Die Frage des Brandschutzes treibt die BIPV-Branche schon länger um. Die Verunsicherung war bisher groß – primär bei der Integration der Module in die Fassaden von Wohngebäuden. Zwar dürfen hier bis zu einer bestimmten Höhe nur schwer entflammbare Baumaterialien eingesetzt werden, wozu Solarmodule gehören. Doch klare Regeln fehlen bisher.
Wenn es dann noch an Hochhäuser geht, wird es noch unsicherer. Denn ab einer Höhe von 22 Metern dürfen nur noch nicht-entflammbare Bauprodukte eingesetzt werden. Diese Klassifikation werden Solarmodule nicht erreichen. Es wird eine aufwendige Prüfung im Einzelfall notwendig.
Einzelprüfung der Module standardisiert
Diesen Aufwand sollen die „Eckpunkte über Brandverhaltensprüfung zum Nachweis der Schwerentflammbarkeit von PV-Modulen“ senken. Jan Riemsch-Speer, wissenschaftlich-technischer Referent am Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), hat die Eckpunkte auf dem diesjährigen BIPV-Forum vorgestellt, das im Rahmen des PV-Symposiums im Kloster Banz in Bad Staffelstein stattfindet.
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Die Eckpunkte basieren natürlich auf den Vorgaben der Musterbauordnung (MBO) und stellen leider keine Standardisierung der Anforderungen an die Konstruktion inklusive der Module dar. Sie beschreiben allerdings die Anforderungen an die Prüfungen zur Schwerentflammbarkeit der Solarfassade und sind seit Sommer 2025 in Gebrauch. Hier geht es weniger um die Großbrandprüfungen, die für Hochhäuser relevant sind, sondern mehr um die Einzelprüfungen der Module, den sogenannten Single-Burning-Item-Test (SBI).
Aufbau des Brandtests festgelegt
Durch die Eckpunkte wird der Aufbau der Brandtests festgelegt und die Endanwendung definiert. So muss das Muster etwa 2,3 Quadratmeter groß sein. Dieses wird mit einem Gasbrenner mit einer Leistung von 30 Kilowatt angezündet. Beim 20-minütigen Brandtest werden die Ausbreitung der Flammen auf dem Modul, die Rauchentwicklung und das Abtropfen und Abfallen von Bestandteilen der Module gemessen.
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Die Eckpunkte gelten für alle Arten von Modulen: Glas-Glas, Glas-Folie, gerahmt und ungerahmt. Bei Glas sollte die Mindestdicke berücksichtigt werden. Wenn das Modul mit diesem Glas besteht, würde es auch mit einem dickeren Glas bestehen. Bei den Folien wiederum sollte mit der größten Dicke geprüft werden. Für den Brandtest sind auch Beschichtungen und Technologien für die Farbgebung relevant. Ein großes Risiko in der Solarfassade geht von den Kabeln aus. Auch diese werden bei den Eckpunkten für die Brandtests der Module berücksichtigt.
Andere Materialien zugelassen
Hat das Modul die Brandprüfung bestanden, gelten in Zukunft die Zertifikate für Paneele mit gleichem Aufbau, aber dickeren Modulgläsern und dünneren Folien. Die Hersteller können auch andere Klebstoffe einsetzen, wenn deren PCS-Wert, also der obere Heizwert, geringer ist als er in der DIN EN ISO 1716 vorgegeben ist.
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Dies gilt auch für Beschichtungen und Farbtechnologien. Die Zertifikate gelten auch, wenn die Anschlussdose an einer anderen Stelle angebracht wird als beim getesteten Modul. Auch das Fassadenmaterial und die verwendete Unterkonstruktion haben keinen Einfluss mehr auf die Gültigkeit des Zertifikats. Es gilt sogar, wenn der Luftspalt hinter den Modulen größer oder die Fugen zwischen den Paneelen geringer ist als im Test.
Großbrandtests bei Hochhäusern weiterhin notwendig
Vor allem für Hochhäuser sind aber weiterhin Großversuche notwendig. „Denn die Laborbrandanordnungen decken die Anforderungen an Hochhausfassaden nicht komplett ab“, begründet dies Jan Riemsch-Speer. Vor allem fehlen bisher noch Erfahrungen, wie sich die Module bei einem Brand im Hochhaus verhalten. Bei DIBt herrscht hier die Vermutung vor, dass die Solarmodule sich in diesem Fall wie Verbundsicherheitsglas (VSG) verhalten. Zudem gibt es noch keine technischen Regeln für die Ausführung von Außenwandbekleidungen, die die bauaufsichtlichen Schutzziele für den Brandschutz erfüllen.
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Die Notwendigkeit von Großbrandversuchen bleibt aber eine Einzelfallentscheidung. Wichtig ist hier, dass Bauherren und Architekten frühzeitig mit dem zuständigen Brandschutzingenieur kommunizieren. Die Eckpunkte für die Brandschutzprüfung der Module helfen dabei. Denn dadurch wird es möglich, die Großversuche auf ein Minimum zu begrenzen, ist sich Jan Riemsch-Speer sicher. Schließlich sind diese zeit-, material- und kostenaufwendig. (su)