photovoltaik Ausgabe: 06-2015

Alle Wege versperren


Selbst verschlossene Türen sind kein Hindernis. Wechselrichter in abgelegenen Gebäuden sollten extra gesichert sein.

Selbst verschlossene Türen sind kein Hindernis. Wechselrichter in abgelegenen Gebäuden sollten extra gesichert sein.

Diebstahlschutz — Auch Dachanlagen sind vor Langfingern nicht sicher. Für die Betreiberlautet die Maxime: Den Dieben keine Möglichkeit geben, an die begehrten Komponenten heranzukommen. Sven Ullrich

Inhaltsübersicht

  1. Alle Wege versperren
  2. Unsere Serie

Dieser Dienstag Anfang Mai war eigentlich ein ganz normaler Tag in der Bauernschaft Großemast. Sie ist Teil der Stadt Vreden. Nur wenige Hundert Meter ist die niederländische Grenze entfernt. Es dämmert. Der Abend dämmert. Die Bewohner ziehen sich in ihre Stuben zurück. Sie müssen morgen früh wieder aufstehen. Ruhe kehrt ein in die Bauernschaft. Für die Diebe ist es die geeignete Zeit. In aller Seelenruhe schleichen sie über den Bauernhof zum Schweinestall. Leise setzen sie das Brecheisen an. Nur ein kurzes, verräterisches Knacken, dann ist die Tür offen. Niemand hat etwas gehört.

Dort hängen die vier Wechselrichter. Für die Langfinger war klar, dass sie diese hier finden werden. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stalls muss ja irgendwie ganz in der Nähe ihren Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom umgerichtet bekommen. Ohne viel Hektik ziehen die Diebe die Leitungen von den Wechselrichtern ab und schrauben sie von der Halterung an der Wand. Ebenso seelenruhig, wie sie gekommen sind, verschwinden die dunkel gekleideten Gestalten wieder in der Nacht. Jeder schleppt einen der Wechselrichter davon.

Über alle Berge

Ihr Ziel: das Auto, das außerhalb der kleinen Ortschaft geparkt ist. Sie laden die vier Wechselrichter in den Kofferraum, werfen eine Decke darüber und fahren davon. In der Bauernschaft sind alle Lichter aus. Die Bewohner schlafen schon längst. Erst am nächsten Morgen fällt der Schaden auf. Der Hofbesitzer und Betreiber der Anlage versteht die Welt nicht mehr. Wie kann jemand in dem kleinen verschlafenen Nest so etwas tun? Noch dazu mitten in der Woche? Er begutachtet den Schaden und alarmiert die Polizei. Die Beamten können aber auch nichts weiter tun, als den Schaden aufzunehmen. Die Diebe sind mit ihrer Beute längst über alle Berge.

Allein der Sachschaden beträgt 18.000 Euro. Dazu kommt aber noch der Ertragsausfall. Gerade die sonnigen Tage Anfang Mai sind die ersten ertragreichen des Jahres. Für den Anlagenbetreiber steht fest: Die neuen Wechselrichter, die sein Elektroinstallateur an die Wand im Stall hängt, brauchen einen Schutz. Sonst sind sie bald wieder weg. Denn so selten, wie man glauben möchte, sind Diebstähle an Photovoltaikdachanlagen gar nicht. Die Wechselrichter sind dabei die begehrtesten Elemente. Denn sie sind meist in einer für die Langfinger leicht erreichbaren Höhe angebracht.

Auch Module betroffen

Selbst verschlossene Räume sind für die Täter kein Hindernis, wie zwei Fälle aus Rhede und Osterode zeigen. In der kleinen münsterländischen Stadt Rhede drangen die Täter wie in Großemast in einen verschlossenen Schweinestall ein und montierten sieben Wechselrichter von der Wand ab. Drei Wechselrichter erbeuteten die Diebe in Osterode am Fuße des Westharzes. Die Photovoltaikanlage steht auf den Dächern einer ehemaligen Kaserne der Bundeswehr. In die verlassenen Gebäude kommt eigentlich nur selten jemand. Die Diebe hatten genügend Zeit, gleich mehrmals herzukommen und die Wechselrichter abzubauen. Zusätzlich nahmen sie noch 20 Meter Kupferkabel mit. Der Sachschaden beträgt 21.050 Euro, ohne den Ertragsausfall.

Aber auch immer wieder werden Module direkt vom Dach gestohlen. Bei den Dieben beliebte Objekte sind Scheunen oder verlassene Gebäude, auf denen die Anlagen installiert sind und die abseits von Wohngebieten liegen. Dort kommt vor allem nachts niemand vorbei, und die Diebe haben viel Zeit, um auf das Dach zu steigen und die Module abzuschrauben. Deshalb müssen die Anlagenbetreiber den Dieben den Weg aufs Dach verwehren. Das ist in der Regel nicht so einfach. Schließlich ist oft der sogenannte Perimeterschutz, also das Areal um die Anlage, kaum möglich. Scheunen sind in der Regel genauso wenig eingezäunt wie Ställe oder einzeln stehende Gebäude. Den Dieb schon zu ertappen, bevor er an der Anlage angekommen ist, wird schwierig.

