photovoltaik Ausgabe: 07-2017

Volle Autarkie ist möglich


Dicht umlagert war der Messestand des Fachgroßhändlers Krannich Solar.

Dicht umlagert war der Messestand des Fachgroßhändlers Krannich Solar.

PV Guided Tours — Der Markt für Heimspeicher entwickelt sich sehr dynamisch – nicht nur in Deutschland. Kein Wunder, dass unsere geführten Touren zur Intersolar und EES Europe auf großes Interesse stießen. Herbert Grab

Inhaltsübersicht

  1. Volle Autarkie ist möglich
  2. PV Guided Tours im Überblick

Beste Stimmung in München. Die Speicherbranche platzte vor Selbstbewusstsein förmlich aus den Nähten. Und mit unseren PV Guided Tours leisteten wir einen von vielen Fachbesuchern geschätzten Beitrag zum Erfolg der beiden Messen Intersolar und EES Europe. Die Zahlen: Lotsten wir im vergangenen Jahr 229 Fachleute durch die Messehallen, so waren es dieses Mal sage und schreibe 367.

Die fachliche Kompetenz der Besucher war erwartungsgemäß hoch. Die Aussteller jedenfalls, die wir auf unseren täglich zehn geführten Touren – je einmal in Englisch und einmal in Deutsch – besuchten, waren sehr zufrieden über das rege Interesse, das sich nicht zuletzt in vielen fachlich fundierten Fragen äußerte.

Die Teilnehmer der PV Guided Tours lobten immer wieder das hervorragende Konzept. Ein Solarteur aus Bayern brachte es auf den Punkt: „Auf diesen Touren treffe ich in zwei Stunden so viele fachkundige Ansprechpartner an den Ständen wie sonst den ganzen Tag nicht. Wir werden bereits erwartet und bekommen in jeweils zehn Minuten exklusive Informationen. Das ist perfekt.“

Wie schon im vergangenen Jahr stieß unsere Tour zum Thema Heimspeicher auf besonders großes Interesse. Wann immer wir mit einem großen Tross interessierter Fachbesucher beim jeweiligen Anbieter eintrafen, strahlten die Produktmanager und Ansprechpartner. Klar: Was gibt es für einen Aussteller Schöneres, als wenn sich Mühe und Aufwand richtig lohnen, weil einem die Besucher buchstäblich den Messestand einrennen?

Varta erweitert Produktpalette

Die Rundgänge zu den Heimspeichern starteten mit Varta Storage, gegenüber dem Messestand der photovoltaik. Die Speichertochter des Batterieherstellers aus Ellwangen fokussiert sich auf Design, Systemintegration und Montage von stationären Batteriesystemen auf Lithium-Ionen-Basis für private Haushalte. Auch große Speicher für kommerzielle Kunden werden angeboten. Ansprechpartner am Varta-Stand war Michael Gopp. Er informierte die Teilnehmer der PV Guided Tours über neue Heimspeicher von drei bis 13,8 Kilowattstunden.

Erstmals auf der Intersolar zu sehen war Varta Pulse, ein kleiner Wandspeicher für Privathaushalte. Er wird in zwei Leistungsklassen erhältlich sein: 3,3 und 6,5 Kilowattstunden.

Mit Abmessungen von 60 mal 69 mal 19 Zentimetern ist er außerordentlich kompakt. Varta Pulse 3 wiegt 45 Kilogramm, der größere Varta Pulse 6 bringt 65 Kilogramm auf die Waage.

Außerdem zeigte Varta in München den neuen Element 12 mit 13,8 Kilowattstunden Kapazität. Er integriert Batterie, Wechselrichter und Batteriesteuerung in einem Gerät und erweitert die bekannte Element-Serie, zu der die kleineren Element 3 und 6 gehören.

Die zweite Station war der Messestand von Krannich Solar, dem Solarfachhändler aus Weil der Stadt bei Stuttgart. Magnus Lehrieder leitet den Vertrieb und den Innendienst.

