Am Vorabend von Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft wurden in München die Pioniere einer zukunftsweisenden Energiewelt in fünf Kategorien ausgezeichnet – Photovoltaik, Energiespeicher, E-Mobilität, smarte Integration und herausragende Projekte.
Unter den Kategorien markiert die Photovoltaik die Kerndisziplin, denn ohne Sonnenstrom wären weder Speicherbatterien noch E-Mobilität aus den Startlöchern gekommen. In diesem Jahr zeigt sich bei Solarmodulen der Trend, dass sie resistenter gegen Verschattung werden. Maßgeblich dafür ist das Design der Zellen und ihre Verschaltung sowie integrierte Bypassdioden.
Trends bei Modulen und Wechselrichtern
Weitere Innovationen sind ultraleichte Paneele für traglastarme Dächer, bifaziale vertikale Module für Gründächer, flexible Solarmodule aus Kunststoff für mobile Anwendungen und Module mit verstärkter Hagelresistenz. Auch die Nachhaltigkeit in der Fertigung rückt immer mehr in den Fokus: durch bleifreies Löten und stark reduzierte CO₂-Emissionen in der Produktion.
Wechselrichter weisen wachsende Leistungsdichten und Spannungen auf. Moderne Stringinverter unterstützen 1.000 Volt auf der AC-Seite und DC-Eingänge bis 2.000 Volt. Bei Großwechselrichtern sind bereits 3.000 Volt DC im Gespräch. Zuverlässigkeit und Resilienz gewinnen an Bedeutung. Zunehmend werden Solarmodule und Unterkonstruktionen für Floating-PV und Agri-PV sowie Lösungen für den Naturschutz in Solarparks entwickelt.
Gewinner in der Kategorie „Photovoltaik“
Goldbeck Solar: Heliomatix ist ein automatisiertes Bausystem für Solarparks. Es kombiniert Vorfertigung, autonomen Transport und robotergestützte Montage. Der Arbeitsaufwand vor Ort wird um bis zu 85 Prozent reduziert. Die Jury würdigte die beeindruckende Innovation auf Systemebene und das klare Wertversprechen.
Huawei Technologies: Der smarte Sun2000-506KTL ist ein außergewöhnlich leistungsstarker Stringwechselrichter mit einer Leistungsdichte von fast 1,5 Megawatt pro Kubikmeter. In Großanlagen liefert er 506 Kilowatt AC und erreicht einen Wirkungsgrad von über 99 Prozent. Die Juroren lobten die herausragende Leistungsdichte, die Wirkungsgradkurve und das ressourcenschonende Design.
IED Electronics Solutions: True Wind ist ein intelligentes Überwachungssystem für Windlasten an einachsig nachgeführten Modultrackern. Es misst die Schwingungen und Torsionen an jedem einzelnen Nachführsystem, statt sich auf externe Winddaten zu verlassen und bei starkem Wind die gesamte Anlage zu drehen. Das reduziert Ertragsverluste und verhindert Schäden.
Gewinner in der Kategorie „Herausragende Projekte“
In der Kategorie „Herausragende Projekte“ zeigen die Finalisten, dass die Energiewende überall auf der Welt voranschreitet. Die Bandbreite reicht von der Produktion von grünem Wasserstoff im großen Stil über große Speicherprojekte, um die lückenlose Versorgung mit sauberem Strom zu gewährleisten. Es geht um die Nutzung von öffentlichen Einrichtungen zur Solarstromerzeugung und um Projekte, die Kühlenergie für Lebensmittel bereitstellen.
Fluence/DTEK: Energy Storage Portfolio sind sechs dezentrale BESS-Anlagen in der Ukraine. Sie werden aus der Ferne in Betrieb genommen und versorgen 600.000 Haushalte mit Notstrom. Das Projekt zeigt, wie dezentrale BESS-Anlagen die Energieversorgung unter den Bedingungen des Krieges sichern.
Schoonschip: VPP ist eine Energiegemeinschaft im Norden Amsterdams. Das dezentrale Mikronetz mit 46 Wohneinheiten nutzt Solarenergie, Batteriespeicher und Wasserwärmepumpen, optimiert den Eigenverbrauch, nutzt Day-Ahead-Preise und bietet bis zu 80 Kilowatt Flexibilität. Die Jury lobte das elegante Design, das Potenzial zur städtischen Nachverdichtung, die ökologischen Vorteile und den messbaren sozialen Mehrwert.
SMA Altenso: In Namibia wurde eine solarbetriebene Anlage für grünen Wasserstoff gebaut. Sie kombiniert einen großen Solarpark, Batteriespeicher (5,9 Megawattstunden) und Elektrolyseur (fünf Megawatt). Der Wasserstoff wird vor Ort genutzt, für spezielle Lkw, Busse, Stromaggregate und bald auch für eine Lokomotive. Die Jury lobte das Projekt als leuchtendes Beispiel für ein nachhaltiges Energieökosystem.
Aktuelle Trends bei Speichern
Die Erzeugung von Strom aus Sonne und Wind wächst rasant und ist konkurrenzlos preiswert. Die zentrale Herausforderung auf dem Weg zur umfassenden, sicheren und erneuerbaren Energieversorgung ist die intelligente Integration des erneuerbaren Stroms in die Energiesysteme.
Dabei helfen Digitalisierung und Speicherlösungen, die das Stromnetz flexibel stützen und die Kosten für den Netzausbau senken. Denn Batteriespeicher werden größer, ihre Integration in die Systemtechnik schreitet voran. In Containern haben die Lithiumzellen größere Formate mit höheren Kapazitäten. Ein weiterer Trend sind modulare und stapelbare Systeme, insbesondere für zehn bis 100 Kilowattstunden für Privatkunden und Unternehmen.
