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Phantomfehler: Effiziente Erdschlussortung in Großanlagen

Großanlagen sind auf eine Lebensdauer von über 25 Jahren ausgelegt. Die Konstruktionen trotzen statischen und dynamischen Lasten wie Schnee, Wind und extremen Temperaturen. Die mechanische Resilienz täuscht oft über die Anfälligkeit der elektrischen Infrastruktur hinweg.

Während physische Schäden nach Extremwetter meist offensichtlich sind, entwickeln sich kritische Defekte im Verborgenen. Isolationsfehler und Erdschlüsse bleiben oft lange unentdeckt, bis sie zum sicherheitskritischen Anlagenstillstand oder signifikanten Ertragsverlusten führen.

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Vom Installationsfehler zum Erdschluss

Erdschlüsse in Photovoltaiksystemen sind selten das Resultat plötzlicher Ereignisse. In der Regel handelt es sich um schleichende Prozesse, deren Ursprung bereits in der Bauphase liegt. Ein wesentlicher Faktor ist mangelhaftes Kabelmanagement.

Werden bereits bei der Montage zu eng gewählte Biegeradien oder scharfkantige Kabelführungen an den Unterkonstruktionen verwendet, entstehen mechanische Spannungen und Kerbwirkungen, die das Isolationsgefüge langfristig schwächen. Diese Problematik wird durch die alltägliche mechanische Belastung infolge thermischer Ausdehnung verschärft.

Zu fest angezogene Kabelbinder, die bei der Installation oft als Standardlösung dienen, schneiden sich über Jahre in die sich ausdehnenden und schrumpfenden Leitungen ein, bis die Isolierung vollständig durchtrennt ist. Parallel dazu wirken dynamische Umwelteinflüsse auf die Anlage ein: Lose hängende Kabelbäume, die im Wind permanent gegen das Gestell scheuern, führen ebenso zum kontinuierlichen Materialabrieb wie der Feuchtigkeitseintritt in gealterte oder fehlerhaft montierte Steckverbinder.

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Zeitweise Erdschlüsse nur schwer auffindbar

Besonders problematisch für die Betriebsführung sind zeitweise aufkommende Erdschlüsse, die nur unter spezifischen Bedingungen auftreten, etwa bei hoher Luftfeuchtigkeit oder unmittelbar nach Regen. Sobald die Anlage durch die Sonne abgetrocknet ist, normalisieren sich die Isolationswerte scheinbar wieder, wodurch der Fehler für das Wartungsteam nicht mehr reproduzierbar ist.

Der Defekt bleibt als Phantomfehler im System. Die Brandgefahr erhöht sich schleichend, bei jedem Wetterumschwung kann die Anlage wieder vom Netz gehen. Mit normalen Methoden kann man diese Fehler kaum lokalisieren.

Operativer Flaschenhals in der Fehlersuche

Dass ein Isolationsfehler vorliegt, erkennt man meist sehr einfach an der Auslösung des Wechselrichters. Die wahre Herausforderung liegt jedoch in der präzisen Ortung der Fehlerquelle. In der aktuellen Wartungspraxis führt dies oft in die Sackgasse: Wird ein Fehler gemeldet, identifiziert das Team meist zügig die betroffene Combiner Box. Um den Ertragsausfall für die Gesamtanlage zu minimieren, wird dieser Abschnitt oft vom Netz getrennt, damit der Rest der Anlage weiter produzieren kann.

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Der unmittelbare Druck ist damit vom Tisch, doch das Kernproblem bleibt ungelöst. Die Lokalisierung des exakten Fehlerpunkts innerhalb eines Sammelkastens mit 20 oder mehr Strings ist ohne spezialisierte Werkzeuge sehr zeitaufwendig. Das Standardverfahren – sequenzielles Trennen und Messen jedes einzelnen Strings – erfolgt unter voller DC-Spannung.

Da Solarmodule bei Tageslicht nicht spannungsfrei geschaltet werden können, arbeitet das Personal unter erhöhtem Risiko. Nicht selten führt der hohe Zeitaufwand dazu, dass die Suche abgebrochen wird. Ein String bleibt dauerhaft offline, und der Fehler wird als Wartungsschuld verbucht.

