Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Indachmontage

Dachhaut liefert Strom

Das historische Palais Deggendorf steht mitten im Stadtpark der niederbayerischen Kreisstadt. Es ist ein historischer Bau in exponierter Lage, den Spaziergänger, Anwohner und Besucher der Stadt seit Generationen kennen. Umso wichtiger ist der Erhalt der äußeren Erscheinung des 1868 fertiggestellten Gebäudekomplexes mit seinen 27 Einzelgebäuden. Schließlich prägt das Palais das Bild des Parks und damit ein Stück der Stadt.

Denkmal und Moderne kombinieren

Daher steht es auch unter Denkmalschutz. Jede Veränderung an Fassade oder Dach muss sich daran messen lassen, ob sie den Charakter des Hauses bewahrt. Das war der Familie Buchmüller auch von vornherein klar, als sie sich 2005 für den Kauf des Gebäudekomplexes entschieden hat. Sie hat in dem Ensemble die Klinik Angermühle eingerichtet, eine psychosomatische Fachklinik.

Der Spagat kam erst, als das alte Blechdach erneuert werden musste. „Wir wollten so viel erhalten, wie sinnvoll ist. Aber wir sind auch zukunftsorientiert. Wir sehen die ganzen Entwicklungen bezüglich Umwelt und Energieversorgung“, erklärt Ingrid Buchmüller, Direktorin der Klinik Angermühle. „Wir müssen mit der Zeit gehen. Natürlich ist das Gebäude ein Denkmal, aber Denkmal und Moderne dürfen sich nicht gegenseitig ausschließen.“

Deshalb sollte die Sanierung des Daches mit einer Photovoltaikanlage abgeschlossen werden. Doch es kam schnell die Frage auf, ob das mit dem Denkmalschutz überhaupt in Einklang zu bringen ist. Schließlich sollte die historische Optik erhalten bleiben, und die Denkmalschutzvorgaben sind streng für solch exponierte historische Gebäude.

Solares Stehfalzdach montiert

Die Familie fragte deshalb beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München um Rat. Dort wiesen zuständige Mitarbeiter sie auf das integrierte Solardach Velario des estnischen Herstellers Roofit Solar als Lösung für ein solches Dach hin. Das System ersetzt die Dachhaut vollständig und kombiniert ein tragfähiges Stehfalzdach mit gebäudeintegrierter Photovoltaik in einem Produkt. Roofit laminiert dazu Solarmodule auf Stehfalzblech als Träger.

Das Projekt ist gelungen. Von der Straße und vom Stadtpark aus ist zwar ein schwarzes Metalldach in klassischer Stehfalzoptik zu sehen. Die ebenfalls schwarzen Solarmodule mit einer Leistung von 83,11 Kilowatt fallen aber erst bei ganz genauem Hinsehen auf.

Ästhetik stand im Vordergrund

Inzwischen hat die Familie Buchmüller noch ein zweites Dach auf die gleiche Weise saniert. Dieses ist zwar zum Innenhof ausgerichtet, also vom Stadtpark aus nicht sichtbar. Doch die denkmalschützerischen Anforderungen waren deshalb nicht geringer. Hier haben die Handwerker die bisherige Dacheindeckung durch ein solares Stehfalzblechdach von Roofit ersetzt und so die Solarleistung, die die Klinik zur Eigenversorgung nutzen kann, um zusätzliche 72,24 Kilowatt ergänzt.

Damit kann die Klinik ihre Betriebskosten senken. Schließlich fällt Strombedarf in den Gebäuden an allen Tagen der Woche an. Doch im Mittelpunkt stand nicht die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage, sondern die Ästhetik. Für Sophia Buchmüller, die das Projekt für die Familie betreut hat, war genau das entscheidend. „Ich finde es nicht schön, wenn auf einem bestehenden Dach einzelne Module gebaut werden. Das passt nicht zu einem Denkmal, und es passt auch nicht zu unserer Vorstellung, dem Denkmal gerecht zu bleiben“, erklärt sie. „Als Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes müssen wir uns überlegen, was man tun muss, um es zu erhalten. Man muss gute Lösungen finden, und Stillstand ist keine Lösung. Sanieren muss man immer mal, aber man muss klug und nachhaltig sanieren“, betont sie.

