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Stromspeicher-Inspektion

Wer speichert effizient?

Zwölf Solarstromspeicher wurden in der diesjährigen Stromspeicher-Inspektion auf den Prüfstand gestellt. Neue Testergebnisse liegen für die Heimspeicher von BYD, Fox ESS, Fronius, Kostal, Sax Power und SMA vor – sie alle erreichten die Effizienzklasse A. Erstmals führte die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, kurz HTW Berlin, den Vergleich gemeinsam mit Aquu durch, einer Ausgründung aus der Hochschule.

Neben den reinen Effizienzwerten widmen sich die Wissenschaftler zwei weiteren Themen, die für die Kaufentscheidung immer wichtiger werden: der Frage, ob sich das Laden mit Netzstrom bei dynamischen Stromtarifen tatsächlich rechnet, und einem erstmaligen Vergleich der Garantiebedingungen von 20 namhaften Herstellern.

Was der SPI aussagt

Herzstück der Stromspeicher-Inspektion ist der sogenannte System Performance Index, kurz SPI. Dabei handelt es sich um eine Effizienzkennzahl, die Photovoltaikspeichersysteme in zwei Leistungsklassen – fünf und zehn Kilowatt – vergleichbar macht. Der SPI fasst die Wirkungsgrade der Leistungselektronik, die Verluste im Batteriespeicher und den Stand-by-Verbrauch in einer einzigen Prozentzahl zusammen.

Je höher der Wert, desto weniger Solarstrom geht auf dem Weg in die Batterie und wieder zurück verloren. Die Einstufung in Effizienzklassen von A bis G orientiert sich an dem Prinzip, das Verbraucher von Haushaltsgeräten kennen – und sorgt so für schnellere Orientierung.

Neuer Rekord in Zehn-Kilowatt-Klasse

Unter den Speichersystemen mit Hybridwechselrichtern mit zehn Kilowatt setzte sich der PQ-H3-Ultra-10.0 von Fox ESS mit einem System Performance Index von 97 Prozent an die Spitze – ein neuer Rekordwert in der Geschichte der Stromspeicher-Inspektion. Der Testsieger überzeugt vor allem mit mittleren Wirkungsgraden von mehr als 97,6 Prozent und einem sehr niedrigen Stand-by-Verbrauch von nur vier Watt. Ebenfalls die Effizienzklasse A erreichten Systeme von RCT Power, Energy Depot, Fronius sowie Kostal in Kombination mit BYD. Ihr SPI liegt jeweils oberhalb der 95-Prozent-Marke.

Am anderen Ende der Skala steht ein System, das lediglich einen SPI von 89,3 Prozent erreicht und damit in der Effizienzklasse G landet. Die Ursachen sind hohe Verluste im Batteriespeicher und ein Stand-by-Verbrauch von 64 Watt. Umgerechnet bedeutet das: Der Spitzenreiter von Fox ESS arbeitet rund dreieinhalbmal effizienter als das Schlusslicht. Für Betreiber einer Photovoltaikanlage macht dieser Unterschied über die Lebensdauer des Speichers mehrere Tausend Kilowattstunden aus, die entweder genutzt oder verschenkt werden.

Sax Power und SMA vorn

In der kleineren Leistungsklasse bis fünf Kilowatt sicherte sich das AC-gekoppelte Batteriesystem Sax Power Home Plus den ersten Platz. Es basiert auf der sogenannten Multi-Level-Technologie und erreicht damit besonders hohe Umwandlungswirkungsgrade. Unter den Geräten mit Hybridwechselrichter erzielte SMA mit dem Sunny Boy Smart Energy 5.0 in Verbindung mit der Batterie Home Storage 6.5 den höchsten System Performance Index.

Dicht dahinter folgte Kostal mit dem Hybridumrichter Plenticore MP G3 M 4.6, der erstmals zusammen mit dem neuen Batteriespeicher BYD Battery-Box HVS+ 7.7 bewertet wurde. Die drei Spitzenreiter dieser Klasse zeigen, dass sowohl AC- als auch DC-gekoppelte Konzepte höchste Effizienz erreichen. Entscheidend ist die Abstimmung zwischen Wechselrichter und Batterie.

Laden mit Netzstrom

Immer mehr Haushalte nutzen dynamische Stromtarife, bei denen sich der Preis pro Kilowattstunde im Tagesverlauf nach den Notierungen an der Strombörse richtet. Jedenfalls, wenn der Kunde schon einen Smart Meter mit Kommunikationsanbindung besitzt.

Wer zudem einen Batteriespeicher installiert hat, kann theoretisch in Niedrigpreisphasen günstigen Netzstrom einspeichern und in teuren Stunden die Haushaltsgeräte damit versorgen. Wann und mit welcher Leistung der Speicher beladen wird, entscheidet ein intelligentes Energiemanagementsystem auf Basis von Energie- und Preisprognosen.

