Die TU Berlin hat das Forschungsprojekt eHaul zur Umstellung des Schwerlastverkehrs auf elektrische Antriebe abgeschlossen. Im Mittelpunkt stand die europaweit erste automatisierte Batteriewechselstation für schwere elektrische Nutzfahrzeuge. Der Praxisbetrieb begann im November 2023 und wurde nach einem Jahr um weitere zwölf Monate verlängert, um zusätzliche Daten zu gewinnen. Beteiligt waren die Speditionsunternehmen Unitax Pharmalogistik und Reinert Logistic.
Batteriewechsel als Ergänzung zum Schnellladen
Laut Stefanie Marker, Hochschuldozentin für Mobile Energiespeicher an der TU Berlin, ist der automatisierte Batteriewechsel im Praxisbetrieb innerhalb weniger Minuten möglich. „Damit stellt der Batteriewechsel eine relevante Ergänzung zum Schnellladen dar, das bei Lkw deutlich länger dauert und sehr große Ladeleistungen erfordert“, sagt Marker. Der Netzausbau für Schnellladen sei zudem vielerorts noch nicht ausreichend.
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Die Wechselstation in Lübbenau im Spreewald wird künftig in Teilen auf das Gelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) verlagert und dort weiter zu Forschungszwecken genutzt. Die Erkenntnisse aus dem Projekt fließen in die Entwicklung eines neuen Wechselsystems ein.
Ehaul entwickelt Wechselsystem 2.0
Die Firma Ehaul, eine Ausgründung der TU Berlin, plant für 2026 die Vorstellung eines weiterentwickelten Wechselsystems. Marker erläutert: „Wir favorisieren in der neuen Station einen Wechsel der Batterien von unten statt wie jetzt von der Seite. Dies bringt Vorteile in den Bereichen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kompatibilität mit sich.“ Ziel ist es, den Batteriewechsel auf unter fünf Minuten zu verkürzen, sodass der Fahrer während des Vorgangs im Fahrzeug bleiben kann.
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Das Bundeswirtschaftsministerium hat das eHaul-Projekt mit fünf Millionen Euro gefördert. Ehaul sucht nun Investoren, um ein Netz von Wechselstationen mit einem typenoffenen Ansatz für verschiedene Lkw-Modelle aufzubauen. Die erste Finanzierungsrunde ist für 2026 geplant.
Standardisierung als Schlüssel zur Markteinführung
Parallel dazu arbeitet das Nachfolgeprojekt UniSwapHD an der Standardisierung von Wechselbatterien für Lkw. Unter Leitung von Jens Jerratsch, Geschäftsführer der Ehaul GmbH, wurde eine DIN-Spezifikation (DIN SPEC 91533) für Batteriewechselsysteme initiiert. Die Veröffentlichung ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen. Jerratsch betont: „Solche Normungsverfahren sind für die deutsche und europäische Industrie sehr wichtig, auch im Hinblick darauf, dass in China bereits Batteriewechselsysteme flächendeckend existieren und ein Drittel aller seit 2023 neu zugelassenen E-Lkw diese nutzt.“
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Laut Marker sind schwere Lkw für knapp ein Drittel der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors in Deutschland verantwortlich, obwohl sie weniger als drei Prozent der Fahrzeuge ausmachen. Sie erklärt: „Der Batteriewechsel ist die Methode, um klimafreundliche E-Lkw schnell in großer Zahl auf die Straße zu bringen. Europa sollte in der Lage sein, diese Schlüsseltechnologie selbst zu gestalten.“ (nhp)