Die Fachkonferenz der IG Infrarot Deutschland Mitte April in Würzburg drehte sich um bezahlbares Bauen und Wohnen und die Rolle, die kostengünstige Infrarotheizungen dabei spielen können. Expertinnen und Experten plädierten für einfache und bezahlbare technische Gebäudeausrüstung und waren sich einig, dass Infrarotheizungen eine der Lösungen zum bezahlbaren Bauen sind. Referenzen aus dem Neubau und Bestand belegten die Wirtschaftlichkeit.
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Konsens bestand darüber, dass die Infrarotheizung eine wichtige Option für bezahlbares Bauen ist. „Dabei geht es stets um eine Gesamtbetrachtung der Kosten und der Lebenszyklus“, sagte Lars Keussen, erster Vorsitzender des IG Infrarot Deutschland.
Diese beinhalten die Ausgaben für die Investition, Installation, Betrieb und wiederkehrende Kosten, aber auch die graue Energie. Auf der Konferenz wurden interessante Projekte präsentiert, unter anderem von neuen und sanierten Mehrfamilienhäusern mit Infrarotheiztechnik zur Alleinbeheizung. Ideal ist die Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeicher, um Gebäude weitgehend solarelektrisch zu versorgen.
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Einfache Technik
Den Auftakt machte Ina Scharrenbach, Bauministerin des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie sprach sich für Technologieoffenheit aus. Gerade im Gebäudebestand gebe es große Potenziale, Emissionen einzusparen, zugleich aber sehr unterschiedliche bauliche Voraussetzungen. „Da muss es dem Eigentümer oder der Eigentümerin offenbleiben, welche technische Gebäudeausrüstung er oder sie einbauen möchte“, sagte sie. „Die Infrarotheiztechnik ist da eine durchaus relevante.“
Thomas Gerl, Bauunternehmer aus Straubing und Vorstand des BFW Landesverbandes Bayern, stellte die Kostenfrage in den Mittelpunkt. In seiner Keynote forderte er bessere steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, darunter eine Sonderabschreibung, KfW-Darlehen und eine Eigenheimzulage.
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TGA-Kosten steigen stark an
Zugleich sieht er in der TGA einen zentralen Hebel: „Ich würde nicht den ganzen Keller mit Technik vollstopfen“, riet er. „Es geht auch mit weniger Technik und deutlich weniger Kosten.“ Vor einigen Jahren hatte der Rohbau noch einen Anteil von 40 Prozent an den Gesamtkosten. Nun seien es nur noch 25 Prozent, während die TGA deutlich teurer geworden sei.
Die knappste Ressource ist oft nicht das Material, sondern qualifizierte Zeit. „Deshalb brauchen wir vor allem Gebäudetechnik, die einfacher planbar, schneller montierbar und im Betrieb beherrschbar ist“, forderte René Ebert, Geschäftsleiter Technik & Projekte bei der VdZ Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie.
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Planungssicherheit erreichen
Kerstin Stratmann, Geschäftsführerin des Fachverbandes Gebäudeenergie im ZVEI, plädierte für den Blick auf das gesamte Energiesystem im Gebäude: „Wir müssen die Heizung als Teil des Energiesystems im Gebäude denken. Wenn wir über bezahlbares Bauen und Wohnen sprechen, ist Planungssicherheit der entscheidende Hebel.“
Technologisch gehe es nicht um Entweder-oder, sondern um intelligentes Zusammenspiel aller strombasierten Technologien im Gebäude: Wärmepumpe, Infrarotheizung kombiniert mit Photovoltaik, Heimspeicher, Lüftung und Energiemanagement.
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Einfache Lösungen benötigt
Christoph Weiland, Vorstand des IG Infrarot Deutschland, vertrat den Standpunkt, dass die Wirtschaftlichkeit die Prämisse sein sollte. Er schlussfolgerte: „Die einfachste Lösung ist häufig die wirtschaftlichste.“ Vorteile der Infrarotheizung sind Enttechnisierung und die Reduktion auf ein Gewerk, das Elektrohandwerk.
Alleinbeheizung im Neubau
Die auf der Konferenz vorgestellten Projekte zeigten die Bandbreite der Anwendungen: vom seriellen Neubau über temporär nutzbare Wohngebäude und die Revitalisierung historischer Bausubstanz bis hin zur Sanierung von Mehrfamilienhäusern und hybriden Lösungen im Geschosswohnungsbau.
