photovoltaik Ausgabe: 07-2018

Der Massenmarkt ist da

Wolfgang John (links) und Willi Mühlbauer präsentierten in München das intelligente Speichersystem von NES aus Stephanskirchen.

Wolfgang John (links) und Willi Mühlbauer präsentierten in München das intelligente Speichersystem von NES aus Stephanskirchen.

PV Guided Tours — Unsere Lesertouren zu den Anbietern von Heimspeichern waren besser besucht denn je. Auf der Messe in München strahlten die Aussteller durchweg Optimismus aus. Herbert Grab

Inhaltsübersicht

  1. Der Massenmarkt ist da
  2. PV Guided Tours im Überblick
  3. Aktuelles Video

So sehen Rekorde aus: Sage und schreibe 509 interessierte Messebesucher schlossen sich in diesem Jahr unseren PV Guided Tours an. Ausgewählte Anbieter präsentierten unseren Leserinnen und Lesern ihre Innovationen. Im vergangenen Jahr hatten wir lediglich 367 Teilnehmer gezählt.

Das mit Abstand größte Interesse galt den Heimspeichern für private Endkunden. Allein 136 Teilnehmer ließen sich von unserem Tourguide zu den interessanten Neuheiten lotsen. Sie waren zufrieden mit den Informationen, die sie auf den Rundgängen geboten bekamen.

Ebenso glücklich zeigten sich die Aussteller über den starken Andrang. Immerhin kamen wir oft mit zwei Dutzend oder mehr vorinformierten Fachbesuchern an die Messestände.

EFT-Systems baut mit BYD-Batterien

Da wurde Klartext geredet und Geschäfte gemacht. Erste Station unserer Tour war EFT-Systems aus dem hessischen Lohr. Das Unternehmen präsentierte sich als Partner des chinesischen Batterieherstellers BYD: im After-Sales-Service, in der Technik, beim Training und in der Lieferlogistik. EFT ist einer der wichtigsten deutschen Importeure des Batteriespeichers B-Box von BYD.

BYD gehört zu den größten Herstellern von E-Fahrzeugen und Speicherbatterien. Das Unternehmen aus dem chinesischen Shenzhen hat bereits Niederlassungen in mehr als 50 Ländern und Regionen.

Unser Ansprechpartner am Stand von EFT-Systems war Florian Blaser. Er informierte uns über drei Highlights. Die Batterie-Box HV, so erklärte er uns, sei die erste echte wiederaufladbare Hochvoltbatterie mit flexiblem modularem Design und ohne Kabelverbindungen. Eine Box enthält fünf bis neun Batteriemodule, in Serie geschaltet, mit bis zu 11,52 Kilowattstunden Nutzkapazität.

Durch die parallele Verbindung von bis zu fünf Boxen lässt sich eine Kapazität von bis zu 57,6 Kilowattstunden erreichen. Das patentierte Verbindungssystem kommt ohne Kabel aus, damit ist eine Anlage schnell und einfach installiert.

Zweites Messehighlight war die Batterie-Box LV mit 48 Volt, also die Niederspannungsvariante, auch sie mit modularem Aufbau und kabellosen Verbindungen.

Mit ihr lassen sich bis zu zwölf einzelne Batteriemodule verbinden. Die Kapazitäten liegen zwischen 3,5 und 42 Kilowattstunden. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Batterie-Box Pro 13.8. Parallel geschaltet bietet sie bis zu 442 Kilowattstunden Speicherkapazität.

NES setzt auf „Made in Germany“

Unser Weg führte uns an den Messestand von New Energy Systems, kurz NES. Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz in Stephanskirchen bei Rosenheim ist Willi Mühlbauer.

Zusammen mit seinem Team hat der erfahrene Elektromeister sehr effiziente und preiswerte Komponenten entwickelt, um Lithium-Ionen-Hochvoltspeicher per DC-gekoppelter Ladeelektronik zu befüllen. Die Werte sind bestechend: Die Lade- und Entladeleistung ist deutlich höher als bei vergleichbaren Produkten am Markt – bei ausgesprochen geringen Verlusten.

NES bietet Stromspeicher von vier bis 6.000 Kilowattstunden Speicherkapazität und von zehn bis 800 Kilowatt Ladeleistung. Die Ladeelektronik verfügt über zwei unabhängige Eingänge, an denen sich die Leistung einstellen lässt – bei Eingangsspannungen bis zu 900 Volt.

Eine bidirektionale Anbindung für die Be- und Entladung von dafür freigegebenen E-Autos ist möglich. Bisher kann man die japanischen Modelle von Nissan oder Mitsubishi einbinden.

Durch flexible Eingangsparameter lassen sich unterschiedliche Energiequellen wie Solar, Wind, Wasser, Dieselgeneratoren oder Blockheizkraftwerke verbinden.

Die einfache Skalierbarkeit von Ladeelektronik und Speichereinheiten ermöglicht Leistungen bis 120 Kilowatt und Speichergrößen bis zu 432 Kilowattstunden. Systeme bis ein Megawatt runden die Palette ab.

