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Vertrauen gewinnen

03. März 2010

| Michael Fuhs

Was ist eigentlich die viel beschworene Überförderung der Solarenergie? Dem Wort nach ist Überförderung eine Situation, in der eine Person oder eine Sache mehr Geld bekommt, als er oder sie benötigt, um sich zu entfalten. Der Zubau von kleinen Anlagen, die weniger als zehn Kilowatt Leistung haben, ist im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 nur um 16 Prozent gestiegen. Das sind die Dachanlagen auf Ein- und kleineren Mehrfamilienhäusern, also die Anlagen auf ungenutzten Flächen, auf denen Photovoltaik ein sehr großes Potenzial für eine dezentrale Stromversorgung bereithält. Um dieses Potenzial zu realisieren, müssen wir noch viel tun.

Dass trotz der sinkenden Modulpreise nicht mehr kleine Anlagen gebaut wurden, liegt daran, dass die Rendite in vielen Fällen wohl doch nicht hoch genug war. Viele Hausbesitzer ziehen immer noch die Geldanlage ohne Risiko vor. Und da bei einer durchschnittlichen Anlage mit durchschnittlichen Preisen nur etwa ein Zehntel der Systemkosten beim Installationsbetrieb bleibt, haben Solarteure nicht viel Luft, die Preise zu senken. Wir haben uns direkt vor Ort umgehört. Die Verunsicherung ist groß, und die Angst geht um, wie es weitergeht, wenn die Einspeisevergütung noch einmal wie geplant abgesenkt wird. Eine Lösung kann sein, dass sich kleinere Betriebe größeren anschließen müssen und diese dann ohne Zwischenhändler direkt bei den Herstellern einkaufen.

Die Politiker wiederum streiten sich weiter. Das ist dieses Mal aber ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass die Überförderung insgesamt nicht so hoch sein kann wie teilweise behauptet. Jetzt geht die Front quer durch die noch vor kurzem einheitlichen Blöcke. Thüringens CDU-Ministerpräsidentin und Sachsens FDP-Wirtschaftsminister kämpfen für die Solarindustrie in ihren Ländern. Die FDP hat außerdem entdeckt, dass man die großen Freiflächenanlagen benötigt, um die Kosten insgesamt zu senken. Auch distanzieren sich jetzt einige Verbraucherschützer von ihrem Bundesverband, der für eine radikale Kürzung eingetreten ist. Auch Verbraucher haben nicht nur Interesse an Strom, der kurzfristig sehr billig ist, sondern an einer nachhaltigen Entwicklung.

Um Photovoltaik voranzubringen, muss man das Vertrauen der Verbraucher gewinnen. Einige Betriebe haben deshalb begonnen, sich aktiv darum zu kümmern, dass ihre Kunden sie weiterempfehlen. Das ist nicht schwer, und trotzdem sehr erfolgreich. Umfragen zeigen, dass 70 Prozent aller Interessenten dem Rat von Internetnutzern vertrauen. Dabei sind diese Inhalte meist nicht einmal überprüfbar. Dem direkten Rat von Nachbarn, Freunden und Familie vertrauen sogar 90 Prozent aller Interessenten. Empfehlungsmarketing geht also weit über das Gestalten von Internetseiten hinaus und verspricht viele neue Kunden.

Zum guten Empfehlungsmarketing gehört allerdings auch, dass man gute Arbeit leistet und die Kunden zufrieden sind. Dazu gehört, dass der Solarteur den richtigen Wechselrichter auswählt. Unsere Marktübersicht Wechselrichter hilft dabei. Im letzten Jahr ist der Wirkungsgrad im Durchschnitt um 0,5 Prozent angestiegen, und es gibt neue Strategien für den Fall, dass Teile der Photovoltaikanlage zeitweise im Schatten liegen. Da Wechselrichter nur in etwa zehn Prozent der Systemkosten ausmachen, lohnen sich eventuelle Mehrkosten für neue Modelle oft schnell.

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Bittere Zahlenspiele

05. Februar 2010

| Michael Fuhs

Es gibt drei gute Argumente, behutsam mit der Absenkung der Einspeisevergütung zu verfahren. Und es gibt nur ein Argument, die Förderung schnell zu kappen. Rein nach dieser Arithmetik wäre die Position klar: Finger weg vom EEG! Doch offensichtlich ist es nicht so einfach, denn es kommt auf den Inhalt der Argumente an.

