photovoltaik Ausgabe: 09-2017

Spielball der Weltmärkte


In deutschen Modulfabriken wie hier bei Heckert Solar ist die Auftragslage derzeit gut. Die zugesagten Lieferfristen werden eingehalten.

In deutschen Modulfabriken wie hier bei Heckert Solar ist die Auftragslage derzeit gut. Die zugesagten Lieferfristen werden eingehalten.

Solarmodule — Manch ein Installateur erlebte in diesem Sommer eine herbe Enttäuschung. Plötzlich waren wieder Komponenten knapp. Der weltweit starke Zubau und Paniklieferungen in die USA führten zu vereinzelten Engpässen. Petra Franke

Ein kleiner Markt mit hohem Preisdruck und geringen Margen – das ist Deutschland für global agierende große Modulhersteller. Kein Schlüsselmarkt mit Wachstumserwartungen. Auch in anderen europäischen Ländern sieht es kaum anders aus.

So verwundert auch nicht, dass Produkte in andere Märkte gepumpt werden, wo mehr zu verdienen ist. Auch um den Preis, bereits eingegangene Lieferverpflichtungen gegenüber deutschen Kunden nicht zu erfüllen. So geschehen in diesem Sommer. Die weltweiten Photovoltaikgeschäfte brummen. Allen voran wird in China gebaut. In der ersten Jahreshälfte 2017 wurden dort rund 24 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert. Aber auch in den USA, Indien und vielen anderen Ländern wird kräftig gebaut. Auf 85 Gigawatt schätzt Greentech Media die Zubauzahlen, die am Ende des Jahres in den Büchern stehen werden. Das wäre mehr als das doppelte Volumen des Vergleichsjahres 2014.

Weltweiter Zubau braucht Module

Zusätzlich hat eine bei der US-Außenbehörde anhängige Beschwerde die Warenströme beeinflusst. Ende Mai informierten die USA die Welthandelsorganisation WTO, dass sie Schutzzölle auf Solarzellenimporte erwägten. Vorausgegangen war dieser Ankündigung eine Petition des inzwischen insolventen US-amerikanischen Herstellers Suniva bei der US-Behörde für Außenhandel. Die Behörde will noch im September darüber befinden, ob durch Solarzellenimporte tatsächlich eine ernsthafte Benachteiligung US-amerikanischer Firmen eingetreten ist. Käme sie zu diesem Schluss, könnten Importzölle eingeführt werden.

Zell- und Modulhersteller wollen diesen Zöllen zumindest teilweise ausweichen und pumpen deshalb jetzt ihre Produkte verstärkt in den US-amerikanischen Markt. Und die Projektierer und Hersteller dort legen sich die Produkte und Vorprodukte gern zur Seite, wollen sie doch ihre bereits fertig geplanten Projekte zu den kalkulierten Preisen bauen. Zu Preisen, wie sie kaum ein deutscher Kunde zu zahlen bereit wäre. Für Installateure und Systemhäuser in Deutschland, die große Mengen Module aus Fernost erwarteten, führte diese Entwicklung zu manch herber Enttäuschung. Lieferzusagen wurden zurückgezogen oder auf unbestimmte Zeit verschoben.

Magnus Lehrieder vom Großhändler Krannich Solar bestätigt diese Fälle: „In den letzten Wochen wurden einige Installateure von namhaften Herstellern im Regen stehen gelassen. Sie haben dann bei uns kurzfristig Module nachgefragt, teilweise eine Woche vor Baubeginn.“ Lieferverschiebungen von ein bis zwei Wochen, die mitunter bei großer Nachfrage auftreten, puffert das Handelshaus mit eigenen Lagerbeständen. „Davon merken unsere Kunden bis auf wenige Ausnahmen gar nichts“, sagt Vertriebsinnendienstleiter Lehrieder und ergänzt: „Uns hat diese starke Nachfrage auch nicht überraschend getroffen, im Gegenteil, wir haben damit gerechnet.“

Auch Engpässe bei Wechselrichtern

Diesen saisonal bedingten starken Modulhunger gab es auch schon in den Vorjahren. Dennoch sieht Lehrieder eine deutliche Verknappung, nicht nur an Modulen, sondern auch an Wechselrichtern. Das Saugen des amerikanischen Marktes habe tatsächlich stattgefunden, treffe aber nicht für alle Hersteller und Modultypen gleichermaßen zu. Dadurch seien einzelne Lieferpläne durcheinandergeworfen worden. Zeige sich ein Kunde sowohl für Marke als auch für Leistungsklasse flexibel, habe Krannich Solar bisher immer attraktive Lösungen anbieten können.

Ende Juli gab Krannich Solar seine Vertriebspartnerschaft mit REC bekannt. Seitdem finden sich im Portfolio des Händlers auch die Hochleistungsmodule mit Halbzellentechnologie von REC. Die Frage, ob diese Partnerschaft eine direkte Reaktion auf die starke Nachfrage oder den Marktaustritt eines deutschen Herstellers gewesen sei, verneint Lehrieder: „Die Aufnahme der REC-Module ins Portfolio ist komplett unabhängig von allen Marktentwicklungen der jüngeren Vergangenheit. So ein Produkteinführungsprozess dauert circa ein halbes Jahr, denn wir sehen uns die Produkte sehr genau an. Die Aufnahme der REC-Module hat mit ihren Alleinstellungsmerkmalen und der Nachfrage nach diesen Produkten seitens unserer Kunden zu tun.“

Chance für deutsche Hersteller

Die oben beschriebenen Engpässe bedeuten für Endkunden und Installateure nicht, dass die Baustellen stillstehen müssen. Aber um die Nachfrage zu bedienen, sind doch einige Anstrengungen gefragt.

