photovoltaik Ausgabe: 07-2017

Neue Speicher fürs Gewerbe

Drei, zwo, eins: Hörprobe für die Audiogeräte, mit denen die Teilnehmer der Touren ausgestattet wurden. Tourguide Herbert Grab überprüfte die Verständigung, bevor es auf Achse durch die Messehallen ging.

Drei, zwo, eins: Hörprobe für die Audiogeräte, mit denen die Teilnehmer der Touren ausgestattet wurden. Tourguide Herbert Grab überprüfte die Verständigung, bevor es auf Achse durch die Messehallen ging.

PV Guided Tours — Die Eigenversorgung mit Sonnenstrom wird für kommerzielle Unternehmen und kommunale Betriebe immer attraktiver. Die geeigneten Solarbatterien zu finden ist nicht einfach – wie unser Rundgang über die Messe in München ergab. Herbert Grab

Inhaltsübersicht

  1. Neue Speicher fürs Gewerbe
  2. PV Guided Tours im Überblick

München, Intersolar und EES Europe 2017: Täglich um halb elf Uhr fanden sich viele Solarteure, Fachplaner und potenzielle Anwender am Messestand der photovoltaik ein, um sich aus erster Hand über die neuesten Speichersysteme für Gewerbe und Industrie zu informieren.

Die von unserem Speicherexperten Herbert Grab geleiteten Touren führen zunächst zum wenige Schritte entfernten Messestand von Solarwatt. Dort wurden die Teilnehmer von Axel Schiller begrüßt. Er leitet den Kundendienst beim Dresdner Speicheranbieter.

Solarwatt hat in München den renommierten EES Award für den neuen Batteriespeicher My Reserve Matrix erhalten. Die in der Branche begehrte Auszeichnung wird alljährlich auf der Messe für zukunftsweisende Entwicklungen bei Stromspeichern verliehen. Das Vorgängermodell My Reserve (für Privatkunden) hatte den Award schon zwei Jahre zuvor abgeräumt.

Grund genug, dass sich Axel Schiller und seine Kollegen freuten. „Der My Reserve Matrix ist vollständig modular aufgebaut“, erläuterte er den Teilnehmern der PV Guided Tours. „Batteriemodul und Leistungselektronik stecken in stabilen, sicheren Gehäusen aus Aluminiumdruckguss. Deshalb können wir auf eine zusätzliche Verkleidung verzichten.“

Im Prinzip besteht der Matrix aus zwei Basiskomponenten: Dem Steuermodul (Command) und den einzelnen Batteriemodulen, die sich beliebig kombinieren lassen. Fünf Batteriemodule mit je 2,2 Kilowattstunden Speicherkapazität werden von einem Command-Modul verwaltet und angesteuert.

Einer für alle

Die einzelnen Module sind nicht größer als ein Schuhkarton und wiegen um die 25 Kilogramm. Durch eine einfache Kombination der beiden Grundkomponenten lassen sich beliebige Speichergrößen von zwei Kilowattstunden bis zwei Megawattstunden aufbauen.

Damit ist My Reserve Matrix als Heimspeicher für den Privatgebrauch ebenso einsetzbar wie als Gewerbespeicher. Pro angeschlossenem Batteriemodul erhöht sich die Leistung des Systems um 800 Watt. „Damit eignet sich der My Reserve Matrix für praktisch jeden Anwendungsfall“, resümiert Axel Schiller.

Der Centurio von Energy Depot

Ebenfalls einen EES Award gewann die Firma Energy Depot, die 2014 von Roland Burkhardt gegründet wurde. Burkhardt war einst Gründer von Sunways in Konstanz, seit 1985 ist er im Solargeschäft tätig. Zur Intersolar brachte Energy Depot einen neuen Gewerbespeicher für netzparallelen oder Inselbetrieb.

