photovoltaik Ausgabe: 07-2018

Alle Sektoren unter Strom


Mit erneuerbaren Energien versorgte Städte sind keine Vision mehr. Das Modell wurde am Messestand von Almaden Europe aufgenommen.

Mit erneuerbaren Energien versorgte Städte sind keine Vision mehr. Das Modell wurde am Messestand von Almaden Europe aufgenommen.

PV Guided Tours — Auch Wärme und Mobilität werden künftig durch sauberen Strom aus erneuerbaren Energien versorgt. Intelligente Produkte erlauben die clevere Verzahnung, um den Nutzen für die Kunden zu erhöhen. Heiko Schwarzburger

Inhaltsübersicht

  1. Alle Sektoren unter Strom
  2. PV Guided Tours im Überblick
  3. Aktuelles Video

Wärmepumpe und Heizstab für Warmwasser gehören in der Haustechnik für private Kunden beinahe standardmäßig dazu, auch im Gewerbe kommen solche Systeme zunehmend zum Einsatz.

Starken Schub erhält die Solarbranche durch die Elektromobilität. Das Zeitalter von Erdgas, Benzin und Diesel für Autos ist faktisch zu Ende. Damit dockt die Tankstelle ans Wohnhaus oder das Firmengebäude an. Solare Carports unterstützen diesen Trend.

Almaden unterstützt Selbstversorger

In München auf der Messe demonstrierte die Firma Almaden Europe eindrucksvoll, wie weit man die Sektorkopplung treiben kann. Für Almaden war es ein Heimspiel, denn das Unternehmen hat seinen Sitz in der bayerischen Landeshauptstadt. Die Firma hat es sich zum Ziel gemacht, den Kunden flexible Bausätze zur Selbstversorgung zu bieten.

Neben autarken Lösungen für solare Carports und Terrassen, die Glas-Glas-Module mit filigranen Aluminiumprofilen verbinden, bietet Almaden Europe auch große Photovoltaikkraftwerke an. Alle Produkte von Almaden sind langlebig und trotzen extremer Kälte, Wasser und hohen Wind- und Schneelasten.

Das in München vorgestellte Fusion Home Smart Energy Center von Huawei Solar ist ein Solarcontroller mit zwei bis fünf Kilowatt Leistung. Der chinesische Elektronikkonzern Huawei ist in der Solarbranche bisher vor allem mit Stringwechselrichtern aktiv.

Huaweis Vision einer digitalen Welt

Das Energy Center steuert die Energieerzeugung der Solaranlage wie ein Stringinverter, hat jedoch einige interessante Ergänzungen speziell für die Sektorkopplung. Es integriert DC-Optimierer an den Solarmodulen sowie eine Sicherheitsbox, die den Energiefluss im Gebäude je nach Last und Speichermöglichkeit steuert. Der Anschluss von Hochvoltbatterien ist möglich.

Teilverschattung oder eine verschiedene Ausrichtung der Module sind kein Problem mehr. Die Box schaltet die DC-Seite des Systems bei Bedarf spannungsfrei.

Der Anbieter My-PV aus Österreich hat 2013 das System Elwa eingeführt, ein Warmwasserbereiter für Sonnenstrom. 2015 folgte das Wechselstrommodell AC Elwa.

My-PV bringt AC Thor für Raumwärme

Mit der Produktneuheit AC Thor wird auch Heizwärme solarelektrisch erzeugt. AC Thor regelt nicht nur die Heizstäbe zur Warmwasserbereitung, sondern auch elektrische Fußbodenheizungen, Infrarotpaneele und Speicherradiatoren.

Mit AC Thor und dem Power Meter wird die komplette Haustechnik elektrisch: Kabel statt Rohre, einfach und wirtschaftlich. Der Power Meter analysiert die Stromüsse der Photovoltaikanlage und übermittelt die Daten zur Steuerung.

Überschüssige Energie wird zur Wärmeerzeugung (primär Warmwasser, sekundär Heizung) verwendet. Somit wird der Eigenverbrauch maximiert – bis 85 Prozent ohne Batteriespeicher.

Das System ist nahezu wartungsfrei und für verschiedene Wechselrichter, Batteriesysteme oder die Einbindung ins Smart Home geeignet.

Phoenix Contact ist ein weltweit agierender Hersteller von Komponenten, Systemen und Lösungen in der Elektrotechnik, Elektronik und Automation. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 16.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Der Stammsitz befindet sich im westfälischen Blomberg.