Kleinere Projekte werden in der Regel weiterhin problemlos realisiert. Zum einem gibt es zahlreiche Alternativen zu den chinesischen Tier-1-Herstellern, zum anderen fallen die Modulkosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten bei kleineren Projekten nicht so stark ins Gewicht. Frederic Drouard von der Online-Handelsplattform Solartraders beobachtet einen Trend hin zu monokristallinen Modulen, aber auch deutsche Hersteller oder deutsche Marken mit OEM sind gefragt.

Bei größeren Projekten, bei denen die Rendite im Vordergrund steht, kann es allerdings sehr eng werden. Nach wie vor bieten chinesische Tier-1-Hersteller, die inzwischen fast alle auch in Asien fertigen lassen und somit nicht mehr unter den Mindestimportpreis fallen, ihre Produkte zu einem sehr viel günstigeren Preis an als andere Hersteller.

Projekte die ohnehin schon knapp kalkuliert sind und für die noch keine Module gekauft wurden, werden daher in der Regel nach hinten geschoben, in der Hoffnung, bis Ende des Jahres eine Entspannung im Markt vorzufinden.

Die Vorreiterrolle Deutschlands im internationalen Photovoltaikmarkt ist beendet. Inzwischen sind es China, die USA und Indien, die aufgrund ihrer Zubauzahlen die Führungsrolle übernommen haben.

Die weltweit große Nachfrage, gepaart mit der Antidumpingklage in den USA und der Kürzung der Vergütungen in China zum Ende des ersten Halbjahres, haben zu einer starken Nachfrage geführt, sodass die Preise innerhalb weniger Wochen um zehn Prozent gestiegen sind.

Zurzeit sei so gut wie keine Ware mehr der chinesischen Tier-1-Hersteller kurzfristig verfügbar, berichtet Drouard und fügt hinzu: „Deutschland, einst Spielführer im Bereich Photovoltaik, ist nun nur noch ein Spielball.“ Auch auf dem Photovoltaikmarktplatz Solartraders.com zeige sich, dass die Verfügbarkeiten deutlich eingeschränkt sind. Zwar sind immer noch über 130 Modulangebote auf der Plattform gelistet, jedoch sind dies deutlich weniger als noch am Anfang des Jahres. Da viele Systemhäuser nur noch sehr eingeschränkt liefern können, schauen sich Solarteure und Investoren nach alternativen Produkten und Einkaufsquellen um. Das kommt dem Handelsplatz zugute. „Wir verzeichnen zurzeit 200 neue Kunden pro Monat“, sagt Drouard.

Vereinzelt sehr dringliche Anfragen

Thomas Dessoi vom Modulhersteller Luxor Solar berichtet, dass das Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit doppelt so viele Anfragen erhält wie ursprünglich für diesen Zeitpunkt erwartet. Luxor Solar kann diesen Auftragseingang bedienen, es sei sogar noch ein wenig Luft nach oben. Mit seinen Partnern Krannich und EWS hat Luxor Solar bereits frühzeitig auf diese Entwicklung reagiert. Neukunden, die jetzt bei Luxor Solar anfragten, würden aber selbstverständlich auch bedient. Vereinzelt sei die Nachfrage so dringend, dass Kunden sogar anbieten, Anzahlungen zu tätigen, um sich die Ware zu sichern.

Einkaufskanäle klug wählen

Das Unternehmen Heckert Solar pflegt den direkten Vertrieb an Installateure. Es verzeichnete im letzten Quartal keine außergewöhnlichen Spitzen im Auftragseingang. Je nach Leistungsklasse und Menge betragen die Lieferfristen bei Heckert Solar zwischen null und sechs Wochen. Prokurist Michael Bönisch sagt: „Von allgemeiner Modulknappheit zu sprechen, wäre falsch. Es geht um ganz bestimmte Produkte, besonders um auffällig preiswerte. Bei Premium-Produkten mit kostendeckenden Preisen gibt es genügend Auswahl.“ Zudem seien die Erwartungen mancher Kunden schlichtweg überzogen. „Heute anzurufen, zu bestellen und kurz darauf die Ware zum unschlagbar niedrigen Preis auf der Baustelle zu haben, ist unrealistisch“, erklärt er. Die aktuellen Lieferzeiten sieht er als normal an.

Diese Marktsituation führt eindrucksvoll vor Augen, was eigentlich schon lange gilt: Installateure sind gut beraten, ihre Einkaufskanäle klug und vorausschauend zu wählen. Eigene Verträge mit Herstellern aus Fernost sind nicht immer die beste Wahl. Das betrifft nicht nur die Liefertreue, auch bei der fristgerechten und einwandfreien Lieferung auf die Baustelle hapert es mitunter. Kleinere Abnehmer stehen in Marktlagen wie in diesem Sommer ganz hinten in der Schlange beziehungsweise werden umplatziert. Der Großhandel hat eine ganz andere Marktmacht und kann vor allem mit Zuverlässigkeit punkten.

Literatur

Fussnoten

  • Großhändler können kurzfristige Nachfragespitzen meist durch ihre Lagerbestände puffern.

  • Großhändler listen von ihnen geprüfte Produkte. Kurzfristige Portfolioänderungen gibt es kaum.

Foto: Baywa r,.e,

Foto: Krannich Solar

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