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Digitalisierung

Wachstum braucht Struktur

Der Markt für Photovoltaik und Energiesysteme ist anspruchsvoll: Volle Auftragsbücher, hohe Nachfrage und Teams, die an der Belastungsgrenze arbeiten – das ist Realität in vielen Unternehmen.

Gerade in guten Marktphasen entstehen Herausforderungen, die viele Anbieter unterschätzen. Denn es reicht nicht, die Flut an Anfragen einfach abzuarbeiten. Unternehmen müssen bewusst steuern: strategisches Wachstum statt reaktiver Maßnahmen.

Die Branche befindet sich im Wandel. Nur wer plant und sein Unternehmen nachhaltig ausrichtet, bleibt bei Turbulenzen wirtschaftlich stabil und kann im Zeitalter der Digitalisierung langfristig erfolgreich bleiben.

Raiffeisenvolt im Umbruch

Auf dem Gelände von Raiffeisenvolt in Meschede herrscht Bewegung: Servicefahrzeuge kommen und gehen, Projektteams stimmen sich ab, Telefonate laufen parallel zu Besprechungen auf der Baustelle. Hier geht es oft nicht mehr nur um einzelne Photovoltaikanlagen. Die Projekte werden größer, die Anforderungen komplexer – ­damit steigen die Ansprüche an Organisation, Prozesse und Steuerung.

Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren vom Ingenieurbüro zum Full-Service-Partner für Energieprojekte entwickelt. Raiffeisenvolt versteht sich heute als ganzheitlicher Projektpartner und deckt die gesamte Bandbreite ab: Projekte werden von der ersten ­Planung über Genehmigungen bis zur Umsetzung und dem späteren Betrieb begleitet – für private Hausbesitzer ebenso wie für Gewerbe, Landwirtschaft und projektbezogene Energielösungen.

Technisch auf der Höhe der Zeit

Moderne Technologien gehören zum Alltag: Drohnen, Thermografie und digitale 3D-Modelle helfen, Dachflächen, Gelände oder technische Besonderheiten präzise zu erfassen und Projekte vorzubereiten. Ergänzend ermöglicht Thermografie die frühzeitige Erkennung von Auffälligkeiten, etwa Hotspots, Verschattungen oder technische Schwachstellen an Anlagen. Technisch befindet sich das Unternehmen auf der Höhe der Zeit.

Neben den Projekten werden gleichzeitig auch die Anforderungen im Hintergrund anspruchsvoller. Deshalb hat sich Raiffeisenvolt zum Ziel gesetzt, sich organisatorisch und digital innerhalb kurzer Zeit auf das nächste Level zu bringen.

Um diesen Antrieb aus nächster Nähe zu verstehen, habe ich gemeinsam mit Tabraiz Tahir, Co-Founder von Melcode, das Unternehmen in Meschede besucht. Im Austausch mit Christian Zang, dem Projektmanager für Großanlagen, Prozesse und IT, und Manfred Pirig, Projektentwickler, wurde deutlich, wo aktuelle Herausforderungen liegen und welches Potenzial bislang ungenutzt ist.

Zielgerichtete Digitalisierung

Was sich deutschlandweit in vielen Handwerksbetrieben abspielt, findet hier im großen Stil statt. Im Unterschied zum regionalen Unternehmen spielen bei Raiffeisenvolt mehrere große Teams, Prozesse und Systeme parallel zusammen. Hier sind klare Strukturen und eine funktionierende Systematik besonders wichtig.

Große Teams, überregionale Strukturen und die Breite an Leistungen bringen eine hohe Komplexität mit sich. Mit der Anzahl der Projekte wächst der Anspruch an zielgerichtete Digitalisierung. Aus diesem Grund können insbesondere kleinere Handwerksbetriebe viel von größeren Anbietern wie Raiffeisenvolt lernen.

