photovoltaik Ausgabe: 12-2014

Wegweiser durch Ein minenfeld


Sinkende Batteriepreise spielen den Installateuren und ihren Kunden in die Hände.

Sinkende Batteriepreise spielen den Installateuren und ihren Kunden in die Hände.

Speichersicherheit — Viele Installateure haben um die Lithium-Ionen-Technologie bisher einen Bogen gemacht. Zu riskant, zu unübersichtlich, was die Vorschriften betrifft. Das ändert sich derzeit. Eine neue Anwendungsregel des VDE und ein Leitfaden sollen die Unsicherheit beseitigen. William Vorsatz

Inhaltsübersicht

  1. Wegweiser durch Ein minenfeld
  2. Kurz nachgefragt
  3. Themendossier

Lithium-Ionen-Speicher sind so eine Sache. Es gibt vieles zu beachten, um die Sicherheit zu garantieren. Das wissen die meisten Installateure. Vielen machen deshalb einen Bogen um diese Technologie und ziehen Bleispeicher vor. Wer mit Lithium-Ionen-Akkus arbeitet, muss sich zunächst einiges an Wissen aneignen. Das war bisher aber verstreut und die Einarbeitung in das Gebiet deshalb schwierig. Dies ändert sich gerade. So lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen, um in das lukrative Geschäft einzusteigen.

Lithium-Ionen-Speicher werden immer billiger. „Die Durchschnittspreise sind allein im Verlauf dieses Jahres um ein Fünftel gesunken“, sagt Sam Wilkinson, Forschungsleiter für die Energiespeicherung bei den US-Marktforschern von IHS. Und sie werden weiter sinken, prognostizieren die Marktforscher. Deshalb wird dieses Segment auch für Installateure immer wichtiger. Zugleich hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl von Gremien mit der Sicherheit bei Speichersystemen im stationären Bereich und speziell mit der Sicherheit von Lithiumspeichern beschäftigt. Schon lange arbeiten die Experten an Sicherheitsregeln für stationäre Speicher und speziell für Lithium-Ionen-Akkus.

Entwurf der VDE-AR-E 2510-50 vorgelegt

Der VDE hat den Entwurf der Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-50 „Stationäre Energiespeichersysteme mit Lithium-Batterien – Sicherheitsanforderungen“ im November veröffentlicht. Die Anwendungsregel, die den Einsatz dieser Geräte auch im privaten Haushalt adressiert, unterliegt derzeit noch einem Einspruchsverfahren und wird voraussichtlich im Frühjahr 2015 formal erscheinen.

Um sofort etwas in der Hand zu haben, hat ein Zusammenschluss von Verbänden ebenfalls im November den „Sicherheitsleitfaden Lithium-Ionen-Hausspeicher“ veröffentlicht. Er stellt keine Norm dar, sondern ergänzt den aktuellen Stand der Technik. Da Normen als „allgemein anerkannte Regeln der Technik“ einen längeren Prozess durchlaufen müssen, stellt der Leitfaden während des Normungsprozesses und bis zur Veröffentlichung der Normen bei der Herstellung und dem Betrieb von Batteriespeichersystemen auf Lithium-Ionen-Basis eine Empfehlung für die Branche dar.

Die Expertengruppe der Verbände lädt alle noch nicht in den Prozess involvierten Marktteilnehmer ein, ihre Erfahrungen und ihr Wissen zum Thema Batteriesicherheit ebenfalls einzubringen. Selbst bei einem Fehler, beispielsweise in der Schutztechnik, darf kein unsicherer Zustand auftreten. Somit definiert der Leitfaden ein eigensicheres Batteriespeichersystem. Es werden insgesamt 41 Schutzziele definiert und hierzu anwendbare Normen benannt. Außerdem zählt der Leitfaden mögliche präventive oder korrektive Maßnahmen auf. Hinzu kommen Sicherheitsanforderungen an solche Produkte, die nicht durch Normen, Richtlinien, Verordnungen und Fachregeln abgedeckt sind.

Mit dem Sicherheitsleitfaden entwickeln der Bundesverband Solarwirtschaft und der VDE den Speicherpass für Batteriespeicher in Kombination mit Solarstromanlagen weiter.

Sicherheit steht ganz oben

In ihn wird jetzt ein umfassendes Sicherheitskonzept integriert. „Mit der Veröffentlichung des Sicherheitsleitfadens für Lithium-Ionen-Hausspeicher gibt es nun bereits vor Abschluss des zeitaufwendigen Normungsprozesses erstmals einheitliche Empfehlungen für die Herstellung und den Betrieb von Speichersystemen“, kommentiert Speicherexperte Martin Rothert von SMA. Dies sorge in einem wachsenden Markt für zusätzliche Sicherheit.

Für die Hersteller dürfte der Entwurf der Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-50 besonders interessant sein. Sie können ihn in Verbindung mit einer Risikoanalyse bereits anwenden. Die Anwendungsregel fasst die bereits existierenden gesetzlichen Vorgaben und Normen für Lithium-Ionen-Batterien übersichtlich zusammen und erleichtert Herstellern von elektrischen Energiespeichern die Normenrecherchen, zu denen sie verpflichtet sind, um den Stand der Technik zu ermitteln. Alle bekannten Risiken und die damit verbundenen Prüfungen sind aufgeführt.

Darüber hinaus bildet die VDE-Anwendungsregel durch den Verweis auf sich im Entwurf befindliche Normen den aktuellen Stand der Technik ab, wie die IEC 62619 für stationäre elektrische Energiespeicher im industriellen Einsatz. „Die vorliegende Norm gilt nur für Batteriespeicher, die aus Lithium-Ionen-Zellen oder einer anderen auf Lithium basierenden Zellenchemie wie Lithium-Polymer-Zellen bestehen“, betont der VDE.

Mit den beiden Dokumenten, dem Sicherheitsleitfaden Lithium-Ionen-Hausspeicher und dem Entwurf einer Anwendungsregel, stehen allen, die mit Speichersystemen auf Litium-Ionen-Basis zu tun haben, wirksame und aktuelle Hilfen zur Seite. So können auch die Installateure umdenken, denen diese Systeme bisher zu riskant waren. Der Leitfaden ist gratis, die AR kostet beim VDE schlappe 93,53 Euro.

http://bsw.li/1Et9aXi

http://www.vde-verlag.de

Literatur

Fussnoten

  • Speichersysteme mit Lithium-Ionen-Akkus müssen eigensicher sein.

Foto: Edison

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