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Versicherung

Alle Komponenten schützen

Photovoltaikanlagen sind eine hochwertige Investition. Die Wirtschaftlichkeit hängt aber nicht nur von den verwendeten Komponenten und der Qualität der Installation ab, sondern auch von der Versicherung. So kratzt ein monatelanger Stillstand kräftig an der Rendite, wenn etwa Komponenten ausfallen oder gestohlen werden. Auch Bauverzögerungen können schnell teuer werden. Mit der passenden Versicherung können Betreiber und Projektierer diese Risiken erheblich minimieren.

Das tun sie auch zunehmend. „Ich erlebe, dass ein gemeinsames Risikobewusstsein aller Stakeholder und ein proaktiver Umgang mit Risikominderungsmaßnahmen in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger werden, um Anlagen langfristig resilient und wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben“, sagt Ute Bock, Leiterin der Abteilung Corporate Insurance bei Baywa r.e. Ihr Verweis auf alle Projektbeteiligten ist wichtig. Denn schon beim Bau spielt die passende Versicherung eine wichtige Rolle.

Montage versichern

Essenziell sind hier zwei Versicherungen. „Der spätere Betreiber sollte von Beginn an, also schon beim ersten Spatenstich, eine Betreiberhaftpflichtversicherung inklusive Baudeckung abschließen“, erklärt Harald Brand, Geschäftsführer von Spessart Assekuranz. Der Versicherungsmakler ist schon seit vielen Jahren unter anderem auf die Risikoabsicherung von Solaranlagen spezialisiert.

Er verweist dabei auf die in Deutschland geltende gesamtschuldnerische Haftung. „Alle am Bau Beteiligten haften gleichermaßen, und ein Geschädigter kann sich aussuchen, wen er haftbar macht“, beschreibt Harald Brand das Prinzip. Eine Betreiberhaftpflichtversicherung übernimmt hier nicht nur die Regulierung von Schäden, sondern auch die sogenannte passive Rechtsschutzfunktion. Dazu gehört auch die Abwehr unberechtigter Forderungen.

Ergänzend dazu rät Harald Brand zu einer Montageversicherung. Sie sichert Schäden während der Errichtung ab. In der Regel wird der Installateur oder Errichter der Anlage die Versicherung abschließen. Entscheidend ist, dass sie überhaupt besteht und ausreichend Deckung bietet. „Wenn sich der Betreiber nicht sicher ist, ob eine solche Versicherung vorhanden und auch bezahlt ist oder vom Deckungsumfang her ausreicht, sollte er besser selbst eine Montageversicherung abschließen“, rät Harald Brand.

Schutz vor Langfingern

Ein heikler Punkt, der immer ausreichend mitversichert sein sollte, ist der Diebstahl von Komponenten. Hier stellen die Versicherungen aber konkrete Anforderungen, unter anderem an die Lagerung von Materialien auf der Baustelle. „Die Montageversicherung deckt Diebstähle nur dann, wenn die Teile unter Verschluss gelagert sind“, weiß Harald Brand. Die Komponenten müssen also in sicher abschließbaren Containern oder Räumen verstaut werden. Im Freien gelagerte Module, Wechselrichter oder auch Kabel sind grundsätzlich nicht versichert – es sei denn, es gibt eine entsprechende Sondervereinbarung. Darauf lassen sich aber nur wenige Versicherungen ein.

Sollten sie es doch tun, müssen die Anlagenerrichter für den Schutz vor Langfingern sorgen. „Wir haben in unseren Montageverträgen Sondervereinbarungen, wonach die Überwachung des Lagerplatzes mit Bau-Watch-Kameras und ein Bauzaun, dessen Elemente miteinander verschraubt und verschlossen sind, genügen, damit auch im Freien gelagert werden kann – bis zu einer gewissen Summe“, erklärt der Versicherungsfachmann. Aber auch hier gibt es weitere Voraussetzungen. So muss das Kamerasystem zwingend auf eine Notrufzentrale aufgeschaltet werden, die reagiert, sollte sich ein Dieb an der Baustelle zu schaffen machen.

Alle Gefahren absichern

Dass die Anforderungen an Sicherheit steigen, bestätigt auch Ute Bock von Baywa r.e. „Versicherer formulieren zunehmend klare Anforderungen an Sicherheit und technische Standards“, sagt sie. „Dazu gehören bei Freiflächenanlagen häufig ein definierter Diebstahlschutz, etwa durch Zaunanlagen, Überwachungssysteme oder Zugangskontrollen.“ Bei Dachanlagen dagegen stehen das Konzept zur Absturzsicherung, der bauliche Brandschutz und die statische Belastbarkeit des Gebäudes im Vordergrund.

Auch der Betrieb der Anlage muss gut versichert sein. Hier zählt neben der Betreiberhaftpflicht auch die Allgefahrenversicherung zu den elementaren Policen. Dachanlagen können über Privathaftpflicht- oder Haushaftpflichtversicherungen mitversichert werden. „Allerdings müssen die Betreiber aufpassen“, erklärt Harald Brand. „Denn wenn es eine gewerblich genutzte Anlage ist, ist sie unter Umständen nicht über die Privathaftpflichtversicherung versichert. Dann ist eine entsprechende Sondervereinbarung notwendig.“

Einbußen bei den Erlösen

Ute Bock von Baywa r.e. empfiehlt zusätzlich noch eine Umwelt-/Umweltschaden-Haftpflicht sowie eine Ertragsausfallversicherung. Letztere deckt den entgangenen Stromerlös ab, wenn die Anlage nach einem Sachschaden durch Extremwetter oder Diebstahl stillsteht. Hier ist eine ausreichend bemessene Haftzeit entscheidend. „Bei größeren Anlagen empfehle ich häufig mindestens zwölf oder 18 Monate, insbesondere aufgrund der zunehmend längeren Beschaffungszeiten bei Transformatoren oder Wechselrichtern“, sagt Ute Bock.

