photovoltaik Ausgabe: 11-2019

Ulrich Vollert/Siemens

„Man brauchte Pioniergeist“

Seit 1984 war ich bei Siemens für die Stromversorgung von Richtfunkanlagen zuständig. Die Repeater in den Strecken in Afrika und Südamerika mussten höchst verfügbar laufen, deshalb kam der Stromversorgung besondere Bedeutung zu. Das war damals ein Problem.

Mit Diesel und Batterien versorgt

Ich war ausgebildeter Wirtschaftsingenieur und habe mich in die alternativen Energien eingearbeitet, wie sie damals bezeichnet wurden. Je nach Region wurden die Repeater aus dem Stromnetz und aus Batterien versorgt, die vier Stunden Netzausfall überbrücken sollten. Viele Länder hatten jedoch so häufig Netzausfälle, dass zusätzlich noch Dieselgeneratoren als Back-up eingesetzt wurden.

Der erste Pilotversuch bei Siemens

Seit 1981 lief bei Siemens ein erster Pilotversuch mit Solarzellen. Das waren vier Module mit jeweils 110 Watt auf dem Dach eines Containers, der auf dem Hohenpeissenberg stand. Das war wohl einer der ersten Feldversuche mit Photovoltaik überhaupt, damals steckte das Fraunhofer ISE noch in den Anfängen.

1982 hat Siemens schließlich eine komplette Richtfunkstrecke im Sinai mit Solarstrom versorgt. Der Stromverbrauch pro Station betrug zwar nur 50 Watt, doch zur Sicherheit erhielt jede Station einen Dieselgenerator.

Bei der Interatom angelagert

So gut wie jede Stromversorgung hatte zur Sicherheit auch Batterien. Genauer gesagt Bleibatterien. Die Siemens Stromversorgung nutzte als Erste im größeren Umfang auch Blei-Gel-Batterien, die seinerzeit von der Firma Sonnenschein auf den Markt gebracht wurden. Wohl auch aus Imagegründen wurde Photovoltaik in der 1980er-Jahren bei der Siemens-Sparte Interatom angelagert, die damals das Geschäft mit AKW führte.

Ich erinnere mich an die extreme Knappheit beim Silizium. Mitte der 90er-Jahre mussten wir manchmal ein halbes Jahr auf Solarmodule warten. Ab 1993 stieg noch der Solarzubau durch das 1.000-Dächer-Programm. Siemens hatte die größte Modulfabrik und produzierte auch Solarwechselrichter.

Man brauchte Pioniergeist. Auch eine nachhaltige Energieversorgung muss wirtschaftlich tragbar sein, sonst ist sie nicht wirklich nachhaltig. Dies erfordert Win-win-Situationen für alle Beteiligten – einschließlich der Umwelt. Man sollte keine Angst vor großen Projekten haben, immer über den Zaun schauen und Krisen immer auch als Chance erkennen. Außerdem sollte man gut in Physik sein und Einfühlungsvermögen entwickeln können.

Ulrich Vollert war bis 2007 Mitarbeiter bei Siemens Nachrichtentechnik. Danach arbeitete er in kleineren Solarunternehmen und als Selbstständiger. Derzeit plant er Photovoltaikanlagen für Dörfer in Afrika.

www.fairgrid.eu

Foto: Heiko Schwarzburger

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