photovoltaik Ausgabe:

„Man kann rundheraus sagen: Wir haben unsere Ziele erreicht.“

Global Solar Energy Deutschland

Die Geschäftsleitung von Global Solar Energy Deutschland erläutert erfreuliche Entwicklung im Berliner Dünnschicht-Werk.

Berlin, 29. April 2009. Experten prognostizieren den neuartigen Dünnschicht-Solarzellen eine positive Marktentwicklung. In ein paar Jahren könnte der weltweite Marktanteil der Dünnschicht-Technologien bei rund 20 Prozent liegen. Seit der Eröffnung ihrer Fabrik für CIGS-Zellen im November 2008 tritt die Global Solar Energy Deutschland GmbH (GSED) als wichtiger Akteur in diesem Wachstumsmarkt auf. GSED produziert am Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Berlin-Adlershof und wurde als 100-prozentige Tochter der in Tucson, Arizona ansässigen Global Solar Energy Inc. gegründet.
Anlässlich des „Thin Film Industry Forum“, das kürzlich in Adlershof stattfand, möchte man bei GSED einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über diese innovativen Technologien leisten - auch vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen Krisensituation.
Im folgenden Interview nehmen Jens Mühling, kaufmännischer Geschäftsführer, und Ronald Erdmann, technischer Geschäftsführer, zur Sachlage Stellung. Die Fragen stellte Sylvia Metz von der das Unternehmen betreuenden Agentur Achenbach.

Herr Mühling, wie sieht es bei Global Solar Energy Deutschland nach rund fünf-monatiger Produktionspraxis aus? Konnten Sie in Adlershof die Prognose bezüglich Mitarbeiterzahl und Produktionskapazität – angestrebt sind 30 Megawatt (MW) – in die Realität umsetzen?
Jens Mühling: Man kann rundheraus sagen: Wir haben unsere Ziele erreicht. Wir beschäfti-gen 100 Mitarbeiter in einer Fünf-Tage-Woche im Drei-Schicht-Betrieb. Bisher sind bereits 95 Prozent der Maschinen installiert. Mit 19 der geplanten 20 Maschinen verfügen wir bereits über 20 MW installierte Produktionskapazität. Die installierte Kapazität wird Ende 2009 planmäßig 30 MW betragen.

Wie nehmen Sie persönlich die Stimmung im Unternehmen bzw. bei den Mitarbeitern wahr?
Jens Mühling: Nicht zuletzt weil unser Ramp-Up-Prozess erfolgreich verläuft, sind wir alle weiterhin sehr motiviert. Ja, dafür muss ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich bedanken. Die Effizienz erhöht sich stetig und auch die Ausbringungsmenge steigt kontinuierlich. Gut gemacht – weiter so!

Herr Erdmann, Sie sind ja für die technologische Seite verantwortlich. Wie sieht es aus mit dem angestrebten serienmäßigen Wirkungsgrad?
Ronald Erdmann: Ganz klar, die Steigerung des Wirkungsgrades ist bei uns zentraler Bestandteil der Entwicklung. Schon in der Ramp-Up-Phase haben wir durch ich nenne es mal „Feintuning der Maschinen“ kurzfristig und schnell den Wirkungsgrad gesteigert. Darüber hinaus wollen wir den Wirkungsgrad durch gezielte Optimierung von Anlagen und Prozessen weiter stetig erhöhen.

Welche Bedeutung hat die Nähe von GSED zur wissenschaftlichen Forschung am Standort Adlershof?
Ronald Erdmann: Natürlich profitieren wir vom Campus Adlershof mit seinen Laboren und wissenschaftlichen Institutionen. Neben der erfolgreichen Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum arbeiten wir auch sehr gut mit mechanischen Werkstätten und verschiedenen Laboren zusammen. Aber auch die Berliner Behörden muss ich loben. Dort wurden unsere Anfragen flexibel, lösungsorientiert und zeitnah bearbeitet.

Ist es immer noch so wie im November 2008 gemeldet, dass die Solon AG 80 % der Produktion im ersten Jahr abnimmt?
Jens Mühling: Solon erfüllt die uns gegenüber eingegangenen Vertragsverpflichtungen in vollem Umfang.