Krannich steigt ins Speichergeschäft ein

Er stellte Speicherlösungen von Fronius, Kostal, LG Electronics, SMA und Solaredge sowie die Batteriespeicher von Axitec Energy, BYD, LG Chem und Mercedes vor. Die Kapazitäten reichen von 2,5 Kilowattstunden bis zu 1.224 Kilowattstunden mit dem Axiflex-Multicluster.

Zu den Highlights gehörte die BYD B-Box H, ein skalierbarer Hochvoltspeicher mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV). Zu sehen war auch der Hochleistungsspeicher Axistorage für Eigenheim, Elektromobilität und Gewerbe. Das System ist von 6,8 bis 82 Kilowattstunden skalierbar. Sein Kühlsystem verlängert laut Hersteller die Lebensdauer auf bis zu 20 Jahre.

Für das intelligente Laden der Batterie eines Elektroautos hat Krannich seit Kurzem die Amtron Wallbox von Mennekes im Vertrieb. In Verbindung mit Speichersystemen wie dem Axistorage Li oder der BYD B-Box ergibt sich eine effiziente Kombination, um den Eigenverbrauch an Solarstrom zu steigern.

Bei Baywa r.e. übernimmt Andreas Reischl das Mikrofon, der das Produktmanagement Elektrik beim süddeutschen Fachgroßhändler leitet.

Baywa r.e.: Partner des Handwerks

Baywa r.e. versteht sich als Full-Service-Anbieter, Partner des Handwerks und Projektentwickler mit mehr als 25 Jahren Erfahrung.

Andreas Reischl erläuterte ausgewählte Speichersysteme namhafter Hersteller, darunter von LG Chem, Mercedes-Benz, LG Electronics, BYD, Varta und SMA. Das breite Portfolio bietet sowohl AC- als auch DC-Lösungen, erweiterbare und nachrüstbare Systeme bis hin zur Elektromobilität. „Entscheidend ist es, sich möglichst genau an den Anforderungen des Kunden auszurichten“, sagte Andreas Reischl. „Dafür haben wir kompetentes Fachpersonal, das die Installateure bei der Planung und Beratung unterstützt.“

Außerdem bietet Baywa r.e. das kostenlose Onlinetool Solar Planit, mit dem sich die komplette Photovoltaikanlage auslegen lässt – inklusive Speicher und Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Fronius: unabhängig rund um die Uhr

Beim österreichischen Speicheranbieter Fronius drehte sich alles um das Energy Package. „Es besteht aus dem Wechselrichter, der Hochvoltbatterie und dem bidirektionalen Zähler Fronius Smart Meter, der eine übersichtliche Darstellung des Stromverbrauchs im Fronius Solar-Web ermöglicht“, erklärt Michael Schubert aus dem Vertriebsteam.

Um bei hohem Strombedarf oder im Winter dennoch autark zu sein, kann der Anwender das Speicherpaket um eine Pelletheizung von Ökofen mit integriertem Stirlinggenerator ergänzen. Er erzeugt Strom, wenn die Heizung läuft. Aus Sonne und Pellets kann sich der Betreiber komplett mit selbst produziertem Strom versorgen.

Herzstück der Speicherlösung ist der Wechselrichter Fronius Symo Hybrid. Mit seiner Multiflow-Technologie ist der Anschluss einer Solaranlage, der Betrieb weiterer AC-Generatoren und das Laden einer Batterie aus dem Netz möglich. Für weitere Anwendungen und Dienstleistungen gibt es umfangreiche Schnittstellen. So zeigte Fronius in München eine Ladestation von Loxone, um Elektroautos einzubinden.

Für die jüngste RWE-Tochter Innogy war die Intersolar 2017 eine Premiere, das Unternehmen wurde erst im Herbst 2016 gegründet. Carsten Welge ist Produktmanager für Photovoltaik und Stromspeicher für Endkunden. Unter anderem berichtete er über die intelligente Haussteuerung Innogy Smart Home.

