photovoltaik Ausgabe: 05-2018

Bella Vista

Italien — Hinter dem Zähler brummt das Geschäft. Die Optimierung des eigenen Verbrauchs mit Solarstrom schiebt auch das Heimspeichergeschäft immer mehr an. Mehrere deutsche Hersteller haben sich schon gut positioniert. Auch die Photovoltaik legt wieder zu. Niels Hendrik Petersen

Inhaltsübersicht

  1. Bella Vista
  2. BAywa r.e.
  3. Unsere Serie
  4. Denersol

Den göttlichen Segen gab es schon vor knapp zehn Jahren, Ende 2008. Auf dem Dach der päpstlichen Audienzhalle Paolo VI. wurden rund 220 Kilowatt Solarpower montiert. Genau 2.394 Solarmodule. Bei einem Festakt wurde die Anlage in der Accademia delle Scienze im Vatikan eingeweiht. Die Chefs von Solarworld und SMA waren damals ebenso vor Ort wie der Präsident des Governatorats Vatikan und der Nobelpreisträger für Physik, Professor Carlo Rubbia. Außerdem die mittlerweile verstorbene Solarikone Hermann Scheer. Lang ist es her. Aber der italienische Markt lebt und wächst wieder – auch dank Batteriespeichern.

Das Geschäft wartet hinter dem Zähler

Der italienische Markt ist beispielsweise für den Speicherhersteller Sonnen der wichtigste EU-Markt außerhalb Deutschlands. „Wir waren dort als eines der ersten Speicherunternehmen am Markt, was sich nun auszahlt, da wir ein starkes und stabiles Partnernetz von 100 Installationsbetrieben haben aufbauen können“, sagt Vertriebschef Philipp Schröder. Vor allem einphasige Systeme werden hier nachgefragt. Solarwatt und auch Senec sind seit 2016 mit einer eigenen Tochtergesellschaft in Italien aktiv. Die Leipziger Deutsche Energieversorgung bietet ihre Marke Senec über den Großhändler Greensun Srl an.

10.000 Heimspeicher sind bereits installiert

„Der Speichermarkt in Italien hat sich schnell entwickelt, derzeit gibt es nach unseren Schätzungen 10.000 installierte Systeme“, sagt Enrico Marin. Er ist Geschäftsführer der Baywa r.e. Solar Systems mit Sitz in Bruneck, die von Südtirol aus den italienischen Markt bedient. Marktexperten erwarten auch in diesem Jahr weiteres Wachstum. Der Eigenverbrauch ist dabei der Treiber für die positive Entwicklung, meist in Kombination mit einer Photovoltaikanlage. Zusätzlich fördern lokale Ausschreibungen wie in der norditalienischen Lombardei 2016 und 2017 den Zubau. Das Geschäft boomt demnach vor allem hinter dem Zähler. Auch Komponenten, die die Energieflüsse schlau optimieren, sind unabdingbar und nachgefragt.

Klimaziele verlangen mehr Solarpower

Photovoltaik und Batteriespeicher sind wichtige Bausteine, damit das Land seine Klimaziele erreichen kann. Immerhin 55 Prozent des Stroms sollen Erneuerbare bis 2030 beisteuern. Insgesamt soll Ökoenergie 28 Prozent des Energieverbrauchs decken. Derzeit seien es vor allem Eigenheimbesitzer, die sich kleine Strompuffer installieren, weiß auch Marin. Aber der Markt werde sich langsam auch auf den gewerblichen und industriellen Sektor ausdehnen. Derzeit seien die Kosten für Batterien einfach noch zu hoch. Zudem fehle es an zertifizierten Systemen, die größere Speicherkapazitäten managen können.

Im letzten Jahr wurden in Italien rund 400 Megawatt Photovoltaik neu installiert. „Das war zwar mehr als 2016, aber trotzdem nicht wirklich viel im Vergleich zu den Boomjahren”, resümiert Andreas Lutz. Er arbeitet als Geschäftsführer bei New Energy Projects in München und hat sich auf den italienischen Markt fokussiert. Rom will künftig vor allem Photovoltaikanlagen mit mehr als 20 Kilowatt Leistung fördern. Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen sind aber weiter nicht im Förderregime. Nach Lutz’ Ansicht entwickeln sich gerade wieder mehr Photovoltaikprojekte als in den vergangenen Jahren. Und zwar unabhängig von einer möglichen neuen Förderung; das ist die gute Nachricht.

Regierungsbildung schwierig

Es würden derzeit vor allem große Projekte entwickelt, die sich über Stromlieferverträge refinanzieren und ohne staatliche Förderung betrieben werden. „Wie viele davon dieses und in den kommenden Jahren ans Netz gehen werden, das ist wohl schwierig vorherzusagen“, sagt Lutz. Denn die Genehmigungen dauern und die Finanzierung dieser Projekte sei auch nicht einfach. Zumindest nicht, wenn eine Bankfinanzierung nötig sei. „Einfacher ist es natürlich mit 100 Prozent Eigenkapital.“

Der Entwurf für die neue Förderung muss aber unter anderem noch von der EU genehmigt werden. Vor einigen Wochen hat der italienische Minister für wirtschaftliche Entwicklung (MISE) den Entwurf eines neuen Förderdekrets an seinen Kollegen vom Umweltministerium geschickt. Dieser muss den Entwurf nun prüfen. Dann geht das Dekret an die Conferenza Stato-Regioni, und auch die EU-Kommission muss noch grünes Licht geben. Ob das Dekret angesichts der notwendigen Zustimmungen und der schwierigen Regierungsbildung überhaupt in der bisherigen Form verabschiedet werde, müsse man erst mal abwarten, meint Lutz.