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Hoher Vorfertigungsgrad
Hermann Stegink, Geschäftsführer der Firma Solid Modulbau, setzt auf serielles und modulares Bauen. Er stellte ein Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen in Wuppertal vor. Das Gebäude inklusive Tiefgarage wurde 2019 in nur acht Monaten in modularer Bauweise errichtet. Es ist als solarelektrisches Gebäude konzipiert und erreicht Energiestandard KfW 40 Plus. „Der hohe Vorfertigungsgrad und die schnelle Montage begünstigen eine kurze Bauzeit vor Ort“, erläuterte Stegink.
Die einfache Installation der Infrarotheizgeräte und der Verzicht auf wasserführende Wärmeverteilung trugen zur schnellen Umsetzung bei. Aufgrund seiner Erfahrung aus diversen Projekten mit Infrarotheizungen sagte er: „Damit bin ich im Bereich der Technik viel günstiger unterwegs: im Invest und in der Nutzung.“
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Deutlich geringere Kosten
Die Vergleichsrechnung zum Projekt in Wuppertal machte den wirtschaftlichen Effekt deutlich: Wärmepumpe, Pufferspeicher, Fußbodenheizung, Wohnungsstationen und Lüftungssystem hätten rund 350.000 Euro netto beziehungsweise 128,75 Euro netto je Quadratmeter Wohnfläche mehr gekostet als das installierte System mit 208 Infrarotheizungen, 110 Kilowatt Photovoltaik, einem Batteriespeicher mit 50 Kilowattstunden Speicherkapazität, Durchlauferhitzern und Lüftungssystem mit Passivhauszulassung.
Zusätzlich sinkt hier laut Stegink die „zweite Miete“ um etwa 15 bis 30 Prozent gegenüber klassischer TGA. Für eine Wohnung mit rund 49 Quadratmetern Wohnfläche lagen die externen Energiekosten für Heizen, Warmwasser und Hausstrom im Schnitt bei 46,50 Euro pro Monat, kalkuliert mit 32 Cent pro Kilowattstunde für extern bezogenen Strom. Zudem spart der Kunde die Messdienstleister mit monatlich circa 14 bis 18 Euro je Wohneinheit.
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Schnell und kostengünstig bauen
Ein weiteres Beispiel präsentierte Jan Motschull, Geschäftsführer der Firma Vasner/MankeTech. Im unterfränkischen Karlstadt entstanden 14 Gebäude in Holzrahmenbau mit insgesamt 40 Wohneinheiten für Geflüchtete. Ziel war es, schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen. Da die Gebäude eventuell nur temporär genutzt werden, wurde auf Photovoltaik verzichtet.
Für die Beheizung wurden 206 Infrarotheizgeräte für eine errechnete Gesamtheizlast von 44 Kilowatt Leistung installiert. Da lediglich Stromanschlüsse erforderlich waren, konnte die Installation einfach und zeitsparend erfolgen.
Auch hier zeigt der Kostenvergleich den Vorteil im Invest: Ein Quartiers-Wärmepumpensystem mit vier Wärmepumpen hätte zwischen 676.000 und 852.000 Euro gekostet. Das Infrarotheizsystem lag bei rund 120.500 Euro, zusammen mit Durchlauferhitzern bei 212.500 Euro. Die Preise beinhalten jeweils die Installation.
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Sanierung und Revitalisierung
Dass Infrarotheiztechnik nicht nur im Neubau eingesetzt werden kann, zeigte Martin Schmidt, Prokurist bei Fries Architekten. Er berichtete von der Modernisierung des Westerwälder Hofs, einer ehemaligen Gaststätte aus dem 17. Jahrhundert.
Statt Abriss und Neubau entschieden sich die Projektbeteiligten für die Revitalisierung und Erweiterung. Entstanden ist ein Gebäudekomplex im KfW-40-Standard mit 26 barrierefreien Wohnungen, einem Backshop mit Café und einer Arztpraxis. Bis auf das Café und die Arztpraxis werden alle Räume ausschließlich mit Infrarotheizungen beheizt.