Weiter ging unsere Tour zu einem Unternehmen, das sich in den vergangenen Jahren zu einem globalen Player entwickelt hat. Die Rede ist von Solare Datensysteme (SDS), besser bekannt unter dem Namen seines Datenloggers Solar-Log.

Weltweites Monitoring per Solar-Log

Die ersten Produkte der Baureihe hat SDS schon 2007 auf den Markt gebracht. Mittlerweile wurde der Funktionsumfang des Systems erheblich erweitert. Solar-Log wurde beinahe zum Synonym für das Monitoring von Solaranlagen und effizientes Einspeisemanagement. Das System ist heute in 118 Ländern installiert und überwacht rund 280.000 Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt zwölf Gigawatt.

Gerade Privathaushalte, die eigenen Sonnenstrom produzieren, erzielen mit Batteriespeichern einen großen Mehrwert. Denn durch den Einsatz der Speicherbatterien über den Datenlogger lässt sich der Eigenverbrauchsanteil signifikant steigern und die Energiekosten deutlich senken.

Durch die Einbindung des Batteriespeichers in das Solar-Log-System sind Messwerte wie der aktuelle Ladestand und die Lade- sowie Entladeleistung direkt über das Internet auslesbar. Als hilfreiche Option zeigt das System außerdem die Ladehistorie für einen und sieben Tage an. Weitere Informationen aus dem Speichersystem sorgen für einen möglichst effektiven Einsatz der Batterie.

Zu den großen Mitspielern im Markt gehört Innogy. Das Unternehmen hatte 2017 mit mehr als 42.000 Mitarbeitern und 22 Millionen Kunden rund 43 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Es ist in 16 europäischen Ländern vertreten.

Innogy bringt virtuelle Solar Cloud

Eins der Highlights von Innogy war der sogenannte Solar-Frühlingskracher, der deutsche Qualität zum attraktiven Paketpreis bietet. Für 9.990 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Standardinstallation bekommt der Endkunde eine komplette Solar- und Speicherlösung mit intelligentem Energiemanagement. Optional bietet Innogy ein Dienstleistungs- und Servicepaket.

Auf besondere Aufmerksamkeit bei den Teilnehmern unserer Tour stieß die Innogy Solar Cloud – eine virtuelle Speicherlösung für Solarstrom. Das Prinzip ist einfach: Für eine überschaubare monatliche Rate kann der Kunde seinen überschüssigen Solarstrom einspeichern. Diesen kann er zu 100 Prozent wieder abrufen, wann immer er ihn benötigt. Die Größe des virtuellen Speichers ist beliebig wählbar.

Eine hohe Eigenverbrauchsquote lässt sich mit dem Innogy Energiemanager erreichen. Das System steuert die Verbraucher so, dass alle elektrisch betriebenen Geräte im Haus möglichst oft mit Strom aus der eigenen Solaranlage laufen. Das senkt die Energiekosten und die Ertragsverluste durch ein optimales Austarieren von Ertrag und Verbrauch.

ABB Solar steigert Energieautarkie

Wenige Schritte weiter erwartete uns Martin Freyberg am Stand von ABB Solar. ABB zählt zu den führenden Technologiefirmen in den Bereichen Elektrifizierung, Robotik und Antriebe, industrielle Automation und Stromnetze. Das Unternehmen ist in mehr als 100 Ländern tätig und beschäftigt etwa 135.000 Mitarbeiter, davon rund 10.550 in Deutschland. Der Umsatz in Deutschland lag 2017 bei 3,26 Milliarden Euro.

Unser Gesprächspartner erläuterte die neueste Speicherlösung, den React 2. Der Batteriewechselrichter kann Kapazitäten von bis zu zwölf Kilowattstunden verwalten. Die Lösung umfasst einen Lithium-Ionen-Akku und lässt sich modular von vier bis zwölf Kilowattstunden erweitern.

Mit dem 200-Volt-Hochvoltakku erreicht das System laut ABB Solar bis zu zehn Prozent mehr Effizienz im Vergleich zu Systemen mit 48 Volt Niederspannung. React 2 ist für den Einsatz in neuen Solaranlagen und zur Nachrüstung geeignet.

In Kombination mit Busch-free@home können Hausbesitzer ihren Solarstrom optimal nutzen und Verbrauchsspitzen vermeiden. Das System überträgt Informationen über Solarenergie, Eigenverbrauch und Batteriestatus über ein drahtloses Netzwerk an das Smart-Home-System Busch-free@home

Auch eine Ladelösung für Elektrofahrzeuge wie die neue AC-Wandladestation EV Lunic von ABB lässt sich einbinden. Für Gegenden mit unzuverlässiger Stromversorgung oder bei Stromausfall bietet React 2 außerdem Notstrom an.

Kostal bringt den neuen Plenticore

Mehr als 100 Jahre Erfahrung als Automobilzulieferer zeichnen das Unternehmen Kostal aus, zu dem die 2006 gegründete Kostal Solar Electric gehört. Das Unternehmen hat sich auf Stringwechselrichter und Speichersysteme für private und kleinkommerzielle Photovoltaikanlagen spezialisiert.

