photovoltaik Ausgabe: 11-2015

Viel mehr als Lampentausch

LED — Alte Glühlampen oder Halogenstrahler gegen neue Leuchtmittel auszutauschen senkt die Stromkosten nachhaltig. Aber die kalten Strahler können viel mehr, wie eine Firma aus Köln beweist. Heiko Schwarzburger

Inhaltsübersicht

  1. Viel mehr als Lampentausch
  2. Auf einen Blick
  3. Priogo AG
  4. Warnung des VDE

LEDs sind in aller Munde, gelten als Lichtquelle schlechthin. Wer die kalten Lampen einsetzt, statt wie bisher mit Glühlampen zu heizen, reduziert seinen Strombedarf erheblich. Für Antonius Quodt ist das nicht wirklich neu. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Lightlife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH in Köln. Das Unternehmen bietet künstlerische und gewerbliche Lichtkonzepte für Gebäude und Fassaden an. Es gehört zu den Vorreitern in der LED-Technik und Lichtarchitektur, mit vielen Jahren Erfahrung.

Seit einigen Monaten ist Quodt zudem Mitgesellschafter bei der Priogo AG in Zülpich, einem traditionsreichen Fachbetrieb für Photovoltaik, Stromspeicher und regenerative Energietechnik. Beide Unternehmen bieten kombinierte Energielösungen mit LED und Photovoltaik an.

Denn er beobachtet genau, dass die LEDs einen interessanten Massenmarkt entfalten. Immer mehr Mieter und Hauseigentümer wechseln alte Glühlampen gegen LEDs aus, ein schneller Weg, um die Stromkosten zu senken.

Verlustwärme geht gegen null

Während die gute, alte Glühlampe nur rund ein Zehntel des Stroms tatsächlich in Licht umsetzte, bleiben die LEDs kalt. Sie setzen fast den gesamten Strom in Licht um, die Verlustwärme ist nahezu null. „Jeder Elektriker kann alte Lampen gegen die neuen LEDs tauschen“, sagt Antonius Quodt. „Für die meisten privaten Endkunden dürfte der einfache Austausch der Leuchtmittel ausreichen. Dann kommt es auch nicht so sehr darauf an, ob der Elektriker chinesische LEDs einbaut, die im Baumarkt besonders billig angepriesen werden.“

Doch bei der gewerblichen Beleuchtung sieht die Sache anders aus. Wenn man Antonius Quodt in seiner Firma in Köln besucht, erhält man anschaulichen Unterricht. Er schwört auf LED, er schwört auf die Kombination mit Photovoltaik.

Und er kennt die Fallstricke des Geschäfts. „Der Inhaber dieses Getränkemarktes ließ vor zwei Jahren alle Leuchtstoffröhren auf LED umrüsten“, erzählt er beim Gang durch den niedrigen Bau neben seinem Firmensitz in Köln-Longerich. „Das hat damals eine Firma Billigheimer gemacht, die mittlerweile insolvent ist. Nun musste der Eigentümer des Getränkemarktes alle LEDs nachkaufen, weil die Billigprodukte kaputt sind. Jetzt hat er Leuchtmittel von Markenherstellern verbaut, die teilweise fünf Jahre Garantie bieten.“

Wer billig kauft, kauft zweimal

Im Grunde genommen gilt für LED, was für alle Komponenten in der Photovoltaik oder in der Elektrotechnik gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal. Qualität entscheidet über die Langlebigkeit, weiß Quodt aus unzähligen Projekten.