Sie rät auch dazu, die Ausschlüsse und Selbstbeteiligungen genau zu prüfen. „In den vergangenen Jahren ist zudem die Cyberversicherung immer relevanter geworden, da wir es zunehmend mit digital vernetzten und fernüberwachten Anlagen zu tun haben“, erklärt sie.

Diebesbanden marodieren

Auch beim Betrieb verlangen die Versicherer einen verantwortungsvollen Umgang mit der Anlage. So wird immer öfter ein Diebstahlschutzkonzept verlangt. „Wir empfehlen unseren Kunden immer, eine Kameraüberwachung einzubauen oder zumindest vorzusehen“, sagt Harald Brand. „Denn dann kann eine Kameraüberwachung kostengünstig nachgerüstet werden, sollten die Versicherer dies verlangen.“

Er weiß, dass diese Kameraüberwachung bisher nicht üblich ist in Deutschland. Doch sie wird über kurz oder lang kommen, da die Diebesbanden marodieren und sich Länder aussuchen, in denen noch leicht an die Komponenten heranzukommen ist.

Baustandards einhalten

Als zusätzliche optionale Schutzbausteine nennt Ute Bock die Minderertragsversicherung gegen wetter- oder leistungsbedingte Ertragseinbußen, jenseits von mechanischen Schäden oder Diebstahl. „Bei Neubau- oder Repoweringprojekten hat sich zudem die Kombination aus Bauleistungsversicherung und Delay-in-Start-up-Deckung (DSU) bewährt“, erklärt Ute Bock. „Die DSU sichert das Risiko ab, dass sich die Inbetriebnahme aufgrund eines versicherten Bau- oder Transportschadens verzögert und dadurch geplante Erträge später fließen. Diese Absicherung ist insbesondere bei fremdfinanzierten Projekten oder strengen Power-Purchase-Agreements sehr relevant.“

Sollte ein Schaden auftreten, bleiben die technischen Standards entscheidend. Versicherer achten zunehmend auf die Qualität der Installation und Dokumentation. „Versicherer erwarten eine nachvollziehbare technische Dokumentation: Wartungspläne, Inbetriebnahmeprotokolle, Blitz- und Überspannungsschutz sowie Nachweise zur Standsicherheit sind inzwischen gängige Voraussetzungen“, weiß Ute Bock.

Sicherheitskonzept zahlt sich aus

Die Erfahrung aus der Praxis zeigt: Probleme entstehen meist im Schadensfall, wenn die Unterlagen lückenhaft sind oder Baustandards nicht eingehalten wurden. „In den allermeisten Fällen steht in den Versicherungsbedingungen, dass die Anlage nach dem Stand der Technik gebaut werden muss“, sagt Versicherungsexperte Harald Brand. „Wird diese Vorgabe verletzt, gibt es Probleme bei der Schadensregulierung, und dann kann es sein, dass der Versicherer nicht zahlt.“

Ein sorgfältig aufgebautes Sicherheits- und Dokumentationskonzept zahlt sich also doppelt aus: für die Versicherbarkeit und den laufenden Betrieb. Denn es senkt Risiken, erleichtert die Schadenregulierung und reduziert im besten Fall auch die Prämie.

Ein Zaun schützt nicht nur die fertige Solaranlage. Auch während des Baus kann das Material dort sicher gelagert werden.

Foto: Velka Botička

Ein Zaun schützt nicht nur die fertige Solaranlage. Auch während des Baus kann das Material dort sicher gelagert werden.

TÜV Rheinland

Qualität von Installateuren zertifizieren

Der TÜV Rheinland bietet installierenden Fachbetrieben an, die Qualität ihrer Arbeit zu auditieren und zu zertifizieren. Dabei werden alle Prozesse im Betrieb bewertet. Bevor die Inspekteure den Installateur besuchen, schickt der Fachbetrieb eine Liste der letzten zehn Anlagen. Davon werden zwei ausgewählt und vor Ort geprüft.

Der Aufwand insgesamt, den Papierkram eingerechnet, beträgt rund fünf Tage. Gut organisierte Betriebe schaffen die Prozedur mitunter in drei Tagen. Die Zertifizierung ist wiederkehrend, wird also in jedem Jahr wiederholt. Mit der Zertifizierung darf der Fachbetrieb das Prüfzeichen des TÜV für sein Marketing verwenden.

Die Experten des TÜV bewerten unter anderem die Qualität der Kundenberatung, der Angebote sowie der Installation und der eingesetzten Materialien. Ein weiterer Aspekt ist die Qualifikation des Personals: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen über ausreichende Kenntnisse für die Installation netzgekoppelter Photovoltaikanlagen verfügen und dies durch Teilnahme an Schulungen nachweisen.

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