Nachfrage ist derzeit hoch

Das Unternehmen gehört zur Raiffeisen-Gruppe, profitiert von deren Strukturen. „Gleichzeitig arbeiten wir in vielen Bereichen so dynamisch und schnell wie ein Start-up“, erzählt Christian Zang. „Zusätzlich tragen wir trotz allem die Mentalität eines regionalen Betriebs in uns. Genau deshalb wird es immer wichtiger, Abläufe sauber zu strukturieren.“

Uns wurde schnell klar, dass die Herausforderungen von Raiffeisenvolt weniger in der Nachfrage liegen. Entscheidend ist vielmehr, wie Wachstum sinnvoll gesteuert werden kann. „Die Herausforderungen sind klar und transparent – jetzt geht es darum, konsequent weiterzugehen“, erläutert Manfred Pirig. Der Wille zu Modernisierung und Digitalisierung ist vorhanden, ebenso das Bewusstsein, dass nachhaltige Veränderungen Schritt für Schritt entstehen müssen. Ein konkretes Beispiel ist die Generierung von Leads im Privatkundensegment sowie die gezielte Bewertung ihrer wirtschaftlichen Relevanz. Wie bei den meisten Unternehmen werden viele Anfragen über Plattformen zugekauft.

Umsatz hat nicht den gleichen Wert

Diese Art der Leadgenerierung funktioniert grundsätzlich, ihre Wirtschaftlichkeit im Verhältnis zu Zeitaufwand, Ressourceneinsatz und Opportunitätskosten wurde bislang jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Werden Abschlussquoten, Vertriebsaufwand und Projektgrößen realistisch gegenübergestellt, unterscheiden sich einzelne Aufträge wirtschaftlich erheblich. „Allein diese ehrliche Transparenz schafft bereits eine bessere Grundlage für Entscheidungen“, analysiert Tabraiz Tahir von Melcode. „Viele Unternehmen sind operativ im Tagesgeschäft gefangen. Die entscheidende Frage lautet: Welche Leadquellen, Projekte und Prozesse sind langfristig sinnvoll?“ Dieses Problem lässt sich auch auf lokale Handwerksbetriebe übertragen: Eine systematische Auswertung darüber, welche Kanäle und Projekte tatsächlich wirtschaftlich sind und welche nicht, findet schlichtweg nicht statt.

Fehlt die datenbasierte Entscheidung, leidet häufig die Gewinnmarge. Erst wenn nachvollziehbar ist, welchen Beitrag ein Auftrag zum Unternehmenserfolg leistet, lässt sich gezielt entscheiden, worauf sich der Betrieb fokussieren sollte.

Projekte entstehen aus Leads, die über verschiedene Kanäle generiert werden – etwa über zugekaufte Kontakte von Plattformen, Messen, Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk oder direkte Anfragen über die Website.

Die meisten Handwerksbetriebe messen Wachstum an der Anzahl neuer Projekte, nicht jedoch an deren tatsächlichem wirtschaftlichem Beitrag. Außerdem bleibt unklar, welche Kanäle tatsächlich funktionieren und welche vor allem Aufwand verursachen.

Lead-Tracking und Priorisierung

Außerdem wird nicht geprüft, ob die Anfragen zur aktuellen Auslastung, zu den vorhandenen Kapazitäten oder zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens passen. Die Folge: Der Betrieb reagiert lediglich auf eingehende Aufträge und arbeitet sie ab, statt seine Effizienz zu steigern oder Wachstum aktiv zu steuern. Strukturiertes Lead-Tracking schafft Transparenz darüber,

  • woher Anfragen tatsächlich kommen,
  • wie sie sich entwickeln,
  • welchen wirtschaftlichen Beitrag sie leisten.

Diese Informationen helfen, Entscheidungen bewusst zu treffen, statt sie dem Zufall oder der Gewohnheit zu überlassen. So wird nicht mehr auf das Tagesgeschäft reagiert, sondern gezielt an Wachstum, Positionierung und langfristiger Entwicklung gearbeitet.

Ineffizienz muss sichtbar werden

Wie viele schnell wachsende Unternehmen hat auch Raiffeisenvolt im Laufe der Zeit eine vielseitige Systemlandschaft entwickelt – von Lösungen für CRM, ERP und Projektmanagement über spezialisierte Planungstools bis hin zu Systemen für Dokumentation, Kommunikation und Ablage sowie Workflow-Automatisierung. Insgesamt kommen über ein Dutzend Systeme zum Einsatz, teilweise mit ähnlichen Funktionen in unterschiedlichen Teams und Bereichen.

Jedes der genutzten Systeme erfüllt für sich genommen eine wichtige Aufgabe. Jedoch führten viele Lösungen häufig zu mehr Abstimmungsaufwand. Benötigt wird eine durchgängige Systematik, die Prozesse und Informationen sinnvoll miteinander verbindet. Genau daran wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet.

