photovoltaik Ausgabe: 10-2019

„Das Geld gehört aufs Dach“

Markus Gundendorfer
ist Vertriebsleiter bei der Firma My-PV aus Neuzeug in Österreich. Das Foto zeigt ihn bei der Beratung von Kunden auf der Intersolar in München im Mai dieses Jahres.

Markus Gundendorfer

ist Vertriebsleiter bei der Firma My-PV aus Neuzeug in Österreich. Das Foto zeigt ihn bei der Beratung von Kunden auf der Intersolar in München im Mai dieses Jahres.

Wärmeversorgung — Die Preise für Solarmodule sinken und gut gedämmte Wohngebäude lassen sich vollelektrisch versorgen. Das sagt Markus Gundendorfer von My-PV. Keine Wärmepumpen, keine Kupferrohre – nur noch Sonnenstrom, Kabel und das Netz.  Ein Interview

Inhaltsübersicht

  1. „Das Geld gehört aufs Dach“
  2. Thermotec

Wann lassen sich Wohngebäude ausschließlich elektrisch versorgen?

Markus Gundendorfer: Die vollelektrische Gebäudeversorgung ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll, wenn das Verhältnis von Wohnfläche und Photovoltaikfläche passt. Wir gehen stets vom Sonnenstrom aus. Natürlich sprechen wir zunächst über Neubauten, die sehr gut gedämmt sind und mit leistungsfähigen Photovoltaikanlagen geplant werden. Neben der Elektroversorgung des Gebäudes und dem E-Auto geht es vor allem um Warmwasser, Raumwärme und zunehmend um Kälte.

Sprechen wir über Einfamilienhäuser oder auch über Mehrgeschosser?

In erster Linie über kleinere Wohngebäude. Bei Wohnungsbaugenossenschaften ist pro Wohnung teilweise zu wenig Dachfläche vorhanden, um ausreichend Sonnenstrom zu erzeugen. Wir sehen in den Projektanfragen die Grenze so bei zwei bis drei Geschossen, danach passt das Verhältnis an Dach leider oft nicht mehr. Wir brauchen aber genug Photovoltaik, um den Netzstrombedarf für die Heizwärme zu senken.

Man muss die Photovoltaik nicht unbedingt aufs Dach installieren oder nur aufs Dach …

Das stimmt. Im Winter liefern solare Fassaden unter Umständen sehr hohe Erträge. Das wird ein wichtiger Zukunftsmarkt, der die vollelektrische Versorgung der Gebäude zusätzlich unterstützt.

Und wenn der Sonnenstrom dennoch nicht durch den Winter reicht?

Reicht der Solarstrom nicht aus, lässt sich immerhin sehr viel Geld sparen, indem man wenigstens Warmwasser elektrisch bereitet. In Oberösterreich haben wir ein Gebäude ausgestattet, da war das wassergeführte Haus vom Budget her zunächst nicht möglich. Also hat der Bauherr ein vollelektrisches Haus errichtet und kann nun das Warmwasser und auch die Heizung mit PV-Strom versorgen.

Können Sie das Gebäude und die Lösung kurz beschreiben?

Es ging um den Neubau eines Einfamilienhauses im Mühlviertel in Oberösterreich mit 100 Quadratmetern Wohnfläche und elektrischer Fußbodenheizung. Die Solarmodule liegen gegen Süden auf einem Schrägdach mit 45 Grad Neigung, da bleibt der Schnee im Winter garantiert nicht liegen. Die Anlage leistet knapp elf Kilowatt. Warmwasser erzeugen wir mit drei Kilowatt aus dem geregelten Heizstab in einem Speicher von 300 Litern. Das System – Warmwasser und Heizung – wird durch unseren AC-Thor geregelt.

Welchen Energiebedarf hat dieses Gebäude?

4.000 Kilowattstunden für den elektrischen Strom, 2.875 Kilowattstunden für Warmwasser und 5.530 Kilowattstunden für die Raumwärme. Dagegen sparen wir erhebliche Installationskosten ein, weil wir Kabel statt Rohre verlegen. Insgesamt beliefen sich die Investitionen für das Wärmesystem inklusive Photovoltaik auf rund 15.000 Euro, da ein hoher Grad an Selbstbau umgesetzt wurde. Mit einer wassergeführten Heizung wäre das unmöglich gewesen.

Wie entwickeln sich die Betriebskosten?

Im Vergleich zu einer Haustechnikvariante mit Wärmepumpe sind zirka 30 Prozent weniger Betriebskosten zu erwarten, bei denselben Investitionskosten. Vollelektrisch heißt ja nicht: autark oder netzunabhängig. Deshalb brauchen wir noch Strom aus dem Niederspannungsnetz, um den Bedarf im sonnenschwachen Winter zu decken. Das macht jede Wärmepumpe ja auch.

Warum ist Ihre Lösung kostengünstiger als die Versorgung mit Wärmepumpe?

Eine Wärmepumpe kann nur Wärme erzeugen. Sie leistet keinerlei Beitrag für die elektrischen Verbraucher im Gebäude. Im Gegensatz dazu versorgt die Photovoltaik die normalen elektrischen Haushaltsverbraucher vorrangig vor der Wärmeerzeugung und zukünftig eventuell auch ein E-Auto. Somit trägt der Sonnenstrom in höchstem Maß zur Reduktion der Betriebskosten bei.

Also entstehen die Betriebskosten vornehmlich im Winter?

Freilich, wenn wir Netzstrom brauchen, um den Energiebedarf auch für die Heizung zu decken. Das oben erwähnte Beispiel hat 30 Prozent geringere Betriebskosten oder um 30 Prozent geringere Investitionskosten, je nachdem wie Sie es sehen wollen. In Deutschland sind die Strompreise deutlich höher als in Österreich, dort dürfte unsere Lösung noch günstiger sein als die Wärmepumpe.

Sich von der wassergeführten Heiztechnik zu verabschieden bereitet vielen Installateuren Bauchschmerzen …

Die Gebäude werden thermisch immer besser, die Solarmodule kosten kaum noch etwas, also ist die vollelektrische Versorgung jetzt kostengünstig möglich. Bedenken Sie bitte auch, was das für die Wartungskosten bedeutet! Ich kann den Installateuren nur raten, keine Angst vor diesem Thema zu haben.

Derzeit macht die Wärmepumpe im Neubau das Rennen …

Stimmt, aber viele Wärmepumpen sind bereits zu groß für den kleinen Wärmebedarf der gut gedämmten Neubauten. Andererseits schaffen sie die hohen Temperaturen für Warmwasser nicht, zumindest nicht sehr effizient. Zum Beispiel Passivhäuser mit Wärmepumpen auszustatten ist Schwachsinn. Das Geld gehört aufs Dach und nicht in den Keller. Denn die Photovoltaik ist die einzige Energieform, die sich in die Energieformen aller Sektoren umwandeln kann. Dass sich die vollelektrische Versorgung bei den Wohngebäuden durchsetzt, ist meines Erachtens nur eine Frage der Zeit.

Das Gespräch führte Heiko Schwarzburger.

www.my-pv.com/de

Literatur

Fussnoten

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