Der erste Grund für ein behutsames Vorgehen ist, dass das Handwerk starke Einbußen befürchtet. Bundesumweltminister Norbert Röttgen plant, bereits zum 1. April die Einspeisevergütung für Dachanlagen um 15 Prozent zu reduzieren. Den Installateuren droht dadurch die Flaute gerade in den Sommermonaten, in denen sie am besten arbeiten können. Gleichzeitig werden sie vor dem Stichtag Probleme haben, die bereits beauftragten Anlagen an das Netz zu bekommen, denn es gibt nicht genug Wechselrichter. Zwar soll die Bautätigkeit bis Ende des Jahres wieder zunehmen, doch dann folgt gleich der nächste Degressionsschritt.

Der zweite Grund ist, dass die Zell- und Modulproduzenten in Europa Probleme haben, die Kosten so sehr zu senken wie die Konkurrenz aus Fernost. Einige träumen von der Dienstleistungsgesellschaft hierzulande. Produziert wird dann anderswo. Auch deutsche Hersteller gehen diesen Weg. Doch andere bedauern diese Entwicklung, die wir schon bei der Unterhaltungselektronik beobachten konnten. Sie ist kein Naturgesetz. Die Arbeitskosten spielen kaum eine Rolle. Es sind die Subventionen in Fernost, die die Produktion dorthin ziehen. Dagegenhalten lohnt sich, denn in einigen Jahren könnte sich die Situation schon alleine durch eine Aufwertung der chinesischen Währung geändert haben. Eine Möglichkeit, europäische Hersteller beim Durchhalten zu unterstützen, ist eine hohe Einspeisevergütung. Sie erlaubt, mit dem Verkaufsargument Qualität höhere Preise zu erzielen.

Der dritte Grund ist, dass eine Extra-Degression den Zubau der Photovoltaik bremst. In diesem Zusammenhang werden immense Zubauzahlen von vier oder gar fünf Gigawatt lanciert. Das sei zu viel, heißt es. Bekannt ist von der Netzagentur: Vom 1. Januar bis 30. September 2009 wurden Photovoltaikanlagen mit 1,5 Gigawatt Leistung ans Netz genommen, im Oktober 377 Megawatt. Unbekannt sind nur noch die Zahlen für November und Dezember. Viele Experten tippen deshalb auf rund drei Gigawatt im Jahr 2009. Warum sollte dieser Zubau, der uns einer sauberen und langfristig billigeren Energieversorgung näher bringt, ein Argument sein, die Vergütung zu kappen?

Dafür gibt es nur ein Argument. Das ist die reine Verbrauchersicht. Norbert Röttgen will mit seinen geplanten Kürzungen im Schnitt pro Jahr 1,5 Milliarden Euro an der Einspeisevergütung sparen, die die Stromkunden zahlen müssten. Das ist nur wenig mehr als die Summe, über die sich Hoteliers gerade als neue Subventionsempfänger freuen dürfen. Trotzdem soll dieser Betrag das Fass zum Überlaufen bringen? Mit dem Verbraucher ist das so eine Sache. Er wird gehandelt als eigene Spezies, deren Hauptbeschäftigung der Konsum ist. Dabei wissen die Verbraucher oft besser als ihre Vertreter, dass sie gleichzeitig Bürger sind, die von einer sauberen Umwelt und sicheren, anständig bezahlten Arbeitsplätzen profitieren, wie eine Forsa-Umfrage bestätigt.

Allein im Handwerk hängen, konservativ geschätzt, rund 30.000 Arbeitsplätze am Bau von Photovoltaikanlagen. Das sind so viele, wie bei Opel auf dem Spiel stehen. Nur dass sie in der Diskussion um das EEG bisher nicht vorkommen. Und deshalb darf es bei den Plänen des Bundesumweltministers nicht bleiben.