Phoenix Contact: Laden mit 500 Ampere

Auf der Messe in München zeigte Phoenix Contact die leistungsstarke Ladesäule High Power Charging (HPC), die den Akku eines E-Autos mit 500 Kilowatt laden kann. In drei bis fünf Minuten sind 100 Kilometer Reichweite aufgeladen. Das System besteht aus einem Hochleistungs-Ladestecker mit intelligenter Kühlung, gekühlter Ladeleitung, Kabeldurchführung mit definierten Schnittstellen und Kühlaggregat. Es erlaubt einen Ladestrom von bis zu 500 Ampere. Bei 1.000 Volt Systemspannung bedeutet das eine Ladeleistung von 500 Kilowatt.

Die effiziente, umweltfreundliche Kühlung erlaubt verringerte Leitungsquerschnitte. Temperaturen und Leckagen werden permanent überwacht. Das System ist wartungsfreundlich dank austauschbarer Komponenten und halb offenen Kühlsystems. Es ist vollständig kompatibel mit dem etablierten Combined Charging System (CCS).

Schon seit Längerem setzt Phoenix Contact Maßstäbe in der Energieversorgung elektrisch betriebener Fahrzeuge. Ob Laden am Wechselstromnetz oder schnelles Laden mit Gleichstrom: Die AC- und DC-Ladestecksysteme sind normkonform für Ladetechnik vom Typ 1, Typ 2 und GB/T. Die Oberfläche der Leistungs- und Signalkontakte ist versilbert.

Alle Stecker für die E-Autos und die Ladeinfrastruktur sind in einem durchgängigen Design gestaltet. Der Ladevorgang wird abgesichert durch Temperaturüberwachung und innovative Mechanismen zur Verriegelung.

Mit der Software EV Charging Suite bietet das Unternehmen eine intelligente Schnittstelle zwischen Fahrer, Ladepark- und Netzbetreiber sowie Abrechnungsanbieter. Neben dem Lastmanagement verwaltet sie die Ladepunkte und Nutzer, verschiedene Methoden zur Autorisierung sowie die verbrauchsgerechte Abrechnung.

Das intelligente Lastmanagement verteilt die Anschlussleistung optimal und vermeidet Lastüberschreitungen. Inbetriebnahme, Konfiguration und Überwachung sind per Weboberfläche sehr einfach. Das System ist skalierbar durch einfaches Hinzufügen und Verwalten von Ladepunkten. Zudem werden alle Ladevorgänge geloggt und in Echtzeit visualisiert. Die präzise Abrechnung erfolgt über OCPP. Die Software lässt sich überdies komfortabel an übergeordnete Gebäude- und Energiemanagementsysteme anbinden.

Solar-Log wird zum Energiemanager

Solare Datensysteme aus Geislingen-Binsdorf ist bekannt durch Solar-Log, den bewährten Datenlogger für die Solarbranche. Die Produktreihe wurde seit 2007 bereits in 118 Ländern verbaut.

Sie überwacht derzeit 279.000 Anlagen mit einer installierten Solarleistung von zwölf Gigawatt. Die Datenlogger sind mit mehr als 2.300 verschiedenen Wechselrichtern kompatibel.

Mittlerweile hat sich das Monitoring zum Energiemanagementsystem gewandelt. Die Einbindung von Ladestationen für E-Autos spielt eine wichtige Rolle, etwa in Kombination mit einer Stromladestation von Keba. Mit der sogenannten Ladestrombegrenzung wird das E-Auto mit minimaler Ladung versorgt, wenn keine Solarenergie zur Verfügung steht.

Sobald ein Überschuss aus den Solarmodulen gemeldet wird, erhält die Ladestation eine entsprechende Freigabe.

Weiteres Potenzial für den Eigenstromverbrauch bietet die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe. Je nachdem, wie die Wärmepumpe an den Solar-Log angeschlossen ist, wird entweder ein Freigabesignal oder der Stromüberschuss an die Wärmepumpe gegeben. Dann erzeugt der Sonnenstrom saubere Wärme.

Fazit: Die Sektorkopplung ist bereits im Gange. Sie wird die Märkte künftig beflügeln.

Literatur

Fussnoten

  • Almaden Europe hat den Selbstversorger im Blick: Das Unternehmen bietet unter anderem Solarmodule und solare Carports an.

  • Der chinesische Elektronikkonzern Huawei zeigte in München, wie eng Photovoltaik, Speicherbatterien und die digitale Welt bereits vernetzt sind.

  • Ansteuerung von Wärmepumpen in der Wärmeversorgung eines Gebäudes. Der Solar-Log wird zur Schaltzentrale der Energieströme im Haus.

  • Die Systeme von My-PV sind bereits mit vielen Produkten und Komponenten kompatibel.

  • Einbindung eines intelligenten Ladepunktes in die elektrische Haustechnik und das Solarsystem durch Solar-Log.

Foto: Heiko Schwarzburger

Foto: Heiko Schwarzburger

Grafik: Solare Datensysteme

Grafik: My-PV

Grafik: Solare Datensysteme

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