Laut der Vorlage steht für Solar und Windkraft 2018 bis 2020 ein Kontingent von 580 Megawatt für Anlagen bis ein Megawatt und bis 4, 8 Gigawatt für Anlagen mit mehr als einem Megawatt Leistung zur Verfügung.

Anlagen über ein Megawatt Leistung müssen an Ausschreibungen teilnehmen, für Anlagen mit geringerer Leistung gilt das Registerverfahren. Demnach sollen über die Register 790 Megawatt und über die Ausschreibungen 5.535 Megawatt vergeben werden, allerdings gelte eine Obergrenze von 5,8 Milliarden Euro pro Jahr für die neue Förderung. Zudem werden keine Zuschüsse gezahlt, wenn der Preis der Marktzone länger als sechs Stunden bei null Euro liegt oder sogar negativ ist.

Einheitstarif bis 100 Kilowatt Leistung

Die staatliche Förderung gilt sowohl für Neu- und Bestandsanlagen als auch für Erweiterungen. Der Bau darf erst nach dem Zuschlag der Förderung beginnen. Zudem scheint eine Förderung von Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen weiterhin ausgeschlossen zu sein, analysiert Lutz. Für Anlagen bis 100 Kilowatt Leistung gibt es demnach einen festen Einheitstarif. Für größere Anlagen werde nur der Förderanteil vom GSE ausbezahlt. Die Energie gehöre weiterhin dem Betreiber und müsse von diesem selbst vermarktet werden, erklärt er.

Je nach Segment gibt es verschiedene Geschäftsmodelle, die im italienischen Energiesystem funktionieren, erklärt Valerio Natalizia, Managing Director von SMA Italia. In erster Linie sei der Eigenverbrauch von Solarstrom der Haupttreiber für Hausdachanlagen und für gewerbliche Solaranlagen.

SMA setzt auf Wachstum

„Bei den Hausdachanlagen spielt jedoch auch das sogenannte Tax Credit System, also eine Steuergutschrift, eine wichtige Rolle. Solaranlagenbesitzer können über Jahre 50 Prozent der Gesamtkosten ihrer Solaranlage steuerlich absetzen.“ Das gelte auch für die Installation in Verbindung mit einem Speichersystem. Im Bereich der gewerblichen Solaranlagen gebe es das Direktverbrauchsmodell, weiß Natalizia. Anlagenbetreiber verkaufen also den Strom direkt an einen Verbraucher. Dabei ist der Strom für den Verbraucher günstiger als aus dem Netz bezogener Strom, der Verkäufer erhält eine höhere Vergütung, als er für die Netzeinspeisung bekommen würde.

Bislang fragten hauptsächlich Kunden von solaren Hausdachanlagen nach Batteriespeichern. Denn aktuell sei der regulatorische Rahmen für Speicher noch in der Diskussion. Aber in den kommenden ein bis zwei Jahren werden sich neue Bestimmungen positiv für Smart-Metering-Syteme und die Digitalisierung des Marktes auswirken, sagt Natalizia. Verschiedene Modelle dazu seien bereits in der Testphase. „Mit den Regelungen, die demnächst eingeführt werden, erwarten wir aber auch eine starke Nachfrage nach Speichersystemen für gewerbliche Installationen und im Kraftwerksbereich für Solarparks“, ist sich SMA-Manager Natalizia sicher.

Solarer Zubau soll sich verdoppeln

Der Photovoltaikmarkt wächst derzeit. Ende 2017 waren immerhin 19,4 Gigawatt am Netz installiert. Damit ist Italien immerhin der zweitgrößte Markt in Europa. „Wir erwarten ein noch stärkeres Wachstum in den kommenden zwei Jahren“, prognostiziert Natalizia. Dazu würden vor allem Solarkraftwerke beitragen. In diesem Segment seien im vergangenen Jahr 65 Megawatt neu hinzugebaut worden und für dieses Jahr erwartet der SMA-Manager einen Zubau, der mehr als doppelt so hoch ausfällt.

Der zweite Impuls zum Marktwachstum werde sich aus den neuen, derzeit in Diskussion befindlichen Regeln entwickeln. Diese werden Anreize für Gewerbekunden schaffen. Die Aussichten sind also bestens, die Sonne scheint sowieso. Nicht zu unterschätzen: Gottes Segen ist obendrein erteilt.

www.newenergyprojects.de

Literatur

Fussnoten

  • Versandfertige Batteriespeicher für die Reise nach Italien.

  • Immer mehr große Solarparks sind am Netz wie der in Montalto di Castro, nordwestlich von Rom.

Foto: Niels H. Petersen

Foto: Baywa r.e.

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