Für weitere Projekte im Blick

Ingrid Buchmüller ergänzt: „Es war meiner Familie und mir ein Bedürfnis, einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Auch wenn das Solardach mit ungefähr null ausgegangen wäre, hätten wir es gemacht.“

Trotz oder gerade aufgrund der gut integrierten Solarmodule ist das Dach den Passanten dennoch schon aufgefallen, wie Sophia Buchmüller berichtet. Auch im Deggendorfer Stadtrat kommt die ästhetische Lösung für die Dachsanierung gut an. Sophia Buchmüller berichtet, dass in Gesprächen vor Ort immer wieder die Frage aufkam, ob sich der Ansatz auf künftige städtische Projekte übertragen lässt.

Das System Velario von Roofit ist allerdings eine Lösung für Blechdächer. Der größte Teil der deutschen Dächer ist mit Ziegeln oder Dachsteinen gedeckt. Sie durch ein Blechdach zu ersetzen, ist im Denkmalschutz in der Regel nicht möglich. Doch auch hier gibt es längst Systeme, mit denen sich Photovoltaik in das Erscheinungsbild eines Gebäudes einfügen lässt.

Die passende Farbe gesucht

Auf eine solche Lösung hat die Kommune Neutraubling bei Regensburg zurückgegriffen. Das Rathausensemble der Stadt entstand zwischen 1984 und 1986 und wird derzeit generalsaniert und gleichzeitig energetisch modernisiert. Dabei soll das architektonische Erscheinungsbild möglichst erhalten bleiben. Dazu gehören hauptsächlich die roten Dachflächen.

Im Juli 2025 beschloss der Stadtrat deshalb, zwei Systeme zu kombinieren. Die innen liegenden Dachflächen wurden mit roten Solarziegeln eingedeckt. Für die außen liegenden Dachflächen des Rathauses und der benachbarten Stadthalle hat sich der Stadtrat für rote Aufdachmodule entschieden.

Terrakotta-Module montiert

Für diesen Teil mussten die Planer zunächst die passenden Solarmodule finden. Schließlich legt der Stadtrat besonderen Wert auf die farbliche Integration der Solarmodule. „Da es vorkommen kann, dass rote Module – abhängig vom Lichteinfall – für den Betrachter ihre Farbe annähernd ins Schwarze verändern können, fand bereits im Vorfeld eine Bemusterung statt“, berichtet Izzet Bayik, Geschäftsführer von Solarroof. „Hierbei wurden zwei Module unterschiedlicher Hersteller optisch bei unterschiedlichen Betrachtungswinkeln verglichen.“ Am Ende haben sich die Module von Solarroof durchgesetzt.

Insgesamt 279 terrakottafarbene Module mit jeweils 415 Watt wurden auf dem Dach montiert. Diese Modulleistung kann sich sehen lassen. Denn trotz Farbgebung erreichen die Terrakotta-Module immer noch über 90 Prozent der Leistung pro Quadratmeter im Vergleich zu den ungefärbten Modulen von Solarroof. Die Anlage liefert damit eine Leistung von rund 115,8 Kilowatt. Dazu kommt noch die Leistung der solaren Dachziegel auf der anderen Dachseite.

Die Module von Solarroof punkten aber auch mit Blick auf die Haltbarkeit. Aufgrund des stabilen Glas-Glas-Aufbaus mit 3,2 Millimeter Frontglas und 2,0 Millimeter Rückglas erreichen sie die Hagelwiderstandsklasse HW4 nach den Vorgaben der besonders strengen Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF).

Ins Dach integriert

Wer besonderen Wert auf die Ästhetik legt und Module nicht auf die Ziegel montieren will, kann diese auch durch die Solarpaneele ersetzen. Dazu gibt es inzwischen schon einige Lösungen. Schon länger bewährt hat sich das Solrif-System von Ernst Schweizer. Auch Solarroof hat Module für dieses System im Portfolio. Dabei handelt es sich um eine echte Indachlösung. Denn hier bilden die Module die wasserführende Schicht und ersetzen die Dachziegel.