Schwerpunkt des Messeauftritts war der neue Hybridwechselrichter Plenticore plus. Damit, sagte unser Ansprechpartner Thomas Garber, setze Kostal einen neuen Standard: „Denn das System passt immer, egal für welche Photovoltaikanlage und Anforderung.“

Als reiner Solarwechselrichter mit bis zu drei Solareingängen bringe der Plenticore auch bei anspruchsvollen Verschattungssituationen optimale Erträge. Der dritte Eingang ist optional als Batterieanschluss verwendbar. Die Batterie kann jederzeit nachgerüstet werden.

Neben dem direkten Laden der Batterie aus der eigenen Photovoltaikanlage ermöglicht das Gerät auch die zusätzliche Ladung über eine weitere AC-Energiequelle wie etwa Kraft-Wärme-Kopplung (Blockheizkraftwerk), Windkraft oder eine weitere Solaranlage. Der Hybridwechselrichter ist in fünf Leistungsklassen zwischen 4,2 und 10 Kilowatt erhältlich und für verschiedene Hochvoltspeicher freigegeben.

Auch einen neuen Stringwechselrichter hat Kostal im Programm: Der intelligente Piko IQ hole dank des schnellen, selbstlernenden Schattenmanagements und des weiten MPP-Bereichs mehr aus jeder Solaranlage, erklärte Thomas Garber.

Neben diesen dreiphasigen Wechselrichtern präsentierte Kostal Solar Electric auf der Messe den neuen Piko MP plus in den Leistungsklassen von 1,5 bis 4,6 Kilowatt.

Das einphasige Gerät ist ideal für kleine Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern und bereits ab drei Modulen einsetzbar. Dagegen ist der Piko 36 EPC speziell für Großanlagen konzipiert.

Baywa r.e.: alles aus einer Hand

Andreas Reischl präsentierte die Innovationen von Baywa r.e. Der Großhändler aus Tübingen hat vier weitere Vertriebsstandorte in Deutschland. Dazu kommen Standorte in Polen, Dänemark und Schweden.

Baywa r.e. positioniert sich als Systemanbieter für alle Komponenten im Photovoltaikgeschäft und Full-Service-Partner für die Solarteure und Projektentwickler. Das Produktportfolio reicht von Solarmodulen über Wechselrichter, Speichersysteme und Warmwasser-Wärmepumpen bis zu E-Ladestationen.

Unser Gesprächspartner zeigte uns ausgewählte Speichersysteme. Die Palette ist in der Tat beeindruckend: Das beginnt beim 48-Volt-Batteriewechselrichter Sunny Island von SMA und dem Hochvoltwechselrichter Sunny Boy Storage. Natürlich sind auch die Asiaten vertreten, zum Beispiel Huawei mit dem Sun 2000L, einer smarten, einphasigen Bauserie von Hochvolthybridwechselrichtern.

Zwei Produkte von Solar Edge bekamen wir ebenso zu sehen wie den dreiphasigen Hybridwechselrichter Symo Hybrid von Fronius.

Außerdem waren an diesem Messestand einige Produkte vertreten, die uns in den vergangenen zwei Stunden schon einmal präsentiert worden waren – etwa der Plenticore plus von Kostal oder mehrere Batterie-Boxen von BYD.

Zwei Stunden wie im Fluge

Die zwei Stunden, die wir für unsere Heimspeicher-Tour angesetzt hatten, waren wie im Fluge vorbei.

Die Teilnehmer unserer Tour wirkten sehr zufrieden. „Kann man sich schon für nächstes Jahr anmelden?“, fragte ein Besucher. Nach dem Hinweis auf andere Thementouren buchte er sofort den nächsten Rundgang am Nachmittag.

Keine Frage: Auf der Fachmesse The smarter E Europe in München 2019 erwarten wir noch mehr Aussteller und ein noch größeres Besucherinteresse an unseren geführten Touren. Wieder im Mittelpunkt: die Stromspeicher.

Literatur

Fussnoten

  • Baywa r.e. bietet seinen Kunden eine breite Palette an Speicherbatterien und Wechselrichtern zu ihrer Einbindung an.

  • EFT-Systems bindet die B-Box HV von BYD mit den Batteriewechselrichtern von Kostal, Fronius oder SMA ein. Sie wurden speziell für Hochvoltsysteme entwickelt.

  • ABB Solar brachte zahlreiche Neuheiten nach München mit.

  • Kostal rollt den Plenticore konsequent aus. Zahlreiche Speicherbatterien lassen sich damit verwalten.

  • Verwaltung von Stromspeichern über den altbewährten Solar-Log: Er kann Solargeneratoren und Speicherbatterien überwachen.

Foto: Heiko Schwarzburger

Foto: Heiko Schwarzburger

Foto: Innogy Effizienz

Foto: Heiko Schwarzburger

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