Was lässt sich über die Schadensfälle an Photovoltaikanlagen und Stromspeichern aus den Statistiken der Versicherer herauslesen?
Anne Zygmanowski: Es lässt sich feststellen, dass die Anzahl an Schäden in den letzten Jahren gesunken ist. Der Schadenaufwand, also die Schadensumme, blieb aber konstant.
Welche Trends bei den Schadensereignissen fallen Ihnen besonders ins Auge?
Anne Zygmanowski: Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Photovoltaikanlagen im Bereich der Wechselrichter und Speichersysteme in Kombination mit Smart-Grid-Technologien werden die Maßnahmen zur Wiederherstellung nach Schäden umfangreicher. Hierdurch kommt es häufiger zu Wechselwirkungsschäden zwischen den einzelnen Komponenten. Im letzten Jahr beobachteten wir zudem gehäufte Diebstähle von Komponenten mit Buntmetall, insbesondere Kupfer.
Sind Diebstähle die wichtigste Ursache für Schäden?
Anne Zygmanowski: Hauptursachen für Schäden in den letzten zehn Jahren sind weiterhin Brandereignisse, materialbedingte Ausfälle und Überspannungsschäden, zum Beispiel durch Blitzereignisse.
Wie verändern sich die Schadenssummen durch Probleme mit Solarstromspeichern?
Anne Zygmanowski: Der gestiegene Schadenaufwand resultiert aus vielen Gründen, exemplarisch können hier die gestiegenen Preise für einzelne Anlagenkomponenten, wie Transformatoren, aber auch die zuvor beschriebene Komplexität der Gesamtsysteme genannt werden. Eine erhebliche Erhöhung der Schadensummen aufgrund von Problemen mit Solarstromspeichern können wir nicht feststellen.
Wie viel Prozent der Schäden waren vermeidbar?
Anne Zygmanowski: Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Durch die Einhaltung von Errichtungsnormen und der Wartungsintervalle oder die regelmäßige Reinigung der Anlagen sind diverse Schadenbilder eingrenzbar und somit in Teilen vermeidbar. Als Beispiele sind hier Schäden an Kabeln zu nennen, etwa durch Aufliegen von Steckverbindern auf der Dachhaut. Ein weiteres Beispiel sind Sturmschäden durch fehlerhafte Modulmontage. Tierverbiss an Verkabelungen ist nicht immer vermeidbar. Frühzeitiges Erkennen könnte die Schadensummen aber minimieren und das Ausmaß des Schadens dezimieren.
Welche Rolle spielt die Qualität der Installation?
Lutz Erbe: Die Einhaltung der Errichtungsnormen ist Grundvoraussetzung für die Versicherbarkeit einer Anlage und letztlich des Gebäudes, auf dem diese errichtet wird. Dabei werden immer wieder gravierende Mängel erkannt. Deshalb fordern die Versicherer zunehmend, dass die ordnungsgemäße Installation bei der Anlagenabnahme durch einen anerkannten Sachverständigen für Photovoltaikanlagen bestätigt wird. Eine Arbeitsgruppe des GDV erarbeitet zurzeit eine Prüfrichtlinie und einen Befundschein. Aktuell sind 219 Sachverständige im Verzeichnis des Verbands der Schadenversicherer (VdS) gelistet.
Welche Tipps geben Sie Anlagenplanern und Installateuren, um ihre Anlagen solide zu bauen?
Lutz Erbe: Insbesondere die Leitungsführung auf dem Dach sollte detailliert geplant und handwerklich sauber ausgeführt werden. Befestigungen mit Kabelbindern an Steigtrassen oder auf der Dachhaut abgelegte Leitungen sind nicht akzeptabel. Für die Leitungsverlegung über Brandwände hinweg bieten die Hersteller von Kabeltragsystemen professionelle Lösungen an. Allgemein reduzieren auch Glas-Glas-Module die Brandlast. Wechselrichter sollten nur noch mit Detektion und Abschaltung von Lichtbogen eingesetzt werden.
Wie wichtig ist die professionelle Wartung der Anlagen?
Lutz Erbe: Bei höherwertigen Gebäuden oder Anlagen wird der Abschluss eines Wartungsvertrages oftmals von den Versicherern gefordert. Dabei sind regelmäßige Sichtkontrollen sowie nach Gewittern und Stürmen ebenso zwingend wie die wiederkehrende messtechnische Untersuchung der Anlagen. Aus meiner Sicht gehören die Auswertung von Ertragsdaten und die kurzfristige Reaktion auf Störmeldungen zu den elementaren Aufgaben der Instandhaltung.
Was ist bei der Auswahl der Aufstellorte von Batteriespeichern zu beachten?
Lutz Erbe: Bei der Aufstellung der Speicher in Innenräumen sind zunächst die baurechtlichen und normativen Vorgaben wie die EltBauVO, die VDE 0100-420 sowie die Herstellerangaben einzuhalten. Werden Batteriespeicher im Lager eines Industriebetriebes aufgestellt, wird dies durch den Sachversicherer bemängelt. Hier sind geeignete Betriebsräume oder brandschutztechnische Abtrennungen erforderlich.