Innogy zeigte smarte Lösungen

Sie schöpft die Leistung von Photovoltaikanlagen mit SMA-Wechselrichtern besser aus: Anstatt bei viel Sonnenschein die Stromerzeugung wie üblich auf 70 oder 50 Prozent abzuregeln, schaltet sie automatisch ins System eingebundene Geräte zu – inklusive Batteriespeicher.

Voraussetzung ist, dass die Wechselrichter über die Schnittstelle Speedwire verfügen. Die Energiespeicher von Mercedes-Benz beispielsweise, die einen Sunny Island von SMA als Batteriewechselrichter nutzen, lassen sich damit ansteuern und in die App integrieren.

Durch die neuen Funktionen wird der Eigenverbrauch dank Speicherung zeitlich verlagert und damit erhöht. Und: Mit der dynamischen Leistungsregelung lässt sich mehr Strom erzeugen.

Nächster Anlaufpunkt der PV Guided Tours war der Messestand von RCT Power. Viele Mitarbeiter und der Geschäftsführer Thomas Hauser stammen aus der früheren Sunways AG, die später von SF Suntech übernommen wurde.

RCT Power: Schnelle Montage

Klaus Richter ist zuständig für den Vertrieb. Er erklärte, was bei RCT unter dem Motto „Speichersysteme neu durchdacht“ verstanden wird: Frühere Batterien waren groß, schwer und hatten dicke Kabel. Sie benötigten lange Installationszeiten und ließen sich in ihrer Kapazität kaum an die Anforderungen des Betreibers anpassen. Es dauerte lange, bis sie geladen waren, und ihr Wirkungsgrad war zu gering. „All diese störenden Faktoren haben wir erkannt und eine neuartige Lösung entwickelt“, sagte Klaus Richter. „Im Ergebnis entstand ein flexibles, zuverlässiges Speichersystem, das durch Qualität, Effizienz und Einfachheit überzeugt.“

Der Hochvolt-Batteriespeicher wird aus drei bis sechs Modulen aufgebaut. Dank Plug-and-play-Einschüben lässt er sich zügig installieren und in Betrieb nehmen. Die Technologie von RCT erlaubt es, alle Batterietypen mit dem Speichersystem zu kombinieren. „Auslegung, Installation und Wartung sind im Vergleich zu herkömmlichen kompakten Systemen um ein Vielfaches einfacher“, erklärt Klaus Richter.

Akasol erfüllt hohe Standards

Am Stand von Akasol wartete Markus Michelberger. Er leitet die Abteilung für stationäre und maritime Speichersysteme. Sein Unternehmen entwickelt und produziert mobile und stationäre Batteriesysteme unter anderem für die Automobilindustrie oder die Schifffahrt.

Zwei Lithium-Ionen-Speicher für private und Gewerbekunden hatte Akasol in München dabei. Der kompakte Neeo Basix beispielsweise lässt sich unkompliziert bedienen.

Neben einem „Höchstmaß an Sicherheit“ garantiert der Hersteller „eine lange Laufzeit“ und gibt zehn Jahre Garantie. Der Neeo Basix enthält einen dreiphasigen Batteriewechselrichter, seine Kapazität lässt sich von 6,5 bis 13 Kilowattstunden erweitern.

Ein Speichersystem für gewerbliche Ansprüche ist Neeo System Business. Konzipiert wurde es für größere Privathaushalte und kommerzielle Nutzer. Die nach Standards der Automobilbranche sicherheitsgeprüfte Technologie bietet laut Hersteller bis zu 20 Jahre Lebensdauer und sorgt dafür, dass sich die Batterie sehr schnell laden lässt.

Das integrierte Energiemanagement überwacht alle Funktionen und gewährleistet einen effizienten und sicheren Betrieb. Auch eine externe Ansteuerung und das Laden eines E-Mobils sind möglich.

