Wie moderne Landwirtschaft mit Sonnenstrom wirtschaftlich wird, zeigt der Milchviehbetrieb Benninghaus in Hagen (Westfalen). Dort hat der Landwirt einen neuen modernen Stall errichten lassen. Rund um die Uhr sorgen 85 Kühe und zwei Melkroboter im Dauerbetrieb für Höchstleistungen. Dies hat seinen Preis – hauptsächlich auf der Stromrechnung.
Schließlich schläft ein moderner Stall nie. Automatische Melkanlagen, die kontinuierliche Milchkühlung, Güllepumpen und eine durchgehende Beleuchtung verbrauchen rund um die Uhr Energie. Der Landwirt in Hagen-Dahl musste deshalb entscheiden, wie er seine Stromkosten im Zaum hält – trotz des enormen Jahresbedarfs. „Der Plan war klar: Wenn wir neu bauen, müssen wir die Energiekosten dauerhaft im Rahmen halten“, erklärt der Landwirt.
Solaranlage mit Speicher installiert
Die Installation einer leistungsstarken Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stalls war deshalb naheliegend. Durch die Kombination mit einem großzügig dimensionierten Batteriespeicher steht der Solarstrom auch dann zur Verfügung, wenn die Sonne nicht scheint. Schließlich war das Ziel des Projekts, die maximale Eigenversorgung für den gesamten Betrieb – von den Melkanlagen für die Milchproduktion über die Hofmetzgerei bis hin zur Versorgung der Hühner für die eigene Eiererzeugung.
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So haben die Handwerker des Fachbetriebs Solar Wiebe aus Gummersbach Solarmodule mit einer Leistung von 99 Kilowatt auf das Dach des neuen Stalls montiert. Zusätzlich haben sie noch drei Hochvolt-Batteriespeicher vom Typ Helivor von Kostal Solar Electric im Gebäude installiert. Die 21 Batteriemodule können zusammen 67,2 Kilowattstunden des Sonnenstroms vom Dach zwischenspeichern. Sie stellen den Strom dann zur Verfügung, wenn die Sonne nicht scheint oder wenn Lastspitzen auf dem Hof auftreten.
Gesamtsystem von Kostal im Einsatz
Auch bei der Leistungselektronik hat sich der Handwerksbetrieb für Kostal entschieden. Denn die Installateure haben bewusst auf ein in sich stimmiges Gesamtkonzept aus einer Hand gesetzt. Das hat mehrere Vorteile. Einerseits sind die einzelnen Komponenten aufeinander abgestimmt. Dadurch fallen Kommunikations- oder Kompatibilitätsprobleme weg. Andererseits haben Landwirt und Installateur einen Ansprechpartner für alle Komponenten, sollten doch einmal Probleme auftreten.
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So wird der Gleichstrom vom Dach mittels Wechselrichtern Piko CI 50 G2 und Piko CI 30 G2 in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt. Ein praktischer Vorteil für die Handwerker ist, dass die Wechselrichter trotz ihrer hohen Leistung nur 44 und 33 Kilogramm wiegen. Die vereinfacht die Wandmontage im Stall und die Verkabelung enorm, wie die Installateure berichten. Die Speicheranbindung läuft über den neuen Hybridwechselrichter von Kostal, den Plenticore G3, der mit dem Batteriewechselrichter Plenticore BI 25 zusammenarbeitet. Auf diese Weise kann der Landwirt eine Lade- und Entladeleistung von rund 40 Kilowatt nutzen.
Anlagen strategisch gut gesteuert
Gesteuert wird das ganze System von einem Multi Device Control (MDC) von Kostal. Damit kann der installierte Plenticore BI 25 als MDC-Host per LAN die weiteren Geräte dirigieren – vom Plenticore G3 bis zu den Piko-Wechselrichtern. Statt mühsamer Einzelkonfiguration läuft die gesamte Steuerung zentral und zeitsparend über eine einzige Weboberfläche. Das MDC sorgt aber auch für eine clevere Speicherstrategie. Denn das Kontrollsystem stimmt die Speicherzyklen präzise auf die Lastspitzen des Stalls ab und visualisiert alle Energieflüsse transparent auf einen Blick.
Dadurch hat der Stall maximale Sonnenstromversorgung rund um die Uhr. Erst wenn der Speicher leer ist und die Solaranlage nicht liefert, muss der Landwirt Strom vom Versorger dazukaufen. In diesem Fall bindet MDC dynamische Stromtarife ein und lädt die Speicher gezielt dann aus dem Netz nach, wenn die Börsenstrompreise im Keller sind.
Investition in fünf Jahren eingespielt
Das System hat sich über den Sommer hinweg bezahlt gemacht. Seit der Inbetriebnahme Mitte März 2026 erzeugte das System bis Anfang September bereits 76 Megawattstunden Solarstrom. Beachtliche 53 Prozent davon nutzte der Landwirt auf dem Hof. Die restlichen 47 Prozent flossen ins Netz. Im Sommer erreichte der Stall damit einen Autarkiegrad von stolzen 94 Prozent. Dadurch hat der Betrieb in knapp sechs Monaten bereits gut 11.000 Euro an Stromkosten eingespart. Damit amortisiert sich die gesamte Anlage voraussichtlich schon nach rund fünf Jahren. (su)