photovoltaik Ausgabe: 07-2018

Module ohne Gedränge


Die Tourteilnehmer erhielten am Stand der photovoltaik Kopfhörer. So waren trotz des Messerummels die Erklärungen immer gut zu verstehen.

Die Tourteilnehmer erhielten am Stand der photovoltaik Kopfhörer. So waren trotz des Messerummels die Erklärungen immer gut zu verstehen.

PV Guided Tours — Der deutsche und europäische Solarmarkt haben sich stabilisiert. Installateure und Kunden schauen aber sehr genau auf die DC-Komponenten, die verbaut werden. Qualität und Design sind wichtig – und nach wie vor der Preis.  Petra Franke

Als einzelner Fachbesucher ist es mitunter etwas schwierig, im Gedränge der Messe am Stand eines Ausstellers einen Ansprechpartner zu finden und eine verständliche Produkterklärung zu erhalten. Als Teilnehmer einer geführten Tour ist das anders. Die Vertriebsmitarbeiter oder Techniker der Unternehmen erläutern ihre Neuheiten detailliert und verständlich.

Über Kopfhörer ist alles gut zu verstehen, auch wenn man dem Referenten nicht gegenübersteht. Und sollte doch einmal etwas unverständlich sein – Nachfragen sind möglich, auch auf individuelle Fragen gibt es eine Antwort vom Fachmann. Sind nicht alle Fragen beantwortet, ist immer noch der Weg offen, nach der Tour den Stand des Herstellers erneut aufzusuchen. Die geführten Touren zur The smarter E Europe erfreuen sich deshalb wachsender Beliebtheit. Über 500 Fachbesucher nahmen in diesem Jahr an den deutsch- und englischsprachigen Touren teil.

Die Tour zu den Neuheiten rund um den DC-Generator führte in diesem Jahr nicht nur zu Modulherstellern. Ein Highlight für Installateure war das von Solartektor entwickelte Gerät zum Detektieren von Modulfehlern.

Solartektor: Erleichterung für Service

Ein Laserimpuls wird auf die Module gerichtet,und anhand eines akustischen Signals ist sofort ersichtlich, ob das belichtete Modul einwandfrei funktioniert oder nicht. Unabhängig vom Tageslicht und ohne aufwendige Montagearbeiten können so Isolationsfehler, kurzgeschlossene Bypass-Dioden, Leitungsbruch oder verpolte Module erkannt werden.

Ebenso können fehlende Stringpläne ohne großen Zeitaufwand erstellt werden. Eine echte Erleichterung für Servicemitarbeiter, denn einen auffälligen String sieht man im Monitoring, den Fehler aber genau zu lokalisieren, kostet in der Praxis oft sehr viel Zeit. Das Interesse an diesem Gerät, das komplett mit allem Zubehör in einem Koffer ausgeliefert wird, war dementsprechend groß.

Auch der Schweizer Hersteller Solaxess ist kein Modulhersteller, sondern bietet ein Verfahren an, Module mit einer weißen oder andersfarbigen hellen Folie zu bekleben und sie damit für Architekten als Fassadenelement massenhaft tauglich zu machen.

Solaxess: Optik einer hellen Fassade

Denn eine Stadt voller dunkler Modulfassaden mögen weder Architekten noch die Bewohner. Peter Roethlisberger von Solaxess begrüßte denn auch die Tourteilnehmer mit dem Satz: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“

Das Unternehmen stellt eine Kunststofffolie her, die mit Nanotechnologie behandelt ist. Sie filtert sichtbare von unsichtbaren Lichtwellen. Die sichtbaren werden reflektiert, die unsichtbaren werden durchgelassen und können auf der Moduloberfläche wirken. So entstehen helle Solarmodule, die nicht als solche zu erkennen sind und immer noch eine respektable Leistung haben: 100 bis 106 Watt pro Quadratmeter in weißer Variante, bis zu 120 Watt in einer hellgrauen Ausführung.

Die Folie kann allerdings nicht nachträglich aufgebracht werden, sondern muss direkt in der Modulproduktion auflaminiert werden, da dieser Vorgang eine Erhitzung notwendig macht. Die Folie kommt aus der Familie der Teflon-Kunststoffe, sie blendet nicht und sorgt auch dafür, dass das Modul weniger warm wird. Der Leistungsverlust der Module mit Folie beträgt rund 35 Prozent.

Luxor: Halbzelle in poly und mono

Luxor Solar stellte in diesem Jahr besonders seine Halbzellenmodule im Rahmen der Linie Ecoline in den Mittelpunkt. Damit folgt das Unternehmen dem derzeitigen Trend: Immer mehr Hersteller bieten solche Produkte an. Durch die halbierten Zellen und den damit verringerten Widerstand auf Zellebene sind einige Watt an Leistungssteigerung aus den Modulen zu holen.

Luxor bietet diese Produkte mit 120 Halbzellen sowohl in polykristalliner als auch in monokristalliner Ausführung an. Bei polykristalliner Zellausführung liegen die Leistungsklassen zwischen 280 und 300 Watt. Die monokristalline Variante bringt es auf bis zu 330 Watt.

Eine besondere Flexibilität bietet Luxor in Bezug auf Module mit Leistungsoptimierer. Sowohl Solar Edge als auch der Tigo TS40 können mit den Luxor-Modulen kombiniert werden. So hat der Installateur echte Flexibilität für Kundenwünsche.

Bei den Doppelglasmodulen des Unternehmens bringt Vertriebsleiter Thomas Dessoi die Teilnehmer mit einem Augenzwinkern zum Lächeln: „Mit diesem Modul können Sie surfen.“

Natürlich ist diese Aufforderung nicht ganz wörtlich zu nehmen, aber die rahmenlosen Doppelglasmodule der Secure Line verdienen Aufmerksamkeit. Mittels Thermosealing werden diese Module versiegelt und gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt.