Die Trauben hoch hängen

Hier gilt es, die Trauben hoch zu hängen und nicht noch den Weg aufs Dach zu vereinfachen. Das ist mit den einfachsten Mitteln zu bewerkstelligen. Die Polizei warnt davor, niedrigere Nebengebäude zu errichten, über die der Dieb aufs Dach kommt. Kleine Häuschen zu bauen, in denen die Wechselrichter untergebracht werden, um sie vor Dieben zu sichern, sind kaum geeignet, um einen Moduldieb abzuhalten. Auch Leitern oder andere Aufstiegshilfen sollten hinter verschlossenen Türen gelagert werden. Neben das Gebäude gehören deshalb auch keine Kisten, Container, Holzstapel oder andere Materialien, die der Dieb als Aufstiegshilfe nutzen kann.

Technik geht auch auf dem Dach

Um die Sicherheit zu erhöhen, kann der Anlagenbetreiber auch technische Hilfsmittel einsetzen. „Dabei kommen in der Regel die gleichen Komponenten zum Einsatz, die wir auch in den Solarparks verwenden“, erklärt Roland Haacker, Vertriebsleiter von Alarm Direct. Das Unternehmen im mecklenburgischen Schwerin hat sich unter anderem auf die Sicherung von Photovoltaikanlagen spezialisiert und ist in ganz Europa mit seinen Konzepten unterwegs. Die Schweriner setzen dabei vor allem sogenannte Reißdrähte ein. Durch die dünnen Drähte fließt ein geringer Strom. Sie sind mit einer Einbruchmeldeanlage verbunden. Diese wiederum kennt den Widerstand im Draht. Sollte ein Draht durchtrennt werden, ändert sich der Widerstand, was die Einbruchmeldeanlage registriert. Sie gibt diese Warnung an einen Wachdienst weiter, der über eine zusätzlich installierte Videokamera sehen kann, ob sich jemand an den Komponenten der Anlage zu schaffen macht.

Dabei sollte der Betreiber aber vorher mit seiner Versicherung sprechen und auch den Fall eines Diebstahls erwähnen. Denn wenn die ersten Komponenten gestohlen wurden und die Versicherung dann die Nachrüstung einer Alarmsicherung der Komponenten verlangt, wird es teuer. Reißdrähte durch die Module zu ziehen, ist schon bei einem Solarpark aufwendig. Sollen solche Drähte nachträglich in eine Dachanlage installiert werden, muss im Zweifelsfall der gesamte Generator abgebaut werden. Das wird teuer und macht die Anlage komplett unwirtschaftlich. Aus diesem Grunde ist eine genaue Bedrohungs- und Risikoanalyse vor dem Bau der Anlage wichtig. Sollte sich herausstellen, dass die Anlage gefährdet ist, wird es auf jeden Fall billiger, eine Sicherung schon während der Installation einzubauen.

Geringe Höhe bedeutet Gefahr

Vor allem wenn der Generator auf einem relativ niedrigen Dach steht, ist das Risiko hoch, dass eines Nachts Module verschwinden. Denn dann kommen die Diebe mit der eigenen Aufstiegshilfe in Form eines Kleintransporters angefahren, in dem sie auch gleich ihre Beute abtransportieren können. „Generell gilt: Je näher sich die Komponenten in einer erreichbaren Höhe befinden, desto höher ist die Diebstahlwahrscheinlichkeit“, weiß Isabelle Haupt von den Mannheimer Versicherungen, die mit ihrem Paket Lumit eine umfangreiche Versicherung von Photovoltaikanlagen anbieten. „Das gilt auch für Anlagen, die sich in abgelegenen oder unbewohnten Regionen befinden. Unauffällig sind bisher Anlagen auf Einfamilienhäusern innerhalb von Ortschaften.“

Oliver Strecke, Geschäftsführer und technischer Vertriebsleiter von Viamon, kennt genau diese Situation. „Wir haben eine Anlage mit unserem System ausgerüstet, die auf fünf Dächer verteilt war“, sagt er. „Dort waren drei Generatoren auf Dächer gebaut, die nur drei Meter hoch waren, und die anderen auf Dächern mit einer Traufhöhe von fünf Metern. Wir haben dann die drei Anlagen auf den niedrigen Dächern ausgestattet, weil man vom Dach eines Kleintransporters direkt auf die Dächer steigen könnte.“

Das Unternehmen in Kaiserslautern hat ein System entwickelt, mit dem eine Komponente auch nach einem Diebstahl verfolgt werden kann. Das Herz des Systems besteht aus einem GPS-Empfänger und einem Lagesensor, der Winkel und Beschleunigung messen kann und vom Modul mit Strom versorgt wird. Werden die Komponenten über einen bestimmten Schwellwert bewegt, schlagen die Sensoren Alarm.

