photovoltaik Ausgabe: 09-2015

Kurz nachgefragt

Inhaltsübersicht

  1. Wanderndes Ärgernis
  2. Osborn International
  3. TG Hylift
  4. Kurz nachgefragt

„Auch EVA-Folien können Reste hinterlassen“

Tritt die Verunreinigung durch Silikon nur bei kristallinen Modulen auf?

Kamel Silmy: Das Phänomen der Silikonspuren habe ich bisher nicht bei Dünnschichtmodulen gesehen. Es betrifft vor allem große Hersteller von kristallinen Modulen. Sie betreiben eine Massenproduktion, die optische Qualität der Module ist nicht so gut wie bei kleineren Herstellern.

Welche Ursachen haben die Rückstände?

Es geht um Qualitätsprobleme in der Fertigung, um fertigungsbedingte Rückstände von EVA-Folie oder von Silikon. Oft sieht man beides zusammen. Einige chinesische Hersteller haben das Problem erkannt, die Module sehen jetzt besser aus.

Wie viele Module weisen diesen Mangel auf?

Etwa zehn Prozent der Module, die ich gesehen habe, waren davon betroffen, besonders in Solarparks. Generell fällt auf: Bis 2010 waren die Module in Ordnung, alles sauber. Ab 2009 oder 2010 bis zu den Auslieferungen im Jahr 2013 waren viele Module verunreinigt, deutlich mehr als vorher. Seit Ende 2013 sehen die Module wieder besser aus.

Wie wirken sich Rückstände von Silikon oder Folien aus?

Von Silikon und EVA sind nicht selten größere Flächen auf dem Modulglas betroffen. Der Schmutz setzt sich auf den Flecken ab, brennt sich aufgrund der Sonne ein. An dieser Stelle bilden sich Hotspots. Die Zellen werden sehr warm, weil über dem Glas eine dunkle Fläche liegt, die sich aufheizt. Ich habe selber bis zu 15 Kelvin höhere Temperaturen an Zellen unter solchen Verschmutzungen gemessen.

Warum reden wir auch über Folienreste?

Bei der Herstellung der Module wird die EVA-Folie über den Zellverbund gelegt. Während der Laminierung quillt die Folie über und klebt auf dem Tisch. Man müsste sie genau abschneiden, auch muss man den Tisch sorgfältig reinigen. Wenn das unterbleibt, können die Folienreste das nächste Modul verunreinigen.

Könnten die Hersteller dieses Problem nicht schon während der Fertigung erkennen und Abhilfe schaffen?

EVA ist durchsichtig. Man kann es auf dem Laminierungstisch nur schwer erkennen. Die Tische sind oft nicht ausreichend ausgeleuchtet, meist haben die Mitarbeiter nur Lappen zur Säuberung. Das reicht nicht, um die EVA-Reste wirksam zu entfernen. Nach der Laminierung wandert das Modul zur Rahmung. Dort werden die Kanten mit Silikon abgedichtet. Reste des Silikons können das folgende Modul gleichfalls verunreinigen.

Was unterscheidet Reste von Silikon und von EVA-Folie?

Im Unterschied zu EVA kann man Silikon gut sehen. Nach dem Rahmungsprozess quillt auch Silikon ein wenig heraus. Es wird mit einem Spatel abgeschnitten. Bleibt ein Rest am Rahmen hängen, gerät er in die Transportverpackung. Die frischen Silikonwürmer rollen auf die Modulgläser. Wird dieses Modul verbaut, wird das Silikon durch die Sonne fest und brennt sich ins Glas ein.

Im Unterschied zu EVA kann man Silikon gut sehen. Nach dem Rahmungsprozess quillt auch Silikon ein wenig heraus. Es wird mit einem Spatel abgeschnitten. Bleibt ein Rest am Rahmen hängen, gerät er in die Transportverpackung. Die frischen Silikonwürmer rollen auf die Modulgläser. Wird dieses Modul verbaut, wird das Silikon durch die Sonne fest und brennt sich ins Glas ein.

Wie kann man Folienreste erkennen?

Geübte Augen können EVA-Reste auf den Modulen erkennen, zumindest bei sonnigem Wetter. Wenn es bewölkt ist, wird die Sache schwieriger. EVA hat einen anderen Brechungswinkel als das Glas, daran kann man es merken.

Wie sollte der Installateur handeln?

Es ist seine Pflicht, jedes Modul vor der Montage unbedingt genau anzuschauen. Natürlich, der Zeitdruck auf der Baustelle lässt für diese Sorgfalt wenig Spielraum. Doch solange beispielsweise das Silikon noch frisch ist, kann man es leicht abwischen. EVA-Reste kann man nicht einfach wegwischen, dafür braucht man spezielle Lösungsmittel.

Was empfehlen Sie konkret?

Die beste Lösung in diesem Fall wäre es, das Modul an den Hersteller zurückzuschicken. Verbauen Sie keine Module, die nicht auf EVA-Reste oder Silikon geprüft wurden, vom Hersteller im Werk. Bisher geben die Hersteller darüber keine schriftliche Bestätigung ab, zumindest nicht nach meinem Wissen.

Das Gespräch führte Heiko Schwarzburger.

Dr.-Ing. Kamel Silmy

ist seit 2007 in der Solarbranche tätig und hat jahrelang bei namhaften Modulherstellern gearbeitet, unter anderem bei Trina Solar. Mit Sitz in Bayern und Baden-Württemberg ist er nun als Sachverständiger für Photovoltaik europaweit tätig.

www.pv-expert.fr

Foto: B+B Solarreinigung

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