photovoltaik Ausgabe: 07-2019

Dialog

„Die Landwirte kehren als Zielgruppe zurück“

Schwarzburger: In dieser Ausgabe widmen wir uns der Eigenstromversorgung von Hotels und landwirtschaftlichen Betrieben. Nicht selten greifen beide Branchen ineinander. Bemerkenswert: Die bei uns in der Redaktion eingehenden Referenzbeispiele aus diesen Branchen mehren sich. Offenbar sind die Bauern auf den Geschmack gekommen.

Vagt: Ein sehr hoher Prozentsatz der Landwirte in Deutschland und Österreich kennt die Photovoltaik bereits. Wir schätzen, dass zwischen 60 und 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bereits eine Solaranlage haben. Allerdings speisen diese Anlagen ins Netz, denn sie wurden gebaut, als die Einspeisevergütung noch lukrativ war.

Schwarzburger: Wie viele Bauern gibt es in Deutschland? Ich schätze, eine Menge, nimmt man Tierproduktion, Pflanzenproduktion und Gemüseanbau zusammen, im Haupterwerb oder im Nebenerwerb …

Vagt: Wir bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Frankfurt am Main rechnen aktuell mit 215.000 landwirtschaftlichen Betrieben ab einem Hektar in Deutschland. Davon betreibt rund die Hälfte die Landwirtschaft im Haupterwerb. Die DLG hat über 30.000 Mitglieder. Der Eigenverbrauch von Sonnenstrom auf den Höfen wird immer wichtiger.

Schwarzburger: Weil er die Energiekosten der Betriebe drastisch senkt. Damit ergeben sich für die Bauern ganz neue Geschäftsmodelle und Chancen.

Vagt: Nicht nur das. Wir sehen auch, dass die Digitalisierung und die E-Mobilität in der Landwirtschaft massiv voranschreiten. Viele Hofgeräte laufen bereits mit elektrischem Strom, etwa Pelletiersysteme oder Hilfsgeräte im Stall. Zudem ist der Strombedarf für Trocknung oder Kühlung, für die Rührwerke der Futtermischanlage oder beispielsweise die Ventilation in der Geflügel- und Schweinemast sehr hoch.

Schwarzburger: Man muss kein Prophet sein: Auch die Landwirtschaft steht zunehmend unter Spannung und wird ihre energetische Basis zunehmend auf elektrischen Strom ausrichten.

Vagt: Das geschieht bereits, natürlich in unterschiedlichem Schrittmaß, je nach Sparte, Region und Betriebsgröße. Doch die Sache nimmt Fahrt auf. Denn bald fallen viele der Altanlagen aus der EEG-Förderung. Dann werden die Landwirte verstärkt auf Stromspeicher und E-Mobile setzen, um den Sonnenstrom selbst zu nutzen. Obendrein sichern sie ihre Höfe mit dem Eigenstrom gegen Netzausfall ab.

Schwarzburger: Auf diese Weise kehren die Landwirte als Zielgruppe für die Solarbranche zurück, eine mächtige und innovationsfreudige Zielgruppe. Die elektrisierte Landwirtschaft wird zum Schrittmacher der Energiewende in ländlichen Regionen und im Umland der Metropolen.

www.dlg.org

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