Je größer die Investition, desto wichtiger ist es, nur hochwertige Komponenten und Produkte zu verkaufen. „In der gewerblichen Anwendung kommt noch hinzu, dass mit der Umstellung auf LED meist auch die Lichtsteuerung angepasst und ins Energiemanagement eingebunden werden muss“, erläutert der Experte. „Denn die LEDs erweitern die Einsatzmöglichkeiten der Leuchtmittel auf vielfältige Weise.“

Derzeit plant er die Umrüstung eines Hotels in Düsseldorf. Dort hat jedes der 400 Zimmer eine Glühbirne mit 40 Watt. „Diese können Sie durch LEDs mit jeweils sechs Watt ersetzen“, rechnet er vor. „Zudem bietet die LED-Technik inzwischen sehr angenehme Lichtfarben. Das ist in einem Hotel nicht unwesentlich.“

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die LED vor allem viel Lumen pro Watt haben muss. „Die stärkste Leuchtkraft pro Watt Leistung haben die kaltweißen LEDs“, sagt Quodt. „Wenn Sie solche Leuchtmittel einsetzen, bekommt das Hotelzimmer den Charme einer Pathologie. Wenn man nur die Lumenzahl ersetzt, wird beispielsweise auch vernachlässigt, dass die Reflektoren hinter den Lampen eine spezielle Charakteristik aufweisen.

Was zu gängigen Halogenlampen mit Quecksilber passte, funktioniert bei einer LED kaum. Quodts Firma Lightlife plant beispielsweise auch die Leuchtmittel für die Logistikhalle eines Großhändlers am Rhein. Dort laufen bisher noch HQL-Quecksilberdampflampen. „Jede der 109 Leuchten leistet 400 Watt, davon gehen zusätzlich noch mindestens 50 Watt als Verluste des Vorschaltgerätes weg“, analysiert der Geschäftsführer. „Eine vergleichbare Lichtwirkung erzielt man mit LEDs, die 230 Watt haben. Die Investition beträgt rund 80.000 Euro, die jährliche Einsparung an Strom rund 15.000 Euro. Macht eine Amortisationszeit von knapp sechs Jahren.“

Innerhalb weniger Jahre amortisiert

Noch träumt die Photovoltaik von solchen Zeiträumen. Selbst sechs Jahre sind manchen Kunden zu lang. „Es geht nicht nur um den Austausch der HQL-Lampen“, argumentiert Quodt. „Es geht auch um die Verschaltung der LED und sogar um Sensorik. Denn die LED muss sich nur einschalten, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.“

Die Halle des Großhändlers ist 2.500 Quadratmeter groß, darin fahren 14 Gabelstapler. Nur wenn ein Gabelstapler in einen Gang biegt, muss sich dort die Beleuchtung einschalten.

Mit Quecksilberdampflampen kann man solche Steuerungen gar nicht umsetzen. „Sie sind viel zu träge“, weiß Quodt. „Allein die erforderliche Abkühlzeit verhindert, dass man sie schnell schalten kann. Nicht zu sprechen von der Vielfalt der möglichen Farbtemperaturen, die LED-Technik bietet.“

Auch die Lichtfarben kann man komfortabel über den Energiemanager steuern. Nach Quodts Erfahrungen lohnt es sich immer, stromfressende Halogenlampen durch LED zu ersetzen. Bei der erwähnten Hallenbeleuchtung rechnet sich der Umbau nach fünf oder sechs Jahren. „Bei einer Apotheke kann sich der Austausch schon nach einem oder zwei Jahren bezahlt machen“, nennt Quodt ein anderes Beispiel.

Selbst bei Fassadenkunstwerken rechnet sich ein zeitgemäßer Umbau. Für das Landesmuseum in Münster wurde eine Lichtfassade durch Einsatz von LEDs von 62.000 Watt auf rund 4.000 Watt reduziert. Hier standen aber nicht die Energieeffizienz, sondern die künstlerischen Möglichkeiten der LED-Technik im Vordergrund.

Auf diese Weise wird die LED zum Teil des Energiekonzeptes, das auch die anderen Stromverbraucher, die Wärmeversorgung und die Elektromobilität umfasst. „Da gehört die Photovoltaik unbedingt dazu“, betont Antonius Quodt.

