Schwarzburger: Die Winterruhe ist vorbei. Mit Beginn des zweiten Quartals steigen die Sonne und die Preise für Solarmodule. Und die Nachfrage, denn steigende Ölpreise bedeuten für uns ordentlichen Rückenwind.
Ullrich: Die Preise steigen, weil Peking die Exportsubventionen abschafft. Seit April müssen die Hersteller von Modulen, Wechselrichtern und Batterien aus dem Reich der Mitte wieder Abgaben berappen.
Schwarzburger: Manche Anbieter verlangen 30 Prozent mehr, das ist allein dadurch nicht gedeckt. Verständlich ist, dass die asiatischen Hersteller nun versuchen, die enormen Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen.
Ullrich: Extrem niedrige Preise für Module und Wechselrichter waren Kampfpreise im gnadenlosen Wettbewerb der Hersteller aus Asien. Die Überkapazitäten sind noch immer nicht abgebaut. Ich hoffe aber, dass mit steigenden Preisen auch die Qualität der Komponenten steigt.
Schwarzburger: Diese Hoffnung teilen wohl alle Akteure der Solarbranche. Der Preiskrieg hat zwangsläufig dazu geführt, dass beim Material und der Verarbeitung gnadenlos gespart wurde.
Ullrich: Das hatten wir vor zehn Jahren schon einmal. Damals haben viele Modulhersteller auf billige Folien zurückgegriffen. Zehn Jahre später verspröden die Rückseitenfolien, werden brüchig und reißen.
Schwarzburger: Mancherorts müssen Solarparks komplett abgeräumt werden, vor allem in Südeuropa, wo die UV-Strahlung intensiver ist als bei uns. Und der nächste Massenschaden kündigt sich bereits an.
Ullrich: Du spielst auf die mangelnde Festigkeit der Module und ihrer Rahmen an. Seit einiger Zeit werden Doppelglasmodule mit Glasstärken von zwei Millimetern oder weniger installiert, auch große Formate.
Schwarzburger: Die Fälle von Glasbruch häufen sich. Die Risse gehen meist von den Klemmen aus, weil dort die statischen und dynamischen Spannungen im Glas am stärksten sind.
Ullrich: Das zeigt, dass es nicht genügt, das Solarmodul als einzelnes Bauteil zu betrachten. Entscheidend ist die Krafteinleitung, also Rahmen, Klemmen und Unterkonstruktion. Wer am falschen Ende spart, zahlt drauf.
Schwarzburger: Und neue Zelltechnologien bringen neue Fragen. Das kennen wir schon von PID oder LID. Nun kommt UVID, durch UV-Licht induzierte Degradation von Topcon-Modulen. Derzeit laufen intensive Forschungen, um dieses Problem zu beherrschen.
Ullrich: Mit höheren Preisen steigt hoffentlich das Bewusstsein für Qualität. Letztlich sind es die Kunden der Hersteller, die darüber entscheiden. Wer nur nach dem niedrigsten Preis fragt, darf nur auf niedrigste Qualität hoffen.
Schwarzburger: Neu ist das alles nicht. Langsam wird unsere Branche erwachsen. Solche Erfahrungen beschleunigen die Reifung der Märkte und der Industrie – auch wenn mancher dafür Lehrgeld zahlt.