Und bei Aufstellung im Freien?
Lutz Erbe: Bei der Aufstellung von Speichern in Containern sind die Abstände untereinander und zu den Gebäuden schon während der Planungsphase mit dem Sachversicherer abzustimmen. Weitere Hinweise gibt der aktuelle Sicherheitsleitfaden des BVES für Lithium-Ionen-Großspeichersysteme.
Welche aktuellen Diskussionen führen Sie mit Ihren Kunden hinsichtlich der Installation von Photovoltaikanlagen auf Dächern mit brennbaren Baustoffen?
Lutz Erbe: Aufgrund von Großschäden der letzten Jahre durch Dachbrände allgemein und insbesondere durch Brände, die durch Photovoltaikanlagen ausgelöst wurden, führen alle Sachversicherer diese Diskussion. Zu diesem Thema hat eine Arbeitsgruppe des GDV bereits 2023 die Richtlinie VdS 6023 erarbeitet. Sie wird derzeit überarbeitet, um neu entwickelte Baustoffe und Technologien zur Detektion von Lichtbogen aufzunehmen.
Die Fragen stellte Heiko Schwarzburger.
Verzeichnis der anerkannten Sachverständigen beim VdS:
https://vds.de/zertifikate/verzeichnis/V3180
Foto: VGH
Foto: VGH
VdS
Fachtagung zu Schäden an Solaranlagen
Aktuelle Erkenntnisse der Versicherer werden am 21. April 2026 in Köln präsentiert. Die Veranstaltung richtet sich an Sachverständige, Versicherer, Ingenieure und Projektierer. Sie wird zudem im Livestream übertragen.
Es werden Schwerpunkte des Schadenaufkommens, neue Schutztechniken, Veränderungen bei Richtlinien sowie aktuelle und absehbare zukünftige Entwicklungen hinsichtlich der Sicherheit von Anlagen vorgestellt.
Die Veranstaltung richtet sich an Sachverständige für Photovoltaikanlagen und für Elektrotechnik beziehungsweise zum Prüfen elektrischer Anlagen sowie an Schadensversicherer. Weiterhin sind Ingenieure der Elektrotechnik und der technischen Gebäudeausrüstung willkommen. Diese Themen stehen auf dem Programm:
https://bildung.vds.de/de/veranstaltungen/5185
Foto: Lutz Erbe/VGH
Panduit
Stärkere Kabelbinder aus Nylon 612
Panduit stellt die neue Kabelbinderserie PLT4S-M6120 vor, wobei der Zusatz 612 für das UV-beständige Material Nylon 612 steht. Die Kabelbinder sind beständig gegen chemische Korrosion, selbst wenn sie Salzen, Kohlenwasserstoffen, Basen oder korrosiven Stoffen wie Zinkchlorid oder verdünnten Säuren ausgesetzt sind. Sie halten Sonneneinstrahlung, saurem Regen und Witterungen stand. Darüber hinaus eignen sich die PLT4S-M6120 für Außenanwendungen zwischen minus 60 und plus 90 Grad Celsius. Im Prüflabor wurde unter diesen rauen Bedingungen eine Lebensdauer von 20 Jahren testiert. Deshalb gibt Panduit eine Garantie für 20 Jahre. Die schwarzen Kabelbinder sind einteilig aufgebaut mit einem Verriegelungskeil sowie einer gebogenen, verjüngten Spitze und lassen sich mit weniger Kraft einführen.
https://www.panduit.com/emea/de.html
Foto: Panduit
Foto: Panduit
Im Interview
Anne Zygmanowski
Foto: VGH
hat einen Bachelor of Engineering in Medizintechnik und einen Master of Science in Biomedizintechnik. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hannover, bevor sie im Februar 2023 zur VGH Versicherung wechselte. Dort ist sie zuständig für die Schadenregulierung von technischen Versicherungen.
Lutz Erbe
Foto: VGH
ist Diplomingenieur (FH) und seit 2002 Mitarbeiter der VGH Versicherung Hannover in der Abteilung für Schadenverhütung und Technik. Zu seinen Aufgaben gehören die Beratung zur Schadenverhütung, Schadenermittlung in Sach- und Haftpflichtschadenfällen, die Tätigkeit als Referent bei Informationsveranstaltungen sowie im Verband. In den letzten Jahren war er verstärkt mit der Prüfung von Photovoltaikanlagen befasst, um ihre Versicherbarkeit zu bewerten. Auch die Begutachtung von Schäden spielt eine wachsende Rolle.
Er ist Mitarbeiter in den Normungsgremien des DKE 221.1.4 (Photovoltaikanlagen), 221.2.2 (Überspannungsschutz) und 221.1.5 (Landwirtschaft). Beim Gesamtverband der Versicherer (GDV) leitet und unterstützt er Arbeitsgruppen zur Erstellung technischer Leitfäden. Seit 2009 ist er vom VdS anerkannter Sachverständiger für Elektrothermografie. Seit 2010 wirkt er als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schaltanlagen/Verteilungen, Überspannungsschutzeinrichtungen und Elektrothermografie.