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Positive Signale

07. Januar 2010

| Michael Fuhs

Zunächst in eigener Sache. Sie sehen heute zum ersten Mal mein Bild auf dieser Seite. Ich habe zum Jahreswechsel die Chefredaktion der photovoltaikübernommen. Bereits seit zwei Jahren arbeite ich für die Redaktion und stehe daher im Großen und Ganzen für Kontinuität. An einigen Kleinigkeiten werden Sie in Zukunft aber vermutlich doch Veränderungen feststellen. So soll etwa unsere Internetseite noch mehr begleitende Hintergrundinformation zu Artikeln im Magazin bieten und Diskussionen auch über technische Themen anregen.
Ich will mich kurz vorstellen. Seit sechs Jahren arbeite ich als Journalist für Wissenschafts- und Technikthemen außer für die photovoltaikauch für überregionale Tageszeitungen, für Radio und Fernsehen. In den Jahren davor habe ich Physik studiert und über künstliche Photosynthese promoviert, ein Forschungsthema, das heute in der organischen Photovoltaik wieder sehr aktuell ist.
Deshalb freut es mich umso mehr, nunmehr als Journalist die Branche mit all ihren Facetten mit voranbringen zu können. Mir liegt sehr daran, Ihnen genaue Informationen und Analysen auch zu technisch anspruchsvollen Themen und zur Marktentwicklung zu bieten. Die Artikel sollen wie bisher gleichzeitig spannend geschrieben und gut verständlich sein. Die Lektüre soll Ihnen bei Ihrer Arbeit in der Photovoltaikbranche helfen und das Lesen soll Ihnen Spaß machen.
Das Titelthema dieser Ausgabe kann gewiss dazu beitragen. Das Jahr 2010 hat gerade begonnen, und wir haben Betriebe, die mit Photovoltaik ihr Geld verdienen, nach ihren Erwartungen gefragt. Die Antworten waren durchweg positiv. Auch dass die Diskussion um die Höhe der Einspeisevergütung wieder begonnen hat, konnte den Ausblick unserer Gesprächspartner nur wenig trüben. Wie viel Degression die Photovoltaikunternehmen vertragen, wird Gegenstand der Diskussion der nächsten Monate sein.
Dass sich in den Medien die kritischen Berichte zur Photovoltaik gerade wieder häufen, scheint mir dabei sehr anachronistisch. Die Technik sei zu teuer und trage nicht zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes bei, heißt es. Das stimmt nicht. Die Europäischen Kommission hat eine Roadmap veröffentlicht, in der sie die Auffassung des Europäischen Photovoltaikverbandes EPIA übernimmt. Bis 2020 können mehr als zwölf Prozent der europäischen Stromerzeugung durch Sonnenenergie gedeckt werden. Dazu muss die zugebaute Leistung jedes Jahr um 35 Prozent wachsen. Das ist eine sehr hohe Rate – und trotzdem, Analysten halten sie für realistisch.

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Hightech im Modul

03. Dezember 2009

| Karsten Schäfer

Gut einen Monat ist es her, dass die neue Bundesregierung ihre Arbeit aufgenommen hat. Kaum einer der alten Minister sitzt mehr auf seinem Platz, obwohl viele der neuen Minister auch schon der Vorgängerregierung angehört haben. Eines von den ganz neuen Gesichtern ist Norbert Röttgen. Röttgen ist frisch vereidigter Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit – und für viele ein unbekanntes Gesicht und ein unbeschriebenes Blatt. Das kann ein Vorteil sein. Denn Röttgen ist bisher noch nicht als Ideologe aufgefallen. Zwar steht er der Wirtschaft nahe und wurde auch schon als BDI-Vorsitzender gehandelt. Trotzdem ist er grünen Ideen gegenüber offen und hat für seine Antrittsrede im Bundestag viel Applaus bekommen. Wie sich die Umweltpolitik der neuen Bundesregierung unter Norbert Röttgen entwickeln wird, ist schwer zu sagen. Aber vieles spricht dafür, dass er sein Amt ernst nimmt und den notwendigen ökologischen Umbau der Gesellschaft vorantreiben will.

Zu diesem Umbau gehört zweifellos Hightech. Hightech zur Effizienzsteigerung. Hightech beim Einsatz erneuerbarer Energien. Und natürlich Hightech in Form von Photovoltaik, die als moderne Halbleitertechnik ohnehin schon enorme Innovationszyklen an den Tag legt. Eine Schlüsseltechnologie für die Produktion von Photovoltaikmodulen ist nun ein Verfahren, das man nicht unbedingt mit Hightech verbindet: das Kleben. Kleben klingt nach Reparieren, nach Flicken, nach Notlösung. Dem ist aber bei weitem nicht mehr so. Kleben ist oft schonender, schneller und haltbarer als andere Verbindungstechniken. Selbst elektrische Leitfähigkeit ist fürs Kleben kein Problem mehr. Niederländische Forscher haben leitfähige Klebstoffe entwickelt, die das altbekannte Löten in Zukunft überflüssig machen könnten. Die ersten Busbars haben sie schon auf Solarzellen geklebt. Alles zum Thema Kleben erfahren Sie in unserem Spezial (photovoltaik 12/2009).