Die Entscheidung für Infrarotheiztechnik fiel auch aus Kostengründen. „Bei unseren Projekten im Architekturbüro haben wir gesehen, dass die Kosten für die TGA immer höher werden“, erklärte Martin Schmidt. „Teilweise übersteigen sie die Hochbaukosten.“ Ergänzt wird das Konzept durch 138 Kilowatt Photovoltaik, einen Batteriespeicher mit 90 Kilowattstunden Speicherkapazität, dezentrale Lüftung, Durchlauferhitzer und dynamische Stromtarife. Die ersten Mieter sind zum November 2025 eingezogen, sie zahlen eine Pauschalmiete inklusive Energie- und Nebenkosten.
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Umbau zum Studentenwohnheim
Michael Ringbauer ist Geschäftsführer von Redwell Manufaktur. Er stellte ein Sanierungsprojekt in Vallendar vor. Dort wurde ein 1920 errichtetes Einfamilienhaus mit 248 Quadratmetern Nutzfläche zum Studentenwohnheim umgebaut und durch einen Neubau ergänzt. Ursprünglich war für den Altbau eine TGA mit Wärmepumpe, Fußbodenheizung, zentraler Abluftanlage, Durchlauferhitzern und Vier-Kilowatt-Photovoltaikanlage kalkuliert worden. Die Investitionskosten hierfür hätten bei rund 78.000 Euro gelegen.
Realisiert wurde schließlich ein Paket aus Infrarotheizungen, dezentraler Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer Zwölf-Kilowatt-Photovoltaikanlage für 40.250 Euro. Das Projekt wurde von der Werkgemeinschaft Bauen und Energie berechnet und ausgeführt.
Hybride Konzepte im Geschosswohnungsbau
Sandro Lorch, Vertriebsleiter von Etherma Deutschland, erläuterte, wie Infrarotheizungen in hybriden Konzepten zur Sanierung im Geschosswohnungsbau beitragen können. In einem Nachkriegsbau der Wohnbau Mönchengladbach, der in einem ersten Schritt bereits eine Wärmedämmung und zweifachverglaste Fenster erhalten hatte, wurde der Austausch der Gasetagenheizungen erprobt. Im Zuge des Pilotprojektes fiel die Entscheidung auf ein Hybridsystem aus Wohnraum-Wärmepumpe und Infrarotheizgeräten von Etherma an den Decken. Die Umrüstung erfolgte schnell und ohne größere bauliche Eingriffe, die Mieter konnten während des Umbaus in der Wohnung bleiben.
Energy Flat Living: bezahlbarer Wohnraum in Großstädten
Ein neues Konzept stellte Lars Keussen, Gründer von 3lectrify, mit Energy Flat Living vor. Das Modell soll bezahlbaren Wohnraum in Großstädten ermöglichen – ohne Fördermittel oder staatliche Zuschüsse, sondern über ESG-Bonds finanziert. Ziel sind Pauschalmieten von 12,50 Euro je Quadratmeter inklusive Energie- und Nebenkosten.
Grundlage ist die solare Wärme- und Stromversorgung in Mehrfamilienhäusern. Große Photovoltaikanlagen decken mehr als 50 Prozent des elektrischen und thermischen Energiebedarfs. Infrarotheizungen reduzieren durch den Verzicht auf aufwändige Verrohrung wesentliche Kostenblöcke beim Bau und im Betrieb. Hinzu kommen serielles Bauen, vorgefertigte Elemente sowie der Verzicht auf Tiefgarage und Keller. Gebaut werden soll auf Grundstücken, die über Erbpacht von Kommunen, Stiftungen, kirchlichen Trägern oder Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.
Einfach, platzsparend und bezahlbar
Das Fazit der Konferenz zog Uwe Lucht, Vorstand der IG Infrarot Deutschland: „Wir haben die Infrarotheizung im Lichte der Wirtschaftlichkeit vor allem für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft betrachtet“, resümierte er. „Die Konferenz hat gezeigt, dass die Infrarotheiztechnik unter anderem durch die einfache, platzsparende Technik, die Bezahlbarkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zur Alleinbeheizung aber auch im Hybridsystem punktet. Das ist nun auch in anderen Branchen angekommen.“
Runder Tisch und Konferenz 2027
Die nächsten Termine stehen bereits fest: Der 7. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche und die fünfte Konferenz der IG Infrarot Deutschland finden am 14. und 15. April 2027, erneut im Hotel Rebstock in Würzburg, statt. (HS)