Der Hybridwechselrichter Centurio ist die Schaltzentrale des Energiespeichersystems und ermöglicht die Anbindung von Photovoltaikanlage, Batteriepaketen und Stromnetz. Das modulare System bietet Speicherkapazitäten zwischen 8,2 und 32,8 Kilowattstunden. Der Hybridwechselrichter leistet bis zu zehn Kilowatt und zeichnet sich durch sehr gute Teillastwirkungsgrade aus. Zudem ist er auf allen drei Phasen notstromfähig (jeweils 3,3 Kilowatt).

Dank der zugehörigen Hochvoltbatterien erzielt das System Wirkungsgrade von bis zu 95,4 Prozent. Selbst bei nur zehn Prozent Teillast erreicht der Wechselrichter einen Wirkungsgrad von über 97 Prozent. Mehrere Centurio-Wechselrichter nebst angeschlossenen Batterien lassen sich kombinieren, um für größere Systeme die gewünschte Speicherkapazität zu erreichen.

Eaton zeigte X-Storage-Systeme

Die nächste Station der Tour war die Firma Eaton. Dort präsentierte Kai Zimmermann die Neuheiten, er arbeitet in der Abteilung für Gewerbebauten (Commercial Buildings). Das in mehr als 175 Ländern aktive Unternehmen ist spezialisiert auf Energiemanagement. Eaton pflegt eine enge Partnerschaft mit Nissan und AES. Daraus resultiert unter anderem eine breite Palette an skalierbaren Energiespeichern – von Privathaushalten über gewerblich genutzte Gebäude bis hin zu Großspeichern für das Netz (Grid Scale).

Die Energiespeichersysteme von Eaton für Gewerbebauten werden unter der Marke X-Storage Buildings vertrieben. Sie wurden entwickelt in Kooperation mit Nissan und, wie Kai Zimmermann sagte, aufgrund von 100 Jahren Kompetenz im Energiemanagement, der Erfahrung des Marktführers für Elektrofahrzeuge und mehr als 15 Jahren Erfahrung in eigener Batteriefertigung.

Der Energiespeicher X-Storage Buildings lässt sich sowohl mit Photovoltaik kombinieren als auch mit den öffentlichen Netzen.

Er bietet eine Vielzahl von Anwendungen. So können die Nutzer ihre Stromkosten senken, indem der Energiespeicher aufgeladen wird, wenn erneuerbare Energie verfügbar ist oder günstige Energie aus dem Netz bezogen werden kann.

Nicht genutzte Kapazitäten werden für Netzdienstleitungen (Regelenergie) oder Spitzenlastmanagement verwendet.

Die Energiespeichersysteme von Eaton sind für Gewerbekunden (X-Storage Buildings) und Endkunden (X-Storage Home) verfügbar.

DC und AC von Refu Elektronik

Bei Refu Elektronik wurden die Teilnehmer von Dev Micknaus und seinen Kollegen erwartet. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Pfullingen gehört zur Prettl Energy Division und positioniert sich selbstbewusst als „Pionier der Frequenzumrichter und Vorreiter in Energiespeichersystemen“.

Refu entwickelt und vermarktet Lösungen für Solar-, Speicher- oder Hybridanwendungen und hat inzwischen mehr als 250.000 Wechselrichter im Markt. Zusammen mit den ebenfalls zur Prettl Energy Division gehörenden Firmen Endress und Kirsch bedient Refu Elektronik die gesamte Palette der Hybridanwendungen.

Auf der Intersolar zeigten die Pullinger Experten ein AC-gekoppeltes und ein DC-gekoppeltes Speichersystem. Das AC-gekoppelte System wurde speziell für die Kombination mit Photovoltaik konzipiert. Es ist laut Hersteller ideal geeignet für Applikationen wie Peak-Shaving, also die Vermeidung von teuren Lastspitzen.