Seit Anfang dieses Jahres gibt es die Möglichkeit, sich auch selbst verbrauchten Photovoltaikstrom vergüten zu lassen. Das war schon in diesem Jahr interessant, weil die Vergütung mit 25 Cent nur 18 Cent unter der Einspeisevergütung lag. Bei Strompreisen über 18 Cent machte man also Gewinn, sobald man seinen Strom selbst verbrauchte. Im nächsten Jahr lohnt sich der sogenannte Direktverbrauch von PV-Strom schon ab einem Strompreis von 16,38 Cent. Der Direktverbrauch wird in Zukunft immer attraktiver werden. Das liegt zum einen daran, dass sich die Strompreise eher nach oben als nach unten entwickeln werden. Zum anderen wird die Differenz zwischen beiden Formen der Vergütung immer kleiner werden, denn die jährliche Degression wird bei beiden Tarifen prozentual abgezogen.

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Möge die Macht der Sonne mit uns sein!

05. November 2009

| Karsten Schäfer

Es sieht so aus, als ob die Photovoltaik gerade wieder dorthin geht, woher sie auch gekommen ist. In den Weltraum. Denn dort liegt quasi die Wiege unserer Branche. Mit dem Vanguard-Satelliten begann vor 51 Jahren die praktische Anwendung der Photovoltaik (siehe photovoltaik 05/2009). Zwar werden seitdem sämtliche Satelliten mit Sonnenstrom versorgt, doch was amerikanische Forscher jetzt vorhaben, ist um Einiges kühner, als bloß einen Satelliten mit Strom zu versorgen. Sie wollen ganzen Landstrichen auf der Erde zu ausreichend Strom verhelfen. Dafür wollen sie gigantische Satelliten bauen mit Sonnensegeln von einigen Quadratkilometern Größe. Eine Mikrowellenkanone soll den PV-Strom dann gen Erde beamen, wo die Energie mit großen diodengespickten Antennen empfangen und wieder in Strom verwandelt wird. Ganz neu ist die Idee zwar nicht, aber sie hat durchaus Charme. Wolken und schlechtes Wetter gibt es im Weltraum nicht, und den Mikrowellen auf ihrem Weg zur Erde können sie nichts anhaben. Außerdem wird die Intensität der Sonnenstrahlung nicht von der Atmosphäre abgeschwächt, was unter irdischen Bedingungen besonders während der Dämmerung ins Gewicht fällt. Und: Die Sonnenenergie ließe sich auch in Gebiete bringen, in denen PV bisher wenig wirtschaftlich ist. Ob das allerdings auf die im Weltall gewonnene Sonnenenergie zutrifft, ist noch die Frage. Die PV-Module mit außerirdischem Silizium zu bauen – wie es einige Verfechter der Weltraumkraftwerke vorschlagen – dürfte die Sache wohl kaum billiger machen.

Wesentlich schneller amortisieren sich da die Photovoltaikanlagen der Grameen Bank in Bangladesch. Die Bank und ihr Gründer Muhammad Yunus wurden 2006 für ihr Geschäftsmodell mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Grameen Bank gibt nämlich gerade den Menschen Kredite, die sonst nirgendwo welche bekommen würden, weil sie keine Sicherheiten haben. Trotzdem florieren die Geschäfte, denn über 97 Prozent der Kreditnehmer zahlen das Geld zurück. Über die Unternehmenstochter Grameen Shakti vertreibt das alternative Bankhaus auch Solar Home Systems für die Landbevölkerung und ist damit schnell zum größten PV-Unternehmen in Bangladesch geworden. 10.000 PV-Systeme installieren die Ingenieurinnen von Grameen Shakti inzwischen jeden Monat. Die Anlagen bestehen meist nur aus einem Modul mit einer Leistung zwischen 10 und 150 Watt und einer Batterie. Bei dem Ratenkauf entstehen den Kunden die gleichen Kosten wie für eine Kerosinbeleuchtung ihrer Hütten. Im Ergebnis ist das viel günstiger, denn nach zwei bis drei Jahren ist die Anlage abbezahlt, einzig die Wartung kostet noch ein bisschen Geld. Auch die wird von Grameen Shakti angeboten. Insgesamt eine großartige Geschäftsidee, die das gesellschaftliche und demokratische Potenzial der Photovoltaik eindrucksvoll vor Augen führt.

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