Die Europäische Union hat 2024 rund 406 Gigawatt installierte Solarkapazität erreicht. Das ist ein wichtiger Zwischenschritt zum Repower-EU-Ziel von 750 Gigawatt bis 2030. Solarstrom deckte im vergangenen Jahr rund 13 Prozent des Stromverbrauchs in der EU – ein Rekordwert. Erstmals erzeugten Wind und Solar zusammen mehr Strom als fossile Brennstoffe. Das berichtete Antonio Arruebo, Analyst bei Solarpower Europe, in einem Vortrag auf dem Solargipfel von Huawei Ende April in Frankfurt.
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Zugleich verzeichnete der Markt erstmals seit zehn Jahren einen leichten Rückgang. Die Neuinstallationen sanken um etwa ein Prozent auf 65 Gigawatt. Als Gründe nannte Arruebo das Ende der Energiekrise, sinkende Strompreise sowie geringere Förderungen wie Investitionszuschüsse und Steueranreize. Damit verlor insbesondere das Dachsegment an Attraktivität. Heute entfällt rund die Hälfte der jährlich neu installierten Kapazität auf Großanlagen, die in Märkten wie Deutschland, Italien, Polen und Frankreich wachsen.
Drei Probleme bremsen den Solarausbau
Arruebo identifizierte drei zentrale Herausforderungen, die er als die „drei C“ bezeichnete: Kannibalisierung (Cannibalization), Eindämmung (Containment) und Netzengpässe (Congestion). Im vergangenen Jahr lagen die Strompreise in rund 3,4 Prozent der Zeit – etwa zwei Wochen – im negativen Bereich. Besonders betroffen sind Spanien, Deutschland und die Niederlande mit jeweils mehr als 22 Tagen pro Jahr. Das belaste die Wirtschaftlichkeit von Solarprojekten und mache reine Standalone-Konfigurationen zunehmend schwer finanzierbar.
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Im mittleren Szenario rechnet Solar Power Europe bis 2030 nur mit rund 720 Gigawatt installierter Leistung – und damit weniger als das EU-Ziel vorsieht. Das tatsächliche Potenzial liegt nach Einschätzung des Verbands bei rund 800 Gigawatt, sofern jetzt die richtigen Maßnahmen ergriffen würden. Das politische Umfeld in Brüssel habe sich nach der jüngsten geopolitischen Krise verändert: Die Politik adressiere nun aktiv Unabhängigkeit durch Elektrifizierung, Erneuerbare und Speicher.
Batteriespeicher müssen sich bis 2030 verzehnfachen
Bei Batteriespeichern verlief die Entwicklung ähnlich dynamisch. Ende 2024 waren in der EU knapp 80 Gigawattstunden installiert – eine Verzehnfachung in vier Jahren. Bis 2030 sind laut Arruebo rund 780 Gigawattstunden nötig, also nochmals eine Verzehnfachung. Das mittlere Szenario führe jedoch nur zu einer Verfünffachung. Die Europäische Kommission ziele im Kommunikat „Accelerate EU“ auf rund 200 Gigawattstunden Speicherkapazität bis 2030.
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Während bis 2023 Heimspeicher mit über 70 Prozent dominierten, entfallen heute rund 55 Prozent auf das Großspeichersegment. Im vergangenen Jahr erhielten in der EU fast 17 Gigawattstunden netzgekoppelte Großbatterien Förderungen. Die Top-5-Märkte sind Deutschland mit rund 4,5 Gigawattstunden (überwiegend Heimspeicher), Italien, Bulgarien mit etwa 2,5 Gigawattstunden, die Niederlande sowie Spanien. Die Förderansätze unterscheiden sich: Italien setzt auf einen Kapazitätsmarkt, Bulgarien auf EU-Fonds, die Niederlande verfolgen einen Merchant-Ansatz, Spanien eine Mischform.
Sechs Maßnahmen für einen Battery Storage Action Plan
Der Verband schlägt sechs Maßnahmen für einen Battery Storage Action Plan vor: erleichtertes Nachrüsten bestehender Solaranlagen mit Batterien, Netzentgelte, die den Systemwert von Speichern widerspiegeln und Doppelbelastungen vermeiden, Strommärkte mit Vergütung aller Dienstleistungen, eine Industriepolitik, Sicherheits- und Qualitätsstandards sowie eine Kreislaufwirtschaftspolitik.
Ein zentraler Punkt sei die Vergütung von Netzdienstleistungen. Bislang würden die meisten Systemdienstleistungen wie Frequenzhaltung, Spannungsregelung, Trägheit, Schwarzstart und Engpassmanagement nicht vergütet. Im internationalen Vergleich kombiniere bislang nur Großbritannien alle fünf Ancillary Services mit Kapazitäts- und Großhandelsmarkt. Deutschland habe inzwischen einen Markt für Trägheit eingeführt, die Niederlande arbeiteten am Engpassmanagement.
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An die Europäische Kommission richtete Arruebo vier Empfehlungen: marktbasierte Verfahren für Netzstabilitätsdienste, harmonisierte EU-Standards und Zertifizierungsverfahren, mehr Transparenz und Koordination zwischen Netzbetreibern, Entwicklern und Regulierern sowie die Förderung von Studien und Demonstrationsprojekten. Um die politische Stimme der Branche zu bündeln, wurde die Plattform Battery Storage Europe gegründet, die Solar- und Speicherindustrie zusammenführt. (nhp)
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