Ideale Kombination mit Photovoltaik

„Nehmen Sie das Beispiel der Klassikstadt in Frankfurt am Main. Das ist eine frühere Fabrik, die vollständig entkernt und umgebaut wurde.“ Jetzt werden dort Glasparkplätze für Luxuslimousinen angeboten. Die Filiale von Lamborghini befindet sich im Gebäude, dazu Restaurants und Cafés. In Kürze wird dort vermutlich ein bekannter Hersteller von elektrischen Autos einziehen. Die Besucher wandeln zwischen den Glaswänden vorbei an den Autos. „Das Gebäude braucht im Jahr rund eine Million Kilowattstunden Heizleistung, die über Gaskessel bereitgestellt werden. Der jährliche Stromverbrauch liegt bei rund 500.000 Kilowattstunden“, nennt Quodt die entscheidenden Verbrauchsdaten.

BHKW könnte sich rechnen

Dort würde eine Photovoltaikanlage mit 50 Kilowatt einige Einsparungen bringen. Perspektivisch wären sogar 180 bis 200 Kilowatt Photovoltaik möglich, das gibt das Dach her. Sogar ein BHKW könnte sich gut rechnen, das in sonnenschwachen Monaten den Eigenstrom liefert. Statt des Hausanschlusses für Strom wäre eine Gasleitung ausreichend.

Für den Fachmann geht es nicht nur darum, die alten Leuchtmittel auszutauschen. Es geht um effiziente Lösungen für die Unternehmen, bei denen die Energieversorgung nicht zum Kerngeschäft gehört. „So könnten Energieversorger die Investition in die LED vorfinanzieren, um Stromkunden zu binden“, schlägt Quodt vor. „Installateure und Anlagenplaner, die mit Fachfirmen für Beleuchtungstechnik kooperieren, eröffnen ihren Kunden ganz neue Möglichkeiten. Denn die LED-Technik lässt sich einfach in digitale Steuerungen einbinden. Das ist viel mehr als bloßer Austausch, als Einschalten und Ausschalten wie früher.“

www.lightlife.de

Literatur

Fussnoten

  • Gemeinsam mit Solarteur David Muggli von der Priogo AG inspiziert Antonius Quodt die Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Unternehmens. Mittlerweile sind die beiden Geschäftspartner, um Solargeneratoren und gewerbliche LED-Konzepte gemeinsam anzubieten.

  • Antonius Quodt ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Lightlife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse in Köln. Seit Jahren plant und baut er anspruchsvolle Lichtkonzepte für die Industrie, für Museen und Events.

  • In diesem Restaurant in Köln wurden die alten Halogenlampen durch LEDs ersetzt. Diese Investition amortisierte sich nach nicht einmal anderthalb Jahren.

  • Im Fall der nebenstehenden Apotheke machte sich die Investition in LEDs innerhalb eines Jahres bezahlt – bei steigendem Komfort durch wärmere Lichtfarben.

  • Komplettanbieter wie LG haben neben Wärmepumpen, Klimageräten, Photovoltaik und Stromspeichern auch LED-Lampen im Produktkatalog – für private und gewerbliche Anwendungen.

  • Verschiedene Bauformen von LED-Lampen für vielseitige Anwendungen in Wohngebäuden, in Unternehmen und kommunalen Immobilien. Weil die LEDs faktisch keine Wärmeverluste aufweisen, sind sehr kompakte und leuchtstarke Produkte in vielfältigen Farben möglich:

    1  Stablampe Tada von Sharp,

    2  gewerblicher Rundstrahler High-Bay Bell von LG,

    3  drehbare Deckenleuchte von Sharp,

    4  Leuchtmittel zum Einbau in den üblichen Schraubsockel einer Glühlampe (LG),

    5  Flachstrahler Kato L von Sharp,

    6  Flachstrahler Kato S von Sharp im besonders robusten Aluminiumgehäuse.

Foto: Heiko Schwarzburger

Foto: Heiko Schwarzburger

Foto: Lightlife

Foto: LightLife

Grafik: LG Electronics

Fotos: LG, Sharp

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