Gab es seit Produktionsstart interessante Vertriebs- bzw. Marketinginitiativen?
Jens Mühling: Selbstverständlich knüpfen wir Kontakte und sondieren den internationalen Markt. Unser degressiver Abnahmevertrag mit Solon erlaubt es uns schon jetzt, die übrigen Zellen anderen Modulherstellern zur Verfügung zu stellen.

Hat die Finanz- u. Wirtschaftskrise von der jetzt jeder spricht Auswirkungen auf GSED?
Jens Mühling: Nein. In unserer Ramp-Up-Phase sind wir von den derzeitigen Markt-entwicklungen glücklicherweise nicht betroffen.

Welche Auswirkungen hat Obamas Aufbruch in der Umweltpolitik bzw. die zu erwartenden massiven staatlichen Investitionen in saubere Energie für GSED als Tochter eines in Arizona ansässigen Unternehmens?
Jens Mühling: Wir begrüßen die Initiative von Barack Obama. Allerdings glauben wir nicht an kurzfristige messbare Effekte, da erst geklärt werden muss, wie und in welcher Form die benötigten Mittel bereitgestellt werden. Natürlich haben auch wir großes Interesse an den staatlich subventionierten Projekten. Wir spüren im Bereich der erneuerbaren Energie durchaus auch schon positive Signale und frischen Wind aus den USA.

Was versprechen Sie sich vom durch die Bundesregierung aufgelegten Konjunkturprogramm? Wünschen Sie sich analog zur Abwrackprämie einen „grünen Stimulus“ für Unternehmen im Bereich der regenerativen Energien?
Jens Mühling: Die Förderung für erneuerbare Energie in Deutschland war und ist ein wichtiger Faktor, um eine breite Akzeptanz dieser Zukunftstechnologie zu fördern und sie im Markt fest zu etablieren. Diese Förderung ist auch Motor der wegweisenden Entwicklung der Solarindustrie in Deutschland, welche die Vorreiterrolle Deutschlands im Weltmaßstab mitbegründet. Ein neuer „Grüner Stimulus“ könnte diese positive Entwicklung nur weiter fördern und die Solarenergie in kurzer Frist auf eine noch breitere Basis stellen.

Sind fallende Ölpreise bzw. die deutsche Kernkraftdiskussion für GSED von Bedeutung?
Jens Mühling: Die fallenden Ölpreise sind sicherlich nur von kurzfristiger Dauer. Wir sehen es weiterhin als gegeben an, dass erneuerbare Energien einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den fossilen Brennstoffen haben. Das liegt zum einen an der Endlichkeit der fossilen Brennstoffe und zum anderen an der mit der herkömmlichen Energiegewinnung verbundenen CO2-Emission. Wir sind überzeugt, dass erneuerbare Energien langfristig die Gewinner bei der Neustrukturierung des klassischen Energie-Mix sein werden.

Wie bewerten Sie die kurz- und mittelfristigen Perspektiven und Partnerschaften für das Unternehmen?
Jens Mühling: Kurzfristig arbeiten wir mit Modulherstellern zusammen, um unsere Tech-nologie im Markt zu etablieren. Mittelfristig wollen wir aber auch verstärkt die flexiblen Eigenschaften unserer Zelle als Vorteil für uns und unsere Kunden nutzen. Unsere Mitgliedschaft in der vom US Department of Energy gegründeten Solar America Initiative verfolgt unter anderem das Ziel, flexible Dacheindeckungen für einen größeren Markt anzubieten.

Welche Chancen sehen Sie für Ihr Unternehmen im Wachstumsmarkt der Dünnschicht-Technologien?
Ronald Erdmann: Weiterhin sind wir diejenigen, die den höchsten Wirkungsgrad von CIGS auf einem flexiblen Substrat nachweisen können. Wir – also GSE, Inc. – konnten in der Großserienproduktion bereits im Jahr 2007 eine durchschnittliche Zelleffizienz von 10,0 % realisieren. Wir sind gut aufgestellt, um uns in der Wettbewerbssituation auf dem Dünnschicht-Markt zu behaupten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Literatur

Fussnoten

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