Zudem werden PVB-Folien verwendet, die dem fertigen Produkt eine höhere Resttragfähigkeit und einen höheren Transmissionsgrad verleihen. Dieser wiederum sorgt für zusätzliche Leistung, denn im Schwachlichtverhalten schneiden die Module besser ab als vergleichbare Produkte.

35 Jahre Produktgarantie gibt es für die ungerahmten Glas-Glas-Module der Secure Line von Luxor und 88,5 Prozent der anfänglichen Leistung garantiert das Unternehmen nach diesen 35 Jahren. Ein 300-Watt-Modul hätte dann nach dieser extrem langen Zeitspanne immer noch 270 Watt Leistung.

Axsun: klein, aber fein

Axsun hat in der Nische seinen Markt gefunden. Zwar fertigt das oberschwäbische Unternehmen auch Standardmodule mit Anspruch auf extreme Langlebigkeit und ein ansprechendes Erscheinungsbild, sein Fokus liegt jedoch auf Sonderbauten. Dazu gehören Module in allen Geometrien und Module mit Aussparungen zum Beispiel für Kamine.

Aufgrund der flexiblen Fertigung und mit einem hohen Anteil Handarbeit können so individuelle Kundenwünsche in Bezug auf Optik und Design erfüllt werden. Auch sehr kleine Sondermaße sind möglich, die einzige Begrenzung dabei: 100 Watt müssen erreicht werden, damit die Anschlussdose aktiviert wird. Ist die Zellanzahl zu gering, kann ein entsprechendes Blindmodul verbaut werden.

Bei Installateuren sind nach Aussage von Geschäftsführer Viktor Kostjak besonders die Varianten mit 54 Zellen beliebt, weil sie aufgrund ihrer Größe auf dem Dach leichter gehandhabt werden können. Im Sortiment sind auch In-Dach-Module mit Solrif-Rahmen.

Alle Module von Axsun können auf Kundenwunsch optional mit einem integrierten Leistungsoptimierer von Solar Edge ausgerüstet werden. Eine lückenlose Qualitätskontrolle sichert die gleichbleibend hohe Qualität der Produkte aus Laupheim-Baustetten. Gemeinsam mit namhaften Forschungsinstituten ist das Unternehmen zudem an der Entwicklung von farbigen Modulen beteiligt. Erste Prototypen waren ebenfalls am Stand von Axsun in München zu sehen.

Jinko: Zellstrings laufen optimiert

Modulhersteller Jinko ist einer der ganz Großen der Branche. 15.000 Mitarbeiter an acht Produktionsstandorten in China, Malaysia, Portugal und Südafrika fertigen Ingots, Zellen und Module. Die Produktionskapazität für Module betrug Ende 2017 knapp zehn Gigawatt. Ein Highlight auf der diesjährigen Intersolar war das Eagle 60 MB MX2, ein Modul mit Zellstringoptimierern, wobei MX für Maximizer steht.

Die Technologen von Jinko haben die Schottky-Dioden der Anschlussdose gegen Optimierer ausgetauscht und an jedem der drei Zellstrings verbaut. Dieser Chip errechnet den MPP-Punkt für jeden Zellstring unabhängig und separat: Im Falle einer Verschattung fährt dieser die Spannung im Zellstring herunter und den Strom nach oben, sodass der Strom im gesamten String immer hochgehalten wird. So werden die Verluste durch Teilverschattung, Alterungseffekte oder Verschmutzung extrem minimiert. Ein weiterer Vorteil: Ein preiswerter Wechselrichter mit einem MPP-Tracker genügt. Die MX-Technologie kann unabhängig von der verwendeten Zelltechnologie zum Einsatz kommen.

Das Halbzellenmodul Eagle HC 60 M ist eine weitere Neuheit von Jinko, verfügbar mit Poly-, Mono- oder Mono-Perc-Zellen, wobei das Mono-Produkt 300 bis 320 Watt leistet. Neben den verringerten ohmschen Widerständen, die bei der Halbzelltechnologie für Leistungsgewinne sorgen, hat das Produkt größere Zellabstände und ein weißes Backsheet.

Mehr Ertrag durch interne Reflexion

So wird durch interne Reflexion von nicht absorbiertem Licht noch mehr Ertrag aus dem Modul geholt. Auf der Rückseite sind drei Anschlussdosen verbaut, kurze Kabel sollen zusätzlich die Widerstandsverluste verringern. Bei Bedarf gibt es die Kabel auch in Standardlänge. Die logische Weiterentwicklung von fünf Busbars sind Multibusbar-Module. Beim Eagle MBB 60P von Jinko sind es zwölf Stück. Das Polymodul erreicht mit 60 Zellen einen Wirkungsgrad von 17,2 Prozent und eine Leistung von 270 bis 290 Watt. Es soll Ende des Jahres in die Massenfertigung gehen.

Literatur

Fussnoten

  • Mit einem Laserimpuls und einem akustischen Signal sind Modulfehler schnell und genau zu lokalisieren.

  • Speziell für Fassaden entwickelt Solaxess helle Kunststofffolien, die auf Module auflaminiert werden können.

  • Die Stärke von Axsun liegt in der Flexibilität. Individuelle Produktmaße sind dank Handarbeit möglich.

  • Die Halbzellenmodule von Luxor gibt es sowohl in mono als auch poly.

  • Mehrere spannende Neuheiten präsentierte Jinko.

Foto: Heiko Schwarzburger

Foto: Petra Franke

Foto: Axsun

Foto: Petra Franke

Foto: Heiko Schwarzburger

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