Da sie mit einem kleinen Akku ausgestattet sind, kann Viamon die gestohlenen Komponenten noch zehn Tage lang verfolgen, selbst wenn die Module keinen Strom mehr liefern. Werden sie wieder installiert, bekommen die Akkus auch wieder Strom. Sie werden wieder aufgeladen, und der Sensor arbeitet wieder. Dann können die Kaiserslauterer das Modul weltweit wieder orten.

Sensoren nachgerüstet

Was auf der Freifläche funktioniert, geht auch auf dem Dach – zumindest was die Alarmsicherung der Anlagenkomponenten betrifft. Für die Dachanlage haben die Kaiserslauterer 20 Module an sensiblen Stellen abmontiert. Diese Module haben sie mit ihren Sensoren ausgestattet und wieder installiert. Auf diese Weise konnten sie eine Diebstahlsicherung zu einem verträglichen Preis nachrüsten. Denn eine solche war vorher überhaupt nicht vorhanden. Nachdem der Betreiber bereits zwei Mal von Moduldieben heimgesucht worden war, musste er die Sicherheit seiner Anlage gegen Langfinger erhöhen.

Auch in Italien hat Viamon ein System mit den Sensoren nachgerüstet. Dieses war auf vier Hühnerställe verteilt. Der Betreiber entschied sich für die Nachrüstung, nachdem ihm sechs Mal Module vom Dach gestohlen worden waren. Entscheidend dabei ist, dass die Sensoren strategisch günstig auf dem Dach verteilt werden. Dazu beraten sich die Planer von Viamon vorher mit dem Kunden und schlagen ihm eine Lösung vor. Es kommt vor allem darauf an, die am meisten gefährdeten Bereiche des Modulfelds mit der Diebstahlsicherung auszurüsten.

Kein Grund zur Panik

Die Fälle von Diebstahl an Solaranlagen auf Dächern sind bisher noch selten. Einen Grund zur Panik gibt es nicht. Doch ein Lügenmärchen ist es auch nicht. Schließlich haben die Betreiber von Solarparks schon längst erkannt, dass ohne Schutz der Anlage nichts mehr geht. Je mehr die Freiflächenanlagen aber mit Sicherheitseinrichtungen bestückt werden, desto höher ist die Gefahr, dass sich die Diebe auf die Dachanlagen konzentrieren, die in der Regel nicht gesichert sind.

Die Langfinger suchen sich die Anlage mit den geringsten Risiken aus. Das werden immer mehr die Dachanlagen sein. Die Betreiber haben das Risiko aber nur selten im Blick. „Wir haben bisher nur eine Dachanlage mit einer Sicherheitseinrichtung ausgestattet“, erinnert sich Roland Haacker, Vertriebsleiter von Alarm Direct. „Dort haben wir aber nur die Wechselrichter mit den Reißdrähten gesichert.“

Eine günstige und zusätzliche Variante, die Wechselrichter für Diebe unattraktiv zu machen, ist die Kennzeichnung. Die brandenburgische Polizei schwört dabei auf künstliche DNS. Einst wurde das Bundesland massiv von Moduldieben heimgesucht. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Doch Entwarnung können die Brandenburger immer noch nicht geben. Zur Kennzeichnung wird eine mit kleinen Polymerdots versehene Flüssigkeit auf eine möglichst strukturierte Oberfläche des Wechselrichters gesprüht. Auf jedem dieser Dots ist eine Nummer eingraviert. Mit dieser kann dann über eine Datenbank direkt der ursprüngliche Eigentümer ermittelt werden.

Eindeutige Spuren

Nachdem die Flüssigkeit getrocknet ist, ist sie mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen – schon gar nicht in der Dunkelheit, deren Schutz die Täter brauchen. Auch das Entfernen der Flüssigkeit ist kaum möglich, aber einfacher, je glatter und zugänglicher die Stelle ist, auf die sie gesprüht wurde.

Hat ein Dieb einen mit der Flüssigkeit markierten Wechselrichter gestohlen, muss er die Flüssigkeit schon komplett vom Wechselrichtergehäuse bekommen. Denn nur so bleibt er unentdeckt, wenn er das Gerät auf dem Zweitmarkt verkaufen will. Schließlich reicht ein einziges Dot aus, um den Eigentümer zu ermitteln.

Vollständig kann man es nur entfernen, indem man die gesamte Stelle abschleift. Das hinterlässt aber eindeutige Spuren auf dem Gehäuse. Dann ist der Wechselrichter zwar erst einmal weg. Doch er hat für den Dieb keinen Wert mehr, sodass er eher die Finger davon lässt und sich eine weniger risikoreiche Beute sucht.

www.viamon.com

Literatur

Fussnoten

  • Niedriges Dach und Holzstapel davor: für Moduldiebe eine regelrechte Einladung.

  • Künstliche DNS: Mit einer speziellen Lupe können die Nummern auf den Dots ausgelesen werden.

Foto: Thinkstock/manfredxy

Foto: Velka Botika

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