Solarwatt mit BMW, Bosch und Eon

Bei Solarwatt empfängt Axel Schiller das Fachpublikum der PV Guided Tours. Der neue My Reserve Matrix setzt Maßstäbe im Batteriespeichermarkt. Immerhin kooperieren Unternehmen wie BMW, Bosch und Eon mit dem Mittelständler aus Dresden, der mittlerweile international mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt.

My Reserve Matrix ist eine Weiterentwicklung des Heimspeichers My Reserve, der bis zu 8,8 Kilowattstunden Speicherkapazität anbieten kann. Dieser Speicher wird in den String der Solaranlage installiert und an den MPP-Tracker des Wechselrichters geklemmt. Ein separater Batteriewechselrichter ist nicht notwendig, da es sich um ein sehr effizientes DC-System handelt.

Der Matrix erweitert diesen Gedanken nun auf beliebige Speichergrößen, nach oben offen. Dabei können beliebig viele Strings mit Speichern belegt werden, pro Wechselrichter bis zu zwei MPP-Tracker. Das System kann im Einfamilienhaus ebenso eingesetzt werden wie in Handwerksbetrieben oder in der Industrie.

Möglich macht dies ein neues Baukastenprinzip (Matrix), bei dem der Batteriespeicher individuell mit einer Kapazität von 2,2 Kilowattstunden bis zwei Megawattstunden zusammengestellt wird.

Mit jedem zusätzlichen Modul erhöht sich die Ladeleistung des Systems. Axel Schiller sagte: „Damit lässt sich dieser Speicher vollkommen an das Nutzungsverhalten und den jeweiligen Strombedarf des Anwenders anpassen.“

Fenecon bringt den Mini 3.3

Der bayerische Speicheranbieter Fenecon ist ein starker Mitspieler im Markt für Stromspeicher aller Größen. In München zeigte Fenecon eine breite Produktpalette, die auf den Batterien von BYD aus Shenzhen in China basiert. Für private Kunden ist vor allem der neue Mini interessant, ein sehr kompakter und preiswerter Kleinspeicher mit 3,3 Kilowattstunden Kapazität und hohen Leistungen.

Laut Vertriebsleiter Christof Wiedmann bietet BYD neuartige Lithium-Eisenphosphat-Zellen mit 200 Amperestunden. In ihnen werde im Unterschied zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Zellen kein Sauerstoff freigesetzt.

Im nächsten Jahr wieder dabei

Ein thermisches Durchgehen (Thermal-Runaway-Effekt) ist damit weniger wahrscheinlich. Die Batterielebensdauer gibt BYD mit mehr als 20 Jahren an. Bemerkenswert ist die hohe C-Rate, die vollständiges Entladen oder Befüllen innerhalb von einer Stunde ermöglicht.

Nach etwas mehr als zwei Stunden kehrten die Teilnehmer zum Messestand der photovoltaik zurück, dem Ausgangspunkt der PV Guided Tours. Viele Besucher bedankten sich ausdrücklich. „Das kann man nur empfehlen“, meinte einer und äußerte den Wunsch, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen.

Für seinen Nachbarn war die Tour „eine sehr willkommene Gelegenheit, um in die Messe einzutauchen“. Und ein Dritter stellte fest: „Ihre Führung war für mich der Höhepunkt der Messe.“

Literatur

Fussnoten

  • Wandhängende Heimspeicher Varta Pulse.

  • Auch der Fachgroßhändler Baywa r.e. hat hochwertige Heimspeicher in seinen Vertrieb aufgenommen.

  • Fronius zeigte das Energy Package, das besonders für Eigenverbrauch optimiert ist.

  • Innogy trat in München mit Selbstbewusstsein und smarten Produkten auf.

  • RCT Power überzeugte mit Einfachheit und Qualität.

  • EES Award: Olaf Wollersheim von Solarwatt jubelte.

  • Fenecon bietet seinen Kunden die neuen Heimspeicher Mini 3.3 mit Zellen von BYD.

  • Der Neeo von Akasol hat eine Flüssigkühlung, um seine Lebensdauer zu erhöhen.

Foto: HS

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