Das System lässt sich problemlos an bestehenden Solargenerationen nachrüsten. Photovoltaik und Speicher kann man unabhängig voneinander installieren und nutzen. Das System bietet nach den Worten der Refu-Experten höchste Flexibilität, was die Auslegung der Solaranlage und des Speichers betrifft.

Ideal für den Eigenverbrauch von Sonnenstrom ist laut Dev Micknaus der DC-gekoppelte Batteriespeicher. Das kompakte System bietet einen Wechselrichter für die Photovoltaikanlage und den Speicher. Das System ist skalierbar von zehn Kilowattstunden bis zum Großspeicher für Solarkraftwerke und Energieversorger.

Christof Wiedmann ist Vertriebsleiter bei dem in Deggendorf ansässigen Speicheranbieter Fenecon. Wichtigste Partner des Unternehmens sind Energieversorger, Installateure und der Fachgroßhandel.

Fenecon: Starker Partner von BYD

Neben innovativen Lösungen für Speichersysteme und ihre Anwendungen entwickeln die Deggendorfer Software für Energiemanagementlösungen.

Viel Energie steckt Fenecon in die Elektromobilität. Dies vor allem als „Official Innovation Partner“ von BYD, einem der größten Hersteller von Elektroautos, Elektrobussen und Stromspeichersystemen weltweit. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Shenzhen bei Hongkong beschäftigt mehr als 220.000 Mitarbeiter und erzielt einen jährlichen Umsatz von mehr als 13 Milliarden US-Dollar.

BYD produziert Lithium-Eisenphosphat-Batterien. Die Batterielebensdauer gibt BYD mit mehr als 20 Jahren an. Bemerkenswert ist auch die hohe C-Rate. Die Speicher lassen sich innerhalb einer Stunde vollständig beladen oder entladen, bieten also sehr hohe Ströme an.

Bei Fenecon waren vier Speichersysteme zu sehen. Neben dem kleinen Wohnhausspeicher Fenecon Mini zeigte das Unternehmen unter anderem den smarten Fenecon Pro für Anwender ab 5.000 Kilowattstunden Jahresstrombedarf.

Gezeigt wurde außerdem der Gewerbespeicher Fenecon Commercial ab 30.000 Kilowattstunden Jahresstrombedarf mit 40 Kilowatt Lade- und Entladeleistung und 40 Kilowattstunden Speicherkapazität. Schließlich präsentierten die Deggendorfer den Fenecon Industrial. Der netzdienliche Industriespeicher ist für Großverbraucher mit mehr als 100.000 Kilowattstunden Jahresstrombedarf ausgelegt. Er bietet 100 Kilowatt Lade- und Entladeleistung und 100 Kilowattstunden Speicherkapazität.

Tesvolt kooperiert mit Samsung

Am Messestand von Tesvolt aus Wittenberg wartete bereits Mathias Zdzieblowski, ein ausgewiesener Experte für Gewerbespeicher. Tesvolt hat sich auf leistungsstarke Lithium-Ionen-Speicher für Gewerbe und Industrie spezialisiert. Auch diese Produkte lassen sich mit einer sehr hohen C-Rate be- und entladen. Den Wirkungsgrad gibt Tesvolt mit über 98 Prozent an, die Lebensdauer mit bis zu 30 Jahren und 8.000 Ladezyklen.

Auf der Intersolar in diesem Jahr stellte das Unternehmen seinen neuen Containerspeicher Tesvolt Power Storage (TPS) für industrielle Anwendungen vor. Er kann im Innen- und Außenbereich aufgestellt werden und schützt den Speicher vor äußeren Störungen.

Die Container sind in den ISO-Standardmaßen 20, 40 und 45 Fuß erhältlich. Am Einsatzort ist nur der Anschluss an den Sunny Central Storage von SMA erforderlich, der ebenfalls im Containermodul angeliefert wird. Bei den aktuellen Preisen für Lastspitzen oder der Vergütung für Regelleistung rechnet Tesvolt mit Amortisationszeiten im europäischen Markt von vier bis sechs Jahren. Die Batteriezellen der Tesvolt-Speicher sind in prismatischer Form angeordnet, sie stammen vom koreanischen Hersteller Samsung SDI.