Gewinner in der Kategorie „Energiespeicher“
Neue und gebrauchte Batteriemodule lassen sich innerhalb eines Stapels kombinieren. Das verbessert die Modularität und Erweiterbarkeit. KI-gesteuertes Energiemanagement und Sicherheitssteuerung stehen bei allen Systemgrößen obenan. Neben Batterien mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) kommen die ersten Natrium-Ionen-Batterien auf den Markt.
International Power Supply: Exeron Checkmate ist ein bidirektionaler Wechselrichter für BESS im Versorgungsmaßstab. Beide Varianten verfügen über eine Leistungsdichte von 3,3 Megawatt pro Kubikmeter. Die Jury würdigte die beeindruckende Leistungselektronik, die Ökobilanz und die netzbildenden Fähigkeiten.
Phenogy: Der Schweizer Anbieter gewinnt den Award mit dem Natrium-Ionen-Batteriespeichersystem Phenogy 1.0/1.1. Es markiert einen Meilenstein in der Batterietechnologie, denn die Natriumbatterien enthalten weder Lithium noch Grafit. Ihre höhere Temperaturstabilität und ihr Kühlsystem gewährleisten den sicheren Betrieb und mehr als 10.000 vollständige Ladezyklen. 2025 ging ein Pilotsystem in Bremen in Betrieb, das größte seiner Art in Europa.
Sungrow Power Supply: Power Titan 3.0 ist ein Speichercontainer für Großanlagen. Jede 20-Fuß-Einheit verfügt über ein 1,87-Megawatt-PCS und 7,14 Megawattstunden aus Lithium-Ionen-Batterien. Die Jury lobte den 92-prozentigen Round-Trip-Wirkungsgrad, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Funktionen zur Netzstabilisierung.
Gewinner in der Kategorie „E-Mobilität“
Auch in der E-Mobilität nimmt die Leistungsdichte der Wechselrichter in den Autos und den Ladesystemen zu. Ladeleistungen von einem Megawatt und mehr sind keine Zukunftsmusik mehr – sondern Realität. Bidirektionales Laden befindet sich auf dem Weg zur Serienreife, in einigen Ländern wie der Schweiz ist es bereits gängige Praxis. Hier die Gewinner:
Hager Energy: Die bidirektionale Wallbox EDSN ist ein V2G-fähiges DC-Ladegerät. Es nutzt OCPP und Modbus, um die Schnittstelle zwischen der Hausstromversorgung, dem E-Auto und dem Strommarkt zu bilden. Autobatterien speichern Solarenergie und können ein komplettes Haus versorgen, auch im Back-up-Modus für Netzausfälle. Die Jury lobte das einfache Design der Wallbox, ihre breite Kompatibilität und die Unterstützung für saubere Mobilität.
LEM International: Die DCES-Serie ist ein DC-Energiezähler für Schnelllade- und Megawatt-Ladesysteme. Sie bietet einfache Plug-and-Play-Installation, drahtlose Überwachung und präzise Abrechnung in Kilowattstunden. Sie eignet sich besonders fürs Schnellladen von Elektro-Lkw. Außerdem gewährleistet sie zuverlässigen Datenschutz für die Nutzer.
Tritium Power Solutions: Tri-Flex ist ein modulares Schnellladesystem mit DC-gekoppelter BESS-Integration. Jede skalierbare Tri-Flex-Plattform kann bis zu 3,2 Megawatt Gleichstrom liefern und 64 Elektrofahrzeuge gleichzeitig laden. Sie ist ideal für Firmenflotten und öffentliche Ladezentren und stach als intelligente, flexible, zukunftssichere Ladelösung hervor.
Integration durch KI getrieben
Die Gewinner in der Kategorie „Smart Integrated Energy“ markieren einen neuen Trend: Hardware tritt in den Hintergrund, Software treibt die Entwicklung. Unified Optimization maximiert nicht nur den solaren Eigenverbrauch, sondern steuert zugleich Lastspitzen, Energiehandel und dynamische Stromtarife oder Netzentgelte.
Innovative Start-ups konzentrieren sich auf den chronischen Datenmangel in den Verteilnetzen. Durch den Einsatz von Graph Neural Networks und KI-gestützter Satellitenbildanalyse (Grid Data Intelligence – GDI) wird die Netzkapazität in Echtzeit modelliert, um den Blindflug der Netzbetreiber und Projektierer zu beenden.
Gewinner in der Kategorie „Smarte Integration“
Meins: CSET ist eine ultrakompakte Hochspannungsstation für Smart Grids, Solar- und Windenergie sowie BESS. Es umfasst die elektrische Schaltanlage für den Innenbereich, einen Außentransformator und drahtlose Überwachung für vorausschauende Wartung. Die Juroren lobten die innovative und kostengünstige Lösung, die den Netzanschluss industrialisiert.
Stem: Powertrack ist ein Edge-to-Cloud-Energiemanagementsystem (EMS) für große Photovoltaikanlagen, Energiespeicher und Hybridanlagen. Die integrierte Plattform verbindet Energieüberwachung mit netzkonformer Kraftwerkssteuerung. Die Jury lobte das ganzheitliche Design, die Verfügbarkeit von 99,99 Prozent, Maßnahmen zur Cybersicherheit, die geringe Latenz und das breite Marktpotenzial.
The Mobility House Energy: Die V2G-Flex-Plattform vereint Elektrofahrzeuge, bidirektionale Ladegeräte, Energieversorger und Energiemärkte in einem Softwaresystem. Smart- und V2G-Laden generieren Einnahmen und unterstützen zugleich das Stromnetz. Verbraucher können an der Energiewende teilhaben und eine aktive Rolle spielen.