Mit zunehmender Größe steigen die Anforderungen an Transparenz und Steuerbarkeit. Wenn Daten nicht zentral verfügbar sind oder Prozesse nicht eindeutig definiert wurden, geht unter Umständen viel Zeit damit verloren, sich selbst zu organisieren, statt Wert zu schöpfen. Digitalisierung beginnt nicht mit Software, sondern mit Struktur. Zunächst muss klar definiert werden, wie die einzelnen Bereiche im Unternehmen zusammenarbeiten und welche Abläufe für das Geschäft notwendig sind.

Erst darauf aufbauend kann gezielt entschieden werden, welche Software sinnvoll angepasst oder neu eingeführt werden sollte. „Unabhängig von Betrieb und Branche sollte eine neue Software nicht von heute auf morgen alle bestehenden Systeme ersetzen“, urteilt Christian Zang.

Bei größeren Projekten zeigt sich, wie wichtig diese Abstimmung geworden ist. Zwischen Vertrieb, Planung, Baustelle und Projektmanagement müssen Informationen nachvollziehbar und verfügbar sein.

Das eigentliche Ziel besteht darin, die gesamte Wertschöpfung eines Unternehmens transparent abzubilden: vom ersten Lead über die Bearbeitung bis zum abgeschlossenen Projekt. Ineffizienz darf nicht unsichtbar bleiben. Nur was sichtbar gemacht wird, kann analysiert und langfristig optimiert werden.

Digitale Effizienz steigert Gewinn

Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Aufträge ein Betrieb hat, sondern wie bewusst er mit ihnen umgeht. Ein effizienter Betrieb arbeitet nicht reaktiv, sondern nach klarem System. Jede Anfrage wird zentral erfasst und nachvollziehbar dokumentiert – am besten digital. Schon an dieser Stelle entsteht Transparenz, woher Anfragen kommen, wie sie sich entwickeln, wer sie bearbeitet und wie hoch die Erfolgsquote tatsächlich ist.

Zusätzlicher Mehrwert entsteht im nächsten Schritt: in der Bewertung. Denn nicht jede Anfrage ist gleich viel wert. Ein wirtschaftlich orientierter Betrieb prüft frühzeitig:

  • Wie hoch ist der zu erwartende Aufwand?
  • Welche Marge kann realistisch erzielt werden?
  • Wie gut passt der Auftrag zur aktuellen Auslastung?
  • Ist der Auftrag strategisch sinnvoll?

Projekte priorisieren

Auf dieser Grundlage entscheidet sich, welches Projekt priorisiert wird. Statt alle Anfragen gleichermaßen zu bearbeiten, werden Kapazitäten ­gezielt dort eingesetzt, wo sie den größten wirtschaftlichen Effekt haben. Die richtigen Mitarbeiter arbeiten an den richtigen Projekten, gleichzeitig werden unnötige Abstimmungen, Fahrtwege und Nacharbeiten ­reduziert.

Diese strategische Effizienz wird in der Umsetzung der Projekte fortgeführt: Auch bei der Projektabwicklung müssen Entscheidungen auf echten Daten statt auf Vermutungen basieren. Hierfür fließen Informationen strukturiert zwischen Geschäftsleitung, planendem Büro und Baustelle, unterstützt durch digitale Workflows. Nach Beendigung jedes Projektes erfolgt die systematische Auswertung:

  • Welche Aufträge waren wirklich profitabel?
  • Welche Kanäle haben sich gelohnt?
  • Wo wurde investiert, ohne dass entsprechender Ertrag entstand?

Wenn Abläufe konsequent durchdacht und digital abgebildet werden, entsteht ein Kreislauf, der sich kontinuierlich verbessert. Digitalisierung steigert die Effizienz des Unternehmens, liefert Informationen, macht Zusammenhänge sichtbar und ermöglicht fundierte Entscheidungen.

Marco Weide ist Geschäftsführer von Raiffeisenvolt. „Unsere Kunden investieren oft hohe Summen und treffen Entscheidungen, die sie viele Jahre begleiten“, erzählt er. „Abläufe müssen nachvollziehbar, Informationen transparent und Zuständigkeiten klar sein. Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern Werkzeug, um diese Verlässlichkeit sicherzustellen.“

Dieser Wandel wirkt für viele regionale Handwerksbetriebe zunächst komplex. Mit klarer Methodik und praxisorientierten Ansätzen lässt sich die Digitalisierung jedoch schrittweise in den Betriebsalltag integrieren. Genau dabei begleiten wir bei Melcode Handwerksbetriebe täglich.