„Durch die besondere Bauform und die chemische Zusammensetzung der Zellen erreichen wir eine sehr hohe Ladegeschwindigkeit“, erläutert Mathias Zdzieblowski. Die Batterie wird in Kombination mit mehreren Ladereglern (Sunny Island von SMA) betrieben. Je mehr Inselwechselrichter und je höher ihre Leistung, umso mehr Strom speichert und liefert das System in umso kürzerer Zeit.

Hoppecke bringt den Sun Systemizer

Hoppecke Batterien rundete die PV Guided Tours ab. Der Batterieanbieter hat seinen Sitz in Brilon-Hoppecke auf halber Strecke zwischen Kassel und Dortmund. Das Unternehmen gilt als Experte für industrielle Energiespeicher. Mit 20 Tochtergesellschaften, Repräsentanzen, Partnern und Distributoren sowie Produktions- und Montagestätten weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 2.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr.

Bastian Hassdenteufel und seine Kollegen vom Produktmanagement stellten die Lösungen vor, mit denen Hoppecke in diesem Jahr in München vertreten war. Dazu gehörten der neue Hoppecke Lithium-Ionen-Heimspeicher sowie der neue Hybridgroßspeicher Sun Systemizer, der am Firmensitz in Brilon-Hoppecke aufgebaut wurde.

Der Sun Systemizer kombiniert Blei- und Lithiumbatterien und stabilisiert vor allem das Stromnetz. Um die Netzfrequenz stabil bei 50 Hertz zu halten, nimmt der Hybridspeicher gegebenenfalls Überschussenergie auf, um sie bei Bedarf kurzfristig wieder ins Netz zu speisen.

Darüber hinaus bietet dieser Großspeicher weitere Anwendungen. Zum Beispiel die intelligente Energiespeicherung für dezentrale Versorgungssysteme: Wenn viele kleinere regenerative Generatoren laufen, puffert der Speicher die schwankende Einspeisung und den ebenso schwankenden Verbrauch ab. So kann der Sun Systemizer als Offgrid-Speicher in Regionen arbeiten, in denen kein Netz verfügbar ist. Auch für Anwendungen in der Elektromobilität oder im Zusammenspiel mit der Strombörse eignet sich das System.

Mehr als zwei Stunden dauerten unsere Touren, voll gepackt mit Eindrücken und Informationen. Dennoch lächelten die Teilnehmer, der Aufwand hatte sich gelohnt. „Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei“, erklärte ein Installateur. „Das war ein super Angebot, und ich freue mich schon jetzt, wenn Sie das im kommenden Jahr wieder anbieten.“

Literatur

Fussnoten

  • Messestand von Eaton Industries: Das Unternehmen zeigte in München das modulare Speichersystem X-Storage, mit dem ganz verschiedene Anwendungen und Speichergrößen möglich werden.

  • Bei Fenecon ging es um die neuen Batteriemodule von BYD, die man einfach stapeln und einbinden kann.

  • Stolz präsentierte Roland Burkhardt von Energy Depot den EES Award, den sein innovatives Energiespeicherkonzept erhielt.

  • Kompetent beantwortete Björn Wechsel von Hoppecke Batterien die Fragen der ausländischen Fachbesucher.

  • Refu zeigte in München sowohl DC- als auch AC-geführte Speichersysteme für den privaten und gewerblichen Kunden.

  • Starker Andrang am Stand von Solarwatt. Dort erläuterte Produktmanager Axel Schiller das neue Gewerbespeichersystem My Reserve Matrix.

  • Mathias Zdzieblowski erläuterte die neuen Systeme des Wittenberger Speicheranbieters Tesvolt.

Foto: HS

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