 320 Watt, da stieg die Nachfrage gleichfalls deutlich an. Der Trend zu höheren Leistungsklassen wird sich 2019 fortsetzen. Im Februar machten monokristalline Module bei uns drei Viertel des Modulgeschäftes aus.“

Poly fällt zurück

Obwohl die Nachfrage vor allem bei kommerziellen Anlagen stark anstieg, bisher eine Domäne für Polymodule. Der Grund: „Noch sind die Kürzungen der Vergütung bei uns nicht durch“, urteilt Brunner. „Viele Kunden wollen jetzt noch rechtzeitig ihre Anlagen ans Netz bringen. Der Preisunterschied zwischen Poly und Mono ist nicht mehr so groß, also greifen sie bei Monomodulen zu.“

Soll heißen: Wenn sich noch einmal ein signifikanter Preisunterschied ergibt, könnte sich das Blatt wieder wenden. Denn: „Polykristalline Module werden auch weiterhin dort verbaut, wo große Flächen zur Verfügung stehen“, kommentiert der Vertriebsexperte die Aussichten. „Dort geht es vor allem um möglichst niedrige Preise. Die Kunden interessiert nur das Verhältnis von Preis, Leistung und Wirkungsgrad. Das muss stimmen. Dann ist es eigentlich egal, ob im Modul monokristalline oder polykristalline Zellen stecken. Da spielt es auch keine Rolle, ob es Vollzellen oder Halbzellen sind.“

Nachfrage dürfte steigen

Derzeit sieht Jan Brunner eine Stabilisierung der Modulpreise, nachdem sie zu Jahresbeginn leicht anstiegen. „Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage nach Modulen sogar weiter steigen wird“, meint er. „Denn die Vergütung wird weiter abgesenkt, zudem droht das Ende der Förderung, wenn der Deckel von 52 Gigawatt in Deutschland erreicht ist.“

Das könnte seiner Meinung nach durchaus schon Ende 2019 oder im ersten Quartal 2020 der Fall sein. „Also lohnt es sich überhaupt nicht, auf sinkende Modulpreise zu warten.“

Im deutschen Markt dürfte das Wachstum weitergehen. „In Deutschland könnten es plus 50 Prozent werden“, prophezeit Brunner. „In Holland legt der Markt ebenfalls stark zu. In Schweden geht unser Geschäft förmlich durch die Decke. Das hätten wir vor wenigen Jahren noch nicht gedacht, dass die Photovoltaik in Skandinavien so schnell ein Renner wird.“

www.pv.de

www.krannich-solar.de

Literatur

Fussnoten

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