Verbesserung mit geringem Aufwand

In der Praxis zeigt sich, dass sich Betriebsabläufe bereits mit geringem Aufwand spürbar verbessern lassen. Sobald die Ist-Situation eines Unternehmens klar definiert ist, entsteht die Grundlage für eine wirkungsvolle Digitalisierung – etwa durch passende Software und optimierte Prozesse. Wir beobachten auch, dass es dafür oft keine radikalen Veränderungen braucht.

Vielmehr genügt der bewusste Blick auf bestehende Abläufe und ungenutzte Potenziale. Dadurch werden Ressourcen effizienter genutzt, Betriebskosten gesenkt und die Wirtschaftlichkeit verbessert.

Saubere Prozesse für Wachstum

Der Besuch in Meschede zeigt, dass Wachstum in der Energiebranche heute längst nicht mehr nur von neuen Projekten und mehr Aufträgen abhängt. Entscheidend wird zunehmend, wie sauber Prozesse aufgebaut sind, wie transparent Informationen fließen und wie kontrolliert sich Unternehmen entwickeln können.

Raiffeisenvolt befindet sich genau in diesem Wandel – mit dem Anspruch, Wachstum nicht dem Zufall zu überlassen.

Digitalisierung im Handwerk

Konkrete Unterstützung für Ihren Betrieb

Unser Experte David Muggli wird künftig zentrale Schwerpunkte der Digitalisierung praxisnah aufbereiten und wertvolle Hilfestellungen geben. Gemeinsam mit photovoltaik-Chefredakteur Heiko Schwarzburger widmet er sich in den kommenden Ausgaben diesen Themen:

August 2026 – Digitalisierung scheitert selten an Software

September 2026 – Sichtbarkeit entscheidet über Wachstum

Oktober 2026 – Digitalisierung steigert Wert des Betriebs

Erschienen sind bereits:

März 2026 – Der unsichtbare Mitarbeiter im Betrieb

April 2026 – Vom Zettelchaos zur klaren Struktur

Mai 2026 – So verlieren Sie täglich bares Geld

Juni 2026 – Wachstum braucht Struktur

Online finden Sie alle Informationen rund um Digitalisierung und Prozessoptimierung hier:

The smarter E Europe

Gemeinsam auf der Messe: Digitalisierung im Handwerk

Die Teams von Melcode und photovoltaik zeigen auf der Intersolar, wie Handwerksbetriebe ihre Abläufe strukturieren und digitale Werkzeuge sinnvoll einsetzen können. Nutzen Sie die Gelegenheit und vereinbaren Sie einen exklusiven Austausch vor Ort – kostenlos und unverbindlich.

David Muggli und seine Kollegen erläutern Ihnen praxisnah, welche Schritte Sie gehen müssen, um Ihnen und Ihren Mitarbeitern den Arbeitsalltag deutlich zu erleichtern – und die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu steigern. Nutzen Sie die Webadresse, um sich Ihren persönlichen Termin mit David Muggli zu sichern. Er steht am Messestand der photovoltaik (B1.109) für Sie bereit:

Der Autor

David Muggli
ist Heizungsbau- und Elektromeister und ehemaliger Inhaber eines Handwerksunternehmens. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg baute er Betriebe auf, professionalisierte Strukturen und digitalisierte komplexe Prozesse. Unter anderem verantwortete er den Aufbau mehrerer regionaler Standorte, die Skalierung von Vertriebsorganisationen sowie anspruchsvolle Großprojekte in der Photovoltaik.
Als Teil des Teams von Melcode begleitet er mit Melika Masoumi und Tabraiz Tahir Handwerksbetriebe auf dem Weg zu klaren Strukturen und digitaler Zukunftsfähigkeit. Im Mittelpunkt stehen praktikable Abläufe, Entlastung im Betriebsalltag und wirtschaftliche Stabilität. Seine langjährige Erfahrung aus der Praxis bringt er gezielt ein, um Betriebe nachhaltig weiterzuentwickeln und erfolgreich aufzustellen.

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