Risiken für Sicherheit und Anlagenwert

Die Entscheidung, die Suche nach einem Fehler vorzeitig abzubrechen, hat weitreichende Konsequenzen. Ein abgeschalteter String bedeutet nicht nur verlorene Solarleistung und Energieertrag. Dauerhafter Erdschluss verändert das elektrische Potenzial der Anlage. Bleibt der Fehler am geerdeten Leiter über längere Zeit unentdeckt, kann dies die Schutzorgane des Systems hindern, beim nächsten Fehler zuverlässig auszulösen.

Zudem entstehen Lichtbögen. Die entstehende thermische Energie ist eine der Hauptursachen für Brände in Solarparks. Besonders an Standorten mit trockener Vegetation unter den Modultischen können lokale Brände entstehen, die nicht nur die Hardware zerstören, sondern haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

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Die Sicherheit des Personals ist das kritischste Argument: Ein Erdschluss kann dazu führen, dass Modulrahmen oder Gestellteile unter Spannung stehen. Bei mangelhafter Erdverbindung wird der Techniker beim Berühren der Konstruktion zum Ableitpfad. Solche Unfälle sind vermeidbar, wenn Fehler nicht ausgesessen, sondern gezielt behoben werden.

Berührungslose Ortung

Um den Teufelskreis aus zeitintensiver Fehlersuche und dauerhaft abgeschalteten Anlagenteilen zu durchbrechen, sind neue Lösungen in der Messtechnik erforderlich. Sie machen die herkömmliche Methode des sequenziellen Trennens und Messens jedes einzelnen Strings unter voller Spannung überflüssig. Solche Systeme arbeiten als End-to-End-Lösung, die speziell für die Anforderungen von 1.500-Volt-Anlagen entwickelt wurde.

Kern der Technologie ist die Kombination aus signalerzeugendem Sender und berührungslosem Signalempfänger inklusive Detektionszange. Anstatt mechanisch in den Stromkreis einzugreifen und Leitungen mühsam zu trennen, lokalisiert das Gerät den Erdschluss berührungslos. Techniker können den fehlerhaften Zweig identifizieren und die exakte Fehlerstelle innerhalb einer Modulreihe bestimmen, ohne auf detaillierte Standortpläne oder die riskante Interaktion mit unter Spannung stehenden Leitern angewiesen zu sein.

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Dies führt zu erheblicher Zeitersparnis und erhöht gleichzeitig die Arbeitssicherheit, da unnötige Kontakte mit spannungsführenden Komponenten vermieden werden. Auch weniger erfahrene Techniker können komplexe Fehler – bis zu intermittierenden Erdschlüssen – sicher und effizient beheben.

Resilienz durch konsequente Wartung

Echte Resilienz einer Photovoltaikanlage zeigt sich nicht nur im Überstehen eines einzelnen Sturms, sondern in der Fähigkeit des Betreibers, das System nach einem Fehlerzustand schnellstmöglich wieder in den Soll-Zustand zu versetzen. In einem Marktumfeld, das von Fachkräftemangel und steigenden Sicherheitsanforderungen geprägt ist, ist das Suchen auf Verdacht nicht mehr zeitgemäß. Gefragt sind Lösungen, die den Techniker befähigen, Fehler sofort zu lokalisieren und zu beheben.

Mit dem Einsatz spezialisierter Ortungstechnologie wandelt sich die Fehlersuche von einer unkalkulierbaren Aufgabe zu einem präzisen Wartungsschritt. So kann man garantieren, dass die theoretische Lebensdauer einer Solaranlage erreicht wird und die Anlage über diese Zeit möglichst viel Strom erzeugt. (Martijn Geerlag/HS)

Der Autor: Martijn Geerlag ist Field Application Engineer bei der Fluke Corporation. Er verfügt über fast drei Jahrzehnte Erfahrung in der Reparatur, Kalibrierung und dem technischen Support industrieller Mess- und Prüftechnik. Nach mehr als 15 Jahren im praktischen Service und rund zwölf Jahren im technischen Produktsupport begleitet der studierte Elektroniker heute die technologische Weiterentwicklung im Feld.

 

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