Solche Lösungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, vor allem wenn es um die ästhetische Sanierung von Ziegeldächern geht, wie Julius Sakalauskas, Geschäftsführer des litauischen Modulanbieters Solitek, berichtet. Auch Solitek arbeitet mit dem Solrif-System. Bei Solitek stieg das Installationsvolumen dieser Lösung von 2024 auf 2025 um 125 Prozent. Im Jahr 2026 lag es nochmals um 21,6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. „Wir sehen einen deutlichen Wandel darin, wie Kunden und Partner Solarenergie betrachten“, sagt Julius Sakalauskas. „Zunehmend suchen sie nicht nur nach einem System, das Strom erzeugt, sondern nach Lösungen, die Teil des Gebäudes selbst werden.“

Die Nachfrage steigt

Der Gesamtmarkt entwickelt sich in die gleiche Richtung. So stiegen in Deutschland die Registrierungen von Indach-Solaranlagen zwischen 2023 und 2025 um 25 bis 30 Prozent pro Jahr, weiß Julius Sakalauskas. Er führt das unter anderem auf die Streichung der Mehrwertsteuer für private Solaranlagen zurück. Dadurch werden die Systeme attraktiver bei kompletten Dachsanierungen. Inzwischen sind in Deutschland rund 25.000 bis 30.000 Wohngebäude und kleinere Gewerbebauten mit vollständig integrierten Systemen oder Solardachziegeln eingedeckt.

Zum Marktwachstum tragen auch die europäischen Regelungen bei. So hat die EU die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) überarbeitet. Inzwischen müssen Gebäude so konzipiert werden, dass ihr Potenzial zur Erzeugung von Solarenergie optimiert wird. Dies öffnet den Weg für die Solarmodule in die Dachhaut. Das hat zu einem erheblichen Marktwachstum geführt. Julius Sakalauskas verweist dazu auf Daten des Becquerel-Instituts und des Photovoltaic Power Systems Programme der Internationalen Energieagentur (IEA PVPS).

Module erfüllen zwei Funktionen

Diese weisen einen Anstieg der jährlichen Indach-Installationszahlen von 147 Megawatt im Jahr 2018 auf rund 350 Megawatt im Jahr 2024 aus. „Das Wachstum unserer Solrif-Indachlösung spiegelt diesen Trend wider“, sagt Julius Sakalauskas. „Indem herkömmliche Dachziegel durch Solarmodule ersetzt werden, erfüllt das Dach gleichzeitig zwei Funktionen: Es schützt das Gebäude und erzeugt erneuerbare Energie. Da die regulatorischen Rahmenbedingungen integrierte Solarlösungen zunehmend unterstützen und Architekten, Projektentwickler und Hausbesitzer Solarenergie bereits früher im Planungsprozess berücksichtigen, erwarten wir, dass integrierte Lösungen auf dem europäischen Markt eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden“, erklärt der Solitek-Chef.

Im zweiten Schritt wurde auch ein Dach im Innenhof der ­Klinik Angerholm mit solarem ­Stehfalzblech eingedeckt.

Foto: Roofit Solar

Im zweiten Schritt wurde auch ein Dach im Innenhof der ­Klinik Angerholm mit solarem ­Stehfalzblech eingedeckt.
Die Nachfrage nach dachintegrierten Systemen legt kräftig zu.

Foto: Solitek

Die Nachfrage nach dachintegrierten Systemen legt kräftig zu.

Zum Download

Denkmalschutz für Solarhandwerker – Technik und Lösungen im Spezial

Photovoltaik und Denkmalschutz sind längst keine Antipoden mehr. Die Behörden öffnen sich gegenüber der Kombination von geschützten Gebäuden mit der Produktion von Solarenergie. Dies liegt nicht nur an den gesetzlichen Vorgaben, sondern auch an den Lösungen und Argumenten, die den Denkmalschutzbehörden geboten werden.

Systeme zur Indachmontage sind dabei erste Wahl. Denn im Denkmalschutz geht es primär darum, den optischen Eindruck des geschützten Gebäudes oder Ensembles so wenig wie möglich zu stören.

Dafür benötigt der Installateur spezielle Montagesysteme, die sich nahtlos in die Eindeckung einfügen. Das können nachempfundene Solarziegel oder Installationsrahmen für Solarmodule sein. Die Solarelemente sollten farblich auf die historische Eindeckung abgestimmt sein.

Jedes Haus benötigt individuelle Planung, um die Solaranlage genehmigungsfähig zu machen. Und es braucht Erfahrung, um die Systeme ­korrekt zu installieren.

Sie können das Spezial – nach Registrierung – kostenlos herunterladen:

Foto: Nelskamp

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ PV E-Paper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Fokus PV: Sonderhefte (PDF)
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
+ Adresseintrag im jährlichen Ratgeber
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen

Tags