Doch ob sich dieses Vorgehen tatsächlich rechnet, hängt dabei ganz maßgeblich von der Effizienz des Heimspeichers ab. „Ob sich für Haushalte mit dynamischen Stromtarifen die Batterieladung mit Netzstrom überhaupt lohnt, hängt maßgeblich von der Höhe der Umwandlungsverluste ab“, erklärt Johannes Weniger, Initiator der Stromspeicher-Inspektion und Gründer von Aquu.

Die Wissenschaftler haben die Schwelle anhand eines typischen Wintertages berechnet. In der Nacht kostet der Strom aus dem Netz 25 Cent pro Kilowattstunde, die Batterie wird beladen. In den Abendstunden steigt der Preis auf 35 Cent pro Kilowattstunde, der Speicher versorgt nun die Verbraucher. In diesem konkreten Szenario ist die Speicherung von Netzstrom nur dann wirtschaftlich vorteilhaft, wenn die gesamten Wechselrichter- und Batterieverluste unter 29 Prozent bleiben. Anders formuliert: Der Systemwirkungsgrad muss oberhalb von 71 Prozent liegen.

Wie hoch dürfen Verluste maximal sein?

Die Testergebnisse zeigen, dass nicht alle am Markt erhältlichen Systeme diese Schwelle zuverlässig überschreiten. „Die Preisdifferenz zwischen dem Lade- und Entladezeitraum ist häufig nicht groß genug, um die Batteriesystemverluste zu kompensieren“, erläutert Nico Orth, Leiter der Stromspeicher-Inspektion an der HTW Berlin.

Wie hoch die Umwandlungsverluste bei anderen Preiskonstellationen maximal sein dürfen, beschreiben die Autoren ebenfalls in der Studie.

Garantien verglichen

Die Energieeffizienz ist ein wichtiges, aber nicht das einzige Auswahlkriterium beim Speicherkauf. Deshalb haben die Wissenschaftler in diesem Jahr erstmals die Garantiebedingungen von 20 namhaften Herstellern systematisch verglichen – und dabei zum Teil ­erhebliche Unterschiede festgestellt.

Ein Beispiel: Je nach Speichersystem garantiert der Hersteller, dass die Batteriekapazität innerhalb des Garantiezeitraums nicht unter 60 bis 85 Prozent des Anfangswerts sinkt. Je höher dieser zugesicherte Restwert ausfällt, desto besser ist das für die Betreiber der Anlage.

Ein Blick in die Garantiebedingungen vor dem Speicherkauf kann unangenehme Überraschungen im Schadensfall vermeiden. „Vorteilhafte Garantiebedingungen erkennen Sie unter anderem daran, dass der Hersteller Ihnen keine umfassenden Nachweispflichten auferlegt und dass er im Schadensfall die Kosten für den Austausch übernimmt“, resümiert Orth. In der 66-seitigen Studie geben die Autoren eine Checkliste mit sechs konkreten Punkten an die Hand, auf die Käufer und Installateure bei der Sichtung der ­Garantiebedingungen achten ­sollten.

Leistungsklasse mit 15 Kilowatt kommt

Die Preise für Batteriespeicher sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. In Eigenheimen werden daher zunehmend größere Systeme installiert. Um diesen Trend aufzunehmen, führt die Stromspeicher-Inspektion im kommenden Jahr eine dritte Leistungsklasse ein. Erstmals werden dann Speichersysteme mit einer Leistung von 15 Kilowatt und einer Speicherkapazität zwischen 16 und 24 Kilowattstunden bewertet.

Die Registrierungsphase ist bereits eröffnet. „Hersteller von Speichersystemen mit Batterie- oder Hybridwechselrichtern können sich ab sofort bei uns zur Teilnahme an dem neuen 15-Kilowatt-Speichertest anmelden“, erklärt Weniger, neuer Geschäftsführer bei Aquu.

Speichervergleich künftig gemeinsam

Schon seit 2018 bewertet und vergleicht der jährliche Stromspeichertest die Leistungsfähigkeit von Batteriesystemen. Bislang beteiligten sich 33 Hersteller mit mehr als 96 Batteriesystemen, darunter namhafte Unternehmen wie BYD, Fenecon, Fronius, Hager Energy, Kostal, Sonnen, Varta und Viessmann. Neben den Effizienzmessungen widmet sich der Vergleich in jedem Jahr aktuellen Trends und Entwicklungen im Markt für Heimspeicher in Deutschland. Künftig wird die Stromspeicher-Inspektion von der HTW Berlin gemeinsam mit Aquu durchgeführt.

Die nächste Ausgabe erscheint im Frühjahr 2027 und nimmt dann erstmals auch leistungsstärkere Systeme unter die Lupe. Und Johannes Weniger verrät noch etwas mehr: „Auch einen zweiten größeren Produktvergleich wird es dann geben.“

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