Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) hat das Reformpaket der Bundesregierung vom Anfang Juli 2026 kommentiert. Darin kündigt die Regierung an, mehr als 90 Prozent der relevanten Messstellen bis 2030 mit Smart Metern auszustatten – zwei Jahre früher als bisher geplant.
E3/DC-Analyse: Niederspannungsnetze vertragen mehr Solarstrom
„Dass mehr als 90 Prozent der relevanten Messstellen nun schon 2030 und nicht erst 2032 mit Smart Metern ausgestattet sein sollen, kann aber nur ein erster Schritt sein, um Tempo beim Einbau intelligenter Messsysteme (iMSys) und Steuerungstechnik zu machen", sagt Andreas Habermehl, ZVEH-Geschäftsführer Technik und Berufsbildung.
Fachhandwerk soll stärker eingebunden werden
Der ZVEH fordert, den Rollout an den Installations- und Inbetriebnahmeprozessen des Fachhandwerks auszurichten. In der Praxis erhalten Kunden und Handwerker nach der Installation von Solaranlagen, Batteriespeichern, Wärmepumpen oder Ladestationen oft keine Informationen der Messstellenbetreiber darüber, wann ein iMSys verbaut wird. Der Verband schlägt vor, dass installierende Betriebe die Installation von iMSys und Steuerungstechnik künftig selbst übernehmen. „Gelingt das, kann der Smart-Meter-Rollout praxisnäher, schneller und kundenfreundlicher umgesetzt werden", meint Habermehl.
Keine Pflicht für Kunden
Klar positioniert sich der ZVEH gegen eine Verlagerung der Verantwortung auf die Kunden. „Die Verpflichtung, den Rollout im vorgegebenen Zeitraum umzusetzen, liegen jedoch grundsätzlich beim grundzuständigen Messstellenbetreiber", macht Habermehl klar. Der Verband lehnt daher die geplante iMSys-Bestellpflicht im Rahmen der Änderung der Bundesförderung Effiziente Gebäude (BEG) ab.
AEE veröffentlicht Hinweise zur Vermarktung von Solarstrom an die Nachbarn
Diese sieht vor, Wärmepumpen künftig nur noch zu fördern, wenn der Kunde zuvor ein iMSys inklusive Steuerungsbox beim Messstellenbetreiber beantragt hat. „Dass sich die Kunden darum kümmern sollen, dass sie frühzeitig mit einem iMSys oder einer Steuerbox ausgestattet werden, ist daher der falsche Ansatz und wälzt die Verpflichtung der Messstellenbetreiber ab", kritisiert Habermehl.
Smart Meter Light schafft Doppelstrukturen
Auch den geplanten Smart Meter Light – also eine abgespeckte Variante für Kunden außerhalb des verpflichtenden Rollouts – lehnt der ZVEH ab. Die Lösung fördere Doppelstrukturen und erhöhe die Komplexität des Rollouts.
OctoflexBW: 700 E-Fahrzeuge stabilisieren das Netz
Wer später eine Solaranlage, Wärmepumpe oder Ladestation installiere, müsse auf eine vollwertige Lösung umrüsten. „Dann fallen erneut Kosten für eine Installation sowie neue Abstimmungsprozesse an. Das ist Kunden kaum vermittelbar", warnt Habermehl, „zumal wir auch für den Smart Meter Light zunächst Standardisierungs- und Zertifizierungsprozesse aufsetzen müssten, was den Rollout wiederum bremst." (nhp)
Weitere aktuelle News? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!